Bilderklau: Eure Fragen an fc-Anwalt Amin Negm-Awad

Anwalt Amin Negm-Awad von der Kanzlei Kaldenhoff Negm Laumen

Anwalt Amin Negm-Awad von der
Kanzlei Kaldenhoff Negm Laumen

Anfang des Monats haben wir Euch im Blog Wege aufgezeigt, gestohlene Fotos im Internet zu finden und haben Euch gebeten, von Euren Erfahrungen zum Thema Bilddiebstahl zu berichten. Es gab viele Kommentare einige wichtige Fragen blieben offen: Wie genau soll man vorgehen, wenn man eines seiner Fotos auf einer fremden Internetseite entdeckt hat, dürfte für viele von Euch die Wichtigste gewesen sein.

fotocommunity Anwalt Amin Negm-Awad von der Kanzlei Kaldenhoff Negm Laumen ist spezialisiert auf Medienrecht. Aufgepasst: Ihr habt die Möglichkeit, Eure Fragen direkt an den Anwalt zu richten und zum Thema zu diskutieren! Wir haben dazu einen Thread im Forum erstellt: Hier Fragen stellen

Amin Negm-Awad wird sich mit Euren Fragen beschäftigen und sie am Dienstag dem 29. Januar im gleichen Thread im Forum beantworten.

Damit allen die Fragen und Antworten gebündelt zur Verfügung stehen, kann nur im dazu geschaffenen Thread kommentiert und gefragt werden. Die Kommentarfunktion im Blog wurde aus diesem Grund für diesen Artikel deaktiviert.

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Wir haben ihm zwei Fragen gestellt und ausführliche Antworten bekommen. Einen ersten Einblick in das Thema erhaltet Ihr hier:

*Ich habe mein Foto auf einer anderen Internetseite entdeckt, ohne dem Betreiber mein Einverständnis für die Veröffentlichung erteilt zu haben. Wie gehe ich nun am besten vor?

Amin Negm-Awad:
Zunächst einmal sollte man Beweise sichern. Hierzu sollte auf jeden Fall ein Screenshot angefertigt werden. Gut ist es, wenn dabei ein Zeuge zugegen ist, der notfalls aussagen kann, wann und wo genau dieser Screenshot erstellt wurde. Ansonsten könnte dieser ja auch „gefaked“ sein. In der Praxis habe ich allerdings einen solchen Einwand noch nicht gehört. (Und häufig wäre er wohl auch leicht zu widerlegen.)
Wie man weiter vorgeht hängt ein wenig davon ab, wie viel Rabatz man machen möchte. Handelt es sich etwa um eine private Nutzung von jemand, der offenkundig in Unkenntnis der Rechtslage gehandelt hat, so kann man sich überlegen, das Problem auf dem „kleinen Dienstweg“ mittels einer E-Mail zu lösen. Dies kann in ganz „natürlicher Sprache“ erfolgen, wenn bloß klar wird, dass man nicht mit der Verwendung einverstanden ist.

Wenn es sich um eine professionelle Nutzung handelt (Werbung, redaktioneller Teil), so sollte man allerdings mit der Durchsetzung seiner Ansprüche einen Rechtsanwalt beauftragen, der in derlei Angelegenheiten über Erfahrung verfügt.

Erstes Ziel der Rechtsdurchsetzung ist zumeist die Entfernung des Fotos und die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassenserklärung. Hiermit verpflichtet sich der Verwender, das Foto nicht mehr zu nutzen und im Falle einer Zuwiderhandlung eine Strafe zu zahlen. Das soll der Unterlassenserklärung den nötigen Nachdruck verleihen.

*Im Prinzip habe ich nichts gegen die Veröffentlichung meiner Fotos auf anderen Seiten, hätte aber gerne Geld dafür. Ist es möglich, auch nachträglich ein Honorar als Schadensersatz zu verlangen?

Amin Negm-Awad:
Hier muss unterschieden werden: Die oben angesprochene Unterlassenserklärung gilt für die Zukunft, soll sie doch die weitere Nutzung ausschließen. Schadensersatz bezieht sich auf die Vergangenheit, da er bereits entstandenen Schaden ausgleichen soll.
Der Schadensersatz kann im Wege der Lizenzanalogie berechnet werden. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass der Verwender so viel zahlen muss, wie er für die rechtmäßige Nutzung hätte aufwenden müssen. Dies sind dann die Kosten einer Lizenz, so dass unter dem Strich dies herauskommt. Zu beachten ist aber, dass es hierbei um einen objektiven Wert geht und nicht persönliche Preisvorstellungen. Der Verwender muss sich außerdem darüber im Klaren sein, dass es bei der rechtswidrigen Nutzung häufig zu Zuschlägen kommt, die dann zu Schadensersatz oberhalb der Lizenz führen. Außerdem ist natürlich an die Kosten der Beauftragung eines Rechtsanwaltes zu denken.
Wie aber gesagt ist damit die vergangene Nutzung abgegolten, nicht die zukünftige. Anstelle der Unterlassenserklärung kann hier selbstverständlich eine Nutzung mit Zustimmung des Fotografen gegen Entgelt treten.
Das ist das Rechtliche. Wenn eine entsprechende Interessenlage besteht, kann freilich im Wege der gütlichen Einigung eine Vereinbarung getroffen werden, die sowohl die Nutzung in der Vergangenheit wie auch in der Zukunft auf rechtlich sichere Füße stellt und dies von der Zahlung einer Vergütung abhängig macht. Da sind der Kreativität eigentlich keine Schranken gesetzt. In der Praxis geschieht dies auch so.