Frank Lünstroth

(fotocommunity-Mitglied seit 2006)

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Testbericht von Frank Lünstroth

Zu meiner Person

2006 habe ich das Knipsen aufgegeben und mir eine hochwertige Kameraausrüstung gekauft. Damit begann meine Leidenschaft für die Fotografie richtig aufzublühen. Seither versuche ich mich weiterzubilden und meine Ausrüstung zu verbessern. Inzwischen verdiene ich bereits gelegentlich Geld als Fotograf.

Viele Freunde und Bekannte kommen zu mir, um Rat und Hilfe um Fotothemen zu erhalten. Trotz meiner über 10-Jährigen Erfahrung ist mir bewusst geworden, dass man im Kunsthandwerk Fotografie nie auslernen kann – der Weg nach oben ist noch weit und offen. Nach wie vor habe ich mich auf kein Teilgebiet spezialisiert, stattdessen bin ich stets neugierig auf die vielen Facetten der Foto-Welt.

Meine Beweggründe, an diesem Test teilzunehmen, waren folgende: Ich habe gelernt, wie wichtig und essenziell ein guter Monitor für den Workflow ist und ich möchte in dieser Entwicklung die Zukunft nicht verschlafen. Eigentlich ist es gar nicht meine Art, an Produkt-Tests überhaupt teil zu nehmen, jedoch sprang mich dieser förmlich an – ich musste den Bildschirm einfach ausprobieren! Dass ich dabei zusätzlich an einem Kalibrierworkshop teilnehmen durfte, war das i-Tüpfelchen.

Nach vielen und oftmals vergeblichen Versuchen, einen guten als auch preiswerten Monitor für die Bildbearbeitung zu finden, bin ich über eine Empfehlung der Seite Prad.de bei einem kalibrierbaren NEC Monitor gelandet. Bis dato investierte ich mein Geld hauptsächlich in Kamera-Technik und wusste, dass ich mit meinen Monitoren oder den Kalibrierversuchen nicht wirklich erfolgreich war.

Nachdem ich dann den NEC erstmals angeschlossen hatte und sehen konnte, was machbar ist und wieviel Zeichnung in den Lichtern und Tiefen heraus zu holen ist, verstand ich nicht mehr, wie es die ganzen Jahre bisher ohne diesen ging. Da ich gerne mit zwei Monitoren arbeite, konnte ich nach einiger Zeit das traurige Bild vom Nachbar-Monitor nicht mehr ertragen und es musste ein zweiter NEC her.

 

Zum Test

Gleich nach dem Auspacken kommt in vertrauter PC-Umgebung ein WOW Effekt. Die deutlich höhere Auflösung wirkt sich sehr positiv aus. Die ist mir auf dem Workshop seltsamerweise gar nicht so aufgefallen. Meine erste Berührung war mit meinem MacBook. An diesem ließ er sich problemlos anschließen.

Anders bei meinen beiden Windows-Rechnern: Der Umschalter zwischen dem Monitor und den Rechnern begann als erster, Probleme zu machen. Ich nutze einen leisen PC für das alltägliche und Büro, einen leistungsstarken für die Bildbearbeitung und Diashows. Leider musste ich feststellen, dass eine doch recht neue und schnelle Grafikkarte nicht in der Lage ist, zwei hochauflösende Bildschirme parallel zu betreiben. Es ist immerhin eine Geforce GTX 970. Man braucht also schon die allerneuste Generation der Grafikkarten, wenn man mehr als einen 4K-Monitor anschließen will. Windows 10 merkt sich Einstellungen und der BenQ blieb oft dunkel.

Nun ließ sich auf der Desktoperweiterung (Monitor 2) nichts öffnen um Einstellungen einzusehen. Der BenQ sollte Hauptbildschirm sein, wurde vermutlich erkannt und blieb trotzdem Dunkel.

Ein Bildschirm blieb also so lange schwarz, bis ich eine zweite Grafikkarte in meinen PC eingebaut hatte. Das Internet ist bei 4K Monitoren derzeit auch nicht sonderlich hilfreich. 4K ist im Kommen, und dementsprechend gibt‘s wenig Hilfe zu finden. Letztendlich konnte ich den Test mit direktem Vergleich am 2. Monitor machen. Mein Hauptanliegen war es, den BenQ parallel zu meinen kalibrierbaren NEC MultiSync PA272w zu betreiben. Ich wollte nicht vermuten, ich wollte testen und sehen.

Mit zwei Monitoren arbeite ich auch schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Mein Lieblingsprogramm Lightroom von Adobe ist für das Arbeiten mit 2 Monitoren bestens geeignet. Meine Bilder bleiben so lange wie möglich in Lightroom. Erst, wenn Lightroom wirklich am Ende ist, wechsle ich zum klassischen Photoshop. Meine Technik und nahezu alle Programme sind natürlich auf aktuellstem Stand der Technik.

Um es direkt vorweg zu nehmen: Der BenQ kann auf Basis der hohen Bildqualität locker jedem Vergleich standhalten. Die vielen Pixel heben die Bilder in eine neue Welt, wie ich sie bis dahin nicht kannte. Die deutlich feinere Auflösung lässt ältere Monitore schon ziemlich alt aussehen. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Auflösung von 2560×1440 Pixel bei 27 Zoll schon fast grob ist. Man kann in beiden Fällen keine einzelnen Pixel wahrnehmen und dennoch ist der Unterschied deutlich sichtbar. Bilder, die ich zuvor für sehr gut befunden hatte, waren an dem BenQ Monitor nicht schlecht, im Vergleich zu anderen mit gleicher Bewertung (Anzahl vergebener Sterne) konnte ich dann doch Unterschiede feststellen und meine Bewertung wurde verfeinert.

Zuletzt hatte ich über 1.000 Aufnahmen einer Hochzeit verarbeitet. Dabei sind mir in puncto Rauschen die deutlichsten Unterschiede zwischen den beiden Monitoren aufgefallen: Bei Bildern im High-ISO-Bereich schluckt der NEC mit 2560×1440 Pixel viel Rauschen weg und zeigt dies deutlicher in der 100%-Ansicht. Beim BenQ ist es genau umgekehrt:

Neben der viel feineren Darstellung, sind dennoch nur geringe oder gar keine weiteren Unterschiede aufgefallen. Trotz der allergleichen Einstellungen beim Kalibrieren stellt der NEC die Bilder etwas wärmer dar als der Monitor von BenQ. Nicht dramatisch, aber es ist sichtbar. Die Farben auf dem BenQ-Gerät haben mir letztendlich besser gefallen. Welche nun die richtige ist, weiß ich allerdings nicht. Ich habe das gleiche Messgerät verwendet, am gleichen Tag kalibriert und die gleichen Werte eingestellt. Dennoch blieb diese kleine Differenz. Zwischen meinen NEC bleibt auch immer ein kleiner Unterschied, ein etwas geringer allerdings.

Ich persönlich hatte den Eindruck, der Schwarzwert vom NEC war ein wenig schwärzer als beim BenQ und in den Tiefen ist beim NEC die Zeichnung ein wenig besser. In den Lichtern gab es keinen Unterschied zwischen den Monitoren. Auch wenn dieser Unterschied messtechnisch ein geringfügig besseres Bild am NEC ergäbe, kann er ein hochauflösendes Bild, wie es meine Nikon D810 produziert, nicht so gut wiedergeben wie der BenQ. Im direkten Vergleich eines absolut gleichen Bildes gewinnt immer der BenQ. Bei Normal-Fotos waren die Unterschiede nicht bemerkbar, nur entsprechende Testbilder ließen es deutlich werden.

Ich kritisiere jetzt auf denkbar hohem Niveau. Keiner meiner älteren Monitore, die ich besessen hatte, besaß auch nur annähernd so ein gutes Bild oder genügend Zeichnung in Lichtern und Tiefen. Um es deutlich zu sagen, der BenQ ist trotzdem der Gewinner. Ich gehe lediglich aufgrund des hochwertigen Vergleichsobjektes, welches der NEC darstellt, darauf ein.

Zur Praxis

Ich liebe es, Arbeitsraum zu haben, und habe den Monitor trotz der hohen Pixeldichte die meiste Zeit mit 100% Skalierung betrieben. Um den Vergleich zu haben, ging ich damit hoch bis 175%, bin aber doch schnell wieder zurück auf die 100% gegangen und konnte gut damit arbeiten. Die sehr feine Auflösung lädt auch förmlich dazu ein, mit 100% zu arbeiten. Ich muss allerdings zugeben, dass zum Beispiel bei Arbeiten mit dem Photoshop-Pinsel, die Pinsel dann doch so klein dargestellt werden, dass ich kaum noch Unterschiede zwischen ähnlichen Pinseln erkennen konnte. Dies ist aber die Ausnahme und man kommt auch über diese Hürde hinweg. 150% ist die Empfehlung von Microsoft, 125% daher bestimmt ein guter Kompromiss.

Meine Maus ist auch als Maus für Spiele geeignet. Sie ist sehr präzise dank hoher Auflösung und mein Mousepad ist eben für diese Maus optimiert. Das hilft ungemein, bei feiner Darstellung präzise zu navigieren und Regler zu bedienen. 100% Skalierung wird vermutlich nicht jedermanns Sache sein, ist jedoch für Bildbearbeiter, die viele Tastenkürzel kennen und nur wenig im Menü suchen müssen, sicherlich kein Problem. Ein Umstellen auf eine größere Skalierung funktioniert ja im Notfall auch recht schnell und einfach. Moderne Programme passen sich gut und optisch fehlerfrei an. Ältere werden manchmal pixelig und die Vergrößerung wird deutlich. Lightroom muss erst beendet werden, um es dann mit der neuen Skalierung zu starten. Andere Programme reagieren sofort. Für die Betrachtung von Webseiten ist eine 100%-Auflösung auch nicht gerade augenfreundlich.

Der Monitor ist für Bildbearbeitung und ähnliche Aufgaben gedacht und zeigt einem daher gnadenlos alle Programme oder Internet-Seiten auf, die nicht modern genug sind. Er ist als Arbeitsplatz für gestaltende Berufe konzipiert. Gelegentliche Ausflüge um ab und an etwas zu suchen oder ein wenig Büroarbeit beherrscht er dann auch noch. Wenn ich den Monitor gewinnen sollte, würde ich vermutlich bis 4K in deutlich mehr Programmen und Bereichen Einzug gehalten hat, gelegentlich die Skalierung nach Bedarf variieren. Der Monitor ist seiner Zeit immer noch ein wenig voraus. Sicherlich nur vorübergehend. 4K wird kommen, und die feinere Auflösung wird sich durchsetzen. Davon bin ich überzeugt.

Die Größe von 31,5 Zoll empfinde ich als guten Kompromiss zwischen Pixeldichte und Übersichtlichkeit auf dem Desktop. Das Arbeiten mit den 31,5 Zoll ist für mich angenehm. Für die Arbeit mit Lightroom und Photoshop benötigte ich keine Umgewöhnungsphase. Mit bisher 2x 27 Zoll war ich ja auch Fläche gewöhnt.

Meine Arbeitsweise hat sich nicht verändert. Das Ergebnis aber schon. Die Fülle an Bildinformation erlaubt ein genaueres Arbeiten und ich habe seltener in die 1:1-Ansicht gewechselt. Einen kalibrierten Monitor hatte ich bereits. Von daher war es ein gewohntes Bild.

Der Controller für die verschieden Modi ist auch eine nette und nützliche Angelegenheit. Ich frage mich oft, wie Endnutzer mit ihren sRGB-Monitoren meine Bilder sehen. Am BenQ ist es nur ein Tastendruck um den Farbraum zu ändern. Die Einstellungen über eine Wippe wie man sie von praktisch jedem Fotoapparat kennt, ist auch eine spürbare Erleichterung. Es sind einfach vertraute Bewegungen. An die Knöpfe, mit denen die „normalen“ Monitore ausgestattet sind, gewöhne ich mich nie. Aus Neugier besuchte ich auch die Menüpunkte des Monitors. Zukünftig würde ich nur meine bevorzugten Modi mit den programmierbaren Direkt-Tasten umschalten. Der Monitor wurde von mir im Modus Fotografie kalibriert und betrieben. HDR und ähnliches blieb die Ausnahme und wurde nur mal aus Neugier eingestellt.

Die Blendschutz-Haube habe ich nicht ausgepackt. Zum einen nutze ich 2 Monitore und zum anderen ist mein Arbeitszimmer optimiert und daher abgedunkelt.

Die Kalibrierung des Monitors läuft auch fast von alleine und ist auch für unerfahrene Nutzer leicht zu bewerkstelligen. Dank des Seminars, das BenQ im Vorfeld des Monitor-Tests angeboten hatte, weiß ich jetzt besser, wo und wie ich noch Einfluss ausüben kann. Seitdem ich den kalibrierten Monitor habe, ist der optische Unterschied zu Ausdrucken sehr gering geworden.

Ich hoffe den Monitor zu gewinnen, damit ich bei den Bildern die dann doch enttäuschend im Ausdruck waren, noch mal nach der Ursache der optischen Unterschiede forschen kann. Im Testzeitraum fehlte die Zeit dazu. Das fällt mir jetzt beim Schreiben von dem Bericht auch ein, dass ich die Ursache mit dem BenQ herausfinden könnte, wenn meine Ausdrucke nicht den gewohnten Erwartungen entsprechen. Ein Grund mehr einer der Gewinner zu sein.

Am Apple Mac funktionierte die Kalibrierungssoftware schnell und problemlos, an meinem Windows-PC nur mit Schwierigkeiten und nur nach Anpassung der Software-Kompatibilität im Windows 10 Menü.

Der Link auf der BenQ Monitorseite führt auch zu einer älteren Version der Kalibrier-Software. Erst nach Suche und wenn man den Namen der Software kennt, gelangt man zur Neuesten (Stand August 2017).

Beim Mac merkt das Programm, dass kein USB-Kabel angeschlossen ist; unter Windows erscheint die Meldung „Kein Monitor gefunden“. Das fand ich dann doch lustig.

Auch nach dem Trennen des Monitors vom Stromnetz bleiben die Einstellungen erhalten. Hintergrund: Ich schalte meine gesamte Hardware bei Nichtgebrauch standardmäßig zentral ab.

Die Anmutung des Monitors macht einen hochwertigen Eindruck und lässt keine Zweifel aufkommen, dass er für Profis gebaut ist. Alles ist sehr solide und bei Bedarf leicht zu verstellen. Er besitzt eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten. Vermutlich lässt er keine Wünsch offen, gleich welche Art von Berufssparte gerade davor sitzt.

 

Was ich mir wünschen würde

Ich wünsche mir für solche und ähnlich hochwertige Monitore wieder das 16:10 Format. Mir persönlich hat das Format, dessen Zeiten wohl vorbei sind, besser gefallen.

Leider sehen gute Profimonitore auch immer nach Arbeit aus und haben wenig Eleganz. Vielleicht kann man da auch mal einen neuen Weg einschlagen. Aber ganz gleich wie sie aussehen: Hat man erst einmal einen solch hochwertigen Monitor, ist man in ihn verliebt. Ich würde auf keinen Fall kalibrierbare Monitore nur wegen dem Äußeren gegen Elegante tauschen.

Da ich das Arbeiten mit 2 Monitoren liebe, wünsche ich mir schmalere Ränder am Display.

Nachteile

Am Monitor selber konnte ich keine Nachteile feststellen.

4K wird bisher leider immer noch zu wenig in den Programmen oder im Internet berücksichtigt. Je nach Programm klemmt es je nach Skalierung. Viele Webseiten sind leider noch nicht einmal bei FullHD angekommen und diese werden noch lange die größte Schwachstelle bleiben.

Bewertung

Nach dem Kauf meines NEC und dem Bilderlebnis auf dem Monitor hätte ich dem NEC die Note 1 gegeben. Jetzt kenne ich die 4K-Auflösung und den BenQ und muss klar erkennen, dass es dieser deutlich besser kann, als mein bisheriger Monitor. Der Gewinn an Details macht süchtig.

Lässt man den Preis in die Bewertung mit einfließen, hat der BenQ mehr als die Note 1 verdient. Man bekommt sehr viel Monitor für sein Geld. Ich habe schon zweimal jenseits der 1.000€ für einen Monitor ausgegeben und kenne den Unterschied zu normalen Bildschirmen. Möglich, dass es noch besser geht, für das gleiche Geld aber definitiv nicht. Wenn ich mich jetzt für einen Monitor entscheiden müsste, würde meine Wahl auf den BenQ fallen. Dass ich den Monitor testen durfte, war für mich persönlich eine Bereicherung und ein schönes Erlebnis.

Ein Fotograf, der sich umfassend um Qualität bemüht, braucht einen hochwertigen Monitor. Für mich stellt sich die Frage nicht mehr, ob ich einen kalibrierbaren Monitor brauche. Ich habe rausgefunden, dass diese Funktion einfach unentbehrlich ist.

4K ist in, 2560×1440 ist Out, FullHD ist Geschichte.

Aus meiner Sicht ist der BenQ SW320 ein überaus zu empfehlender Monitor. Ein Experte bin ich nicht, meine Einschätzung ist auch subjektiv, da mir der Vergleich zu den anderen vergleichbaren 4K Profimonitoren fehlt. Die Differenz zu den anderen Herstellern kann vermutlich aber nicht sehr groß ausfallen. Für preisbewusste Fotografen wird er ein nützlicher zuverlässiger Helfer sein.

Der Monitortest fand zusammen mit der fotocommunity statt, und in dieser Gemeinschaft würde ich ihn den Profis und ambitionierten Fotografen empfehlen. Der Satz „perfekter Partner für ambitionierte Fotografen“ wie er auf der Homepage von BenQ zu lesen ist, entspricht genau meiner Einschätzung und wie ich ihn erlebt und kennengelernt habe.

Frank Lünstroth