#019/2025
Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.
Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos
- NICHT in dessen Bewertung -
Es handelt sich bei diesem Bild um eine Fotografie
~.~.~.~
Diese Leitfragen können Dir dabei helfen, in die Welt des AGORA-Fotos einzutauchen
1. Was nehme ich wahr? (analytisch)
2. Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
3. Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
4. Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)
~.~.~.~
Auf diese Weise erhältst Du die Möglichkeit, ein Foto eingehend zu erforschen und (möglicherweise) faszinierende und neue Aspekte zu entdecken, die Deine Fotografie auf ein neues Level heben können. Gleichzeitig erfahren die Bildautoren, welche anderen Interpretationen des Fotos existieren. Sie entdecken neue Blickwinkel und können so über ihr Foto und dessen Entstehung nachdenken.
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Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 26. Mai 2025, 6:03
Die Diskussion hier ist nun beendet.Agora wird unter dem folgenden Foto fortgesetzt
#20/2025
Agora 3.0 - Bildbesprechung intensivR. Manneck 24. Mai 2025, 11:05
Hier mein Abschlußkommentar: Hallo, ich bedanke mich hier für alle Kommentare, die für mich sehr hilfreich waren. Mit diesem Bild wollte ich als ein Stück Zeitgeschichte dokumentieren, denn die die großflächigen Bilder an den beiden Brandmauern sahen nicht immer so aus und haben wechselt. Durch die bemalte Mauer mit Graffiti, die sich im Vordergrund wie ein Bogen spannt, fand ich das Motiv besonders spannend, weil es einen gewissen geschlossenen Abschluß zeigt. Auch das Format 4:3 ist bewußt gewählt. Zur Farbgestaltung wollte ich es im Stil der 50 Jahre (NACP- New Amarican Color Photografie) präsentieren, was ich in der Bildbearbeitung mit Filtern in Affinity Photo gemacht habe. Besonders deutlich wird das in der Farbgebung des Himmels und der Wolken. Abweichend von der natürlchen Farbaufnahme Damit erzeuge ich einen weichen und wärmeren Eindruck als es sonst gewesen wäre. Aufgenommen wurde das Bild vom S-Bahnsteig in Neukölln. Damit war mein Standpunkt fast in gleicher Höhe mit den Gebäuden und Aufbauten und ich dadurch keine Verzerrungen oder stürzende Linien bekam. Ich betrachte das Bild in die Kategorie Stadtlandschaften. Als Kamera kam eine Fuji x100VI mit 23mm f /4 1/500 sec Iso 250 zum Einsatz. Herzl. Gruß R.ManneckAgora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 24. Mai 2025, 8:29
R. Manneck hat noch keinen Abschlusskommentar eingereicht. Sobald noch einer kommt, wird er hier platziert werden.Matthias von Schramm 22. Mai 2025, 19:13
Kleine Ergänzung. Ich hab recherchiert, weil es mich nicht losgelassen hat. Eben wegen der Annahmen von wegen Wohnsilo und unattraktiver Lebensraum und "wer möchte da schon hinschauen" und ähnliches. Nach meiner Recherche bin ich mir nun ziemlich sicher, dass die fotografierende Person auf dem S-Bahnsteig der U und S-Bahnstation Neukölln gestanden hat. Es ist so ein typischer Blick in großen Städten von Bahnsteigen und an Stationen. Dort war ich schon mal vor längerer Zeit, ohne diesen Blick wiedererkannt zu haben. Man schaut auf einen Ort an dem das pralle Leben stattfindet und das hatte ich ja schon leicht vermutet. Viele Menschen leben dort, es gibt eine Vielzahl von Geschäften, deren Dächer u.a. hier zu sehen sind und ein u.a. sehr lebensbejahendes Treiben der Kulturen. Freilich ist so eine Gegend auch immer Brennpunkt, freilich fehlt es vielen Menschen dort an einem nötigen Auskommen und ausser vielfältigen Leben gibt es auch vielfältige Probleme. Aber ich sehe diesen Ausschnitt eher positiv als negativ. Bäume, von denen es in diesem Winkel mehrere gibt sind auch nur jahreszeitlich bedingt kahl.Es liegt am Blickwinkel, dass die Menschen nicht zu sehen sind, überall zwischen den Häusern und auf den Straßen sind sie. Und auch wenn ausgerechnet diese Eurogida-Filiale geschlossen ist, ist das ein urbaner Ausdruck mit Wohlfühlcharakter für mich und bleibt es auch.
N. Nescio 22. Mai 2025, 12:33
Horizontale strukturen bestimmen das foto plus die beiden hellgrauen, plakatierten feuermauer-häuserenden. himmelsstreifen, darunter häusermenschensilostreifen, darunter die dicke betondeckenregion des supermarktes, dann das blechdach mit wuseligen aufbauten - geschnitten vom linken ziegelbau, unten dann die angeschrägte ziegelmauer. der bildschwerpunkt liegt bei den hellgrauen, plakatierten feuermauern.durch diese strukturierung schuf der fotograf bewußt ein gut aufgebautes bild - aber der bildInhalt, das dargestellte, ist ein für mich eher verwirrendes gewusel von fenstern, graffiti, zusammengewürfelten strukturen und farbflecken. ich weiß, warum ich die großstadt nur mehr selten besuche. ein total unattraktiver lebensraum, menschensilo mit einem unbelaubten baum rechts oben vor balkonen und unbelaubten bäumen in der straßenschlucht mitte links am bildrand. (natürlich muß sich jeder glücklich schätzen, ein dach über dem kopf zu haben, öffentliche verkehrsmittel und geschäfte samt arbeitsplätzen in der nähe zu haben, eine fuktionierende stadtverwaltung und sicherheitsstrukturen samt kanalisation, müllabfuhr, wasser und energie, vielleicht sogar vereinsleben und akzeptable schulen.)
Gerhard Körsgen 21. Mai 2025, 19:56
Eine Art von Blick die mir geläufig ist.Nicht weil ich Berliner wäre oder eine besondere Berlin-Affinität hätte...
sondern weil mich diese Art der Szenerie, der Blick und die Perspektive, die Staffelung der Gebäude und die Interaktion von Graffiti und Werbung sehr an meinen Aufenthalt in New York anno 2009 erinnert.
Wäre es New York wäre es wahrscheinlich in der Bronx und von einer der diese durchquerenden Hochbahn-Stationen aufgenommen.
Jetzt weiß ich gar nicht ob es in Berlin noch Hochbahnen gibt, ich nehme aber es aber an - die Art der Perspektive ist schon fast ZU ähnlich derer damals im big apple.
Das Sujet mag nicht "schön" sein, aber farblich ist das "Ensemble" mit hoher Farbsättigung in Neon-Rot/Blau versus rotbraun/ocker-Mix ziemlich schick, finde ich.
Mir gefällt auch diese Tiefenstaffelung der Ebenen, das sich das alles so transparent nach hinten hin auffächert. Da kann man viel entdecken.
Ich sehe dieses Foto nicht als Einzelbild welches "die" Aussage machen will/soll, dafür streicht es kein Détail griffig genug um dominieren zu können heraus, aber das muss es auch nicht um dennoch als Komposition zu überzeugen.
Auf mich wirkt es wie der Teil einer Reportage, vielleicht das "Aufhängerbild" einer Ansicht über ein bestimmtes Viertel (in Berlin sagt man wohl "Kiez") um darauf basierend mehr in die Einzelheiten/-teile zu kommen.
Wenn am Ende "aufgelöst" wird bin ich voller Hoffnung dass es tatsächlich noch mehr und tiefergehende Fotos der Gegend gibt, vielleicht "gewürzt" mit Menschen/Portraits oder urbanen Szenen. Da hätte ich Spaß dran.
Den habe ich hier aber auch schon, hoffe nur auf mehr ;-)
Daumen hoch.
Matthias von Schramm 21. Mai 2025, 10:31
Ein urbanes Street ohne Menschen zeigt die Vielfarbigkeit der Stadt. Es ist sozusagen eine "Pracht" sozialer Bedingungen in einer Großstadt - vermutlich irgendwo in der deutschen Hauptstadt Berlin. Die multikulturelle Lebensmittelkette "Eurogida" in Berlin ansässig weist darauf hin. Eine Mischung aus Alt- und Profanbauten ist zusehen, ein Zusammenwurf welcher von keinem Designer verbessert oder verdorben wurde. Ein schöner Blick in ein Stadtteil, so wie ich es z.B. auch von Hamburg-Altona kenne und mich sofort wohl fühle.Große Wandwerbungen für maßgebliches im Leben zeugen von dem heutigen Mensch sein, wie man es in der Jugend beigebracht bekam. Einen Führerschein brauchte man (hier wirbt man dafür Fahrlehrer zu werden) und bezahlbaren Wohnraum. Für beides musste man sparen, in begüterten Haushalten kamen die Eltern dafür auf. Der Lappen und die erste Miete. Erst im Laufe des Lebens erkennt man, dass es noch andere sehr wichtige Dinge gibt. Zumindest der Führerschein ist in so großen Städten wohl von Nutzen, aber das eigene Fahrzeug nicht selten ein Hindernis. Auf Pedalen und mit Bus und Bahn ist man in solchen Gegenden oft preiswerter und sozial, wie umwelttechnisch nicht selten besser bedient. Ein nicht unwichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Stadt und Land.
Ausgerechnet in einer Gegend in der man sozialen Wohnungsbau erwartet und benötigt, wird für das Eigenheim geworben, also darauf gedrängt das der junge Ausgebildete und zu Ende- Studierte sich um Kredite kümmert, oder doch noch mal bei den Erzeugern fragt.
Das Bild zeigt jede Menge Leben, ohne das man einen einzigen Menschen auf dem Bild sieht. Entgegen den kapitalistischen Werbebotschaften stehen die vielen mir unbekannten Signale der Graffitis, teilweise sehr schön ausgemalt, teilweise einfach gehalten. Vorwiegend weiß und blau, rot, schwarz und gelb ist hier zu sehen. Auch wenn ich nie selbst so ein Graffiti an eine Hauswand anbrachte, eine faszinierende Erscheinung, die sich nun schon Jahrzehnte hält und für Kontroversen in der Bevölkerung sorgt. Immerhin sind sie verboten und stellen den Tatbestand der Sachbeschädigung dar. Erwischte TäterInnen zahlen ein Leben lang für ihr Vergehen und doch zeigen sie nicht selten künstlerisch motiviert die Schönheit in der Tristesse einer großen Stadt, einer Steinwüste mit kommerziellen Botschaften aus der Werbewelt, welche diese Individualität vermissen lassen.
Die "Wortmalereien" greifen die Verschieden-farbigkeit der Häuser auf, vor allem aber auch das rot und blau der kommerziellen Botschaften. Diese Farbkombi zieht sich durch das ganze Bild. Fassaden in gelb-rot-weiß, Dachflächen in roten Schattierungen und dazwischen ein kahler Baum in einem Hinterhof. Und auch wenn das nun gut einhundert Jahre und länger her ist, so denke ich doch an Zilles Milleu, der mit seinen Zeichnungen oft die Berliner Hinterhöfe und das Leben nicht betuchter Menschen beschrieb. Er könnte heute eine vielfältigere Welt zeigen, mit vielen bunten Menschen, Sprachen und Formproblemen, welche vor allem im Bereich des nicht ausreichend bezahlbaren Wohn- und Lebensraum zuhause sind.
Ein Bild mit einem direkten ungeschminkten Blick und Rhythmus gezielt in ein Stadtherz, welches sich nicht verstellt. Die Blende wurde soweit geschlossen, dass alles scharf und gleichberechtigt erscheint. Die Farben scheinen technisch ein wenig hervorgehoben und vor allem das blau und rot vorne schreien mich an. Darüber senkt sich ein grau bewölkter Himmel. Ein Schornstein und ein bemalter Empfangsteller grüßen mit vielen kleinen Details auf einem betagten Gewerbedach. Der Zuschauende hat einen relativ hohen Standort, offenbar auch von einer Art Gebäude oder aus dem Fenster eines Hauses und sieht in das pulsierende Herz der Großstadt und was er da sieht, gefällt mir ausserordentlich gut.
framebyframe 20. Mai 2025, 10:53
Waagrechte urbane Balken und senkrechte Blöcke werden zu einer Stein gewordenen Komposition erfasst. Ein toter Baum zeigt, dass da wenig Leben ist. Da können auch bunte Graffiti und Werbeflächen nicht hinwegtäuschen, denn wer möchte da schon hinschauen. Hinterhoftristesse exemplarisch zusammengestellt unter grauem Himmel. Ist da ein Zimmer frei?Bernadette O. 20. Mai 2025, 9:10
Ich sehe eine Situation im urbanen Raum.Den Vordergrund bildet der obere Teil einer Mauer, mit Graffiti besprayt.
Die beiden Gebäude dahinter werden von der Mauer fast verdeckt. Aussenrohre und Aufbauten lassen vermuten, dass es sich um Industriegebäude handeln könnte. Auch hier sind kleinere Graffitis zu sehen.
Wahrscheinlich gibt es vor den nächsten Gebäuden eine Gasse. Das Bild ist wohl stark komprimiert durch eine grosse Brennweite. Man sieht den obersten Teil eines Lebensmittelgeschäfts, angedeutet durch die Beschriftung.
Zuhinterst stehen grosse alte Gebäude, die einmal zusammengebaut waren. Sie wurden aber durchgetrennt, wir sehen zwei grosse fensterlose Fronten, die mit riesigen Webeplakaten versehen wurden. Eine dritte durchtrennte Hausfront ist links noch angedeutet. Ein leicht bewölkter Himmel hängt über der ganzen Szenerie.
Auch mir fielen beim ersten Blick die vielen Farbwiederholungen auf: orangerote und türkisblaue Farbflecken überall, in Graffitis, Schriftzügen und Plakaten, die Umgebung ist geprägt von Rottönen und Grau. Das spricht mich sehr an.
Dann können meine Augen im Bild wandern und da und dort immer wieder neue Kleinigkeiten entdecken wie z.B. kleine Gesichter in Aussenmontagen oder in Graffitis.
Im einen Hof ist ein riesiger Baum stehengeblieben, der mit seinen blattlosen Ästen dekorativ wirkt. Er deutet darauf hin, dass das Bild in der winterlichen Jahreszeit entstanden ist.
Und zuletzt bleibe ich an den beiden Werbeplakaten hängen: Im einen wird dazu aufgerufen, Fahrlehrer zu werden, im andern werden schöne Häuser angepriesen. Beides wirkt etwas sarkastisch an diesem Ort. Man fragt sich, an wen sich die Werbung hier richtet, wer sie hier liest ... Dass der Fahrlehrer nur ein Steuer in der Hand hält, ohne Auto drumherum, passt dann aber doch irgendwie zur durchtrennten Hausreihe.
Alles in allem finde ich das ein äusserst spannendes Bild, trotz der vielen Elemente gekonnt gestaltet. Ein toller Beitrag für Agora!
TheSebastian 19. Mai 2025, 20:52
Was ich wahr nehme: Bewölkter Himmel, zwei offene Hausenden, davor Flachdach-Zweckbauten, ein paar Bäume, es scheint Winter zu sein. Werbung und Graffiti, hier und da Satellitenschüsseln, Fassadenformen und Texturen - für jeden was dabei.Das interessante ist, dass die Farben blau/rot mehrfach in Grafiti und Werbung wiederkehren. Das ist mir eigentlich als erstes aufgefallen.
Der bewölkte Himmel verstärkt die Sättigung und die Farben schreien mich an. Das ganze Bild schreit. Der Herr am Lenkrad treibt es dabei auf die Spitze. Für mich zeigt das Bild eine typisch deutsche Szene: maximal zweckmäßige und geschmacklose, aneinander geklatschte Gebäude, zur Not aufgestockt um eine paar Wohnungen. Wo kein Graffiti, dort Werbung und umgekehrt. Und ausgerechnet hier Werbung für glückliches Wohnen, dass angeblich in einem rosa Kasten gelingen soll. Grauenvolle Architektur soll also die Lösung gegen grauenvolle Architektur sein. Ich schweife ab: Jede deutsche Stadt, die was auf sich hält kann solche Ecken bieten. Den wenigsten gefällt es, vermute ich, aber man schafft nicht den Befreiungsschlag hin zu etwas hübscheren.
Alles in allem, wie ich finde, vom Fotografen sehr schön gesehen, komponiert und festgehalten. Danke!