DSGVO + Nutzungsrechte und Eventfotografie

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Pschmeidi Pschmeidi Beitrag 1 von 9
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Guten Abend,

ich stehe mittlerweile vor meinem ersten Auftrag und ich habe noch ein paar Fragen, die ich gerne vorab nochmal hier stellen möchte. Ich habe die Suche auch genutzt, aber nicht das richtige gefunden oder einfach an der falschen Stelle gesucht.

Ich soll ein Speaker Event fotografisch begleiten. Es werden ungefähr 400 Besucher vor Ort sein und 3 Sprecher auf der Bühne. Meine Fotos werden anschließend in so ziemlich allen Sozialen Medien veröffentlicht und kommen ebenfalls in Fachmagazine.

Wie Regel ich das mit der DSGVO? Bin ich dafür denn überhaupt zuständig oder muss sich der Veranstalter darum kümmern? Wenn ich die Bilder übergebe, dann kann ich ja schlecht Einfluss drauf nehmen, was gepostet wird und was nicht.

Vom Gefühl her würde ich das eingeschränkt ausschließliches Nutzungsrecht im Vertrag festhalten. Ohne Zeit oder Räumliche Bindung. So kann der Veranstalter mit den Fotos Werbung machen wie er möchte. Macht das Sinn oder übersehe ich da etwas?

Vielen Dank schonmal!
Michael B. Rehders Michael B. Rehders   Beitrag 2 von 9
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Ich mache mir das in der Regel recht einfach.
Dem Veranstalter, der mich gebucht hat, räume ich das zeitlich und räumlich uneingeschränkte Nutzungsrecht an den gelieferten Bildwerken ein, für Online- und Printmedien. Die Einwilligung der abgebildeten Personen muss vom Publizisten eingeholt werden.

In den Einladungen für den Event wird als Vertragsbestandteil klar ausgewiesen, dass auf dem Event Foto- und Filmaufnahmen gemacht werden. Mit dem Erwerb der Eintrittskarte erklärt der Gast sich damit einverstanden, dass Berichterstattungen mit Bildern von ihm im Rahmen dieses Events gestattet sind.
Ein weiterer Hinweis diesbezüglich hängt gut sichtbar am Eingang aus.
Und wer nicht fotografiert werden möchte, dem wird ein roter Punkt auf das Namensschild geklebt.

Ganz streng genommen reicht das zwar nicht aus, um alle theoretischen Anforderungen zu erfüllen - in der Praxis funktioniert das gleichwohl sehr gut.
Wenn jemand spontan nicht fotografiert werden will (und keinen roten Punkt auf dem Namensschild hat), kommuniziert dieser das in aller Regel eindeutig. Diese Bilder lösche ich sofort in der Kamera oder fotografiere diese Person gar nicht erst, wenn Gesten und Mimik diesbezüglich klar zu verstehen sind.

In der Regel frage ich vorab, ob ich fotografieren darf und stelle Kleingruppen zusammen. Bei "Schnappschüssen" zeige ich die Bilder oftmals der fotografierten Person.

Die Speaker sollten vorab ebenfalls Aufnahmen gestatten - sowohl dem Fotografen gegenüber als auch dem Veranstalter. Auch das ist meistens überhaupt kein Problem.
Sollte jemand der Speaker im Nachhinein mit einem der Fotos unzufrieden sein, wird das halt nicht publiziert.
Michael B. Rehders Michael B. Rehders   Beitrag 3 von 9
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Zitat: PASCH 14.12.19, 18:07Zum zitierten BeitragSo kann der Veranstalter mit den Fotos Werbung machen wie er möchte.
Im Falle von Werbung - und keiner redaktionellen Berichterstattung über das Event - gehe ich einen anderen Weg.
Soll zum Beispiel für Saune/Freibad/Erlebnisbad (sehr sensible Bereiche!) oder im Theater fotoaufnahmen gemacht werden, die anschließend für Werbung (möglicherweise mit Untertitelung) verwendet werden, dann lasse ich mir die Gestattung dafür grundsätzlich schriftlich von den Gästen bestätigen. Dafür habe ich einen entsprechend formulierten Vertragsentwurf dabei.

Hier mal ein Beispiel für eine Auftragsarbeit für DER SPIEGEL: "WHAT THE HACK!".
Die Kombination aus Speaker, Interviewsituation, Gästen, Location.
https://rehders.de/event-der-spiegel-what-the-hack/
Alice vom See Alice vom See   Beitrag 4 von 9
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Theoretisch müsste man von jedem eine Erlaubnis einholen. Praktisch ist es bei Veranstaltungen unmöglich. Von daher hat sich in der Praxis durchgesetzt, dass am Eingang entsprechendes zu lesen ist, bzw schon als Teil der AGB auf der Eintrittskarte und wer nicht fotografiert werden will, sollte nicht zu der Veranstaltung gehen. Seriöse Veranstalter haben das aber auch schon vor der DSGVO so gemacht. Von daher ändert sich kaum etwas und geklagt hat bisher auch keiner, also bleibt alles beim alten.
Michael B. Rehders Michael B. Rehders   Beitrag 5 von 9
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Zitat: PASCH 14.12.19, 18:07Zum zitierten BeitragWie Regel ich das mit der DSGVO? Bin ich dafür denn überhaupt zuständig oder muss sich der Veranstalter darum kümmern?
Grundsätzlich erfasst Du personenbezogene Daten (das sind nun mal Fotoaufnahmen, streng gesehen) und gibst diese an Dritte weiter.

Aber wie Alice und ich oben schon geschrieben haben, wird das alles in der Praxis relativ unkompliziert gehandhabt.
Pschmeidi Pschmeidi Beitrag 6 von 9
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Vielen Dank für die Antworten, dass hat mich ein ganzen Stück weiter gebracht.

Freut mich sehr! Danke!
Hermann Klecker Hermann Klecker   Beitrag 7 von 9
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Zitat: PASCH 14.12.19, 18:07Zum zitierten BeitragGuten Abend,

ich stehe mittlerweile vor meinem ersten Auftrag und ich habe noch ein paar Fragen, die ich gerne vorab nochmal hier stellen möchte. ...


Und das hast Du bei der IHK nicht gelernt?

*stöhn*

Die DSGVO ist eine europäische Vorschrift für ihre Mitgliedsstaten. Sie hat den besonderen Charakter, dass sie in ihren Mitgliedern Gesetztesstatus bekommen hätte, wenn ein Staat sie nicht in nationales Recht umgesetzt hätte.

Ist aber überall passiert, soweit ich weiß.

Das Gesetz, nach dem Du gehen mußt, ist die aktuelle Fassung des Bundesdatenschutzgesetzes, BDSG. Aber da steht im Wesentlichen natürlich das gleiche drin.

Die Veröffentlichung ist darin nicht geregelt.

Nun ist nach Auffassung sehr vieler Juristen ein digitales Foto mit einer darauf erkennbaren Person ein personenbezogener Datensatz. (Ich sehe das differenzierter, folge im Weiteren aber der landläufigen Auffassung.)

Damit steckst Du im BDSG-Sumpf.

Wenn Du jetzt kein Einverständnis -jeder- auf einem Foto erkennbaren Person einholen kannst, vorzugsweise schriftlich, und auch nicht die vielen anderen Bedingungen erfüllen kannst wie die Personen darüber zu informieren, dass Du diese Fotos hast, dann mußt Du Dich auf eine der Ausnahmen berufen. Ob das in diesem Fall geht, möchte ich jetzt nicht diskutieren, aber auch nicht perse ausschließen.

Da Du beauftragt wirst, lass Dir doch von Deinem Arbeitgeber im Vertrag bescheinigen, dass Du die Fotos, und damit die personenbezogenen Daten, in seinem Auftrag verarbeitest und er damit die formellen Anforderungen an das Bundesdatenschutzgesetz zu beachten hat und Dich schadfrei stellen soll, falls er dagegen verstößt und in Folge dessen jemand Dir gegenüber erfolgreich Schadenersatz o.ä. durchsetzt.

Du müsstest dann die Daten immernoch verschlüsseln (easy, z.B. Zip mit Kennwort) und nur gesichert übertragen (also verschlüsselt) und nur berechtigen übergeben bzw. Zugang gewähren.

Die Nutzung in Social Media _kann_ völlig legal sein _kann_ aber auch ohne (vorzugsweise schriftliches) Einverständnis der Abgebildeten schwierig sein. Das ist bzgl BDSG bzw. DSGVO eigentlich egal, wenn es nicht so wäre, dass das BDSG Dir erlaubt, die Daten zu verarbeiten, falls Du aufgrund anderer Rechtsvorschriften ein berechtigtes Interesse daran hast.
(Ich persönlich habe noch nicht verstanden, wie es sich dann mit den Auskunftspflichten verhält. Aber danach hattest Du ja auch nicht gefragt. :-) )

Wenn ich Du wäre, dann würde ich ... die für Deinen Wohnort zuständige IHK fragen. :-)

Ein möglicher Weg
Albrecht D Albrecht D Beitrag 8 von 9
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Zitat: PASCH 14.12.19, 18:07Zum zitierten Beitragich stehe mittlerweile vor meinem ersten Auftrag ... Meine Fotos werden anschließend in so ziemlich allen Sozialen Medien veröffentlicht und kommen ebenfalls in Fachmagazine.
Als Anfänger sollen die Bilder in Fachmagazinen erscheinen? Was hast du biher auf diesem Gebiet gemacht? Bist du der einzige Fotograf für diese Veranstaltung?

Ich würde den Vertrag einem Anwalt vorlegen und mit diesem die Details besprechen.

Gruß
Albrecht
Alice vom See Alice vom See   Beitrag 9 von 9
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Naja, wenn in der Handwerkerzeitung ein Bild vom Sprecher einer Firma am Rednerpult steht, braucht es keine all zu große Vorkenntnisse.
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