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#10/2025

Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.

Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos
- NICHT in dessen Bewertung -

Es handelt sich bei diesem Bild um eine Fotografie

~.~.~.~

Diese Leitfragen können Dir dabei helfen, in die Welt des AGORA-Fotos einzutauchen

1. Was nehme ich wahr? (analytisch)
2. Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
3. Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
4. Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)

~.~.~.~


Auf diese Weise erhältst Du die Möglichkeit, ein Foto eingehend zu erforschen und (möglicherweise) faszinierende und neue Aspekte zu entdecken, die Deine Fotografie auf ein neues Level heben können. Gleichzeitig erfahren die Bildautoren, welche anderen Interpretationen des Fotos existieren. Sie entdecken neue Blickwinkel und können so über ihr Foto und dessen Entstehung nachdenken.

*** Wichtig ***
Wir bitten Dich darum, die Anmerkungen auf das Foto zu fokussieren und um Beachtung unserer Gemeinschaftsstandards:
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*Kommentare, die nichts zur inhaltlichen Diskussion des Bildes beitragen, Fragen zum Prozess, destruktive, bewertende und/oder verletzende Anmerkungen, werden von den TeilnehmerInnen u. LeserInnen gemeldet und durch die fotocommunity Administration geprüft und ggf. geahndet *

Um Dein eigenes, bisher unveröffentlichtes Bild in Agora zu präsentieren, bitte nutze diesen Link:
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Kommentare 11

  • Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 24. März 2025, 7:22

    Die Diskussion hier ist nun beendet.
    Agora wird unter dem folgenden Bild fortgesetzt:
    #11/2025
    #11/2025
    Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv
  • Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 22. März 2025, 7:40

    Amethystik schreibt:
    "Auch dieses Mal möchte ich allen Fotografiebegeisterten herzlich für ihre Aufmerksamkeit und Zeit danken, die sie auf mein Bild gerichtet haben.

    Das Foto entstand bei einem Ausflug ins Schnoorviertel in Bremen. Es zeigt einen Ausschnitt des Ottjen-Alldag-Brunnens. Ottjen Alldag ist Titelfigur der von dem Bremer plattdeutschen Schriftsteller Georg Droste verfassten in den 1910er Jahren erschienenen Roman-Trilogie über eine Bremer Kindheit mit autobiografischen Zügen.

    Die Romanfigur Ottjen Alldag steht im Mittelpunkt einer Gedenkstätte für ihren Schöpfer Georg Droste, die im Bremer Schnoorviertel errichtet wurde. Vor der Wand des Hauses Schnoor 39 schwebt ein von dem Bremer Bildhauer Claus Homfeld gestaltetes Metallrelief. Die Idee, dass jeder Mensch – wie Ottjen Alldag – „in die Fäden seines Schicksals verstrickt sei“, ist in ein filigranes Relief aus Kupferstäben mit figürlichen Elementen aus Bronze umgesetzt.

    Mich sprach in der konketren Situation an dem Tag der Aufnahme der gezeigte Bildausschnitt an, wobei ich von den bereits genannten Gestaltungsregeln etc. keine Kenntnis hatte. Durch den gewählten Ausschnitt entsteht allerdings eine etwas andere Geschichte, die das Bild erzählt. Die Wahl der sw-Variante lag nahe, da Farbigkeit keine signifikante Rolle spielte. Das Foto wurde nicht wesentlich bearbeitet. Das Metallrelief ist natürlich auch in Gänze sehenswert! Das Gleiche gilt für das Schnoorviertel, das stets einen Besuch wert ist :-)"

    Ottjen-Alldag-Brunnen_(2011)
    Ottjen-Alldag-Brunnen_(2011)
    Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv
    • Matthias von Schramm 22. März 2025, 11:50

      Vielen Dank für die Erklärung. Es ist beschämend, wie die "Hamburger Bubble" sich auf ihre Niederdeutschen Kultfiguren begrenzt und dieses Denkmal nicht erkennt. Natürlich sagt mir Ottjen Alldag was, zumal Georg Droste ein bekannter Name als Heimat-Dichtender ist, der als einer der ersten übrigens eine Schreibmaschine für Blinde benutzte. Aber wir haben in Hamburg "Klein Erna" und die Ansicht von Ottjen hätte ich nie erkannt, obwohl uns von Bremern oft vom Schnoorviertel berichtet wird. Aber jetzt weiss Ichs und ich werde die Anekdoten über Ottjen Alldag mir mal zu Gemüte führen. Übrigens eine echt originelle Skulptur und Dein Blick darauf - sehr besonders.
    • Clara Hase 22. März 2025, 23:41

      hat mir gut gefallen das foto Licht und Schatten - wachstum auf der Ecke
  • Gerhard Körsgen 21. März 2025, 13:27

    Das hat suggestive Kraft weil eine aus dem Leben genommene Szene hier im Grunde angenehm unstrukturiert in eine Skulptur gebracht und diese wiederum auch sehr angenehm strukturiert gezeigt wird.
    Dabei ist die Schattenstruktur des Daches für mich das entscheidende Element, formt es doch mit Kindsarm und Katze samt Schwanz das schon von anderen treffend beschriebene Dreieck.
    Diese Aufnahme ließ sich also nur bei einer bestimmten Tageszeit, einem direkt sonnigen Licht und unter Berücksichtigung der dienlichen Perspektive machen, also nicht ganz zufällig - da hatte jemand ein "gutes Auge" (hoffentlich natürlich derer Zwei) ;-)
    Das sw nivelliert die Grautonpalette sehr minimalistisch herunter so dass der Blick mehr noch als ohnehin schon zur Grafik geführt wird. Angesichts des ansonsten potentiell überfrachtend anmutenden Gestängels/Gestrüpps kein Fehler sondern Struktur schaffender Schritt zur visuellen Griffigkeit.
    Mir scheint die Aufnahme sehr "ehrlich" zu sein, im Sinne von out of cam, nicht oder nur sehr wenig nachbearbeitet. Wenn man mit einer Automatik auf eine überwiegend sehr helle Fläche zielt erhält man meist eine recht dunkle Abbildung - so auch hier.
    Dadurch hat man hier aber eine sehr schöne Durchzeichnung der Putzstruktur der Wand - weniger authentisch augengerecht als artifiziell vertiefend.
    Meiner Meinung nach ein gutes Beispiel einer Fotografie die als so etwas wie "Poesie im Alltag" gesehen werden kann - ich für meinen Teil tue das.
    Daumen hoch für diesen Beitrag.
  • Matthias von Schramm 19. März 2025, 14:52

    Wir haben ein in graphische Formen gesetztes einer Skulptur ähnlich anmutendes Konstrukt. Schatten zeigen, dass hier nichts an die Wand gemalt wurde. Der glänzende Putz bleibt unberührt. Die Hand eines "Kindes" erstreckt sich empor. Die "Katze" auf dem "Oberdeck" bildet da ein Gegenstück. Ihr Schwanz verlängert die Armlinie. Sie balanciert auf dem obersten Gipfel des aus Material, Ordnungen und Gestrypp und Blümchen erbauten Etwas. SW abstrahiert die Szene. Eine wohl hoch stehende Sonne erzeugt Schatten, sowohl von der Katze, als auch von der geschindelten Dachlinie.

    Wir haben mehrere Dreiecke, dies macht grafisch gesehen aus dem Chaos ein sehr geordnetes Bild. Dieser sichtbare Bruch zwischen Chaos und Ordnung fasziniert mich. Ein Beschnitt gibt dem Ganzen ein etwas seltsames wohl nicht vom Sensor direkt generiertes Format. Der scheinbar ungalante Anschnitt der Ränder, random ohne Ziel wirkend gibt dem Bild etwas zugleich Beiläufiges und bricht in die Ausgewogenheit des Ganzen ein. Es ist wie ein Gedicht, bei dem im Reim scheinbar versehentlich, aber in Wirklichkeit bewusst eine Zeile verrutscht. Und doch sieht es für mich so aus, wie der erste bewusste Blick auf alles, vielleicht weil die fotografierende Person die Schattenlinie des Daches gesehen hat, die sich mitten durch den Kopf der Kinderfigur zog. Oder sie hat tatsächlich das Dreieck gesehen, diese Aufteilung und das Bild schon in Gedanken vorgeschnitten.

    Anregende Vorlage!
  • GL photo 18. März 2025, 19:49

    Es sieht nicht aus wie eine Rankhilfe aus dem Baumarkt, die hier angebracht wurde. Das Gestell ist aus Metall, ebenso die Figuren, die vermutlich von Anfang an Teil der Gesamtkonstruktion sind.
    Vielleicht handelt es sich um ein Kunstwerk, welches hier aufgestellt wurde, oder sind es vor längerer Zeit beiseite gestellte Teile handwerklicher Dekoration, an denen sich Pflanzenbewuchs angesiedelt hat?
    Die durch die im Zenith stehende Sonne erzeugten Schatten an einer nach Süden ausgerichteten Mauer lassen einen kleinen Abstand der Figuren von der Wand erahnen. Im ersten Moment dachte ich, sie wären reliefartig aus der Wand heraus skulpturiert. Diese Wahrnehmung hat mich an Banksy erinnert, der seine Graffiti gerne in bereits vorhandene Gegebenheiten integriert. Klassische Schattenspiele im Puppentheater könnten hier jedoch ebenso suggeriert werden.
    Die emotionale Geschichte des Fotos ist aus meiner Sicht eindeutig. Ein Kind ruft nach seiner Katze und streckt die Hand nach ihr aus. Die Katze sitzt in der Krone eines Baumes, das Kind ist selbst ebenfalls auf den Baum geklettert.
    Ein interessant arrangierter Bildausschnitt, der zunächst Verwirrung stiftet und zum
    genauen Hinsehen zwingt. Er stammt vielleicht aus einem wesentlich größeren Foto, denn an den Kanten der Figuren ist sichtbar, dass stark nachgeschärft wurde.
    Die V-förmigen Diagonalen von links oben und am Dachschatten entlang nach rechts oben teilen das Bild in Dreiecke auf. Auch das Gerüst unter der Katze bildet ein Dreieck. Ob diese oder eine der bereits beschriebenen grafischen Komponenten beabsichtigt waren, wird sich zeigen.
    Einen weiteren erzählerischen Beitrag zur eher märchenhaften Bildgeschichte leisten die Dreiecke meiner Meinung nach aber nicht. Trotzdem wäre es eine besondere Herangehensweise. 
    Ich bin gespannt, welche Idee hier der Ursprung ist.
  • framebyframe 18. März 2025, 10:40

    Welche Worte das Kind, wild mit den Armen gestikulierend, der Katze  entgegen zu rufen scheint, könnte man ergänzend in einer Sprechblase hinzufügen. Das Kind möchte das Tier in die Arme schliessen, so wirkt die dramatische Szene. Hingegen folgt die Katze eher eigenen Interessen, was in diesem Falle eine Konzentration auf Balance auf der Spitze einer von Stangen und sonstigem Holzwerk gebildeten Pyramide ist. Geschickt werden Schwanz der Katze, Arme und Schatten in eine Komposition aus Dreiecken zusammengefügt. Die Belichtung wird so eingestellt, dass ein Verschmelzen zur puren Grafik umgangen wird. Vielleicht hätte das aber noch einen besonderen Reiz ausgemacht.
    Das szenische Drame würde sich recht machen in einem Kinderbuch. Sehr aufmerksam fotografiert.
  • _Anders_Varnaemen_ 18. März 2025, 7:10

    Der / die Fotografin folgt, vermute ich, der Schule des großen "HCB" (Henri Cartier-Bresson). Er ist ja bekannt für die Theorie vom "decisive moment" (vom entscheidenden Moment). Auf die Frage, was das Besondere, das Wichtigste an seinen Fotos sei, sagte er jedoch in einem Interview: "geometry" (Geometrie).

    Bei "HCB" finden wir sehr oft die Bildgestaltung nach dem "Goldenen Dreieck". Dabei zieht man eine Diagonale, so wie hier, und dann aus den anderen Winkeln eine Linie, die die Diagonale im rechten Winkel berührt - und dort platziert man die wichtigsten Elemente.

    Die Diagonale beginnt hier links oben, führt hier aber - anders als in der Theorie - nicht ganz genau in die untere rechte Ecke. Der Schwanz der Katze ist ein "Eckläufer", wird durch eine Linie nach unten fortgesetzt, und auch der Arm des Kindes liegt (fast) auf dieser Linie und zeigt in Richtung der oberen linken Ecke.

    Die Schnittstelle der von unten links kommenden Linie trifft die Diagonale (fast) genau dort, wo der Kopf der Katze ist, die von oben rechts kommende Linie ist durch Licht-Schatten sogar sichtbar und trifft (fast) genau den Kopf des Kindes.

    Das "fast" in Klammern bedeutet: es ist natürlich sehr selten ganz genau auf diesen Schnittpunkten. Da "HCB" im Leica-Kleinbild-Format 3:2 fotografierte und dieses Bild ein 4:3-Format hat, hinkt der Vergleich ein wenig, aber im Prinzip erkenne ich hier die Handschrift Cartier-Bressons.
    • GL photo 19. März 2025, 22:13

      Nach dem Muster des goldenen Schnitts passt es verblüffend genau: eine schneckenförmige Kurve, die im linken oberen Drittel beginnt und am rechten oberen Rand endet.
  • N. Nescio 18. März 2025, 0:51

    s/w-bild. eine sonnebeschienene, weiße, lackglänzende wand mit rauhen glättspuren des verputzwerkzeugs. rechts ein schatten von einer mit entweder gewellten zeigeln oder wellblech gedecktem struktur (dach?) ... innenhof?
    davor, rechts unten eine dunkle menschenskulptur (die weiter unten einen schatten auf die wand wirft) mit nach oben weggestreckten armen. sie blickt schräg nach oben zu einer katzenskulptur, die auch unterhalb einen schatten auf die wand wirft. die katzenskulptur dürfte auf einem gewirr von leisten, rohrprofilen, gittern etc. die wohl eine rankhilfe bilden soll, sitzen.  an der rankgitterstruktur windet sich eine zarte kletterpflanze, die weiter oben  etwas buschiger ist mit weißen blüten. rechts und unten im vordergrund sind pflanzen - ähnlich oleander, vielleicht auch eine rose. von links ragt eine einzelne kräftige pflanzenranke ins bild.
    Form und Haltung der menschenskulptur erinnert mich an afrika. kann die skulptur aber nicht interpretieren ... haare kurz, etwas struppig, macht den eindruck einer kleinen wuchsgröße ... scheint mir verletzlich. kindlich, naiv verspielt, nackt, verletzlich - ich weiß es nicht. sie scheint eine beziehung zur katzenskulptur auszudrücken. hellere flecken auf der skulpturoberfläche könnten glanz sein, oder aber auch schmutz, oder eine andeutung von verletzungen.

    philippe halsman könnte sich für sein katzenwurf-foto davon inspirieren haben lassen... dinge treffen aufeinander, die nicht ursächlich gemeinsame wuchshistorie haben.

    mehr kann ich dazu nicht sagen. warum wurde das foto gemacht? warum gerade so beschnitten? 
    sicherlich ein kulturzeugnis, eine kunstvolle lebensspur von/für dort lebenden menschen. könnte ein einzelfoto aus einer reportage sein ... dadaistisch angehaucht a la Roger Ballens asylum of the birds.