bibliomane – Freiheit

 

bibliomane mit dem Foto "Freiheit"

Foto: bibliomane

Ein Foto-Freund hier aus der fotocommunity führte mich zu einem „Lost place“, in diesem Fall einem ehemaligen Altenpflegeheim. Ich war natürlich neugierig und aufgeregt, es war für mich das erste Mal, an solch einem Ort zu fotografieren. Wir ließen uns treiben, fotografierten ein Stockwerk nach dem Anderen. Dann kamen wir zu Station 4 und mir wurde plötzlich mulmig zumute. Mein Freund bemerkte es und meinte: „Lass uns lieber gehen, ich merke, dir geht es nicht gut“. Da erzählte ich ihm, dass meine Mutter ihre letzten eineinhalb Jahre auch auf Station 4 eines Pflegeheimes zugebracht hatte und diese ganze damalige Situation kam wieder hoch, obwohl es schon einige Jahre zurück lag.

Aber diesen Rollstuhl in der halboffenen Tür und dem gleißenden Licht, den musste ich noch „schnell“ ablichten. Ich bekam den Ratschlag, das Bild ruhig über zu belichten, manchmal wäre die Wirkung wichtiger als die Qualität. Wie Recht er doch hatte!

Zuhause bei der Durchsicht der Bilder formte sich nach und nach eine Idee. Und ich fing an eine kleine Bildergeschichte daraus zu machen. Jeden Tag stellte ich ein einziges Bild aus dieser Serie von 10 Stück hoch. Alle trugen kurze, sorgsam gewählte Titel (das Bild mit dem Rollstuhl bekam den Titel „Freiheit“, die Botschaft sollte nicht eindeutig sein) und ich steigerte die Spannung, indem ich vorausschickte, dass ich eine Geschichte erzählen wolle. Einige fotocommunity Mitglieder dachten an einen Krimi, andere verstanden sehr schnell – später klärte ich es auf. Zum Einen wollte ich die letzten Tage einer alten Person an solch einem Ort mit einfachen, stilistischen Mitteln aufzeichnen, zum Anderen verarbeitete ich damit jene schrecklich Zeit. Beim Hochladen der einzelnen Bilder hatte ich jedes Mal einen Kloß im Hals.

Autorin: bibliomane
fotocommunity-Mitglied seit: 2008
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