Erfahrungsbericht Heinz-Jürgen Groß

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Heinz-Jürgen Groß

Heinz-Jürgen Groß (fotocommunity-Mitglied seit 2005)

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EIZO ColorEdge CS2420 – ein Erfahrungsbericht

Die fotocommunity hatte im April zusammen mit EIZO zehn Produkttester gesucht, die den neuen EIZO ColorEdge CS240 im Alltagsbetrieb auf Herz und Nieren testen durften. Anfang Mai erreichte mich die Nachricht, dass einer der zehn Monitore an meine Adresse verschickt werde.
Tja, nun bin ich also Produkttester. Hier mein Erfahrungsbericht…

Vorstellungsrunde

Wenngleich in diesem Bericht der getestete Monitor im Vordergrund stehen sollte, möchte ich mich dennoch kurz vorstellen.
Mein Name ist Heinz-Jürgen Groß, ich bin 57 Jahre alt, Fotograf und Fotoingenieur. Der Focus meiner beruflichen Tätigkeit liegt eher im Labor, als hinter der Kamera. Nach 11 Jahren Fachlabor, 4 Jahren Support bei Fuji, 4 Jahren Anwendungstechnik bei Agfa, bin ich nunmehr im 16. Jahr als selbstständiger „Farbkummerkasten-Onkel“ und Software-Entwickler tätig.
Das Thema „Farbmanagement“ ist zentrales Thema meiner Arbeit, und in diesem Zusammenhang ist mir die Kalibrierung und Profilierung von Monitoren ein besonders Anliegen.

Der Monitor

Beim EIZO ColorEdge CS2420 handelt es sich um einen 24-Zoll Bildbearbeitungsmonitor mit einem LED-IPS-Panel. Das Gerät weist bei einer Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln ein Seitenverhältnis von ziemlich genau 3:2 auf.
Aus Sicht des Profilneurotikers besonders erfreulich ist die Tatsache, dass es sich um ein Hardware- kalibrierbares Gerät handelt, das – ähnlich wie sein „Kollege“ aus der CG-Reihe – annähernd den vollen AdobeRGB-Farbraum darstellen kann.

Mein Arbeitsplatz

Neben dem Rechner, einem 27“ iMac mit OS X Yosemite 10.10.5, steht auf der linken Seite ein ebenso großes Thunderbolt-Display. Diese Konfiguration bietet mir mit zweimal 2.560 x 1.440 Pixeln eine großzügige Arbeitsfläche, die mir das Programmiererleben einfacher macht.

Diese beiden Monitore bieten genügend Platz für diverse Fenster meiner Entwicklungsumgebung: Apple Mail und Safari – und was man sonst noch so benötigt…
HJG_Arbeitsplatz_kleinFür die Bildbearbeitung allerdings benötige ich einen „Spezialisten“ – die beiden Apple-Monitore sind zwar groß und hell, weisen allerdings aus fotografischer Sicht zwei wesentliche Nachteile auf. Das ist einerseits die glänzende Oberfläche, andererseits aber auch der im Vergleich zum AdobeRGB deutlich kleinere Farbraum.
Das Testgerät nahm daher rechts neben dem iMac den Platz meines – mittlerweile in die Jahre gekommenen – EIZO CG 241W ein, und ergänzt seitdem meinen Arbeitsplatz als Bildbearbeitungsmonitor. Der Anschluss erfolgt via Displayport – das gewährleistet eine 10-bit-Farbdarstellung.
Ein Normlichtkasten von Just komplettiert schließlich die „Kommandobrücke“.

Erste Eindrücke

Wie man es von EIZO nicht anders kennt, kommt das Gerät in einem sehr stabilen, bestens gepolsterten Karton, alle Einzelteile sind in Klarsichttüten verpackt, der Monitor selbst ist durch eine zusätzliche Schaumfolie gegen Kratzer geschützt.
Die benötigten Kabel (USB 3, Displayport, Netzkabel) lagen der Sendung bei, ebenso wie Sicherheitsratschläge in sechs Sprachen und eine englische Kurzanleitung für das mitgelieferte Kalibrationsprogramm „ColorNavigator“. Zum Zusammenbau wird erfreulicherweise kein Werkzeug benötigt; Monitor und Standfuß werden mittels einer Art Bajonettverschluss miteinander verbunden.
Die Verbindung zum Rechner erfolgt in meinem Fall via Display-Port und USB3-Kabel. Die dezente Beleuchtung der Menütasten stellt einen echten Fortschritt dar; die Struktur des Onscreen-Menüs ermöglicht die intuitive Bedienung des Gerätes auch ohne Handbuch.

Unboxing_klein

Ein kleiner Kritikpunkt sei allerdings angemerkt: der Standfuß des Gerätes ist ein wenig „wackliger“, als ich es vom 241W gewohnt bin. Bei Bedienung der Menütasten federt der Monitor immer ein wenig nach – das ist zumindest gewöhnungsbedürftig.

Kalibrierung und Profilierung

Wie es sich für einen Farbmanager gehört, besteht die erste Pflicht nach erfolgreicher Inbetriebnahme in der Kalibrierung und Profilierung des neuen Monitors. Dabei gehe ich wie folgt vor:
Zunächst einmal verschaffe ich mir mit meinen beiden Testbildern DeltaE_Test_Hilights und DeltaE_Test_Shadows einen Überblick über die Lichter- bzw. Schattendifferenzierung. Bei diesen beiden Bildern handelt es sich um unterschiedlich helle bzw. dunkle Ziffern auf weißem bzw. schwarzem Untergrund.
Im Idealfall lässt sich wohl in den Lichter als auch in den Schatten die Ziffer 1 gerade eben noch „erahnen“. In diesem Fall kann der Betrachter einen Schattenbereich mit dem L*-Wert von 1 noch von Schwarz, und ebenso einen Tonwert mit einem L*-Wert von 99 noch von Weiss unterscheiden.
Dieser schnelle, intuitive Test verrät bei Monitoren „out of the box“ oft deutlichen Handlungsbedarf, so auch bei meinem Exemplar. In den Lichtern war die 1 gut zu erkennen, in den Schatten allerdings nur noch die Drei – wohlwollend betrachtet.
Im nächsten Schritt werden daher zwei Bilddateien geladen und unter Softproof-Bedingungen in Photoshop mit profiliert ausgegebenen Referenzprints verglichen. Ich persönlich verwende dazu ein eigenes Schwarzweißmotiv sowie das FFSpro-Testmotiv von Fujifilm.
Mein Aufgabenfeld liegt primär in der Bildausgabe auf fotochemischen Belichtern, sowie auf Druckmaschinen aller Art. Von einer brauchbaren Monitorkalibrierung erwarte ich eine möglichst gute Übereinstimmung zwischen Monitoreindruck und späterem Druck-Ergebnis.
„Auf welchen Weißpunkt soll ich meinen Monitor kalibrieren, auf welches Gamma, und auf welche Helligkeit?“ Dies sind häufig gestellte Fragen, auf die es aber keine allgemein gültigen Antworten gibt.
Die Kunst einer gelungenen Monitorkalibrierung liegt in der Festlegung der „passenden“ Kalibrationsvorgaben, die den Parametern des Umgebungslichtes angepasst werden müssen.
Ich persönlich betrachte meine beiden Referenzprints unter reproduzierbaren Bedingungen in einem Normlichtkasten, dessen Lichtfarbe bei etwa 5400 Kelvin liegt; als Vorgabe für die Luminanz haben sich in meiner Arbeitsumgebung 140 cd/qm bewährt; diese Werte können aber je nach Betrachtungslicht durchaus abweichen.
Wenn ich bei Kunden einen Monitor-Arbeitsplatz einrichte, kann es vorkommen, dass die Kalibrationsvorgaben mehrfach angepasst werden müssen, bis eine zufriedenstellende Übereinstimmung zwischen Monitor und Print erreicht wird. Da braucht es Erfahrung und Geduld…

Die Software

Wie schon oben erwähnt, liegt dem Monitor die EIZO-eigene Kalibrations- und Profilierungssoftware „Color Navigator“ in der Version 6.4.12 bei. Dieses wiederum befindet sich auf einer CD. Für Nutzer neuerer Rechner ohne optisches Laufwerk durchaus eine Herausforderung… 😉
Hier wäre es vielleicht sinnvoller, gleich einen Link anzugeben, unter dem die Software heruntergeladen werden kann. Gleich nach dem Start erfolgte ohnehin ein Update auf die Version 6.4.14.
Gegenüber älteren Versionen hat sich hier eine Menge getan: die Software erlaubt nun höhere Luminanzen, und zusätzlich zur Einstellung per Gammawert ist nun auch die gradationslose L*- Einstellung verfügbar.
Die grafische Benutzeroberfläche ist angenehm sachlich und übersichtlich; sie lässt sich wirklich intuitiv bedienen. Schick: das angeschlossene Messgerät wird automatisch erkannt; man muss nicht lange in einer Liste scrollen. Etwas befremdlich finde ich allerdings den Umstand, dass ich die Software zweimal im Dock anwählen muss, bevor sie startet.
Nach mehreren Durchläufen haben sich 5.400 Kelvin, 140 cd/qm und ein Gamma von 2,2 als die für meine Arbeitsbedingungen passenden Parameter erwiesen. Die Messungen erfolgten mit einem X-Rite eyeOne pro.
Spätere Nachprofilierungen können auf diese Einstellungen zurückgreifen, ohne dass diese jedesmal aufs Neue eingegeben werden müssten.
Dank der Hardware-Kalibrierbarkeit müssen keine Gammatabellen in die Grafikkarte geladen werden. Der Monitor selbst speichert diese geräteintern in einer Auflösung von 10 bit/Kanal; Gammaloader werden überflüssig. Das ist ein Feature, das sich sonst nur bei deutlich teureren Geräten findet.
Ausserdem lässt sich einstellen, nach welcher Betriebsstundenzahl automatisch eine neue Kalibrierung „eingefordert“ wird. Der Defaultwert von 200 Stunden erscheint hier durchaus sinnvoll.

Das Profil

Vergleicht man das Gamut des CS2420 mit dem des iMac, wird schnell deutlich, dass der EIZO hier klar vorne liegt. Dass dessen ziemlich genau das AdobeRGB abdeckt ist kein Zufall, und kommt Fotografen sehr entgegen.
Der deutlich höhere Farbumfang ist besonders im Blau-, Cyan- und Grünbereich nicht nur aus akademischer Sicht ein echter Vorteil: besonders moderne Inkjet-Systeme können hier Farben realisieren, die mit sRGB nicht darstellbar wären.
Die beiden Screenshots zeigen den iMac- Farbraum als ausgefüllten Farbkörper und den CS2420-Gamut als Gitternetz.

Fazit

Mit dem ColorEdge CS2420 bietet EIZO einen Monitor an, der für anspruchsvolle Bildbearbeiter kaum Wünsche offenlässt. Die Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln stellt für einen 24“-Monitor einen sehr guten, „augenfreundlichen“ Wert dar; gerade bei langen Bildbearbeitungssitzungen ein wichtiges Argument.
Die Homogenität über die gesamte Arbeitsfläche, und die Schärfe des sehr gut entspiegelten Displays sind tadellos.
Das Bedienkonzept, der dreifache USB-Hub (3.0), und ganz besonders die Hardwarekalibrierbarkeit stellen Ausstattungsmerkmale dar, die ich in dieser Preisklasse nicht erwartet hätte.
Und so verwundert es kaum, dass ich auch auf diesem Monitor beide „Einser“ finde.
Ich sag’s nicht gerne, mein guter, alter CG241W: Ich vermiss’ ich Dich nicht wirklich…