Frank Kaminsky

(fotocommunity-Mitglied seit 2007)

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Erfahrungsbericht BenQ SW320

Für 4 Wochen stand mir ein 4K wide gamut Monitor BenQ SW320 zum Test zur Verfügung, in denen ich ihn mit meiner Arbeitsweise bei der Fotobearbeitung auf Herz und Nieren prüfen konnte. Neben der schieren Größe von etwa 32 Zoll scheint dieser Monitor wegen seines großen Farbraums für Foto-Arbeiten prädestiniert zu sein. Was das außerdem begünstigt: Der Farbraum wird in der Monitor-Hardware selbst kalibriert, der Monitor verfügt über hilfreiche Umschaltmöglichkeiten in verschiedene Farbräume eine Art Maus („Hotkey-Puck“), auch zum Auslösen von vorbereiteten und konfigurierbaren Features des On Screen Menüs (OSM).

Zu meiner Person

Fotografie war wohl eines meiner ersten „ernsthaften“ Hobbys – schon vor mehr als 40 Jahren habe ich damit als Jugendlicher begonnen. Damals war natürlich alles tief analog, ausgeführt mit Revue Flex und bald darauf mit Canon AE1. Die Schülerkurse favorisierten eigene Entwicklung in SW und so habe ich auch dort meinen ersten Schwerpunkt gefunden. Heute – na klar, alles anders – aber Canon ist’s geblieben, auch wenn mir das heute egaler als damals ist. Aber das Gesamtkonzept passt offenbar nach wie vor zu meiner eigenen Foto-Denke.

Landschafts- und Reisefotografie sind meine heutigen Schwerpunkte und SW mag ich auch heute immer noch sehr. Manchmal gesellen sich Ausflüge in Event- und Beauty-Fotografie hinzu. Die Tele- und Makro-Phase habe ich mittlerweile etwas „überwunden“ und freue mich bis heute immer noch an den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des weiten Winkels.

Ich nutze derzeit häufig HDR, um meine Freude an kontrastreichen Bildern zu befriedigen. Das zwingt auch zur Nutzung der digitalen Nachbearbeitung, die ich aber sehr gerne anwende, auch jenseits des HDR-berechnens. Ich fotografiere bewusst in RAW und entwickle meine Bilder von Hand. Das benötigt zwar Zeit aber zwingt mich auch, mich neben der Technik auch mit den Inhalten der Bilder auseinanderzusetzen. Ganz gleich, was der Ausgangspunkt der digitalen Foto-Entwicklung ist, das Erzeugen einer natürlichen Wirkung des Ergebnisses ist mir stets wichtig. Mein emotionales Empfinden der jeweiligen Situation mag sich aber durchaus auch mal im Bild widerspiegeln.

Für die Fotografie verwende ich relativ viel Zeit vor dem Bildschirm. Neben der Vorbereitung brauche ich den PC für die Abrundung einer guten Foto-Session. Sie beginnt oft viele Monate vor dem Shooting mit der Suche nach lohnenden Motiven, die meistens mit dem iPhone im täglichen Leben erstmal zielgerichtet dokumentiert werden. Im zweiten Schritt beginnt die Online Recherche, die zum Ziel hat zu beschreiben, wann welches Motiv wie am besten aufgenommen werden soll. Liegt das fest, kommt irgendwann als dritter Schritt die Foto-Session, der meistens nach der Rückkehr ins digitale Labor umgehend die Entwicklung der Bilder folgt. Klar, die Zeit ist immer zu knapp, denn das Fotografieren steht in Konkurrenz mit anderen Hobbies – und natürlich am meisten mit meinem Beruf. Ich bin selbständig und arbeite mit vielen Mitarbeitern an spannenden digitalen Lösungen zur Zukunft des Finanzwesens. Trotzdem nehme ich mir gerne Zeit, meinen Ausgleich auch in der Fotografie zu finden.

Mein Level

Könnte ich von der Fotografie genauso gut leben wie von meinem tatsächlichen Job, würde ich es in Erwägung ziehen, als Fotograf zu arbeiten – Konjunktiv und ich bin Realist! Die fachlichen Möglichkeiten scheinen vorhanden zu sein, wenn ich viele meiner Freunde und geneigten Bildbetrachter in aller Kürze zusammenfassen darf. Den Kalibrierungs-Workshop habe ich aus Zeitgründen nicht mitmachen können, stelle aber wieder mal fest, dass ich mit dem Thema eigentlich vertraut bin.

Meine Motivation beim Test dabei zu sein

Ich bin engagierter Amateur Fotograf mit technischem Background und der Motivation, das Beste aus meinen Bildern zu machen, sowohl in Farbe als auch in SW. Ich habe sehr viel Spaß, mich mit neuen Dingen zu beschäftigen und verfüge über ein gewisses Sendungsbewusstsein.

Als Berater bin ich täglich damit konfrontiert, meine Erkenntnisse in Form von Dokumenten verschiedener Art klar, strukturiert und verständlich für potentielle Leser zusammenzufassen. Ich bin übrigens bisher mit EIZO CG Monitoren zufrieden gewesen, bin aber offen für andere, möglicherweise gleichwertige oder gar bessere Geräte anderer Hersteller, die auch noch zum privaten Geldbeutel passen könnten. Ich bin aktiv in der lokalen Fotografenszene, vor allem in der fc Singen (DE) und der fc Zürich (CH). Ich bin deswegen sicher auch ein guter Multiplikator 🙂

Meine Test-Umgebung

Ich habe den BenQ an meinem 27 Zoll 5K iMac als Zweitmonitor am Thunderbolt (auf Display Port) Ausgang betrieben. Die Kalibrierung erfolgt mit einem relativ alten i1Dsplay2. Für den Abgleich der mit Softproof im Lightroom und Photoshop optimierten Monitorbilder wurden Ausdrucke auf einem EPSON SC P800 angefertigt. Weiterhin kommt spezielle Software zur Foto-Bearbeitung wie zum Beispiel die die Nik Collection hinzu, insbesondere für SW-Konvertierung und HDR Generierung. Gleich vorweg: Der Bildschirm erlaubt auch HDR Quellen nativ auszugeben, allerdings mangelte es mir an geeigneter Hardware, um darüber zu berichten.

Ein Wort zur Test-Methodik

Alle nachfolgenden Aussagen beruhen auf meiner subjektiven Wahrnehmung. Ich betreibe kein Testlabor, in dem objektive Messungen erzeugt werden könnten, die meine Aussagen faktisch untermauerten. Ich berichte daher über die Nutzung eines Monitors in meiner gewohnten Arbeitsumgebung für das Entwickeln meiner Bilder. Letzteres mache ich allerdings schon viele Jahre und auch der Umgang mit „wide gamut“ Monitoren anderer Hersteller sowie der korrekte Einsatz von Softproof Funktionalitäten und die Erzeugung hochwertiger Ausdrucke auf passenden Equipment sind mir persönlich seit vielen Jahren sehr geläufig. Der Test soll aus meiner Sicht aber herausstellen, ob und inwieweit der BenQ SW320 in der Lage ist, meinen Workflow vollständig abzudecken oder ob gegebenenfalls auch eine Verbesserung erzielt werden kann.

Unboxing

Mittlerweile gehört es wohl zum guten Ton des Testens dazu, auch zu prüfen: Wie ist das Testgerät verpackt und welche Emotionen werden beim Auspacken geweckt? Das Paket erreichte mich wie angekündigt via UPS und es scheint auf dem Transportweg nichts Außergewöhnliches passiert zu sein. Als erstes fällt die Riesen-Schachtel auf, die andeutet, dass da etwas Großes auf mich zukommt. Gewicht und Größe zwingen, das Gerät zu zweit durch das Treppenhaus ins Büro zu tragen. Allein ist der Kasten schon zu unhandlich. Aber der Karton schützt das Gerät ausgezeichnet, wie sich gleich beim ersten Öffnen zeigt.

Ist der erste Deckel angehoben, hilft eine Zeichnung dabei, die Teile ohne Beschädigung aus der Box zu holen. Auch ein Prüf- und Kalibrierunsprotokoll in einer Lasche im gleichen Deckel weist sofort darauf hin, dass man es hier mit einem Gerät für den engagierten Anwender zu tun hat – der Begriff Profi vermag in der Fotografie nicht mehr wirklich alleinbestimmend adäquat zu sein.

Man findet alles sehr ordentlich verpackt vor. Monitor samt zwei Teile für den Fuß stehen eingewickelt in extra Verpackungsmaterial gut geschützt im Styropor. Eine Pappschachtel beherbergt die Teile für eine Sonnenlichtblende, die – ungewöhnlich – sowohl für den horizontalen als auch für den vertikalen Betrieb montiert werden kann. Eine weitere Pappschachtel enthält unterschiedliche Anschlusskabel mit allen üblichen Stecker- Kombinationen, den sogenannten „Hotkey Puck“ sowie eine Kurzanleitung und DVDs mit Dokumentation und Software für die Kalibrierung. Schade um die Medienträger, weil manche moderne Rechner mittlerweile kein geeignetes Gerät zum Zugriff mehr besitzen. Mittlerweile kosten USB Sticks auch nicht so viel mehr als die beigelegten DVDs!

Unboxing: die Hilfestellung ist direkt auf dem Karton aufgedruckt. Die schwarze Tasche enthält den Prüfreport des Werks und gibt einem das gute Gefühl, ein hochwertiges Gerät erstanden zu haben.


Ungewöhnlich: alle Teile für eine Sonnenblende zum horizontalen sowie den vertikalen Gebrauch!

Aufbau und Anschluss

Der Zusammenbau nach der eindeutig bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitung ist schnell erledigt und stellt den Hobby-Heimwerker vor keinerlei Probleme. Der Fuß scheint stabil und schwer genug zu sein, den großen Bildschirm sicher zu tragen – da kommt kein Zweifel auf und so wird es sich in den nächsten 4 Wochen auch bestätigen.

Das angemeldete Thunderbolt-Kabel (hier auf Display Port) liegt als übliche Beigabe im Karton. Damit lässt sich der Monitor problemlos am iMac anschließen. Der Anschluss erledigt sich am einfachsten in der senkrechten Ausrichtung. Was man nicht weiß, wenn man den Schirm das erste Mal dreht, ist die Tatsache, dass der Ständer auch in der höchsten Position für das Manöver zu kurz ist… kippt man also beim Drehen den Monitor nicht gleichzeitig nach vorne, so schabt der harte Rand über den Fuß. Ist mir natürlich auch passiert und die ersten ärgerlichen Schrammen erinnern fortan an den Aufbau. Glücklicherweise ließen sich die meisten ungewollt erzeugten Schmachspuren mit einem Radiergummi und schweißnassen Armen wieder entfernen – aber ein wenig Erinnerung blieb dennoch übrig. Das geht sicher besser!

Das erste Einschalten beginnt mit einem kurzen Schreckmoment – kein Bild zu sehen! Leider wird der verwendete Anschluss nicht automatisch erkannt und so muss man die Eingangsquelle manuell auswählen. Der nachträgliche Blick in die Bedienungsanleitung klärt auf. Nun kann es also losgehen.

Neben dem vielfältigen Stecker-Feld zum Anschluss fast aller gängigen Kabel beherbergt der SW320 zwei USB3 Anschlüsse an der linken Seite sowie einen SD Kartenschacht. Ein USB-Anschluss wird durch das Kolorimeter belegt, d.h. es bleibt in Wirklichkeit leider nur ein weiterer USB Anschluss über, um die oft viel zu kleine Anzahl an Anschlussmöglichkeiten am Arbeitsplatz zu bereichern. Apropos Kolorimeter: es liegt keines in der Schachtel, was etwas ärgerlich ist, weil der Monitor eine regelmäßige Kalibrierung benötigt und ohne nicht sinnvoll zu betreiben ist. Man muss sich also erst eins besorgen und denke bitte daran, das gleichzeitig mit oder vor dem Monitorkauf zu erledigen.

Variables Kontaktzentrum: das Anschlussterminal für die Verbindung zum PC hat für jeden etwas dabei.

Schließlich muss die Blendschutzhaube zusammengesetzt und am Monitor befestigt werden. Das ist kein Hexenwerk und ist von jedem Neubesitzer leicht umzusetzen. Die Darstellung der Bilder wird in der Tat verbessert, wenn man größere Lichtwechsel am Arbeitsplatz erdulden muss. Man macht sich davon deutlich unabhängiger. Für den Test habe ich sie aber wieder abgebaut, weil die Übersicht bei zwei nebeneinanderstehenden großen Monitoren leidet. Die Wirkung der entspiegelten Oberfläche des SW320 sollte aber auch nicht unterschätzt werden. Sie ist vorzüglich und macht subjektiv betrachtet bereits 80% der Lösung aus. Auch die gleichmäßige Ausleuchtung trägt zum guten Eindruck bei.

Als letzter Schritt bleibt die Installation der Software zum Ansteuern der Kalibrierung. In der Kurzanleitung gibt es einen direkten Link auf die BenQ Download Pages für den SW320. Leider ist das Software Paket nicht korrekt signiert – müsste heute nicht mehr so sein! Nach der einfachen Installation und dem ersten Start gibt es das nächste Ärgernis: Obwohl die Software direkt von der BenQ Download Page stammt, ist die Version veraltet. Immerhin weiß die Software, wo es die aktuellen Pakete gibt und so ist nach dem Durchführen der zweiten Prozedur alles auf dem richtigen Stand.

Die Kalibrierung dauert mit gut 20 Minuten recht lang. Da es anfangs keine Fortschrittsanzeige gibt, bleibt nur Geduld und Hoffnung, dass sich nichts aufgehängt haben mag. Auch wenn sich nichts zu tun scheint: Die Kalibrierung wird vollständig durchgeführt und Fortschritts-Hinweise werden im späteren Verlauf zur Beruhigung des Anwenders angezeigt – leider erst spät im Prozess, weil die Anzeigen des Fortschritts leider durch das Kolorimeter teilweise verdeckt werden.

Freilich sollte man wissen, was man mit der Kalibrierung tut, denn die recht schmucklose Software kommt leider ohne große Hilfestellungen aus. Für den Einstieg reicht die Basis-Einstellung, die leider mit Einstellungsmöglichkeiten unnötig knausert. Im Basis-Modus wird zum Beispiel die niedrigste, noch sinnvolle Helligkeitsstufe mit 120 Candela angeboten, womit man allerdings schon am oberen Ende der üblichen Helligkeit-Range für den Softproof arbeitet. Wer weniger will, muss den erweiterten Modus verwenden. Aber auch der erzeugt keine unlösbaren Hürden für den Kenner. Gegebenenfalls könnten Links auf vorbereitete Webseiten helfen, die richtigen Einstellungen zu finden und somit den Wert der Software erhöhen.

Das produzierte Ergebnis kann allerdings überzeugen. Satte Farben und ein ausgezeichneter Grauverlauf zeigen die ersten Stärken des SW320 auf. Der ansonsten von mir genutzte EIZO kann das sichtbar nicht besser. Leider fiel mir dann bei der späteren Nutzung noch eine weitere Unzulänglichkeit auf. Nach etwa 3 Wochen stand die erste Re-Kalibrierung an – die ist übrigens im Basismodus leider auch nur eine Neu-Kalibrierung und nur im erweiterten Modus lässt sich immerhin eine Überprüfung starten.

Leider hatte ich nicht mehr in Erinnerung, wie die Software hieß und an deren Namen ist nicht festzustellen, welches der bei mir mehr als 200 installierten Applikationen die Kalibrierung des BenQ durchführt („Palette Master Element“). Glücklicherweise hatte ich für diesen Bericht Bilder gemacht und so konnte ich das schnell nachsehen. Das kann man aber sicher ohne Aufwand beim Hersteller anpassen und so das Leben der Anwender vereinfachen…! Andere Software lässt sich übrigens nicht verwenden und so war die mir bekannte BasicColor Applikation nicht einsetzbar. Dafür aber mein altes i1Dsplay2 Kolorimeter, was mich aufgrund des Alters doch recht positiv überraschte.

Etwas spärliche Software zur Kalibrierung: sie tut aber alles, was nötig ist für ein gutes Resultat.

 Arbeiten am Bildschirm

Das Aufbauen und Einstellen passiert normalerweise nur einmal oder selten als wiederholende Tätigkeit, wie zum Beispiel die Kalibrierung und daher sollte man die kleinen Unzulänglichkeiten nicht übergewichten. Beim Arbeiten am Bildschirm hat man schließlich am meisten Kontakt mit dem Gerät. Und das ist – es sei vorweg zusammengefasst – eine wahre Freude für den Fotografen.

Zunächst mal fällt die schiere Größe positiv ins Auge. Arbeite ich normalerweise bereits an einem qualitativ sehr guten 5k Monitor mit bisher gefühlt üppiger 27 Zoll Bildschirmdiagonale, so kommt er mir schon beim benachbarten Aufstellen des SW320 fast klein vor. Apple verwendet der besseren Lesbarkeit halber die vielen Pixel des iMac nicht nativ (maximal sichtbare 3200 x 1800 Pixel) und so überrascht es nicht, dass der SW320 den Betrachter mit seinem voll genutzten 4K Bild eine deutlich größere Arbeitsfläche zur Verfügung stellen kann. Aufgrund der physischen Bildschirm-Größe bleibt dabei alles ausgezeichnet lesbar. Auch die Schärfe ist überragend und so ist der erste Eindruck sehr positiv.

Und für das Bearbeiten von Fotos? Mein Workflow findet zu 80% in Lightroom statt. Dabei hilft die wirklich große nutzbare Auflösung des SW320 enorm. Trotz aller ausgeklappten Arbeitsmenüs bleibt genügend Fläche, die Bilder zum Betrachten und Bearbeiten in fast vollständiger Größe anzuzeigen – und das selbst für die 24MP Bilder meiner Canon 5D. Na gut, die Euphorie geht mit mir durch, denn in beiden Dimensionen ist die übrig bleibende Fläche für die Fotos dann doch um knapp die Hälfte reduziert. Im Vergleich zu anderen, gewohnten Umgebungen stellt sich das aber als großes Plus heraus. Dabei wirken Farben im Adobe RGB Farbraum natürlich und kräftig. Notwendigerweise beginnt der Farbraum in der Kamera und man sollte für den gesamten Workflow den gleichen verwenden.

Wer seine Bilder aber schnell mal testweise z.B. im sRGB Farbraum betrachten will, der sollte sich mit dem „Puck“ vertraut machen. Der einfache Klick auf eine der drei frei belegbaren Tasten des in seiner Handhabung an eine Maus erinnernde runde Gerät kann das Ausgabebild in einen anderen Farbraum verwandeln. So lässt sich schnell und einfach ermitteln, was von dem in Lightroom perfekt eingestellten Bild zum Beispiel im Internet noch übrigbleiben wird.

Die vom Werk vorbelegte Umstellung in eine Schwarz-Weiß Ausgabe fand ich persönlich verzichtbar, vor allem auch deswegen, weil es die korrekte Wandlung ins S/W Format nicht überflüssig macht und darüber hinaus die Vorlieben dieser eher künstlerischen Anwendung nicht wirklich unterstützen kann. Aber andere Farbräume können ebenfalls mit einer der Tasten verbunden werden und so kann das gerät die eigenen Bedürfnisse gut abdecken.

Wichtig ist freilich, dass für den Monitor zuvor die gewünschten Farbräume auch kalibriert werden, was die beigelegte Software auch erlaubt. Im generellen fand ich das Arbeiten mit dem Puck als Erleichterung, da auch die Steuerung des gesamten OSM damit leicht von der Hand geht. Erreicht man das OSM zwar über die frontseitig am Rahmen verbauten Tasten auch ohne dieses zusätzliche Eingabegerät, so stellt man aber schnell fest, dass sich die Bedienung dadurch erheblich vereinfacht und beschleunigt. Insgesamt eine gute Idee, die man als Beigabe gerne verwendet.

Gespannt war ich auf die Anwendung der Soft-Proof Funktionalitäten. Nach der peniblen Kalibrierung im üblichen Umgebungslicht am Arbeitsplatz und der anschließenden Überprüfung des Profils – alles in der mitgelieferten Software machbar – kann die entsprechende Option im Lightroom Entwicklungsmodul links unter dem Bild – oder auch in Photoshop im Menü Ansicht – ausgewählt werden. Als Newbie dürfte man nun erstmal etwas erschrecken, denn die minutiöse Einstellarbeit für die Ausgabe am eigenen Monitor scheint umsonst gewesen zu sein.

Nun ja, erstmal alle wesentlichen Optionen einstellen: Das passende „icc-Profil“ des Druckers als Ausgabegerät auswählen, Priorität auf perzeptiv und „Papier und Druckfarbe simulieren“ auswählen. Die beiden letzten Parameter sind unkritisch, helfen aber die letzten paar Prozent zu optimieren. Entscheidend ist das passende icc Profil, welches via Software definiert, wie Papier und Drucker beim Soft-Proof am Monitor simuliert werden sollen.

Ich verwende in der Regel Canson Baryta und Rag Papier auf einem EPSON SC P800 und drucke bis zur Größe A2 oder auf der Rolle für größere Formate. Ich bekomme für genau diese Kombinationen die passenden Profile beim Papierhersteller. Die gilt es zunächst zu installieren und das richtige dann in der Bearbeitungssoftware auszuwählen. Auch die Einstellungen des Druckers sind bei Canson gut und übersichtlich dokumentiert, so dass auch die letzten Fragen recht simpel beantwortet werden können. Auch alle anderen namhaften Papierhersteller lassen sich in dieser Sache nicht lumpen und so wird jeder fündig.

Wer dies zum ersten Mal macht, wird feststellen, dass leider nicht jeder einfache Drucker unterstützt wird und auch das als Beigabe bei Tintenpatronen gelieferte Einfachpapier wird eher keinen Support finden. Das ist aber durchaus nachvollziehbar, da der Aufwand recht groß ist und die Möglichkeiten in der Regel nur von den eher engagierten Fotografen mit dem passenden Equipment ausgereizt werden. Stimmt so, oder? Na ja, wer bei den großen bekannten Druckanbietern gute Qualität sucht und Überraschungen vermeiden will, der wird sich von dort auch die passenden Profile runterladen und per Softproof vorab die Bilder passend optimieren. Aber wie geht das genau?

Nun, wenn alles korrekt eingestellt ist, dann kann man für das simulierte Ausgabegerät zum Beispiel Farben und Belichtung korrekt / optimiert einstellen, genauso wie zuvor für den Monitor. Sinnvollerweise speichert man diese Einstellungen in einer eigenen Kopie des Bildes – wonach Lightroom sinnvollerweise ja auch automatisch fragt. Dabei werden Farbräume überwacht und nicht darstellbare Farben werden farblich im Bild markiert. Es sollte intuitiv nachvollziehbar sein, dass nicht alle Farben des AdobeRGB Farbraums vom Drucker korrekt dargestellt werden können. Also muss man einen Kompromiss erarbeiten.

Trotzdem lässt sich aufgrund der Farbtreue des richtigen Monitors das Bild so optimieren, dass der finale Druck der Darstellung am Bildschirm weitgehend entspricht. Dabei sollte man nicht vergessen, dass der Monitor leuchtet, das gedruckte Bild das aber nicht von selbst macht. Das heißt, für einen korrekten Vergleich muss man den Druck mit einem Licht korrekter Farbe anstrahlen und dann erst sieht man, was es ausmacht, im Softproof das Bild zu optimiert zu haben. Deswegen werden in einer Galerie oder im Museum Bilder mit leuchtenden Farben in der Regel auch angestrahlt.

Der Softproof gelingt mit dem BenQ ausgezeichnet. Die Farbtreue ist sehr hoch und der Farbraum einfach und gut einstellbar. Das Ergebnis ist sehr überzeugend, wie das beigelegte Vergleichs-Foto der Arbeitsergebnisse verdeutlicht. Die matte Frontscheibe übertreibt weder bei Schärfe noch bei Kontrast, zeigt aber die eingestellten Werte derart an, dass man alles auch genauso auf dem Drucker wiederfindet. Auch die ausgezeichnete Entspieglung hilft beim Finden der richtigen Einstellung.

Wichtig bleibt zu erwähnen, dass die Ergebnisse reproduzierbar sind: Das umfasst die Kalibrierung, die Softproof-Optimierung in der Bearbeitungssoftware sowie den finalen Druck. Auch bei längerer Arbeit entsteht keine Ermüdung. So habe ich an etwa einem Drittel der Testtage mehr als 10 Stunden am Stück am Bildschirm verbracht und keine Probleme dabei gehabt. So kommt und bleibt Freude.

Eines der Testbilder im Softproof in Lightroom: Es gilt, das Optimum für den Ausdruck auf Canson Baryta Papier mit dem nebenstehenden EPSON SC P800 herauszuholen.


Zwischenergebnis: das Bild während der Bearbeitung und auf dem Weg zur finalen Komposition im Vergleich mit dem Ausgangsbild.


Das Ergebnis kann sich sehen lassen: das Bild auf dem Monitor sieht genauso aus wie das gedruckte Resultat. Dieses Bild ist bewusst weder farblich noch in der Belichtung bearbeitet worden (nur Ausrichtung und Schnitt).

Fazit

Mein Fazit fällt daher auch sehr positiv aus. Wenn man von den kleineren Ungereimtheiten bei der Installation und dem Umfang der etwas spärlichen Software mal absieht, dann bietet BenQ aus meiner Sicht ein sehr konkurrenzfähiges Produkt für die Bedürfnisse eines engagierten Fotografen an. Das schließt Amateure sowie auch diejenigen ein, die mit solchem Equipment ihr Geld verdienen. Ohne Zweifel sticht das Kosten-Nutzen Verhältnis sehr auffällig hervor! Für den Preis des SW320 liegt das Gebotene auf hohem Niveau. Zum Preis eines Konkurrenzproduktes könnte man locker zwei Monitore des BenQ beschaffen und erhöhte damit den Nutzwert nochmal erheblich.

Allerdings, das sei hier etwas scherzhaft angemerkt, ist das Arbeiten an zwei solch großen Monitoren nicht ohne Belastung für die Nackenmuskeln: der Schwenk des Kopfes von einer Seite zur anderen ist tatsächlich enorm und man sollte dafür den notwendigen Platz haben, um etwas weiter weg vom Bildschirm zu sitzen als normal. Ich habe zum Wechseln des Bildschirms lieber meinen Stuhl verschoben, um wirklich jeweils vor dem zu sitzen, an dem ich arbeiten wollte… Im Laufe des Testzeitraums habe ich mir nach kurzer Zeit den BenQ als Hauptmonitor eingerichtet und den iMac als zweiten Bildschirm betrieben. Es wird mir sicher schwerfallen, am Testende die Umkehrung zu vollziehen.

Auch wenn sich an meinem Workflow nicht viel änderte, weil ich schon zuvor mit prinzipiell ähnlichem Gerät ausgestattet war, so kann ich festhalten, dass ich mit dem BenQ sehr gerne arbeitete, weil er einfach in der Anwendung ist und qualitativ hochwertige Arbeit perfekt unterstützt. Ich würde den vorhandenen EIZO dafür sicher gerne eintauschen!

In aller Kürze: Das Produkt bekommt meine volle Empfehlung für das beschriebene Einsatzspektrum! Ausgedrückt in einer Schulnote würde ich eine „1-“ ziehen.

Bilddokumentation des Erfahrungsberichts

Abschließend folgen noch ein paar Bilder, die während der Testwochen entstanden sind. Der jeweilige Kommentar erklärt das Festgehaltene und stellt den Kontext zum Erfahrungsbericht her.

Mitgeliefertes Zubehör: sehr löblich sind die verschiedenen Anschlusskabel, die alle mit im Kasten liegen


Gut geschützt: alle empfindlichen Teile nochmals speziell eingewickelt und im Styropor sicher festgehalten (Monitor unten sowie die beiden Teile des Fußes darüber.


Solides Teil: ein recht schwerer Fuß, der den Bildschirm sicher trägt.


Kalibrierung: Das alte Kolorimeter wird erkannt und das Ergebnis der Vorgangs ist überzeugend. Schade, dass die Software so gebaut ist, dass der Fortschrittsbalken vom Kolorimeter abgedeckt wird. Vor allem beim ersten, recht langen Durchlauf irritiert das.


Die schiere Größe macht den Monitor zum perfekten Werkzeug für die nach Arbeitsraum gierenden Platzhirschen der Fotobearbeitung


Die Arbeit am SW320 gestaltet sich äußerst effizient und ergonomisch. Man behält viel leichter die Übersicht und man fragt sich unwillkürlich, wie man es vorher auf der deutlich kleineren Arbeitsfläche hinbekommen hat.


Unerklärliche Ausfälle: in den 4 Testwochen verlor der Bildschirm etwa 6-8 mal seine Synchronisierung. Für mich nicht feststellbar, ob es am BenQ lag oder am iMac als Triebwerk. Der iMac hat gemäß Spezifikation eigentlich genügend Power mit seiner Grafikkarte. Einfaches Aus- und Einschalten des SW320 korrigierte das Ungemach sofort. Würde mich freuen, wenn der Hersteller das untersuchen würde und die Klärung veröffentlichen könnte. Ich kann es technisch leider nicht nachmessen.


Das Test-Equipment vereint – Die Größe des „Nebenschirms“ ist beeindruckender als es das Bild transportiert.


Größenverhältnisse: Am meisten Spaß macht die schiere Größe bei gleichzeitig hoher Bildqualität. Der eigentlich üppige 27’’ iMac wirkt fast schon fast klein gegen den 32 Zöller von BenQ. Das iPad vermittelt den Unterschied ebenfalls recht beeindruckend.