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Mein erster selbstentwickelter Film

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines zum Artikel

Dieser Artikel ist fr all die gedacht, die sich das erste Mal an eine S/W-Filmentwicklung herantrauen wollen. Er soll einen kurzen Einblick in die Filmentwicklung geben und als Hilfestellung dienen, die erste Hrde zu meistern und zeigen, dass eine stinknormale Filmentwicklung kein nicht zu meisternder Aufwand ist.

Als Beispielfilm wurde der Kodak T-Max 400 gewhlt, weil es ein sehr robuster Film ist, der keine hinterhltigen Finessen fr den Anfnger verbirgt, er relativ gut erhltlich ist und entsprechende T-Max Entwicklerchemie relativ leicht aufzutreiben ist.

Die Vorbereitung

Wer glaubt, er msse groe Investitionen ttigen um seinen ersten Film zu entwickeln, der hat sich getuscht, denn bei den meisten Gerten handelt es sich eindeutig um eine einmalige Anschaffung, welche oftmals bei eBay schon fr wenige Euro erhltlich und fast ein Leben lang verwendbar ist.

Welche Gerte brauche ich?

  1. Entwicklerdose (natrlich mit Deckel, Spirale und Kern – ist meistens enthalten)
  2. Filmpatronenffner (wenn ich ehrlich bin, habe ich so etwas nie gebraucht, denn man kann die Patrone auch mit der Hand durch den Schlitz aufspreizen oder mit einem gewhnlichen Flaschenffner/Kapselheber ffnen)
  3. Stoppuhr (sollte man eigentlich immer zu Hause haben oder auf dem Handy)
  4. 4 Behlter zur Aufbewahrung von Chemikalien
  5. Mensuren (eventuell 2 Stck, zum Abmessen in 10/100ml Schritten – gibt es in jedem Drogeriemarkt auch als ganz normale Messbecher fr wenige Euro)
  6. Thermometer (gibt es fr 2€ im nchsten Drogeriemarkt)
  7. Filmklammern (solltest du vorhaben die Filme im Bad zu trocknen, empfehle ich dir Haken mit Saugnpfen, welche eigentlich zum Handtuchaufhngen gedacht sind und zum beschweren eine einfache Sicherheitsnadel, an der du etwas Schweres ranhngst)


Anschlieend sei gesagt, wenn du vor hast, dich mehr mit der Laborttigkeit zu beschftigen und mehr als nur ein paar Filme im Monat zu entwickeln, dann investiere lieber gleich in laborgeeignete Gertschaft, anstatt meine Alternativen zu verwenden. Das spart wiederum langfristig Geld und erleichtert dir das Arbeiten.

Welche Chemikalien brauche ich?

  1. Entwicklerchemie (auf den Film abgestimmt, in diesem Fall T-Max Entwickler)
  2. Fixierer (egal welcher)
  3. Essigsure (als Stoppbad, wenn gewnscht)
  4. Netzmittel (egal welches)

Wie setze ich die Chemikalien an?

Im Regelfall ist die Verdnnung von Chemie und Wasser auf der Verpackung angegeben. Beim T-Max Entwickler steht z.B. auf der Verpackung 1+4. Das bedeutet nicht mehr, als dass auf einen Teil Entwickler die vierfache Menge Wasser kommt (z.B. 100ml Entwickler + 400ml Wasser oder 200ml Entwickler + 800ml Wasser). Es ist empfehlenswert, sich fr den Anfang daran zu halten nur mit dieser Stammlsung zu arbeiten und ungefhr einen Liter anzusetzen. Diese Menge reicht meist fr bis zu 10 Filme.

Das gleiche gilt fr den Fixierer, Stoppbad (Essigsure) und Netzmittel, hier einfach den Beipackzettel beachten.

Achte darauf, dass die Wassertemperatur 20 (am besten sogar 21 wegen eventueller Abkhlung) betrgt, das wird nmlich deine sptere Entwicklertemperaur sein.

Den Film in die Dose bringen

Puuh ... soweit so gut! Das war ja gerade noch einfach, aber jetzt kommt das, was fr den Anfnger eigentlich das schwierigste ist (bei mir war es so). Denn nun ist die Aufgabe, den Film im Dunkeln (Ja, das heit komplett ohne Licht – auch kein Rotlicht!) in die Spirale und in die Dose zu kriegen.

Den geeigneten Raum finden.

Einige von euch werden es ja vielleicht wissen was es heit ein Bad zu besitzen, welches keine Fenster hat. Bade- und Hygienetechnisch ein Graus, dem Fotolaboranten aber eine Wohltat, denn dieser Raum lsst sich mit dem Segen der Mitbewohner schnell in ein kleines Labor verwandeln. Das heit speziell, alles, aber wirklich alles feinsuberlich abdichten. Die einzige Fehlerquelle in solchen Rumen ist die Eingangstr mit ihren Guck- und Schlssellchern, welche sich im Regelfall mit einfachem Klebeband abdecken lassen. Um die Schlitze des Trrahmens abzudichten empfiehlt es sich, eine dicke Decke zu suchen und diese gekonnt ber den Trrahmen zu hngen.

Glaubst du nun alles sei Lichtdicht, verwette ich einen Zehner darauf, dass du dich getuscht hast, verbring doch einfach 10 Minuten in dem Raum und halte das Klebeband parat.

Alles dunkel? Wunderbar!

Wechselsack

Derjenige, der ein solches Bad nicht besitzt, der suche sich einen hnlichen Raum oder besorge sich einen Wechselsack, was das ganze allerdings ein wenig erschwert.

Mit Hilfe eines Wechselsackes lassen sich die Arbeiten, die in kompletter Dunkelheit ausgefhrt werden mssen bei Tageslicht in jedem beliebigen Raum durchfhren.
So ein Wechselsack ist eigentlich nichts weiter als ein lichtdichter Sack der einem T-Shirt ohne Kopfffnung gleicht und in den man von auen durch die "rmel" reingreifen kann.

Solltet ihr eine Auswahl an Wechselscken haben, nehmt den grten der zu bekommen ist!
Je mehr Platz in den Dingern ist, desto besser lsst sich damit arbeiten.

Den Film in die Spule bringen.

Das ist der schwierigste von allen Parts, ich erinnere mich daran, dass ich es bei meinem allerersten Film geschafft habe, den Film in nur eine Rille aufzuspulen – wie, ist mir bis heute ein Rtsel.

Am besten ist du suchst dir erstmal einen Testfilm, welchen du bei Tageslicht mit dem Filmffner oder deinem Finger aufbrichst (in den Einspulschlitz fassen und aufspreizen). Die obere Lasche musst du nun mit einer Schere abschneiden und die Ecken am Rande abschneiden, so ist es einfacher fr dich, den Film einzuspulen. Nun legst du ihn in die Spulffnung und ziehst ihn in der ersten Rille etwas durch, dass er schon ein wenig eingespult ist. Durch das bewegen der beiden ueren Scheiben der Spule kannst du nun den Film weiter in die Spule schleusen. Du wirst sehen, nach ein paar mehr Versuchen wirst du es im Schlaf knnen.

Bist du bereit!?

Dann ab in die Kammer, Licht aus, Film in die Spule, Spulenkern durch die Spulemitte, das ganze in die Dose reinsetzen, Deckel zu – Affe tot – fertig!

Entwickler

Die Entwicklungszeit herausfinden.

Der Entwickler wurde wie oben angesetzt, nun ist es wichtig, eine entsprechende Entwicklungszeit herauszufinden.

Dabei gilt es zu beachten, da es sich bei der SW-Filmentwicklung nicht um einen standardisierten Proze - wie z.B. den R4-Proze fr Farbnegative - handelt, sondern um einen auf jede Film-Entwickler-Kombination individuell abzustimmende Verarbeitung. Das heit, jeder Entwickler bentigt in Kombination mit einem bestimmten Film eine ganz bestimmte Entwicklungsdauer, die bei Verwendung eines anderen Films fast immer auch anders sein wird.

Jetzt verstehst du auch, warum die Entwicklung von SW-Filmen in Grolaboren meist nur qualitativ schwache Ergebnisse bringt: Die Filme werden dort produktionsbedingt alle mit der gleichen Entwicklungsdauer durch die gleiche Einheitssuppe (meist eine Art Ausgleichsentwickler) gezogen, die zwar fr alle Filme mittelmige, aber eben keine optimal auf den Film abgestimmten Ergebnisse bringt. Das Resultat: unzureichend durchgezeichnete Schatten, ausgefressene Lichter und zu grobes Korn.

Also: Da das Negativ die qualitative Grundlage fr alle weiteren Ergebnisse bis zum fertigen Bild ist, sollte man bei SW-Filmen die Eigenentwicklung bevorzugen. Nur so ist wirkliche Qualitt gewhrleistet. Spa macht es dazu und einfach ist es auch.

Hinzu kommt dann noch, da bei Verwendung einer bestimmten Film-Entwickler-Kombination der Film mglicherweise auch mit einer anderen Empfindlichkeit belichtet werden sollte als auf dem Film angegeben. Ein Beispiel: Ein Ilford Delta 100, der in Spur HRX (einem speziellen Feinstkornentwickler) verarbeitet werden soll, ist nicht mit der Nennempfindlichkeit von ISO 100 zu belichten, sondern eher mit ISO 80. Also sollte schon vor der Entwicklung bercksichtigt werden, mit welchem Entwickler der Film dann spter entwickelt werden soll. Gegebenfalls muss dies individuell auf den Belichtungsmesser der jeweiligen Kamera abgestimmt werden um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Damit nicht genug, so hat auch jeder Entwicklerhersteller seine eigene Empfehlung fr den anzuwendenden Kipprythmus. Solltest Du per Rotation entwickeln, so ergeben sich dann nochmals andere Entwicklungszeiten fr die gewhlte Film-Entwickler-Kombination.

Auch wenn sich dies sehr kompliziert anhrt, so erhlt man fr den Anfang auch meist sehr gute Ergebnisse, wenn man sich ganz einfach an die Empfehlungen hlt, die vom Hersteller des Entwicklers (oder des Films) fr die betreffende Film-Entwickler-Kombination gegeben werden. Eine individuelle Feinabstimmung kann man immer noch vornehmen, wenn man erst einmal den grundlegenden Proze im Griff hat.

Dazu misst du einfach die Temperatur deiner Entwicklerchemie (wenn du Sie nicht sowieso auf 20 angesetzt hast, wie oben besprochen) und ziehst ab da an am besten das Datenblatt deines Filmes zu Rate oder den Entwicklungszeitenrechner (http://www.phototec.de/e_rechner.htm).

Mit entsprechender Erfahrung kann man auch andere Kombinationen verwenden, als sie der Entwicklungsrechner angibt. So wird z.B. fr Rodinal nur die Verdnnung 1:25 und 1:50 entsprechend den Daten aus der Tabelle von Agfa angegeben. Wenn man aber viel Zeit hat, kann man auch mit hheren Verdnnungen arbeiten. APX100 in Rodinal 1:100 kommt bei 20 und 25 min mit verminderter Bewegung recht anstndig und hat dann den Vorteil, noch einen kleinen Tick schrfer und gengend feinkrnig zu werden ! (Dies ist natrlich nur ein Anhaltswert fr eigene Versuche)

Dort whlst du dann einfach deine Chemie aus (hier T-Max Entwickler), den entsprechenden Film (T-Max 400) und suchst dir die dazugehrige Temperatur raus (auf den Datenblttern immer 20)

Den Kipprhythmus wrde ich fr den Anfang auf 1 Minute belassen.

Die berechnete Zeit betrgt 7 Minuten, bei 20 Kodak T-Max 400 in T-Max Entwickler mit 1 Min Kipp und normaler Gradation.

Und los!

Jetzt ffnest du den Deckel der Dose und kippst die Chemie in die Dose hinein, achte darauf, dass du ungefhr 100ml mehr in die Dose kippst, als es auf der Dose als empfohlen verzeichnet ist.

Starte nun dem Timer, der auf 7 Minuten steht.

Die erste Minute kippst du die Dose (auf den Kopf und zurck) im 3 Sekunden Takt stndig, nach der ersten Minute haust du Sie auf den Boden auf deinen Tisch (das sorgt dafr, dass sich keine Blschen auf dem Negativ bilden). Nach der nchsten Minute kippst du die Dose 10 Sekunden lang und haust sie wieder auf den Tisch. Dieses Spiel spielst du solange, bis die 7 Minuten um sind, dann kippst du die Chemie zurck in den dafr vorgesehenen Behlter und verschliet ihn.

Achte darauf, dass deine Kippbewegung stets gleichmig ist!

Stoppbad

Nachdem du den Entwickler in sein Behltnis zurckgebracht hast, ist der nchste Schritt das so genannte Stoppen. Wie du dir vorstellen kannst, befinden sich noch kleine Entwicklerreste in der Dose, um den Entwicklungsprozess also zu stoppen, giet du nun das saure Stoppbad in die Dose.

Kipp nun die Dose wie zuvor, diesmal reichen aber 30 Sekunden vllig aus. Lasse das Stoppbad dann einfach noch 1-2 Minuten einwirken und giee es dann wieder in sein Behltnis.

Stoppbad ist nur ein Kann, kein Mu. Einmintiges Zwischenwssern mit der Jobo Cascade, oder mit dreimal frischem Wasser je 30 sek. lang kippen, tut es auch.

Fixierer

Nun ist das Fixieren dran, einfach den Fixierer nach dem Stoppbad in die Dose gieen und wie gewohnt kippen. Es empfiehlt sich die erste Minute lang zu kippen und dann wieder wie beim Entwickler jede darauf folgende Minute 10 Sekunden lang.

Achte dabei auf die vom Hersteller angegebene Zeit, solltest du mal keine zur Verfgung haben, fixiere ungefhr 7-8 Minuten lang, lieber etwas mehr, als zu wenig.

Danach giet du auch diesen Fixierer wieder in sein Behltnis.

Wsserung

Als nchstes folgt die Wsserung, einfach die offene Dose unter den Wasserhahn stellen und das Wasser bei langsamer Geschwindigkeit einlaufen lassen. Hier reichen 10 Minuten konstante Wsserung vllig aus, wssere nicht zu lange, das verhunzt die Trgerschicht und kostet nur unntig Geld!

Wichtig ist dabei, da die Temperatur des Wassers der Temperatur der zuvor eingesetzten Chemie entspricht, diese zumindest nicht um mehr als 3-5 Grad unterschreitet. Zum einen kann durch eine deutlich tiefere Temperatur sogenanntes Runzelkorn entstehen, zum anderen dauert eine Wsserung mit klterem Wasser deutlich lnger. Optimal ist auf jeden Fall eine Wsserung, die ebenfalls bei ca. 20 Grad liegt.

Netzmittelbehandlung

Dann schttest du das von dir angesetzte Netzmittel in eine kleine Laborschale. Nun kannst du den Film aus der Dose und der Spule holen und den Film in die Schalen legen (sorgfltig - keine Kratzer erzeugen!). Fasse nun mit jeder Hand ein Ende an und ziehe den Film langsam durch das Netzmittel, ohne den Boden zu berhren, hier kannst du schon die ersten Blicke auf deinen Film werfen.

Das Netzmittel dient einfach dazu, die Oberflchenspannung des Wassers zu lsen, um somit ein gleichmiges und restloses Ablaufen des Wassers zu gewhrleisten.

Um spter auf dem getrockneten Film keine Kalkflecken zu erhalten, empfiehlt es sich, das Netzmittelbad mit destilliertem Wasser anzusetzen. Dieses ist absolut kalkfrei und trocknet somit rckstandslos.

Trocknung

Nun bringst du an beiden Enden des entwickelten Films deine Filmklammern an und hngst den Film an einem staubfreien Ort auf (z.B. Bad). Der staubfreiste Ort, der sich in einem normalen Haushalt findet, ist i.a. die Duschkabine, insbesondere dann, wenn kurz vorher darin geduscht wurde. Beim Trocknen innerhalb der Duschkabine sollten die Tren geschlossen bleiben. Das Bad hat dabei den zustzlichen Vorteil, da es darin meist recht warm ist, der Film also schneller trocknet.

Nach einigen Stunden ist der Film an der Luft getrocknet, sei nicht zu bereifrig, lieber etwas lnger hngen lassen, er muss richtig trocken sein. Empfehlenswert ist es, den Film mindestens 12 Stunden (besser: 24 Stunden) trocken zu lassen, damit auch die letzte Restfeuchte in der Emulsion getrocknet ist.

Nun ist er fertig.

Schn oder!?

Weiterfhrende Links

Hilfereiche Seiten zur Filmentwicklung

Entwicklungszeiten Rechner - Phototec (http://www.phototec.de/e_rechner.htm)
Entwicklungszeiten Rechner - Digitaltruth (http://www.digitaltruth.com/devchart.html)

Onlineshops zur Chemiebestellung

Moersch Photochemie (http://www.moersch-photochemie.de)
Phototec (http://www.phototec.de)
Foto Impex (http://www.foto-impex.de/)
Brenner Fotoversand (http://www.foto-brenner.de/)
FotoMayr (http://www.fotomayr.de/)
Nordfoto (http://www.nordfoto.de/)
ARS Imago (Schweiz) (http://www.ars-imago.ch)
Foto Mller (sterreich) (http://www.foto-mueller.at)



  Letzte nderung: 15:48, 14. Feb 2007 von . Basiert auf dem Text von Friedrich Hper und Frank S0M0GYI und anderen. - Aufrufe: 45840
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