OM-D
Juri Bogenheimer

Juri Bogenheimer (fotocommunity-Mitglied seit 2015)

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“Leidenschaftlicher, anspruchsvoller Fotograf sucht für seine Geschäftsreisen und Alltagssituationen ebensolche Begleitung, die mit ihm schlank und unauffällig die Leidenschaft teilt.”

Das schrieb ich 2008 in meinem Blog, als ich mich erstmals auf die Suche nach einer kleinen und leistungsstarken Kamera machte. Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen, ohne dass ich wirklich glücklich wurde. Immer fehlte etwas wie z.B. ein Sucher oder ein schneller, verlässlicher AF der auch bei wenig Licht noch funktioniert.
Mein Anspruch ist schnell formuliert:

  • schneller AF (und ich meine wirklich schnell) und das auch bei Dämmerlicht
  • top Bildqualität, auch bis ISO 1600
  • möglichst großer Sensor
  • schnelle Einsatzbereitschaft/geringe Auslöseverzögerung
  • handlich, möglichst klein

Gesamteindruck

Die Olympus OM-D E-M5 Mark II ist wesentlich kleiner als ich erwartete und im Vergleich zu meiner Nikon D610 ein Winzling. Das überraschte mich jetzt wirklich, denn auf den Prospekten wirkt sie größer. Sie ist dennoch nicht zu vergleichen mit einer Kompaktkamera, die im Idealfall in die Hosentasche passt. Der Body ist sehr robust und ausgesprochen wertig. Das mitgelieferte Objektiv dagegen, ein 12-50 mm 1:3.5-6.3, ist mir mit einer Länge von 8.5 cm deutlich zu groß und zu lichtschwach. Da geht ein Stück Handlichkeit und Performance verloren.
Für das Einschalten und die ersten Bilder brauchte ich noch kein Handbuch, für die weiteren Feinheiten dann doch.

Menüführung und Bedienung

Die E-M5 Mark II hat ein sehr umfangreiches Menü und damit lässt sich die Kamera wirklich sehr individuell einstellen. Dazu kommen noch 4 frei belegbare Funktionstasten. Allerdings muss man sich ein wenig mit dem Menü beschäftigen und auch mal das Handbuch zur Hand nehmen. Es ist nicht alles selbsterklärend.

Zu einer meiner ersten Taten gehörte das Ändern des Weißabgleichs auf neutral. Im voreingestellten Warmton wird mir schnell alles zu gelb, vor allem bei Kunstlicht.
Dann habe ich die ISO Einstellung auf Funktionstaste Fn2 gelegt, um schnellen Zugriff auf diese Einstellung zu haben.

Die Einstellräder oben auf der Kamera wirken sehr solide und sind gut zu erreichen. Lediglich das mehrfach Wahlrad unten rechts, über das u.a. das AF-Feld gewählt wird, liegt mir zu tief. Mit dem Auge am Sucher erwartet mein Daumen das Wahlrad einfach ein gutes Stück höher. Das ist offensichtlich dem kleinen Gehäuse geschuldet.

Elektronischer Sucher und Display

Eine Kamera ohne Sucher bleibt für mich ein Spielzeug, gibt es doch genügend Momente bei denen ich die Kamera nicht am ausgestreckten Arm vor mir halten möchte, um ein Portrait zu machen.
Die E-M5 Mark II hat einen elektronischen Sucher und der zeigt ein wirklich großes und helles Bild.
In der Standardeinstellung wird er aktiviert, sobald man in die Nähe des Suchers kommt. Ein sehr helles Bild zeigt er tatsächlich auch in abgedunkelten Räumen und das ist auch ein Unterschied zu einer DSLR, bei der man ja die tatsächliche Lichtsituation sieht. Befindet man sich im Modus M, so ändert sich das Sucherbild nicht wenn man Zeit oder Blende verändert. Im Modus A dagegen wird das Sucherbild heller oder dunkler wenn man gezielt über- oder unterbelichtet.

Ich persönlich finde den Sucher sehr gut und die Umstellung von einem optischen auf einen elektronischen Sucher verlief bei mir schmerzfrei.

Das Display lässt sich seitlich ausklappen und in alle Richtungen drehen. Damit sind auch hochformatige Aufnahmen mit der Kamera vor dem Bauch möglich. Die Kamera wird aber auch breiter, irgendwie auffälliger und ich scheue mich mit seitlich ausgeklapptem Display rumzulaufen, da mir die Konstruktion auch fragiler vorkommt. Ich persönlich bevorzuge da das Display der E-M10 oder der E-PL Serie, auch wenn es nicht so viele Möglichkeiten bietet.

OM-D E-M5 Mark II im Einsatz

Da mir das mitgelieferte 12-50 mm 1:3.5-6.3 zu groß und lichtschwach war, testete ich die Kamera mit einem M.Zuiko 45 mm 1:1.8 sowie einem M.Zuiko 14-45 mm 1:3.5-5.6. Diese beiden Objektive passten von der Größe her ganz hervorragend zu der Kamera und erfüllten vor allem meinen Wunsch nach einem handlichen Format.

Die Kamera braucht nach dem Einschalten geschätzte 1.5 Sekunden bis sie bereit ist und ein Bild auf dem Display anzeigt. Nähert man sich dem elektronischen Sucher, wird dieser automatisch aktiviert.

Der Autofokus ist schnell, wirklich schnell und das auch bei Dämmerlicht. Das ist mir sehr wichtig, da ich bisher keine Systemkamera in der Hand hatte die das meistert. Es gibt verschiedene Einstellmöglichkeiten und die Gesichtserkennung mit Fokus auf die Augen inkl. Focustracking funktioniert super.

Auf meinen ersten Spaziergängen fällt mir auf, daß die Kamera eingeschaltet kaum in den Ruhemodus geht. Das kostet Strom denke ich mir und suche nach einer Lösung, da ich nicht ständig ein- und ausschalten möchte. Hat man die Kamera eingeschaltet umhängen, wird durch die Nähe zur Kleidung ständig der elektronische Sucher aktiviert und die Kamera bleibt in Bereitschaft. Ich habe auch keinen Knopf gefunden der das Display ausschaltet. Bei vielen Kameras funktioniert das über die INFO Taste.

Im Menü habe ich dann die automatische Umschaltung deaktiviert, sodaß die Kamera nach 1 Minute zur Ruhe kommt. Kürzere Zeiten gehen leider nicht.

Es macht mir wirklich Spaß mit dieser Kamera unterwegs zu sein. Klein, leicht und unauffällig, ein Gefühl das ich von meiner Nikon D610 nicht kenne. Ich besuche Bars und Cafés und habe eine Kamera dabei die nicht automatisch den halben Tisch ausfüllt. Interessanterweise fühlt sich auch die Familie nicht mehr belästigt. Mit dem M.Zuiko 45 mm 1:1.8 habe ich dabei ein Objektiv, das sehr lichtstark ist und auch bei Offenblende scharf abbildet. Zusätzlich kann man damit auch gut freistellen und das Bokeh empfinde ich als angenehm.

Ganz erstaunlich ist der 5-Achsen Bildstabilisator mit dem ich auch lange Belichtungszeiten aus der Hand mache. Selten muss ich über ISO 800 gehen.

Die Bildqualität ist für meinen Anspruch ganz hervorragend!
Ab ISO 1600 aufwärts merkt man schon, dass der kleinere Sensor seine Grenzen hat, aber ich finde trotzdem, dass die interne Rauschunterdrückung eine ordentliche Arbeit macht. Bei Kunstlicht, bzw. Mischlicht bin ich nicht immer ganz einverstanden mit dem Ergebnis. Das lässt sich aber mit dem Olympus Viewer 3 im RAW Modus ganz gut korrigieren.
Das Bildformat von 4:3 kann im Menü geändert werden. Zur Verfügung stehen 3:2, 1:1, 16:9, 3:4. Natürlich könnte man das auch per Beschnitt ändern, aber wenn man es vorher macht, sieht man im Sucher auch nur diesen Ausschnitt, was für die Bildgestaltung hilfreich ist.

Beispielbilder

Die hier gezeigten Bilder sind das Ergebnis meiner Fotospaziergänge, Besuch bei Freunden und ein wenig Spielerei. Der ganz normale Alltag halt. Alle Bilder wurden ausschließlich im Olympus Viewer bearbeitet, wenn überhaupt. Die Exif-Daten sind hinterlegt und so bekommt man einen Eindruck von den Belichtungszeiten, ISO etc.

Sonstiges

Über die weiteren Möglichkeiten, die die E-M5 Mark II bietet, könnte man seitenweise schreiben:

  • Umfangreiche Videofunktion bei der der 5-Achsen Bildstabilisator seine Stärken zeigt
  • LCD mit Touch-Funktion
  • WIFI Steuerung
  • 40 Megapixel Aufnahme
  • Art Filter & Photostory und vieles mehr!

Ein Gedicht für Technik Freaks. Wer das nicht braucht, der lässt es einfach.

Fazit

Die OM-D E-M5 Mark II ist für mich die optimale Reisekamera, bzw. Kamera für jeden Tag. Ich reise geschäftlich sehr viel und fotografiere dann vor Ort auch gerne. Meine DSLR nehme ich nicht mit, da sie einfach zu groß ist und ich eher wie ein Tourist als wie ein Geschäftsmann aussehen würde. Die Olympus ist von der Größe her absolut akzeptabel und hat zudem noch einen AF der bezüglich Schnelligkeit und Genauigkeit keinen oder kaum einen Unterschied zur DSLR ausmacht. Der Sucher macht sie zu einer vollwertigen Kamera.

Wer sich in die Wildnis begibt, sollte ein paar Akkus mitnehmen, da die Kamera in Dauernutzung ordentlich Strom benötigt.
Interessant ist auch die E-M10, die zwar nur einen 3-Achsen Bildstabilisator und kein „wetterfestes“ Gehäuse hat, dafür aber weniger als die Hälfte kostet. Vor allem empfehle ich die Kamera mit lichtstarken Festbrennweiten zu bestücken. Meine Empfehlung wären das M.Zuiko 45 mm 1:1.8 und das 17 mm 1:1.8

Seine Testbilder mit der Kamera:

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