Torsten ohne H – Sleeping Gorilla

 

Torsten ohne H mit dem Foto "Sleeping Gorilla"

Foto: Torsten ohne H

„Sleeping Gorilla“ wird diese unbewohnte Insel genannt. Nähert man sich der Insel aus einem bestimmten Winkel, so sieht sie – mit etwas Fantasie – aus der Ferne tatsächlich aus wie ein auf dem Rücken liegender Gorilla.

Morgens um 10 wurden wir beide dort vom Tauchboot abgesetzt, ausgerüstet mit Sonnencreme, Fotoausrüstung und Proviant für ein paar Stunden. „We´ll pick you up between 1 and 2 p.m.“ sagte Rastaman Godwin, der Tauchlehrer und Leiter unserer Pension in einer Person war. Juhuuu, eine Insel für uns ganz alleine, und das für 3 bis 4 Stunden – geil!!! Das Mittagessen war um halb zwölf bereits annähernd verdaut, Wasser gab es noch anderthalb Liter.

Um halb drei fiel mir auf, dass Sabrina schon verdammt rot verfärbt und das Tauchboot mindestens 30 Minuten überfällig war. Jippieeehh, wir haben „unsere“ Insel noch ein bisschen länger für uns alleine! Ab kurz nach drei wuselte meine Mitinsulanerin dann doch recht nervös den immer schmaler werdenden Strand auf und ab, ich behielt den letzten Liter Trinkwasser im Auge, damit dieser nicht noch womöglich vom Insel-Yeti gekidnappt wird.

Gegen vier wurde dann der Strandabschnitt, an welchem wir den Tag verbracht hatten, geräumt, da dieser von der Flut nahezu komplett überspült war. Also ab durchs Wasser, rum um den Felsvorsprung und rüber zum anderen Strandabschnitt, denn dort hat der Strand wenigstens etwas „Hinterland“, auf welchem hin und wieder japanische Touristen campen und dort die Nacht verbringen. Dort standen zwei kleine Zelte, zwei Kajaks, eine überdachte Sitzbank und ein großes Fass voller Regenwasser. Na immerhin, das Überleben schien gesichert! Nur kurz zur Info: In Mikronesien gibt es kein Roaming, sprich: internationales Handy is´ nich.

Gegen fünf fing das Tageslicht dann gaaaanz langsam an zu schwinden und wir entdeckten im „Zeltlager“ drei (!!!) Taschenlampen *freu* !! Alle drei inklusive Batterien *sing* !! Keine der drei Lampen funktionierte *fassungsloses Kopfschütteln*. Zum ersten Mal machte sich Torsten ohne H – der damals, wenige Minuten vor Beginn seiner fotocommunity-Zeit, überlegte, ob er sich dort mit dem Benutzernamen „Inselfreak“ anmelden solle – Gedanken darüber, ob Inseln nicht eigentlich so ziemlich das allerletzte sind, was dieser hundsmiserable Planet zu bieten hat.

Naja, ab halb sechs stand besagter fotocommunity-User dann mit nacktem Oberkörper im Meer und winkte mit seinem roten T-Shirt Schiffen und Booten zu, die weit hinten am Horizont entlangfuhren. Um sechs war es dann dunkle Nacht und mein T-Shirt diente wieder dazu, Schultern und Waschmaschinenbauch zu bedecken.

Was passiert denn nach Sonnenaufgang? Sucht uns überhaupt jemand? Oder haben die Taucher auf dem Tauchboot ihr Wissen über unseren Aufenthaltsort mit in ihr feuchtes Grab auf dem Meeresboden genommen?

Denn tot sein mussten sie ja, sonst hätten sie uns ja wohl abgeholt. Also was passiert morgen früh – vorausgesetzt, dass der Insel-Yeti überhaupt satt ist und der schlafende Gorilla nicht plötzlich auf die super Idee kommt, sich mal hinzusetzen??? Mit den Kajaks zu einer der zahlreichen umliegenden Inseln rüberpaddeln? Hmm, macht recht wenig Sinn, die sind ja auch alle unbewohnt. Trinkwasser war ja da, Kokosnüsse gab es auch reichlich. Also einen Bart wachsen lassen, aus dem T-Shirt einen Lendenschurz basteln und „ICH HABE FEUER GEMACHT!!!!!!“-schreiend jahrelang über den Strand hüpfen?

„Hey you, come on!!!“ hörten wir plötzlich vom Meer, und da waren sie: Untote auf einem Boot mit der Aufschrift „Palau Sea Rescue“!!!

Irgendwie überlegte ich zunächst, ob ich Godwin, dem Rastaman um den Hals fallen und ihn minutenlang durchknuddeln oder doch lieber mit Anlauf in die Visage boxen sollte! Als er dann aber die Story erzählte, was passiert war, siegte doch das Mitleid.

Eine mächtige Welle hatte ihr Tauchboot unter Wasser gedrückt, dieses kippte dann um und trieb ab dann bäuchlings auf dem Wasser. Das nächste Riff war zum Glück nicht weit entfernt, so konnten die Taucher sich dort – eigentlich eine Todsünde unter Tauchern – auf das Riffdach stellen, um nicht die ganze Zeit schwimmen zu müssen. Schwimmen musste aber Godwin – über zweieinhalb Stunden schwamm er, um Hilfe zu organisieren. Alles, was sich auf dem Boot befand, war gesunken. Von unseren Utensilien glücklicherweise nur zwei Shorts und ein paar Flip-Flops, der Fotorucksack war ja mit uns von Bord gegangen…

Auf der Heimfahrt in stockdunkler Nacht – die Taucher saßen völlig stumm neben uns und wirkten irgendwie leicht entkräftet – rammten wir dann als kleine Zugabe noch fast ein Riff, es fehlten nur zwei Meter. Naja, gut gegangen. In der Unterkunft dann eine zirka 15 Zentimeter dicke Schicht After-Sun-Balsam aufgetragen, ein Bier getrunken, über den Tag nachgedacht und eingeschlafen. Zwei Tage später haben wir uns dann wieder zu zweit auf einer unbewohnten Insel aussetzen lassen.

Autor: Torsten ohne H
fotocommunity-Mitglied seit: 2004
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