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Jens Bachmann

JensBachmann (fotocommunity-Mitglied seit 2011)

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Einleitung und Hintergrund

 

Porvaldstindur

Þorvaldstindur, Askja und ein kleines Flugzeug
(200mm, ISO160, f/6.3, 1/1250, Freihand)

 

Meine Landschaftsfotos entstehen vor allem auf Wanderungen und Trekkingtouren, wobei neben dem nahen Harz das isländische Hochland und die norwegischen Gebirgsregionen zu meinen favorisierten Landschaften zählen. Seit 2010 fotografiere ich mit Nikon Kameras. Ich entschied mich damals für eine Nikon D90 als guten Kompromiss aus Bildqualität und Gewicht. Spiegellose Kameras steckten noch in den Kinderschuhen und eine Kleinbildformatkamera war mir zusammen mit den passenden Objektiven zu groß und zu schwer.

Derzeit besteht meine Ausrüstung für Trekkingtouren im Wesentlichen aus einer Nikon D7100, drei Objektiven (Sigma 8-16, Nikkor 16-85, Nikkor 4.0/70-200) und einem relativ leichten Stativ (Feisol 3442). Im Winter ergänzen zwei lichtstarke Festbrennweiten (Samyang 2.0/16 und Nikkor 1.8/35) die Ausrüstung für Aufnahmen bei Dunkelheit. Seit ein paar Jahren nehme ich auch eine Ersatz- bzw. Zweitkamera mit auf die Wanderungen. Im Sommer eine Nikon 1V1 mit 10mm Pancake, im Winter meine alte D90. Diese Kameras nutzte ich bislang vor allem für Zeitrafferaufnahmen. So nett das Fotografieren mit der winzigen 1V1 auch ist, die Bedienung und vor allem die Bildqualität des 1“ Sensors überzeugen mich nicht vollständig. Die D90 bietet noch immer eine gute Qualität, ist allerdings als Ersatz für Sommertouren doch recht schwer, im Winter in der Pulka fällt sie dagegen weniger ins Gewicht.

Mich reizt die Erkundung relativ unberührter und abgelegener Gebiete, dabei ist eine leichte und effiziente Ausrüstung essenziell. Wenn der Rucksack bereits 25kg wiegt, überlege ich mir immer öfter, ob die schwere Spiegelreflexausrüstung wirklich nötig ist. Beim Thema Gewicht wird die Nikon D5500 interessant, denn sie bietet einen aktuellen APSC-Sensor in einem wirklich kleinen und leichten Gehäuse. Die Testkamera nahm ich auf eine mehrwöchige Trekkingtour als Ergänzung zur D7100 mit. Zwei vollwertige Kameras mit aktueller Sensortechnologie dabei zu haben hat gerade in Island seine Vorteile, da sich viele Objektivwechsel einsparen lassen und dadurch deutlich weniger Staub auf den Sensor gelangt, falls es nicht regnet oder schneit, ein ständiges Problem im Hochland.

Während des Tests vergleiche ich die D5500 daher logischerweise oft mit der D7100. Die meisten gezeigten Fotos entstanden bei einer zweiwöchigen Wanderung um die Dyngjufjöll (Askja) sowie am Mývatn und wurden in Lightroom aus den RAW-Dateien der D5500 entwickelt. Mein Bearbeitungsziel ist dabei immer die reale Lichtstimmung vor Ort zu erhalten und keine Bildmanipulationen durchzuführen (z. B. unnatürliche Helligkeitsverläufe oder verfälschte Farben).

Hverfell

Hverfell
(86mm, ISO200, f/8, 1/30, Freihand mit VR)

 

Fotografieren mit der D5500

Das Beste gleich am Anfang: Die kleine Kamera liegt hervorragend in meiner Hand. Jedes Mal wenn ich zwischen der D5500 und D7100 wechselte, kam mir letztere vor wie ein schwerer Klotz ohne erkennbare Griff-Ergonomie. Der tiefe Einschnitt bei der D5500 macht den Unterschied. Es ist erstaunlich wie gut die leichte D5500 sogar mit dem 70-200 harmoniert, die Ermüdung beim langen Tragen dieser Kombination ist deutlich geringer als mit der D7100. Am Rande sei die Frage erlaubt, warum Nikon eine solche Griffergonomie bei der D750 verbaut, jedoch nicht bei der noch neueren D7200?

Es macht einfach viel Freude mit der kleinen und leichten D5500 zu fotografieren, zumindest so lange die Einstellungen nicht umfangreich und schnell geändert werden sollen. Die fehlenden Direktzugriffsmöglichkeiten durch die niedrige Platzierung im Nikon Programm fallen in solchen Augenblicken negativ auf. Ich bin zwei Einstellräder und mehr Buttons von meiner D7100 gewohnt, die D5500 bietet nur ein gut platziertes Rad auf der Rückseite. Im einfachsten Falle stelle ich für die Wechsel von Landschafts- auf Tierfotografie das Modus-Wahlrad bei der D7100 von U1 auf U2 und den Auslösemodus von Einzelbild auf „schnelle“ Bildfolgen. Im Falle der D5500 ist da mehr Arbeit nötig. Zwar gibt es einen FN-Button am linken Spiegelgehäuse, den ich mit der ISO-Einstellung belegt habe, aber es ist nicht möglich über Diesen auch die ISO-Automatik an- und auszustellen wie bei der D7100. Dafür muss das Menü bemüht werden. Gut finde ich bei Nikon die Möglichkeit häufig genutzte Befehle frei in einem extra Menü-Ordner („MEIN MENÜ“) zu platzieren. Bei mir sind es z. B. Spiegelvorauslösung (nur 1 Sekunde fest eingestellt), ISO-Automatik, Bildsensor-Reinigung, Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung, Bit-Tiefe, Intervalometer, Monitorhelligkeit und Video als sehr häufig genutzte Befehle.

Die wenigen Tasten an der D5500 sind relativ schwierig zu erfühlen, sie sind klein und teilweise im Gehäuse versenkt (z. B. der Taster zur Änderung des Auslösemodus vorne). Mit etwas Eingewöhnung und ohne Handschuhe ist das für mich aber kein Problem. Verwirrend wird es beim Wechsel zwischen verschiedenen Kameras, aber das ist bei Nikon nichts Neues. Irgendein Knopf bzw. seine Funktionalität scheint bei jedem Modell gewechselt zu werden, warum auch immer…

Da der Juli im isländischen Hochland eher winterlich war, durfte ich auch unter realistischen Bedingungen die Bedienbarkeit mit Handschuhen testen. Mit dünnen Liner-Handschuhen bemerkte ich kaum einen Unterschied. Dagegen ist die Bedienbarkeit mit Fausthandschuhen doch etwas eingeschränkt im Vergleich zur D7100 mit ihren stärker herausgestellten Tastern, was allerdings nicht heißen soll das man gar nicht im Winter mit der D5500 fotografieren kann. Es erfordert mehr Aufmerksamkeit um nicht aus Versehen den falschen Knopf zu drücken bzw. ihn überhaupt zu finden.

Positiv im Vergleich zur D7100 ist mir die Platzierung der Knöpfe für Wiedergabe und Löschen aufgefallen. Als Standard schalte ich zum Stromsparen die automatische Bildwiedergabe aus. In vielen Situationen möchte ich aber die gerade gemachten Fotos auf Schärfe und korrekte Belichtung überprüfen und muss daher bei der D7100 entweder die linke Hand vom Objektiv nehmen oder die rechte Hand verrenken, um an die entsprechenden Knöpfe links oben zu kommen. Bei der D5500 liegen sie dagegen für den rechten Daumen einfach erreichbar über bzw. unter dem D-Pad. Für mich eine echte Erleichterung. Wenn es nun noch möglich wäre per einfachen Druck auf den OK-Knopf die 100% Ansicht des betrachteten Fotos aufzurufen wie bei den höher angesiedelten Nikon Modellen, wäre die Bedienung bei der Bildkontrolle nahezu perfekt für mich. Die D5500 bietet diese Möglichkeit nicht, daher muss entweder über längeren Druck auf die Plustaste vergrößert werden, was durch die angezeigte Skala und den ersten Anschlag bei der 100%-Ansicht ganz gut funktioniert, nur nicht so schnell. Ein weitere Alternative bietet die Touch-Funktion, mit den bekannten Gesten kann schnell in das Foto hinein gezoomt und vor allem viel schneller durch das vergrößerte Foto navigiert werden. Sehr schön, aber nur für den Einsatz in den warmen Monaten geeignet. Mit Handschuhen wird das nichts. Für die schnelle Kontrolle eignet sich ein einfacher Knopfdruck deutlich besser da die Hände bleiben können, wo sie für das Fotografieren gebraucht werden.

Wenn die D5500 aber erst einmal richtig eingestellt ist, funktioniert sie sehr gut. Der Autofokus sitzt in den meisten Fällen zielgenau und ist ausreichend schnell. Da ich nach der fast leblosen Wüste ein paar Tage am idyllischen und vogelreichen Mývatn verbrachte, konnte auch die Fokusgeschwindigkeit und -genauigkeit im Zusammenspiel mit dem Nikon Telezoom 4.0/70-200 ein wenig getestet werden. Dafür stellte ich den Fokus auf AF-C (kontinuierlicher Autofokus) und 3D-Verfolgung bzw. 9 dynamische Felder. Die 3D-Verfolgung von Vögeln am Himmel funktioniert sehr gut und je nach Größe des Objekts im Sucher auch vor unruhigen Hintergründen. Langsamere und gleichmäßig fliegende Vögel wie die Lachmöwe konnte ich eigentlich immer scharf ablichten, etwas schwieriger wurde das Verfolgen der schnelleren und manchmal hektischen Küstenseeschwalbe, die Trefferquote war aber sehr gut und meistens lag der Fehler in der Bedienung und nicht an der Kamera selber…

Lachmoewe

Lachmöwe
(200mm, f/8, ISO500, 1/1000, Freihand)

 

Kuestenseeschwalbe

Küstenseeschwalbe
(155mm, f/7.1, ISO400, 1/1600, Freihand)

 

Zum Glück funktionierte der Autofokus mit meinen vorhandenen Objektiven sehr gut und zielgenau. Besonders mit einer lichtstarken Festbrennweite, wie dem sehr empfehlenswerten Nikkor 1.8/35, hatte ich an der D90 Probleme mit einer falschen Fokusebene. U.a. die D7100 bietet eine Fokus-Feinjustierung die eine Korrektur von Front- oder Backfokusproblemen in gewissen Bereichen ermöglicht. Damit konnte ich die Präzision einiger Objektive deutlich verbessern. Warum Nikon diese Funktion in den Einsteigermodellen nicht anbietet ist mir ein Rätsel. Ich denke jeder Fotograf, ob Anfänger oder Profi, möchte die Schärfe an der gewünschten Stelle haben, ohne die Kamera zusammen mit dem Objektiv zur Einstellung an den Hersteller zu schicken. Wenn es nun eine Funktion wie die Fokusanpassung im Menü gibt, sollte Nikon sie auch allen Fotografen anbieten.

Bei Dämmerung und wenig Kontrast fokussiert die D5500 zumindest mit dem mittleren Kreuzsensor zwar etwas langsamer aber recht zuverlässig. Ein kleiner Unterschied zum Fokussystem der D7100 ist allerdings noch spürbar, sie stellt in solchen Situationen etwas schneller und mit weniger Pumpen scharf. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Wanderer_im_Nebel

Der Autofokus traf den Wanderer im Nebel trotz geringem Kontrast schnell und sicher
(165mm, ISO100, f/8, 1/800, Freihand)

Ein weiterer Test des AF bei den Wildkatzen im Nationalpark Hainich (Wildkatzendorf) musste leider wegen Trägheit der Katzen in der schwülen Hitze ausfallen. Dafür waren die kleinen und flinken Mäuse im Holzstapel eine willkommene Alternative. Die Ausschussrate hielt sich trotz schwieriger Bedingungen in Grenzen.

Wildkatze

Wildkatze [C] (180mm, f/5.6, ISO500, 1/250, Freihand + VR)

Im_Schattenreich

Im Schattenreich
(200mm, f/4, ISO500, 1/4000 (Aufhellung um 1.5 Blendenstufen))

Der Sucher ist vergleichsweise klein und bietet nicht das volle Sichtfeld, d.h. die Kamera nimmt mehr auf als durch den Sucher sichtbar ist. Daher muss im Nachhinein recht häufig der Ausschnitt angepasst werden, weil ein kleines störendes Element im Sucher nicht sichtbar war. Da reizen mich die Möglichkeiten der spiegellosen Kameras mit ihren teilweise riesigen elektronischen Suchern und einblendbaren Informationen sowie Fokushilfen. Allerdings ist mir auch der Stromverbrauch wichtig wenn ich während wochenlanger Touren nicht einfach jeden Abend die Akkus an einer Steckdose aufladen kann. Da spielt eine Spiegelreflexkamera mit dem optischen Sucher noch gnadenlos ihre Vorteile aus. Die D5500 (1230mAh) schafft mit ihrem kleineren Akku sogar mehr Aufnahmen als meine D7100 (1900mAh). Ich kam trotz häufiger Bildkontrollen und Verwendung des Bildstabilisators am 4.0/70-200 auf etwa 800-1100 Bilder mit einer Akkuladung.

Ein kleines Detail am aufklappbaren Blitz ist mir aufgefallen. Beim Hineinstecken in meine recht enge Tasche geht der interne Blitz nicht mehr ungewollt auf, da die Trennlinie zum Gehäuse nicht wie bei der D7100 vorne sondern oben verläuft. Da ich ihn nur sehr selten nutze, habe ich den Blitz bei der D7100 daher mit Klebeband fixiert. Bei der D5500 ist das nicht nötig.

Vermisst habe ich die einblendbare elektronische Wasserwaage um Fotos auf einfache Art und Weise gerade ausrichten zu können.

 

Bildqualität

 

Joekulsa_a_fjoellum

Jökulsá á Fjöllum
(70mm, f/16, ISO200, 1/100, Freihand + VR)

In Sachen Bildqualität gibt es nichts auszusetzen. Auch im APS-C Bereich verbaut Nikon schon fast traditionell hervorragende Sensoren und bietet sehr gut bearbeitbare RAW-Dateien mit 12 oder 14 Bit Farbtiefe. Eine kleine Einschränkung ist die fehlende Möglichkeit der Auswahl von „verlustfrei komprimierten“ RAW-Dateien, es gibt nur die normal komprimierten Dateien. Aber damit kann ich gut leben. Zwar nutze ich in gewissen Situationen die verlustfrei komprimierten RAW Dateien bei der D7100, aber beim direkten Vergleich ist mir bislang kein deutlich sichtbarer Unterschied aufgefallen. Trotzdem beruhigt diese Option manchmal…
Da ich meistens im RAW-Format fotografiere, kommen gerade auf längeren Wanderungen schnell sehr große Datenmengen zusammen. Es ist erfreulich 12-Bit RAW Dateien zur Auswahl zu haben um die Dateigrößen in Grenzen zu halten. Vor allem bei Zeitrafferaufnahmen mit hunderten von Fotos macht sich dies positiv bemerkbar.
Gespeichert werden die Daten auf einer SD-Karte. Auch wenn ich bisher glücklicherweise keine Datenverluste oder defekte Speicherkarten zu beklagen hatte, ist die Möglichkeit zur doppelten Speicherung auf einer zweiten Karte bei der D7100 sehr beruhigend. Daher nutzte ich die Kopierfunktion dieser Kamera um die Fotos der D5500 jeden Abend auf einer zweiten SD-Karte zu sichern.
Im Vergleich zu meiner D7100 sind Verbesserungen der Bildqualität erkennbar. Beim Aufhellen von dunklen Bildpartien, was gerade in der Landschaftsfotografie sehr häufig nötig ist, zeigt sich nun im Extremfall keine störende Streifenbildung (Banding) mehr und auch der manchmal vorhandene Magenta Farbstich ist auf den ersten Blick scheinbar weniger ausgeprägt.

Myvatn

Mývatn
(26mm, ISO200, f/8, 1/320, Freihand, Aufhellung der Tiefen um etwa 2 Blendenstufen)

 

Dimmu_Borgir

Dimmu Borgir, Kyrkja
(8mm, ISO200, f/11, 1/50, Freihand, belichtet um die Wolkenstrukturen zu erhalten und nachträgliche Aufhellung der Schattenbereiche)

 

Die Empfindlichkeit lässt sich nun bis ISO 25600 einstellen. Kleinformatige und dokumentarisch nutzbare Fotos lassen sich damit erzeugen, aber das Rauschverhalten einer FX-Kamera darf man natürlich nicht erwarten.

Lavaspalte

Beispielfoto für einen realistischen ISO25600 Einsatz: Fotografiert in einer Lavaspalte bei Dämmerungslicht und Kopflampe
(10mm Fisheye, ISO25600, f/2.8, 1/13, Freihand)

 

ISO 1600 ist dagegen sehr gut nutzbar. Da ich nicht ständig das Stativ vom Rucksack schnallen wollte, habe ich bei nächtlichen Wanderungen im Dämmerlicht des nordischen Sommers häufig erhöhte ISO-Werte im Zusammenspiel mit dem sehr guten VR-System des 70-200 genutzt, z. B. um schnell diesen kurzlebigen „Mini-Tornado“ über dem noch heißen Lavafeld zu fotografieren:

Nyja_Holuhraun

Nýja Holuhraun
(98mm, ISO1600, f/4, 1/25sec, Freihand mit VR)

Intervalometer

Die D5500 bietet einen internen Intervallmodus für bis zu 9999 Aufnahmen im Abstand von mindestens einer Sekunde. Bei einem so kurzen Intervall läuft der interne Speicher allerdings recht schnell voll und bereits nach wenigen Aufnahmen verzögern sich bei Aufnahmen im RAW-Format weitere Fotos wenn keine schnelle Speicherkarte eingesetzt wird (95MB/s funktioniert gut).
Leider stellt die D5500 im internen Intervallmodus komplett auf stur und nimmt keine Befehle mehr entgegen. Es ist also im manuellen Modus weder möglich Anpassungen an der Belichtungszeit vorzunehmen, noch die Bildwiedergabe kurz zur Kontrolle zu aktivieren. So nutzte ich in Island die D5500 immer dann wenn die Lichtverhältnisse einigermaßen konstant waren und für alles andere wie gehabt die D7100, die Eingriffe während der Intervallaufnahmen zulässt. Für einen aussagekräftigen Test des Belichtungsausgleichs bei Intervallaufnahmen blieb mir vor der Reise leider keine Zeit.
Im Zusammenhang mit Zeitrafferaufnahmen vermisse ich bei der D5500 den 2xCrop Modus der D7100. Diese Funktion nutze ich sehr gerne um zusätzlich zur 12Bit Einstellung die Dateigröße der RAWs zu verringern, da Nikon kein skaliertes RAW-Format anbietet. 24 Megapixel sind in den meisten Fällen nicht nötig, mit den 16MP des 2xCrop der D7100 lassen sich auch schöne Zeitrafferfahrten erstellen.

Touchscreen, Live-View & Video

Live-View ist zusammen mit dem schwenkbaren und berührungsempfindlichen Monitor ein echter Gewinn. Verrenkungen bei bodennahen Aufnahmen gehören der Vergangenheit an. Einfach den Monitor ausklappen und schwenken, Live-View anschalten und mit der Fingerspitze den gewünschten Fokuspunkt antippen. Wenn man will löst die Kamera nach erfolgreicher Fokussierung, die leider noch immer etwas langsam und pumpend aber dafür sehr präzise ist, von alleine aus.

Alpenheim

Alpenhelm und Herðubreið
(8mm, f/11, ISO100, 1/80, Freihand mit ausgeklapptem Schwenkmonitor)

 

Die Kamera erkennt auch Gesten. Hilfreich ist das schnelle „Wischen“ durch Menüs und das Ändern von Einstellungen im i-Menü per einfachen Fingerdruck und das herum scrollen in Fotos. Das ist zwar nicht gerade eine Weltneuheit, aber es vereinfacht die Bedienung etwas. Weniger überzeugen mich die Gesten während der Aufnahme, beispielsweise das Aktivieren der Hilfslinien. Praktisches Resultat ist aber ein ständiges unbeabsichtigtes Aktivieren dieser Funktion mit der Nase beim Blick durch den Sucher oder mit der Hand bei der Bedienung anderer Tasten. Erstaunlich gut funktioniert nach etwas Eingewöhnung die Wahl des Fokuspunktes mit dem rechten Daumen. Sehr schnell und feinfühlig lassen sich die 39 Fokuspunkte ansteuern. Da sich die Gesten getrennt für Wiedergabe und Aufnahme aktivieren lassen ist es ganz interessant damit zu spielen, einige Gesten funktionieren schon jetzt recht gut. In Zukunft könnte damit auch die Einstellung der Aufnahmeparameter etwas einfacher werden.

Schade, dass die Verstellung der Blende nicht unmittelbar während des aktivierten Live-Views funktioniert. Für eine realistische Vorschau der Änderungen muss Live-View erst deaktiviert und dann wieder aktiviert werden, sehr umständlich. Auch das mehrmalige „Spiegelklappern“ bei Fotos im Live-View-Modus ist noch vorhanden.
Die Qualität der Videos ist für mich auf den ersten Blick gut. Als nützlich empfinde ich das neue FLAT Profil. Es erzeugt sehr kontrastarme (nicht besonders ansehnliche) Videos, die sich aber später besser in Kontrast und Farben anpassen lassen. Willkommen ist mir dieses Profil auch bei normalem Fotobetrieb um die Reserven der RAW-Dateien in den Lichtern und Schatten besser einschätzen zu können.

Veröffentlicht am 12.08.2015
Fotos, Zeitraffer und Videos einer vierzehntägigen Wanderung rund um die Dyngjufjöll im Herzen der Lavawüste Ódáðahraun.

 

Schmelzwasserpfuetze

Der schwenkbare Monitor erlaubte eine relativ bequeme Position während die Kamera vor der Schmelzwasserpfütze auf dem Boden lag. Wenige Sekunden später wurde die Spiegelung der Herðubreið bei kurzer Windstille nahezu perfekt. Mit einer Kamera ohne Schwenkmonitor hätte ich wegen der komplizierteren Bedienung womöglich diesen kurzen Augenblick verpasst. (70mm, f/11, 1/10, Bodenlage)

Wifi ist auch ganz nett um mal schnell ein Foto auf das Handy zu transferieren. Die Fernsteuerfunktion ist sehr einfach gehalten. Einstellungen der Kamera lassen sich gar nicht ändern, einzig der Fokuspunkt und die Auslösung sind möglich.

Fazit und Wunschträume

Die D5500 hat mich im Grunde begeistert. Das klingt vielleicht komisch nach doch recht viel Kritik in den Zeilen zuvor. Doch sind viele der Kritikpunkte der Platzierung im Einsteigersegment geschuldet und wären mit einem einfachen Softwareupdate zu verbessern. Begeistert hat mich die reine Fotografie mit diesem leichten und sehr handlichen Gerät. Ob mit schwerem Telezoom oder erst recht mit der federleichten 35er Festbrennweite, es bereitet Freude diese Kamera in die Hand zu nehmen. Die Leichtigkeit des Fotografierens ist zurück, und das mit einer Spiegelreflexkamera. Ich hätte vor dem Test nicht damit gerechnet und könnte mir nun sogar vorstellen auf einigen Touren nur mit der D5500 los zu ziehen. Für die normalerweise langsame Landschaftsfotografie sind die genannten Einschränkungen teilweise verschmerzbar, solange die Bildqualität stimmt und der Rücken geschont wird…

Mit dem Erstarken der spiegellosen Systemkameras sollte Nikon allerdings die Ausstattung der Einsteigerkameras verbessern damit auch wirklich die theoretischen Vorteile nutzbar sind. Als Beispiel würde ich mir ein Softwareupdate mit Fokus-Feineinstellung, 100%-OK-Button, frei belegbarer Video-Taste wünschen. Gerade die Fokus-Feineinstellung ist meiner Meinung nach nötig, um gegen die systembedingt exakt fokussierenden, aber meistens noch etwas langsameren spiegellosen Kameras in diesem Preissegment bestehen zu können. Was hilft mir ein schneller kontinuierlicher Autofokus, wenn die Fokusebene beim lichtstarken Objektiv daneben liegt? Auch zusätzliche Fokushilfen für das manuelle Fokussieren mit Live-View wären hilfreich.

Noch etwas weiter gesponnen kann ich mir auf Basis der D5500 die ideale Outdoor (Spiegelreflex-) Kamera vorstellen: Wetterfestigkeit auf dem Niveau einer Olympus E-M1, mehr Direktbedienungselemente (zweites Rad, freie Belegung), einfacher Klappmonitor, zweiter Speicherkartenslot und Verzicht auf den ausklappbaren Blitz wären einige Zutaten. Dazu ein paar maßgeschneiderte DX-Objektive mit moderater Lichtstärke (4/11-28, 4/50-200) und ein paar zusätzliche lichtstarke Festbrennweiten. Ich bin mir sicher, dass eine solche Kamera ihre Käufer finden würde, zumindest darf man ja noch träumen… Als Tester stünde ich sofort bereit!

Vielen Dank für die ausführliche Testmöglichkeit an Nikon und die fotocommunity!

Beispielbilder

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