Vertrag für bezahltes shooting - rechte usw.

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eismann1 eismann1   Beitrag 1 von 9
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Ich habe eine Frage zu:

"Die Vorschrift des § 42 Abs. 1 UrhG (Widerrufsrecht aus persönlichen Gründen) bleibt unberührt."

Ich mache mit meinen Modellen grundsätzlich nur Verträge mit einer Gage. Wenn ich diese Gage aber bezahlt habe nehme ich an das ich das Recht an den Bildern erworben habe, Punkt! Hat das Model ein recht auf alle Fotos?

Ist dieser Satz gemäß DSGVO zwingend, d.h. kann das Model später immer sagen, ich bin jetzt Theologin und alle meine Bilder müssen gelöscht werden? Ggf. sind die aber jetzt auf einem CD-Cover gelandet und was dann, alle CDs mit dem Cover zurückrufen? Das kann doch nicht sein oder?

Im Grunde müsste da stehen (Zumindest, damit man solche Bilder rechtssicher Vermarkten kann):

"Die Vorschrift des § 42 Abs. 1 UrhG" ist ausser Kraft gesetzt. Aber ich habe gelesen, das geht gar nicht. Ich bin deshalb etwas verwirrt.

Meine Frage, gilt dieser Satz evtl. nur für unentgeltliche Verträge (würde Sinn machen) oder braucht man den auch bei PayShootings?
Manfred Hunger Manfred Hunger   Beitrag 2 von 9
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Zitat: eismann1 11.10.19, 10:13Zum zitierten BeitragIch habe eine Frage zu:

"Die Vorschrift des § 42 Abs. 1 UrhG (Widerrufsrecht aus persönlichen Gründen) bleibt unberührt."

Ich mache mit meinen Modellen grundsätzlich nur Verträge mit einer Gage. Wenn ich diese Gage aber bezahlt habe nehme ich an das ich das Recht an den Bildern erworben habe, Punkt! Hat das Model ein recht auf alle Fotos? …


Hast Du § 42 UrhG gelesen, ich meine den ganzen Paragraphen?

Der von Dir zitierte Satz steht im Abs. 2 und bezieht sich auf Abs. 1. Dort steht das der Urheber das Nutzungsrecht widerrufen kann. Urheber der Fotos bist doch Du als Fotograf; also wo ist das Problem?

Und ob das Model bei einem Pay-Shooting - wo Du als Fotograf zahlst - ein Recht auf die Fotos hat, sollte im Vertrag geregelt sein.

LG Manfred
Sören Spieckermann Sören Spieckermann   Beitrag 3 von 9
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Grundsätzlich hat ein Fotomodel zwei Möglichkeiten ein geschlossenen Nutzungsrechtevertrag "aufzulösen".

Die Anfechtung und den Widerruf.

Die Anfechtung schließe ich hier mal aus da ich nicht davon ausgehe das der Fotograf das Model "über den Tisch" gezogen hat. (z.B. durch arglistige Täuschung die Unterschrift bekommen hat)

Bleibt der Widerruf der Vereinbarung. Der kann tatsächlich nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
Allerdings gibt es da recht große Hürden wenn ein Model ein geschlossenen Nutzungsrechtevertrag wiederrufen will. Widerruf geht auch bei "vertragswidriges Verhalten" des Fotografen. Auf diesen Punkt gehe ich nicht ein da er selbsterklärend ist.
Standardfall für den Widerruf ist ja die "persönliche Wandlung" des Models. Hier gibt es aber ein paar recht hohe Hürden. z.B.
a) der Lebenswandel muss glaubhaft schon länger anhalten (so grob 3 bis 5 Jahre), kurzfristige Änderung der Lebenseinstellung wird i.d.R. nicht berücksichtigt.
b) in dieser Zeitspanne dürfen für keine weiteren ähnlichen Aufnahmen Nutzungsrechte vom Model an irgendeinen Fotografen erteilt worden sein.
c) es gibt eine Interessenabwägung zwischen den Belangen des Models (erwarteter Schaden, Zumutbarkeit,...) und des Fotografen die zugunsten des Model ausgefallen ist

Der Widerruf gilt nicht rückwirkend und auch macht sich das Model u.U. gegenüber dem Fotografen Schadensersatzpflichtig.

Mehr Infos dazu hier:
https://www.rechtambild.de/2010/06/rech ... y-release/

Mir persönlich sind lediglich aus der Fachliteratur Fälle bekannt. Ich habe jedoch noch nie selbst oder bei befreundeten Fotografen derartige Fälle gehabt.

und mit der DSGVO hat das alles herzlich wenig zu tun :-)

Gruß
Sören
Sören Spieckermann Sören Spieckermann   Beitrag 4 von 9
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Zitat: Manfred Hunger 13.10.19, 21:54Zum zitierten BeitragUnd ob das Model bei einem Pay-Shooting - wo Du als Fotograf zahlst - ein Recht auf die Fotos hat, sollte im Vertrag geregelt sein

Ersetze "Sollte" durch "muss" bei Verträgen bei denen das Model eine Modelhonorar erhält müssen Nutzungsrechte die dem Model eingeräumt werden aufgeführt sein.
siehe Landgericht Köln / Urteil vom 09.04.2008 (Az. 28 O 690/07) ==>Das Model muss in dem Modelvertrag sich ausdrücklich die Rechte für die eigenen Nutzung einräumen lassen.
Manfred Hunger Manfred Hunger   Beitrag 5 von 9
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Zitat: Sören Spieckermann 14.10.19, 06:23Zum zitierten BeitragZitat: Manfred Hunger 13.10.19, 21:54Zum zitierten Beitrag ... sollte im Vertrag geregelt sein

Ersetze "Sollte" durch "muss" ... siehe Landgericht Köln / Urteil vom 09.04.2008 (Az. 28 O 690/07) ....


Moin Sören,
Du hast natürlich recht, für eine gerichtliche Auseinandersetzung müssen Forderungen bewiesen werden; von daher muss es im Vertrag stehen.
Gruß Manfred
Sören Spieckermann Sören Spieckermann   Beitrag 6 von 9
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Zitat: Manfred Hunger 14.10.19, 10:08Zum zitierten BeitragZitat: Sören Spieckermann 14.10.19, 06:23Zum zitierten BeitragZitat: Manfred Hunger 13.10.19, 21:54Zum zitierten Beitrag ... sollte im Vertrag geregelt sein

Ersetze "Sollte" durch "muss" ... siehe Landgericht Köln / Urteil vom 09.04.2008 (Az. 28 O 690/07) ....


Moin Sören,
Du hast natürlich recht, für eine gerichtliche Auseinandersetzung müssen Forderungen bewiesen werden; von daher muss es im Vertrag stehen.
Gruß Manfred


Das hat nach meiner Auffassung nichts damit zu tun wie "beweisbar" es ist. Auch mündlcihe abreden sind vor Gericht gültig sofern man diese nachweisen kann. Wenn ich das Landgericht hier richtig interpretiere dann ist hier die Schriftform zwingend vorgeschrieben sofern es ein Pay-Vertrag gibt. Eine wie auch immer "beweisbare" mündliche Abrede die den schriftlichen Vertrag "erweitert" scheint da nicht zulässig zu sein.
Manfred Hunger Manfred Hunger   Beitrag 7 von 9
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Moin Sören,
ich habe mir jetzt einmal nach dem Aktenzeichen 28 O 690/07 gegoogelt und folgenden Bericht gefunden (https://medien-internet-und-recht.de/vo ... ok_id=1715). Dort gibt es einen Link zum PDF-Dokument mit der Entscheidung des LG Köln im Volltext (https://medien-internet-und-recht.de/pd ... 08_247.pdf).
Meine Interpretation (Kurzfassung):
Im Verfahren ging es u. a. darum, ob Aktaufnahmen aus einem Shooting gewerblich genutzt werden dürfen. Dieses war lt. Shooting-Vertrag nur erlaubt, wenn es hierfür eine schriftliche Zusatzvereinbarung gibt ("...In den Modelverträgen vom 05.09.2007 ... heißt es, dass beiden Parteien ... uneingeschränkte
Nutzungsrechte hinsichtlich der näher spezifizierten nichtkommerziellen Verwertung der Aufnahmen zustehen
sollen. Jegliche kommerzielle Nutzung sowie eine nichtkommerzielle Nutzung außerhalb der im Einzelnen
genannten Zwecke bedurfte der schriftlichen Genehmigung des jeweils anderen Vertragspartners. ...."Eigenwerbung
".
Das heißt die Entscheidung des Gerichtes, dass (gewerbliche) Nutzungsrechte schriftlich festgehalten werden müssen, bezog sich nur auf die zu verhandelten Shooting-Verträge; also eine Einzelfall-Entscheidung und keine allgemein gültige Festlegung.
Hätte mich auch gewundert, das in Deutschland die Vertrags- und Vertragsformfreiheit gilt; bis auf einige im Gesetzt genannte Ausnahmen.
Gruß Manfred
Sören Spieckermann Sören Spieckermann   Beitrag 8 von 9
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OK, Danke für die Info.- Hatte ich anders interpretiert.
Hermann Klecker Hermann Klecker   Beitrag 9 von 9
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Die DSGVO hat mit Deiner Frage so herzlich wenig zu tun, dass wir sie, bzw. das BDSG, besser außen vor lassen.

Ein Modell kann ein Einverständnis zur Nutzung bzw. Veröffentlichung der Fotos nur sehr sehr schwer widerrufen. Wenn es das macht, dann macht es sich womöglich auch Schadenersatzpflichtig.

Nonne werden ist zwar plakativ und wird gern als Beispiel herangezogen, dürfte aber in er Praxis kein Grund für einen Widerruf sein. Denn eine Novizin hat durchaus eine Vergangenheit. Diese Fotos haben womöglich einen Beitrag dazu geleistet, dass das Modell (gleiches gilt für Mönche) sich für das Zölibat und den jeweiligen Orden entschieden hat. Der Katholizismus lebt von dem Gedanken, Sünde zu vergeben, Reue zu zeigen und sich zu bekehren. Es gibt daher überhaupt keinen Grund, irgend etwas zu widerrufen.

Eine Karriereplanung in Richtung Vorstand oder Politik oder auch nur Personalverantwortung ist da eher eine Motivation. Ist aber auch egal. Ist schwierig für das Modell. In aller Regel wird ein Nutzer, oder ein Fotograf, aus ganz menschlichen Überlegungen heraus darauf verzichten, die Fotos weiter zu verwenden.

Wie die Diskussion oben zeigt, kann im Vertrag auch etwas anderes stehen, dass widerruf begründen, vereinfachen oder gar erschweren kann. Da kommt es auf den Einzelfall an und womöglich auf Formulierungen.

Nochmal zum BDSG (also der deutschen DSGVO). Da gibt es grundsätzlich so etwas wie das Recht auf Vergessen, also darauf die Daten zu löschen. Aber das hat Grenzen. Beispielsweise darin, wenn eine Partei die Daten aus ganz praktischen Gründen zwingend benötigt, um gesetzliche oder vertragliche Rechte oder Pflichten wahrzunehmen. Ein ansonsten ganz legaler Modell-Vertrag dürfte in aller Regel ein hinreichender Grund sein, der dieser Ausnahme genügt. Ergo kann das Modell nicht aufgrund der DSGVO verlangen, die Foto-Daten zu löschen.

Ein bereits gedrucktes CD-Cover ist davon eh nicht betoffen. Weitere Drucke könnten - wenn der Widerruf denn rechtens wäre - verhindert werden. Daraus erfolgender Schadenersatzanspruch kann durchaus die dann notwendigen neuen Fotoaufnahmen mit einem anderen Modell betreffen und daher weit weit über der ursprünglichen Modell-Gage liegen.

Und das Modell mußt Du mir mal zeigen, das bereitwillig die Kosten für einen neuen Shoot, Layouting, Druck etc, auf sich nimmt, nur damit das eigene Bild nicht mehr für dieses Cover verwendet wird.

Oder anders rum: WENN wirklich jemand diese Kosten auf sich nehmen will, dann wird derjenige das auch sehr ernst nehmen. Das wiederum würde ich als Gegenpartei sehr ernst nehmen, völlig losgelöst von juristischen Betrachtungen. Wenn es jemandem SO SEHR wichtig ist, dann wäre es mir wahrscheinlich auch wichtig, dem Wunsch zu entsprechen.
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