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Olly A.

Olly A. (fotocommunity-Mitglied seit 2008)

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SIGMA 24-35mm F2 DG HSM Art

940 Gramm fühlen sich im technischen Datenblatt gelesen völlig anders an als in der Hand gehalten. In der Hand gehalten fühlen sich 940 Gramm Glas und Metall sehr wertig, sehr schwer an. Das ist vom Gefühl her fast so wie eine blechern zuklackende Autotür im Vergleich zu einer dumpf, selbstbewusst in das Schloss einrastenden Tür. Während das blecherne Türchen wenig Fahrkomfort vermuten lässt, verbindet man mit der dumpf einrastenden Tür eine hohe Wertigkeit – es sei denn es ist die schwere Tür eines weißrussischen Belraus Traktors aus den 70ern. 940 Gramm, das ist das Gewicht des neuen, für Vollformatkameras konzipierten SIGMA 24-35mm F2 DG HSM Art Objektivs, das auch für digitale Spiegelreflexkameras mit einem APS-C Sensor geeignet ist. Das Objektiv wird übrigens mit Köcher, Frontdeckel, Rückdeckel und Gegenlichtblende ausgeliefert.
Des Weiteren schreibt SIGMA auf seiner Webseite, dass das Objektiv ideal für Reisen, Natur, Landschaft, Sport und Action, Available Light, Architektur, Innenaufnahmen sowie für Veranstaltungen geeignet ist. Das ist prima, denn ich konnte mich bis heute für keine spezielle fotografische Disziplin festlegen und dümple mehr oder weniger zwischen allen Disziplinen hin und her – weder Fisch noch Fleisch aber dafür Labskaus.
Das technische Datenblatt des Objektivs verrät noch ein wenig mehr und am interessantesten klingen für mich die Offenblende von F2 über den gesamten Brennweitenbereich, die Naheinstellgrenze von 28 Zentimetern (bei einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:4,4) und der Hyper Sonic Ultraschallmotor – was immer Letzteres auch ist, es klingt einfach toll.
Ganz ohne Frage interessierten mich in der Praxis aber die Themen, bei denen ich mit meinen eigenen Objektiven an die Grenzen stoße oder eben erst gar nicht zu einem befriedigenden Resultat gelange. Dazu zählen neben der Lichtstärke typische Phänomene wie Blendenflecken (Lens Flares), die bei gewissen Gegenlichtsituationen auftreten oder die chromatische Aberration, bei der an den Kontrastkanten an hell/dunkel-Übergängen lustige Farbsäume schimmern, die fast so aussehen wie frühe 3D-Anaglyphenbilder, die mit einer rot/grün-Brille betrachtet werden.

Nicht ganz unerwartet ist das Objektiv Dank seiner Lichtstärke von F2 besonders für „Available Light“-Situationen geeignet, bei denen auf zusätzliche Lichtquellen wie einem Blitz oder auf ein Stativ verzichtet werden muss. Das Beispielfoto zeigt eine Person in einem abgedunkelten Raum, die einzig vom Display ihres Handys angestrahlt wird. Die Kombination aus Offenblende und hohem ISO-Wert ermöglicht eine verwacklungsfreie Aufnahme trotz der ungünstigen Lichtverhältnisse.

Alle folgenden Fotos wurden mit einer Canon EOS 5D Mark III aufgenommen.

H78A0008sw

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv24-35mm F2 DG HSM | ART
Brennweite24mm
Verschlusszeit1/60sek
BlendenwertF2
ISO5.000

Ich versuche mich eher selten an Portraits mit einem Weitwinkelobjektiv aber die Lichtstärke und das damit erwartete Bokeh machen mich neugierig. Ein weiches Bokeh verleiht gerade Portraits eine besondere Wirkung mit einem beinahe räumlichen Eindruck. Die beiden Beispielfotos wurden in der Abenddämmerung bei Offenblende F2 und höheren ISO-Werten aufgenommen. Abhängig vom Motiv, erzeugt das Objektiv bei Offenblende eine mehr oder weniger starke Vignettierung, die sich leicht mit den gängigen Bildbearbeitungsprogrammen entfernen lässt, sofern sie nicht ohnehin als Stilmittel eingesetzt wird.
Das Spiel mit der Schärfe ist ein weiteres Stilmittel, das sich auch bei der Portraitfotografie wunderbar einsetzen lässt. So kann man zum Beispiel mit Offenblende bei einem Portrait die Augen scharf abbilden, während kurz dahinter liegende Gesichtspartien oder die Schultern bereits unscharf abgebildet werden. Dieses Spiel mit der Schärfe kann den Effekt der räumlichen Tiefe verstärken. Für gewöhnlich ist das Spiel mit der Schärfentiefe bei Weitwinkelobjektiven weniger stark ausgeprägt wie zum Beispiel mit einer lichtstarken 50mm Festbrennweite, wo kleinste Partien scharf abgebildet hervorgehoben werden können. Das 24-35mm Objektiv kann für dieses Schärfespiel bei einem geringen Abstand zum Motiv und bedingt durch seine Lichtstärke ebenfalls recht gut eingesetzt werden.
Portrait mit Offenblende F2 und geringem Abstand vom Motiv (ca. 50 Zentimeter):

H78A9666

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv24-35mm F2 DG HSM | Art
Brennweite35mm
Verschlusszeit1/125 Sek
BlendenwertF2
ISO1.250

Portrait mit Offenblende F2 und etwas weiterem Abstand vom Motiv (ca. 2 Meter):

H78A0002

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv24-35mm F2 DG HSM | Art
Brennweite24mm
Verschlusszeit1/100 Sek
BlendenwertF2
ISO1.600

Früh am Morgen, noch vor Sonnenaufgang, ist wahrscheinlich die beste Zeit um die aus dem 14. Jahrhundert stammende Karlsbrücke in Prag nahezu menschenleer zu erleben und natürlich, um ungestört zu fotografieren. So stand ich also Freitagmorgens kurz vor 06:00 Uhr auf der Brücke und wartete auf einen spektakulären Sonnenaufgang, wie man ihn von unzähligen Fotos der Brücke kennt. Entgegen den Versprechungen des Wetterberichts fand der Sonnenaufgang allerdings hinter einer dichten Wolkendecke statt. Dankbarerweise beleuchteten die Prager Stadtwerke den tiefhängenden Himmel mit ihren Straßenlaternen, so dass sich der Himmel nicht in Tiefschwarz sondern Lollirosa auf den Fotos präsentiert. Ich mag das Fotografieren in der blauen Stunde und ich mag es, wenn das Objektiv von punktuellen Lichtquellen ab circa halb geschlossener Blende knackige Lichtsterne erzeugt. Die neun Blendenlamellen des SIGMA-Objektivs erzeugen einen 18-strahligen Stern, dessen Strahlen mit zunehmend geschlossener Blende immer spitzer zulaufen. Kleine Randnotiz – ein Objektiv mit einer geraden Anzahl an Lamellen produziert Lichtsterne mit Strahlen die exakt der Anzahl der Lamellen entsprechen. Die vordere Laterne im Bild verursachte vereinzelt Blendenflecken die per Bildbearbeitungssoftware herausretuschiert wurden.

H78A8435_1

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv24-35mm F" DG HSM | Art
Brennweite28mm
Verschlusszeit98 Sek
BlendenwertF16 (kleinste Blende)
ISO100

H78A8438

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv24-35mm F2 DG HSM | Art
Brennweite24mm
Verschlusszeit78 Sek
BlendenwertF16 (kleinste Blende)
ISO100

Neben Portraitaufnahmen und Aufnahmen während der blauen Stunde konnte ich das Objektiv in verschiedenen Landschaftsszenen testen. Die chromatische Aberration, im Speziellen Farbquerfehler, die sich üblicherweise verstärkt bei Offenblende an den Kontrastkanten von hell/dunkel-Übergängen am Bildrand zeigen, fallen sehr moderat aus und können leicht mit einer Bildbearbeitungssoftware entfernt werden.

Die Randschärfe ist bereits bei Offenblende F2 erstaunlich gut. Gerne hätte ich das Objektiv noch für Aufnahmen des Sternenhimmels getestet, da mein eigenes Weitwinkelobjektiv bei Offenblende die Sterne im Randbereich nur als matschige Punkte darstellt. Die allgemeine norddeutsche Novemberwetterlage eignet sich allerdings eher zur Schlechtwetterfotografie, so dass die optimale klare Sicht im Testzeitraum ausblieb.

H78A0232

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv24-35mm F2 DG HSM | Art
Brennweite24mm
Verschlusszeit1/6 Sek
BlendenwertF10
ISO100

H78A0344

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv24-35mm F2 DG HSM | Art
Brennweite26mm
Verschlusszeit1/60 Sek
BlendenwertF7.1
ISO320

Fazit:
Das SIGMA 24-35mm F2 DG HSM Art Objektiv fördert mit seinen 940 Gramm den Muskelaufbau und ist in der Tat ein Allrounder, der Dank seiner Lichtstärke besonders bei „Available Light“-Situationen punktet. Ich würde das Objektiv bevorzugt für die Bereiche Reisen, Natur, Landschaft, Available Light, Architektur, Portrait und Innenaufnahmen einsetzen. Für die Bereiche Sport und Action fällt mir spontan kein Thema ein, für das ich das Objektiv als besonders geeignet halten würde – eventuell die Kamera unmittelbar unter einem Basketballkorb positioniert, mit dem Blick nach oben gerichtet und zwar in dem Moment, in dem Dirk Nowitzki den Ball mit aller Wucht durch den Korb in Richtung Linse schlägt. Wer traut sich?

SIGMA 50mm F1.4 DG HSM Art

Das zweite SIGMA-Testobjektiv hat mit einem Gewicht von 815 Gramm ebenfalls Fitnessqualitäten. Auch die lichtstarke 50mm F1.4 DG HSM Art Festbrennweite wird mit Köcher, Frontdeckel, Rückdeckel und Gegenlichtblende ausgeliefert. Das Objektiv ist ebenfalls mit einem schnellen und sehr leisen Hyper Sonic Motor ausgestattet. Eigentlich für Vollformatkameras konzipiert, kann das Objektiv aber auch für digitale Spiegelreflexkameras mit einem APS-C Sensor eingesetzt werden.
Da ich im Besitz einer 50mm F1.4 Festbrennweite bin, interessierte mich besonders das Verhalten bei Gegenlicht, welches ich gerne bei Portraitaufnahmen einsetze und welches immer eine besondere Herausforderung darstellt. Außerdem interessierten mich wieder die chromatische Aberration, Blendenflecken und speziell der Autofokus bei Gegenlichtportraits, der bei meinem Objektiv in dieser Lichtsituation sichtliche Probleme beim Scharfstellen hat.
Eine weitere Herausforderung für den Autofokus ist Dämmerlicht, welches oftmals nicht genug Kontraste für das Scharfstellen bietet. Das Beispielfoto zeigt wieder eine Person, die lediglich vom Licht des Handydisplays angeleuchtet wird. Trotz hell ausgeleuchtet wirkender Szene, waren die realen Lichtverhältnisse deutlich ungünstiger aber kein Problem für den Autofokus.

H78A0026s

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv50mm F1.4 DG HSM | Art
Brennweite50mm
Verschlusszeit1/60 Sek
BlendenwertF1.4
ISO3.200

Wie eingangs erwähnt, fotografiere ich Portraits gerne mit Offenblende, da die daraus resultierende geringe Schärfentiefe eine interessante räumliche Wirkung erzeugen kann. Wie die beiden folgenden Beispielfotos zeigen, erzeugt das Objektiv bei Offenblende ein weiches Bokeh.

H78A9359

Foto: Olly A.

Kamera Canon EOS 5D Mark III
Objektiv50mm F1.4 DG HSM | Art
Brennweite50mm
Verschlusszeit1/250 Sek
BlendenwertF1.4
ISO200

H78A9884sw

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv50mm F1.4 DG HSM | Art
Brennweite50mm
Verschlusszeit1/160 Sek
BlendenwertF1.4
ISO2.500

Mit Gegenlichtaufnahmen kommt das Objektiv erstaunlich gut zurecht. Der Autofocus funktioniert in dieser Lichtsituation gut und auch von Blendenflecken ist keine Spur zu sehen. Die tief stehende Abendsonne befindet sich im Beispielfoto direkt hinter dem Kopf des Models.

H78A9941

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv50mm F1.4 DG HSM | Art
Brennweite50mm
Verschlusszeit1/250 Sek
BlendenwertF1.4
ISO100

Neben Portraitaufnahmen nutze ich die 50er Festbrennweite eher selten für andere fotografische Themengebiete. Die Lichtstärke mit einer Offenblende von F1.4 bietet sich mit dem möglichen Schärfespiel allerdings auch wunderbar für andere Themengebiete an. Das Objektiv zeigt im Übrigen eine ähnlich dezente chromatische Aberration bei Offenblende wie das 24-35er. Mittels Bildbearbeitungssoftware kann diese problemlos entfernt werden. Die Vignettierung bei Offenblende fällt sehr dezent aus.

H78A8461q

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv50mm F1.4 DG HSM | Art
Brennweite50mm
Verschlusszeit1/500 Sek
BlendenwertF1.4
ISO400

Die Naheinstellgrenze von 40 cm (bei einem Abbildungsmaßstab von 1:5,6) erlaubt auch Detailaufnahmen von kleineren Objekten. Mit Hilfe einer geringen Schärfentiefe können so ungewöhnliche Kompositionen erstellt werden

H78A0272sw1

Foto: Olly A.

KameraCanon EOS 5D Mark III
Objektiv50mm F1.4 DG HSM | Art
Brennweite50mm
Verschlusszeit1/200 Sek
BlendenwertF2
ISO100

Fazit
Das SIGMA 50mm F1.4 DG HSM Art Objektiv ist mit seinen 815 Gramm ebenfalls kein Leichtgewicht, dessen muss man sich bei beiden Objektiven bewusst sein. Die Qualitäten des Objektivs liegen in der Schärfe, dem guten Verhalten bei Gegenlichtaufnahmen sowie der geringen chromatischen Aberration jeweils bei Offenblende. Ich würde das Objektiv bevorzugt für die Bereiche Available Light, Portrait sowie Veranstaltungen und Dokumentation einsetzen.

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