Hermann Klecker

(fotocommunity-Mitglied seit 2002)

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Mein Eindruck vom BenQ SW 320

Vorgeschichte

Irgendwie hatte mich die Nachricht der fotocommunity, dass ich die Teilnahme am Produkttest gewonnen hatte, nicht erreicht. Womöglich hatte ich sie vielleicht sogar selbst in „Junk“ verschoben, wie die vielen anderen „Sie haben Gewonnen“ Mails auch. 🙂

Und weil ich nicht reagiert hatte, hat Florian Mielke keine Kosten und Mühen gescheut, mich über fast alle zur Verfügung stehenden anderen Kanäle zu erreichen, was dann auch gelang. Entsprechend kurzfristig hatte ich mich entschieden, das Angebot eines Workshops zur Kalibrierung wahrzunehmen, das BenQ den Testern bei ColorMatch in Oberhausen angeboten hatte.

Mit den Grundlagen des Farbmanagements war ich durchaus vertraut. Der Workshop hatte sich dennoch gelohnt, weil auf die Besonderheiten dieses Bildschirms eingegangen wurde und das Kalibrieren mit der BenQ-Software erklärt wurde. Mehr dazu später. Außerdem durften wir ein paar eigene Bilder perfekt farbgemanaged großformatig drucken.

Unboxing

Der Bildschirm war sehr sorgfältig verpackt, sodass er unbeschadet hier ankam. Der Aufbau ist denkbar intuitiv und hat mir schon deshalb Spaß gemacht, weil ich davon ein kleines Timelapse aufgenommen habe.

Anschlüsse

Im Lieferumfang sind ein DP-Kabel und ein HDMI-Kabel enthalten. Das DP-Kabel kann ich am MacBook verwenden und das HDMI-Kabel an meinem Notebook, das langsam in die Jahre kommt.

Ich werde also zwischen den beiden Quellen hin und her schalten müssen, je nachdem, welches Notebook ich verwende. Dabei kommt mir die konfigurierbare runde Mini-Tastatur, der Hotkey Puck, sehr entgegen. Dazu würde ich mir wünschen, dass das Umschalten auf HDMI und DP ebenfalls auf eine der drei Custom-Keys des Hotkey-Pucks konfiguriert werden könnte.

Im Lieferumfang ist eine CD enthalten. Leider hat mein MacBook kein CD-Laufwerk. Allerdings wurde uns in einem vorbereitenden Workshop erklärt, wir sollten die jeweils neueste Software von der BenQ-Seite herunterladen, so dass die fehlende CD kein wirkliches Problem darstellt.

Meine Eindrücke

Schiere Größe

Der erste Eindruck nach der Inbetriebnahme ist, dass die Maus jetzt reichlich lange Wege gehen muss, um vollständig über den ganzen Bildschirm zu wandern. (-;

Farben

Die Farben wirken sehr gesättigt, sehr intensiv. Ich bin sehr gespannt, ob und wie sich das auf meine Farbwahrnehmung während der Bearbeitung auswirkt. Womöglich werden meine Bilder in der Zukunft weniger gesättigt wirken, wenn ich sie an diesem Bildschirm oft so sehr gesättigt wahrnehme. Womöglich habe ich meine Bilder bisher aber auch manchmal zu stark gesättigt, und kann das jetzt erst im größeren Farbraum des BenQ SW320 wahrnehmen.

Im Auslieferungszustand bietet der Bildschirm bzw. dessen Firmware bereits eine Reihe gängiger Farbräume an und eine Kalibrierung darauf. Allerdings beobachte ich dabei, dass mir sowohl in den Lichtern als auch in den Tiefen viele Details verloren gehen, selbst mit dem Profil HDR. Das gab sich dann später nach erfolgter Kalibrierung bzw. Profilierung.

Helligkeit

Der Bildschirm stellt die Lichter wirklich sehr hell dar. Ich bin gespannt, ob ich damit mit Word und Entwicklungsumgebungen weiterhin mit Schwarz auf Weiß arbeite oder ob ich einen dunkleren Arbeitshintergrund wähle.

Für die Bildbearbeitung ist es ohnehin vorteilhaft, einen farbneutralen Hintergrund zu verwenden. Ich habe mich für ein mittleres Grau entschieden. Dabei ist mir für den Mac aufgefallen, dass man den Hintergrund für jeden Bildschirm einzeln verändern muss bzw. kann. Die Einstellung wirkt sich dabei auf den jeweiligen Bildschirm aus, auf dem das Einstellungen-Programm gerade geöffnet ist.

Blendschutz

Die Blendschutzhaube ist ein klasse Zubehörteil, das ich direkt mit aufbaue. Sie schirmt das Licht aus den Fenstern meines Arbeits- bzw. Fotozimmers vollständig ab, allerdings nicht das Raumlicht. Ohne Blendschutzhaube hätte mich das wohl nicht so gestört aber jetzt ist ein Teil des Bildschirms abgeschattet und ein Teil eben nicht.

Ich werde die Deckenleuchten neu ausrichten müssen. Meine Deckenleuchten sind ohnehin nicht optimal für einen Arbeitsplatz zur Bildbearbeitung.

Die Oberfläche wirkt angenehm ruhig und matt. Da spiegelt sich nichts, ganz im Gegensatz zum MacBook.

Sound über HDMI

Meine PCs, insbesondere das MacBook, verwende ich in erster Linie zum Arbeiten und nicht hauptsächlich zur Bildbearbeitung. Also habe ich direkt mal ausprobiert, wie sich Word und meine Software-Entwicklungs-Umgebungen auf diesem 4K-Monitor „anfühlen“. Dazu habe ich dann auch einmal mit einem Kollegen geskyped, wobei mir auffiel, dass der PC stumm bleibt.

Sowohl in Windows 10 als auch im Mac OS-X wird nach dem Einstecken des Bildschirms über Display-Port oder HDMI, die Soundausgabe ebenfalls an das angeschlossene Gerät weitergeleitet. Der Bildschirm hat allerdings keine eingebauten Lautsprecher. Also musste ich spontan lernen, wie man die Soundausgabe so konfiguriert, dass weiterhin der Lautsprecher des jeweiligen Computers benutzt wird.

Kalibrierung

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die von einem neuen aber fehlerhaften Spyder 5 verursacht wurden, ließ sich der Bildschirm sowohl unter Windows 10 als auch unter OS-X 10.11.6 problemlos kalibrieren. Nach der Kalibrierung befanden sich die ICC-Profile in *.icm Dateien in dem vom jeweiligen System dafür vorgesehenen Verzeichnis.

Sowohl in Photoshop als auch in Gimp konnte ich diese Profile als Bildschirmprofil problemlos konfigurieren.

Zum Kalibrieren habe ich, wie im Workshop gelernt, das Kalibrierungsprogramm von BenQ verwendet. Das ist notwendig, weil es eben die Hardwarekalibrierung des Bildschirms voll unterstützt während die mit dem Spyder ausgelieferte Software meines Wissens eine Softwarekalibrierung vornimmt. Bei einer Softwarekalibrierung wird die Grafikkarte des Bildschirms entsprechend konfiguriert, was zur Folge haben muss, dass sich der Farbraum, der von der Grafikkarte effektiv dargestellt werden kann, zwangsläufig verkleinert. Deshalb habe ich mich beim Spyder 5 für die preiswerteste Basisvariante (Express) entschieden, da sich die höherpreisigen (Pro, Elite) im Wesentlichen durch weitere Softwarefunktionen von der Basisvariante unterscheiden.

Um Konflikte mit ggf. zusätzlicher Softwarekalibrierung zu vermeiden, sind meine Testsysteme frei von jeder Kalibrierungssoftware. So lange ich den BenQ verwende, muss ich damit leben, dass die nativen Bildschirme der Notebooks eben gar nicht kalibriert sind.

Wenn ich solch einen Bildschirm demnächst mein Eigen nennen darf, dann werde ich versuchen, den BenQ über seine Hardware zu kalibrieren und die anderen über die Grafikkarte, wobei ich noch nicht weiß, ob das konfliktfrei gelingen wird. Denn sollte sich die Softwarekalibrierung auch auf den BenQ auswirken, dann würde das vermutlich alle Kalibrierungskonzepte ad absurdum führen.

Erstaunt hat mich dabei, dass meine aktuell nicht kalibrierten nativen Notebookbildschirme, Acer und Mac, in den Tiefen deutlich mehr Details darstellen können. Der BenQ ist dabei immer noch deutlich besser als die anderen externen Bildschirme, die mir daheim und im Büro zur Verfügung stehen. Die nativen der Notebooks punkten bei den extremen Werten mit etwas mehr Details. Das mag fürs Zielmedium Web durchaus ein Nachteil sein, wendet sich aber zum Positiven, wenn es ums Softproofing für den Druck geht.

Fallstrick

Die Voreinstellungen der Kalibrierungssoftware Palette Master Element können eigentlich unverändert übernommen werden. Allerdings hat sich herausgestellt, dass ich den Schwarzpunkt auf „Relativ“ statt „Absolut Null“ einstellen musste, um zu erreichen, in den Tiefen etwas mehr Details erkennen zu können.

Außerdem wurde uns im Workshop erklärt, dass auf der nächsten Seite als Profiltyp eine Lookup-Table ausgewählt werden solle, was im Zweifel etwas genauer sei als das voreingestellte „Matrix“. Allerdings ist das weniger kriegsentscheidend.

In der Praxis

Macbook vs. Acer Notebook mit Windows 10

Als Softwareentwickler verwende ich regelmäßig diverse Betriebssysteme. Besonders als App-Entwickler werde ich immer wieder zum Wechsel gezwungen. Android Apps können mit jedem der gängigen Systeme entwickelt werden, aber für iOS stehen die Tools von Apple nur für OS-X zur Verfügung und Microsoft bietet seine Toolsuite nur für Windows an. Außerdem mag ich Linux.

Notgedrungen verwende ich aktuell ein MacBook für OS-X und ein schon betagtes Acer Notebook für Windows 10 und Linux Mint.

Der BenQ SW320 bietet eine Reihe von Anschlüssen an, u.a. Display Port und HDMI. Er wird außerdem, was eher ungewöhnlich ist, mit diesen Kabeln ausgeliefert. Per Firmwarekonfiguration, die über den Puck recht gut zu bedienen ist, kann ich als Anwender zwischen den Ports auswählen. Und das muss ich auch, da mein Notebook nur einen HDMI-Anschluss hat und ich für mein MacBook Adapter für VGA und DP habe. Also habe DP verwendet.

Wenn ich nun zwischen den Computern wechsele, dann muss ich das am Bildschirm jedes Mal umstellen. Ich bin da sicher nicht der normale Anwender, der das nur einmal am Anfang machen muss und ggf. noch einmal, wenn er sich einen neuen Computer kauft, aber für mich ist das Umschalten etwas lästig. Da könnte BenQ in dieser Preisklasse durchaus auch automatisch feststellen, welcher Anschluss gerade mit einem Computer verbunden ist.

Linux

Die Kalibrierungssoftware von BenQ, Palette Master Element, wird zwar meines Wissens unter Linux nicht angeboten. Da es sich aber um eine reine Hardwarekalibrierung handelt und dabei ein ICC-Profil entsteht, das universell einsetzbar ist, kann ich die Kalibrierung selbst unter OSX oder Windows durchführen und das dabei entstandene ICC-Profil dann in Linux konfigurieren. Dabei hilft der Gnome Color Manager GMC um die Gnome-Oberfläche mit dem ICC-Profil des BenQ zu konfigurieren.

Die Hardwarekonfiguration kann im Bildschirm gespeichert werden und – auch an anderen Computern – jederzeit wieder abgerufen werden. Dafür stehen im Bildschirm zwei Speicherplätze für zwei Konfigurationen zur Verfügung.

Gimp ist universell und grundsätzlich farbmanagementfähig. Aber ich habe jetzt auch nicht wirklich damit gerechnet, dass sich Gimp unter Linux diesbezüglich signifikant anders verhalten würde als unter Mac OS-X oder eben Windows. Gimp ist halt Gimp.

Das erste Mal

Mein erstes kleines Projekt mit dem Bildschirm war meine Craft-Bier-Serie. Wir hatten beim Esslingen-Stammtisch der fotocommunity das Monatsthema „Bier“. In meinem kleinen neuen Studio/Büro im Keller hatte ich mit verschiedenen Lichttechniken und -sets experimentiert und dabei die Bilder direkt auf dem BenQ prüfen können, was schon allein wegen der Größe des Bildschirms ein Vergnügen war.

Belohnt wurde das damit, dass ich bei diesem kleinen Wettbewerb gleich die ersten drei Plätze belegt habe. Das habe ich natürlich nur dem BenQ zu verdanken *smile*.

Softproof

Ein Softproof ist, wenn ein Bearbeitungsprogramm das ICC-Profil eines Ausgabegerätes, also eines Druckers, so auf das Bild anwendet, dass auf dem Bildschirm dabei ein Eindruck entsteht, wie der spätere Druck aussehen wird. Dabei kann ein Softproof Farbräume so einander anpassen, dass auf dem Bildschirm während des Softproofs nicht mehr Farben dargestellt werden, als das Ausgabegerät sie darstellen kann.

Auf diesem Foto siehst Du, wie viel näher der BenQ mit dem Softproof an dem tatsächlichen Druck ist als der Acer. Der Vergleich würde mit dem MacBook ganz ähnlich ausfallen, auch wenn mein Mac unkalibriert die Farben etwas wärmer darstellt, als es das unkalibrierte Acer macht.

Was ein Softproof nicht leisten kann, ist, das Medium wirklich wirksam zu simulieren. Ein Bildschirm ist halt hintergrundbeleuchtet während ein Druck das nicht ist. Das siehst Du auch deutlich, wenn Du das Vergleichsbild siehst, mit der Leinwand, dem BenQ und dem Acer. Außerdem sind die Bildschirme darauf heller als mein Raumlicht den Druck darstellen kann.

Ich hatte mir aber den Spaß gemacht, die Leinwand gegen das Licht zu halten, um auf mich wirken zu lassen, wie die Leinwand ausschaut, wenn sie hintergrundbeleuchtet wäre. Und das war … wow. Für mich als Laien in der Druckvorstufe war das dann wie als wenn ich das Bild auf dem BenQ im Softproof betrachte.

Zu der Gegenüberstellung muss ich anmerken, dass im Foto die Unterschiede zwischen den beiden Bildschrimen und der Leinwand sehr viel stärker dargestellt werden, als sie tatsächlich sind. Einen Druck neben einen Bildschirm zu halten ist eine Sache. Das dann noch zur Dokumentation zu fotografieren ist eine ganz andere Sache. Also einerseits ist der BenQ noch ein Stückchen näher am Druck als es hier den Eindruck hat und andererseits ist er Notebook-Bildschirm bei Weitem nicht sooo viel heller und blauer im Vergleich zum BenQ, als es den Eindruck macht.

Randbemerkung für Programmierer

Softwareentwickler können nie genug Bildschirme oder zu große Bildschirme haben. Für unsereins ist die 4K-Auflösung von 3840×2160 eine Art Gottesgeschenk. Für mich als App-Entwickler sowieso, weil ich in Simulatoren damit auch die vollen Bildschirmauflösung der simulierten modernen Handys und Tablets vollständig auf dem Bildschirm darstellen kann und meine IDE (Programmier-Editor) noch locker daneben passt.

Fazit

Der BenQ SW320 besticht durch seine Farben und Helligkeit sowie seiner Größe.

Beeindruckt hat mich das tiefe Schwarz und die intensiven Farben sowie dieses Leuchten, wenn darauf etwas leuchtendes dargestellt wird.

Verlosung

Die vier Leinwände mit den Craft-Bier Motiven werde ich nach Erscheinen dieser Rezension auf meiner facebook-Seite „Fotos und Apps“ und in meinem Fotocommunity-Profil verlosen.