Alfons Gellweiler

(fotocommunity-Mitglied seit 2004)

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Produkttest mit dem ZEISS Batis 2.8/135

Meine erste Spiegelreflexkamera war eine ZEISS Icarex 35 CS, was als Beleg dafür gelten kann, dass ich schon in den frühen 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fotografierend unterwegs war. Vor allem Reisen in damals ferne Länder habe ich fotografisch dokumentiert, anfangs für Familie, Freunde und mich, später etliche Jahre für verschiedene Reisezeitschriften.

Die Icarex wurde im Laufe der Jahre zunächst durch Olympus Kameras und später durch die Leicas R7 und M6 ersetzt. Es war mir immer wichtig, mit qualitativ hochwertigen Objektiven zu fotografieren, weshalb damals Zoomobjektive kaum in Frage kamen, da deren Qualität zunächst neben den sehr guten festen Brennweiten wenig überzeugend war.

Im Kleinbildbereich gehörten insbesondere die Festbrennweiten von Leica zweifellos zum Besten, was auf dem Markt angeboten wurde. Heute ist das anders. Heute muss man bei den guten Zoomobjektiven kaum mehr qualitative Einbußen in Kauf nehmen, wird aber gleichzeitig mit dem Vorteil des variablen Bildausschnitts belohnt. Zoomobjektive sind zum Standard geworden. Feste Brennweiten scheinen kaum mehr eine Daseinsberechtigung zu haben.

Obgleich auch ich es immer wieder mal mit den Vario-Objektiven probiert habe, bin ich am Ende doch den festen Brennweiten mit ihren vermeintlichen oder tatsächlichen Nachteilen treu geblieben. Neben dem Standard Objektiv, dem 1,8/55mm Sonnar, gehören noch das 35er und ein 85er zu meinen bevorzugten Brennweiten an der Sony Alpha 7 II.

Insofern bereichert das 135er zumindest für den Zeitraum der Testphase ideal meine Ausrüstung. Hier ist vermutlich nicht der Ort, sich bezüglich der Vorteile fester Brennweiten mit der Frage nach dem »Warum« erschöpfend auseinanderzusetzen. Daher nur so viel: Bei meinen fotografischen Schwerpunkten – Menschen, Street, Porträt, Konzert, Reise – und meiner Art zu fotografieren bieten mir Zoomobjektive keine nennenswerten Vorteile.

In aller Regel kann ich mich meinen Objekten nähern oder mich von ihnen entfernen und auf diese verblüffend einfache Weise zu Fuß den Ausschnitt verändern. Für Sport- oder Wildlifefotografen etwa sieht das natürlich entschieden anders aus: Sie müssen standortgebunden tätig sein, weshalb gute Zoomobjektive für sie deutliche Vorteile bieten.

All das sind für mich unschlagbare Argumente für die Arbeit mit festen Brennweiten. Bezogen auf den letztgenannten Punkt scheint das zu testende Apo Sonnar auf den ersten Blick ein wenig enttäuschend, da es mit einer größten Blendenöffnung von nur 2,8 aufwartet. „Das schaffen die hochwertigen Zoomklassiker (1:2,8 80-200mm) auch“, ist man geneigt einzuwenden.

Aber ein solcher Klassiker für die Sony Alpha 7 bringt eineinhalb Kilo auf die Waage, wogegen sich das ZEISS Apo Sonnar mit nur wenig mehr als 600g wie ein rechtes Leichtgewicht ausnimmt. Vor die Entscheidung gestellt, mit diesem 135er oder dem besagten Klassiker auf die Reise zu gehen, sind knappe 900 Gramm weniger für mich ein auch im Sinne des Wortes gewichtiges und letztlich ausschlaggebendes Argument, das durch die etwas längere Brennweite des Zooms nicht aufgewogen wird. Selbst wenn ich dann noch das deutlich lichtstärkere (1,8 !) 85er Batis dazu in die Kameratasche packe, habe ich immerhin noch 400 Gramm weniger zu tragen.

Mir gefällt es, mich mit einem Motiv kompositorisch auseinanderzusetzen, wozu die Wahl des Bildausschnitts in Verbindung mit Perspektive, Standort und Schärfentiefe gehören. Zoomobjektive sind bequem und sie verleiten dazu, den Bildausschnitt zu verändern und dabei Standort und Perspektive außer Acht zu lassen. Änderungen des Standorts aber öffnen neue Blickwinkel und ermöglichen oft überraschende, kreative Sichtweisen. Die in aller Regel größere Lichtstärke der Festbrennweiten erlaubt überdies ein flexibleres Spiel mit der Schärfentiefe.

Mein Motto: Kleiner, leichter, lichtstärker und bei richtigem Gebrauch kreativitätsfördernder!

Manch einer wird sich an dieser Stelle fragen, warum man dem 135er Batis nicht Blende 2 spendiert hat, gibt es doch im Hause ZEISS bereits ein solches mit A-Mount-Anschluss. Ich kenne natürlich nicht den Grund für eine solche Entscheidung, mich hat aber letztlich die geringere Lichtstärke durchaus überzeugt.

Eine größere Anfangsblende brächte bei der Qualität des Apo-Sonnars (14 Linsen) ganz sicher ein erheblich höheres Gewicht mit sich. Bei Blende 2,0 ist die Schärfentiefe im Nahbereich andererseits schon so gering, dass es bei Porträts zwischen Nase und Auge zum Beispiel sehr eng werden kann, man also meist ohnehin abblenden müsste. Bei Systemkameras wie der Sony Alpha 7, für die ja das Batis konzipiert ist, entfällt außerdem das Argument eines helleren Sucherbildes bei größerer Anfangsöffnung.

Unter Einbeziehung dieser Aspekte erscheint mir die gewählte Lichtstärke ein sehr vernünftiger Kompromiss, zumal meine Erfahrungen (siehe unten) zeigen, dass man das Objektiv wirklich nicht abblenden muss, um die Abbildungsqualität zu steigern. 2,8 ist eine vollwertige Arbeitsblende, bei der abgesehen von der Schärfentiefe keinerlei qualitative Einbußen in Kauf zu nehmen sind.

Klein ist das Objektiv nicht (Baulänge 120mm, Durchmesser 98mm), zusammen mit der Sonnenblende wirkt es sogar recht voluminös. Immerhin 14 Glaselemente mussten untergebracht werden. Neben der überragenden optischen Leistung vermag das edle Design allerdings durchaus versöhnend zu wirken, zumindest für jene, die sich nicht zwanghaft am althergebrachten Erscheinungsbild von Objektiven orientieren.

Ich finde dieses moderne Design der ganze Batis-Reihe einfach toll. Das ist aus einem Guss, ein vollendetes Zusammenspiel von Form und Funktion. Der Fokusring ist ein Genuss, das kleine Display, auf dem sich Entfernung und Ausdehnung des scharfen Bereichs ablesen lassen: Ein Geniestreich. Hätte man auf ähnlich geniale Weise noch einen kleinen AF- Schalter (ein/aus) und einen weiteren für die Bildstabilisierung (ein/aus) unterbringen können, fände zumindest ich das auch sehr hilfreich.

Natürlich kann man darüber streiten, ob zu der insgesamt sehr hochwertigen Verarbeitung eine Streulichtblende aus Kunststoff passt. Aber warum sollte schwereres Metall wertiger wirken als leichterer Kunststoff, den man als solchen nicht erkennt? »Für diesen Moment arbeiten wir.« heißt es auf der sehr ansprechenden Verpackung. Und wenn man das schöne ZEISS Batis 2,8/135mm ausgepackt hat und ein erstes Mal in Händen hält, versteht man schon ein bisschen, was damit auch gemeint sein könnte.

Natürlich aber geht es primär um jene entscheidenden Augenblicke, in denen wir Fotografen auf den Auslöser unserer Kamera drücken, um unwiederbringliche Szenen einzufangen. Montieren wir also das edle Teil an der SONY, ziehen mit Kamera und Objektiv hinaus in die Lebenswirklichkeit.

Zur Tierfotografie im Zoo ist das Objektiv nur bedingt geeignet; für die meisten Gelegenheiten dort ist die Brennweite von 135mm einfach zu kurz. Dass das nicht dem Objektiv anzulasten ist, versteht sich von selbst. Ich wollte es trotzdem gern probieren, einfach um Gelegenheiten zu finden, die Geschwindigkeit beim Scharfstellen zu testen. Tiere bewegen sich häufig unberechenbar und schnell, und da ich zum Sportfotografen nicht tauge und überdies für mich der Zoo fußläufig zu erreichen ist, schien mir das eine immerhin passende Alternative.

Die Bildergebnisse nach dieser Kennenlernphase finde ich mehr als nur zufriedenstellend. Auf die 135mm Festbrennweite konnte ich mich schnell einstellen; Tierporträts scheiden weitgehend aus, in den Mittelpunkt rücken Tiere in ihrer Umgebung und kleinere Ereignisse in den Gehegen.

Da ich tendenziell eher besonnen, ruhig und gestaltend fotografiere, fehlen mir Erfahrungen, was die Sprinter unter den Kameras bzw. Objektiven so zu leisten im Stande sind. Das 135er Apo Sonnar erschien mir zusammen mit der Kamera allerdings recht flott, d.h. immer ausreichend schnell, um auch Tiere in Bewegung hinreichend scharf abzubilden.

In den meisten Fällen ist es mir mit dem Batis gelungen die Schärfe selbst bei offener Blende präzise auf die Augen zu setzen. Das ist im Zoo – ich spreche aus Erfahrung – durchaus keine Selbstverständlichkeit; der Ausschuss kann da schon recht hoch sein. Den Konzertfotografen in mir freut es, dass der Autofokus sehr leise arbeitet. Leider ist der Verschluss der Sony Alpha 7 II nicht auch so flüsternd.

Die Schärfe des Objektivs ist bereits bei offener Blende von der Bildmitte bis zum Bildrand überragend, Abblenden ist nur notwendig, um die Ausdehnung des Schärfebereichs zu vergrößern. Ich denke, die Bilder, die ich damit gemacht habe, können das belegen.

Zu analogen Zeiten war lange das 180er Apo-Telyt zur Leica R das Maß der Dinge. Hieran knüpfen meines Erachtens die Bemühungen von Zeiss an, heute natürlich auf entschieden höherem Niveau. Beim Batis Apo Sonnar handelt es sich um ein Objektiv, das auch noch für folgende, noch bessere Kameragenerationen weit mehr als nur zufriedenstellend sein dürfte.

Am Bokeh scheiden sich oft die Geister, was da von den einen oder den anderen als angenehm oder schön empfunden wird, ist schon recht subjektiv. Ich finde das Bokeh sehr angenehm weich, und ich denke, dass das Batis da mit dem besten Objektiven gleichauf liegt.

Einige Tage später: Ich begebe mich in die Natur, besuche einen Schäfer auf der Weide. Landschaft, Tiere, Porträt, Arbeitswelt, von allem ein bisschen. Ich fotografiere ausschließlich mit dem 135er, auch dort wo ich sonst tendenziell eher das 55er Sonnar verwenden würde. Es bestätigt sich, dass sich die Beschränkung lohnt, es zeigt sich, dass nur eine Brennweite Kreativität fordert und fördert. Dabei macht das Objektiv Spaß, ein m.E. nicht zu unterschätzender Faktor auch im Hinblick auf die Ergebnisse.

Das Objektiv sitzt fest an der Kamera, es ist angenehm zu handhaben und die Einheit wirkt gut ausbalanciert. Mit einem schwergewichtigen Zoom 2,8/80-200mm könnte ich so unbeschwert nicht arbeiten. Gegen Abend erweist sich der integrierte Bildstabilisator als außerordentlich leistungsfähig.

Mit einer 30tel Sekunde lässt sich noch sehr gut aus der Hand fotografieren; auch die 1/15 Sekunde ist noch gut handhabbar. Insbesondere für das Vollformat halte ich solche Werte für äußerst bemerkenswert. Ganz ähnliche Erfahrungen mache ich beim Porträtieren bei Raumbeleuchtung, in einem Freilichtmuseum und auf dem alten Friedhof in Mülheim an der Ruhr.

Fazit

Neben solchen technischen Qualitäten ist die Lust, mit dem Batis zu fotografieren, ein ganz entscheidender Faktor das Objektiv zu mögen. Das ist sicher kein Alleinstellungsmerkmal – auch andere Objektive machen gute Laune – aber längst nicht alle gleichermaßen. Ich hatte mir das erhofft, weshalb ich das Objektiv gern testen wollte. Zumal ich, wie bereits erwähnt, über diese oder eine vergleichbare Brennweite für die Sony nicht verfüge; da ist zurzeit bei 85mm Schluss.

Aufgefordert eine Schulnote für das Objektiv zu geben, würde ich mich für eine Eins entscheiden. Warum? Das Zeiss Apo-Sonnar ist in den für mich relevanten Belangen hervorragend, also sehr gut.

Natürlich ist nichts so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte (siehe meine Sonderwünsche), aber dieses Batis ist schon verdammt nah dran am Ideal. Soweit es mir meine knappen finanziellen Mittel irgendwann erlauben, werde ich mir das Objektiv zulegen. Billig ist es nicht, aber welcher ernsthafte Fotograf möchte schon mit einer billigen Linse unterwegs sein. – Qualität hat eben ihren Preis.