Authentische Bilder unter künstlichen Bedingungen! Wie??

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Relativ Relativ Beitrag 1 von 8
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Hallo liebe FotoCommunity! Ich brauche da mal eure Schwarmintelligenz. Für ein Kunstprojekt an meiner Schule stelle ich mir die Frage, unter welchen Bedingungen, oder mit welcher Haltung einem beim Fotografieren in künstlichen Settings (z.B. im Studio oder bei einem Werbeshooting) authentische Bilder gelingen können.

Wie schafft ihr es, dass sich die Modelle wohlfühlen oder zumindest ihre Arbeit so machen können, das authentische Bilder entstehen (egal ob es Profis sind oder nicht)? Schafft ihr zuerst eine Vertrauensbasis? Wenn ja wie? Gibt es bestimmte technische Aspekte, die euch wichtig sind? Wie viel Zeit nehmt ihr euch? Welche Anweisungen gebt ihr - oder gebt ihr bewusst wenig oder keine Anweisungen? ... was ist euch sonst noch wichtig?

Ich bin mega gespannt auf eure Antworten und bedanke mich schon jezt herzlich bei euch allen!
Liebe Grüsse aus der Schweiz,
Relativ
Relativ Relativ Beitrag 2 von 8
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Um meine Frage vielleicht etwas fassbarer zu machen, habe ich hier mal einige Fragen zusammengestellt, die mich interessieren würden. Ihr könnt gerne auch nur auf einzelne Fragen antworten.

• Was verstehst du unter Authentizität? Und was ist ein authentisches Foto für dich?
• Wie bereitest du dich auf ein Shooting vor und was sind deine Überlegungen dabei?
• Was ist dir bezüglich den räumlichen Bedingungen wichtig?
• Und bei den Technische Bedingungen?
• Welche Haltung pflegst du als Fotograf, gegenüber deiner Arbeit/Modelle/Kollegen/Kunden?
• Gestaltung des Settings allgemein: wieviele Anweisungen gibst du (nicht)? Benutzt du gewisse "Tricks" um natürliches oder authentisches Verhalten zu provozieren?
• Kommunikation mit Models & ggf. Team - was ist dir diesbezüglich wichtig?
• Gibt es psychologisch relevante Aspekte, die du beim fotografieren in künstlichen Settings beachtest?
• Gibt es allgemeine Merkmale und Regeln für authentische Fotografie (z.B. gemäss Schule oder eigener Erfahung?)
• Welche Rolle spielt das Verhältnis Laien-Modell und Professionelles Modell in Bezug auf authentische Fotografien?
• Was ist dir bei der Nachbearbeitung & Bildauswahl wichtig um ein authentisches Ergebnis zu erreichen?
• Sonstiges?
M.Ulrich M.Ulrich Beitrag 3 von 8
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Zitat Relativ: "Hallo liebe FotoCommunity! Ich brauche da mal eure Schwarmintelligenz. Für ein Kunstprojekt an meiner Schule stelle ich mir die Frage, unter welchen Bedingungen, oder mit welcher Haltung einem beim Fotografieren in künstlichen Settings (z.B. im Studio oder bei einem Werbeshooting) authentische Bilder gelingen können."

Gehen wir mal davon aus, das der Fotograf eine Idee hat, die er mit einem Modell umsetzen möchte. Passend zu dieser Idee und der gewünschten Bildaussage wird der Ort gewählt. Nach den gleichen Kriterien wird auch das Modell gewählt. Wichtig hierbei ist, dass das Modell sich mit der Bildidee auch identifizieren kann, es muss sich in die Aussage hineinversetzen können. Ein Modell, welches ruhige Orte bevorzugt, wird sich in Menschenmassen z.B. Großraum-Discothek nicht unbedingt wohl fühlen.
Ort und Modell wurden gewählt, nun geht es zum Posing. Die Pose muss für das Modell vertraut und natürlich sein. Es mag sein, das sich der Fotograf die Pose anders gedacht hat, er darf aber nicht zu stark darauf Einfluss nehmen. Wenn das Modell Linkshänder ist, wird es auch mit links eine Kaffeetasse ergreifen und zum Mund führen. Würde der Fotograf auf die rechte Hand bestehen, würde das Modell eine unvertraute Haltung einnehmen und die gesamte Haltung wäre nicht mehr natürlich.
Authentizität bedeutet für mich, das Modell, Bildaussage glaubhaft und plausibel erscheinen.
Hermann Klecker Hermann Klecker   Beitrag 4 von 8
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Welche Anforderungen hast Du konkret an Authentizität?

Ja, Vertraeuen ist nicht unwichtig. Das geht mit Kommunikation, Erwartungsmanagement, entspannter Atmosphäre, guter Vorbereitung, einen Plan haben und den kommunizieren. Ein Bier oder Piccolo kann auch helfen, wobei das stark von der Person abhängt.
Sich auf Ideen einigen, satt zu überzeugen.

Ich gebe alle Anweisungen, die nötig sind. Feedback ist total wichtig, besonders je unerfahrener ein Modell ist.
Matthias von Schramm Matthias von Schramm   Beitrag 5 von 8
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Das bewusste sich Fotografieren lassen und das Bewusste jemanden zu fotografieren auf freiwilliger Basis ist eine intime Sache. Man vertraut sich gegenseitig Dinge an, die man mit anderen nicht teilt. Ich habe mit den gleichen Models immer über einen längeren Zeitraum zusammen gearbeitet. Weil ich es nicht für richtig halte sich auf einen Termin zu reduzieren, es sei denn die Fotografie dient einem bestimmten Zweck Journalistischer oder gar Boulevardartiger Art, in der man z.B. Situationen thematisch nachstellt.

Ich habe fast nie in Studios gearbeitet, sondern fast immer draußen in der Öffentlichkeit, bzw. in Landschaften um Zuordnungen zwischen den Orten der Umgebung und den Models herzustellen. Also Verbindungen. Wenn man es oberflächlich macht, dann lehnt sich das stark an Urlaubsfotografie an, wenn man ein Konzept verfolgt, dann lernt man Umgebung und Mensch besser kennen.

Stell Dir eine Umgebung wie ein Filmset vor, selbst wenn Du mit dem Model alleine bist. Mache für diesen nicht vorhandenen fiktiven Film dann Deine Fotos und erschaffe möglichst gemeinsam eine Art Drehbuch. Nun ist meine Erfahrung, dass es sehr typabhängig ist, wie das funktioniert. Es gibt Models, die absolut keine Ideen entwickeln, was völlig ok ist, denn es ist nicht ihr Job, es bleibt schon noch Dein Job. Dann gibt es andere, die nur so vor Ideen sprudeln und wo Du das Gefühl bekommst, Du brauchst als Fotograf nur noch sehr wenig machen. Einfach ihrem Wesen folgen, ihrer Darstellungsfähigkeit. Erfahrungen die z.B. Schauspielanfänger mit erfahrenen Schauspielern machen und auf einmal von dem anderen geleitet werden und so geführt, dass sie auf einmal das Spiel verstanden haben.

Eines bleibt aber: Du bist der Master der Kamera und nicht der oder die "Ratgeber" die um Dich stehen.

Boulevard funktioniert sehr vereinfacht so, ist aber z.B. für mich keine schlechte Konzeption, weil einfach und für jeden verständlich. Man nimmt eine Person (Musikerin, Künstler, Sportlerin) und fotografiert sie an den Lieblingsorten ihrer Stadt und hat eine Reportage, die eine gefällige Geschichte erzählt. Ich war erst kürzlich Staffage für eine Titelstory eines Kundenmagazins - stand sozusagen mit ein paar anderen hinter der Hauptperson für ein Motiv. Wir standen da mehr oder weniger blöd rum, bis die Fotografin zu uns sagte: Habt ihr eigentlich ein Ritual. Und da haben wir dann das gemacht, was wir immer machen - nämlich die Hauptperson laut supporten. Die Fotografin war begeistert. Sehr simples shooting.
Manolito_Portrait_Fotograf Manolito_Portrait_Fotograf Beitrag 6 von 8
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Zitat: Relativ 15.05.18, 13:14Zum zitierten BeitragUm meine Frage vielleicht etwas fassbarer zu machen, habe ich hier mal einige Fragen zusammengestellt, die mich interessieren würden. Ihr könnt gerne auch nur auf einzelne Fragen antworten.

• Was verstehst du unter Authentizität? Und was ist ein authentisches Foto für dich?
• Wie bereitest du dich auf ein Shooting vor und was sind deine Überlegungen dabei?
• Was ist dir bezüglich den räumlichen Bedingungen wichtig?
• Und bei den Technische Bedingungen?
• Welche Haltung pflegst du als Fotograf, gegenüber deiner Arbeit/Modelle/Kollegen/Kunden?
• Gestaltung des Settings allgemein: wieviele Anweisungen gibst du (nicht)? Benutzt du gewisse "Tricks" um natürliches oder authentisches Verhalten zu provozieren?
• Kommunikation mit Models & ggf. Team - was ist dir diesbezüglich wichtig?
• Gibt es psychologisch relevante Aspekte, die du beim fotografieren in künstlichen Settings beachtest?
• Gibt es allgemeine Merkmale und Regeln für authentische Fotografie (z.B. gemäss Schule oder eigener Erfahung?)
• Welche Rolle spielt das Verhältnis Laien-Modell und Professionelles Modell in Bezug auf authentische Fotografien?
• Was ist dir bei der Nachbearbeitung & Bildauswahl wichtig um ein authentisches Ergebnis zu erreichen?
• Sonstiges?


Hi! Schöne Frage. Genau mein Ding.

Ich habe Deine Einzelfragen hier ins Zitat gesetzt, da ich glaube, dass hier ganz viel von dem was Du aufgeführt hast, einfach unwichtig ist.

Generell gelingen authentische Portraits überall. Es ist völlig egal, ob Du die Menschen in freier Wildbahn fotografierst, oder ob Du künstliche Bedingungen geschaffen hast. Letztendlich ist alles irgendwie nur eine Szene.
Ein authentisches Portrait beginnt für mich ab dem Moment, wenn ich meinem Gegenüber die Wahl lasse in dem was er tut. Ich habe es eben in einer anderen Diskussion schon einmal so geäußert, dass ich nicht der Typ Fotograf bin, der dem Sujet strikte Anweisungen gibt. Zum Beispiel: "Schau mal zur Seite", "schau mal traurig..." etc etc.
Ich konstruiere die Person in die Umgebung hinein. Unabhängig davon ob Draußen, Indoor oder Studio. Der Mensch wird platziert, kann in seinem Radius aber alles machen was er möchte. Zieht der Mensch sich das Hemd über den Kopf...wunderbar! Lacht er oder sie herzhaft! Total gut! Schaut die Dame meinem Assistenten auf den Arsch? Unbedingt einfangen.....das sind Dinge die eine Authentizität sichtbar machen. Natürlich gibt es noch die Authentizität vielleicht im Bereich des Bildlooks, aber das ist wieder die künstliche Komponente, die hinterher geschaffen wird. Ich hab das hier verstanden in der Zusammenarbeit mit dem zu portraitierenden Menschen.

Räumliche Bedingungen gibt es nicht! Portraits gehen immer. Und selbst wenn ich in einem Keller nur mit kleinem Fensterlicht arbeiten müsste, lässt das grandiose Portraits zu. Auch die Technik spielt hier überhaupt keine Rolle. Das mögen hier wirklich ganz viele Menschen anders sehen. Aber ich kann mich auch hier mit einer kleinen HOLGA hinsetzen und gute, authentische Portraits zaubern.

Psychologische Aspekte kannst Du ebenfalls nicht auf die Umgebung reduzieren. Generell.......schaff Ruhe am Set. Sei besonnen und aufmerksam. Dein Gegenüber wird sich schnell wohlfühlen, wenn keine Hektik entsteht und Du erkennen lässt, dass Du die Person zu jeder Zeit "abholen" kannst. Das die Person Deine Aufmerksamkeit haben sollte, muss ich mit Sicherheit nicht erwähnen, aber auch das muss klar sein. Empathie ist unerlässlich.....sensibel sein für die Empfindungen des Gegenübers.
Wenn ich mich vorher über die Person informieren kann, dann tu ich das auch. Möglicherweise kann ich mir so im Vorfeld bereits Gesprächsthemen erarbeiten, die die Arbeit mit meinem Gegenüber extrem vereinfachen können.

Sobald es um Authentizität geht....und jetzt geht es mir wieder um eine Deiner Teilfragen bzgl. Laie und Profimodel....
Sobald es also um Authentizität geht, ist es völlig egal, wen Du vor der Kamera hast. Du solltest immer in der Lage sein, ein entsprechendes Portrait zu fertigen. Nimm den Menschen wie er ist.
Ein Profimodel brauchst Du nur, wenn Du jemanden benötigst, der Posen beherrschen muss...für einen entsprechenden Auftrag...oder ein entsprechendes Foto. Aber authentisch geht immer...egal ob Hausmeister Waldemar oder Oma Ingeborg die Eisenfaust.

Ich hoffe ich konnte ein bisschen zur Hilfe beitragen.

Liebe Grüße und schönes Wochenende!
Visual Pursuit Visual Pursuit Beitrag 7 von 8
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Mit "authentisch" scheinst Du zu meinen eine Person so
abzubilden daß ihre engere Umgebung das Bild als für
diese Person typisch bezeichnen würde, ja?

Ziel ist also das Personenbild, und nicht eine Handlung, eine Szene?
Baturalp Baturalp Beitrag 8 von 8
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Modell: Ein gut gebuchtes Modell hat die Standards drauf. Wenn sie/er seitlich stehen soll, wird es gut aussehen. Anweisung wäre vllt, "den Kopf mehr in die Kamera". Sie/Er wird dann auch dabei "gut" aussehen. Irgendwie ist es auch albern darüber zu sprechen.

Authentizität: Jedes Foto ist authentisch.

Fotograf: Kommt stark auf den Fotografen an. Erfahrene, gut gebuchte Fotografen müssen nicht viel Anweisen, weil sie die Situation, den Augenblick nutzen und auch aus unerfahrenen Modells "Authentizität" rauskitzeln.

Bleibt noch eines zu sagen: Wenn der Fotograf authentisch ist, ist alles prima.
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