Benedikt Krahl

(fotocommunity-Mitglied seit 2004)

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Der BenQ SW 320 im Test

Liebe Freunde der Fotografie,

mein Name ist Benedikt Krahl, passionierter Fotograf seit nunmehr 13 Jahren und seit 11 Jahren mit digitalen Spiegelreflex-Kameras von Nikon unterwegs. In den sozialen Medien wie der fotocommunity.de, Facebook, Twitter und YouTube bin ich unter dem Namen picarts zu finden (Twitter und Web: picarts.de).

Angefangen habe ich mit der Naturfotografie mit einer manuell einstellbaren Bridge-Kamera (2004). Als ich merkte, wie viel Spaß mir die Fotografie macht, wechselte ich 2006 zu meiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera im DX-Format. Heute fotografiere ich mit einer Nikon D800E (FX) und bin entsprechend meinen gewachsenen Qualitätsansprüchen mit einer umfangreichen Ausrüstung an lichtstarken Festbrennweiten und Zooms, sowie weiterem (Studio-) Equipment ausgerüstet.

Mittlerweile kann ich mich über zahlreiche Veröffentlichungen meiner Bilder in Kalendern, Firmenberichten, Tageszeitungen, als Firmenlogos, in Ausstellungen u.a. freuen. Mein fotografisches Level würde ich als professionell beschreiben und daher befinde ich mich auch gerade auf dem Weg in die nebenberufliche Selbstständigkeit. Dieser Weg will gut vorbereitet sein um auf einem soliden Fundament zu ruhen und somit habe ich mich neben anderen Maßnahmen auch für den Monitortest von BenQ beworben, um meine Arbeit an einem professionellen 32-Zoll-Monitor zu perfektionieren. Natürlich macht ein perfekter Monitor keinen professionellen Fotografen aus, jedoch ist ein guter Fotograf nie professionell, wenn er keine Farbtreue sicherstellen kann.

Kalibrierungsworkshop

Ich danke hiermit schon einmal der fotocommunity sowie BenQ und Colormatch, in deren Sitz der Kalibrierungsworkshop stattgefunden hat. In dem sechsstündigen Workshop wurde man seitens der Firma BenQ mit dem Monitor vertraut gemacht und bekam von Colormatch das nötige Wissen bezüglich Farbmanagement vermittelt. Als Besitzer eines x-rite i1 Display Pro war ich informativ auf keinem jungfräulichen Level mehr. Hier hat Colormatch sehr gut angesetzt und sowohl Teilnehmern ohne Kalibrierungserfahrung als auch in diesem Bereich fortgeschrittenen Teilnehmern die Grundlagen des Farbmanagements und den Umgang mit Kalibrierungshard- sowie -software nahe gebracht.

Der Monitor

Im Zeitraum der Testphase habe ich sicherlich mehr Zeit am PC verbracht als vor dieser Phase. Dies ist allerdings nicht einem Mehraufwand zuzuschreiben sondern ausschließlich den Eigenschaften des BenQ SW320, welche das Bearbeiten von Fotos zu einer wahren Freude macht! Warum dies so ist und wie sich meine Bearbeitungszeit und mein Workflow verändert haben, werde ich Euch gerne in den kommenden Zeilen erläutern.

Technisch ist der Monitor in der Profiliga angesiedelt, was sich natürlich auch im Preis widerspiegelt. Etwa 1.400€ UVP muss man derzeit investieren, um sich einen SW320 auf den Schreibtisch stellen zu können. Dieser sollte dann auch ausreichend stabil sein, damit er nicht unter der Last von über 18kg schwächelt.

Der Monitor kommt mit einer 3-Jahres-Garantie inklusive einem Vor-Ort-Austauschservice daher. Der BenQ SW320 hat ein 31,5 großes 10 Bit IPS-Panel mit einer 4K-Auflösung (3840 x 2160), deckt den sRGB-Farbraum zu 100% und den Adobe-RGB Farbraum zu 99% ab. Die Farbgenauigkeit der 14-Bit 3D-LUT liegt dabei bei ∆E ≤ 2. Er unterstützt HDR und GamutDuo. Mit GamutDuo können zwei Quellen mit unterschiedlichen Farbräumen parallel dargestellt werden, dies ist sehr interessant um z.B. Bilder für den professionellen Druck vorzubereiten oder um Bilder für die Präsentation im Internet zu prüfen.

Mit der HDR-Funktion erzeugt man bei der Präsentation von entsprechendem Material Staunen und breites Grinsen in den Gesichtern der Betrachter, da hier die Dynamik so erweitert wird, dass das Bild so erscheint, wie wir den Moment mit unseren eigenen Augen erlebt hätten.

Der Monitor ist ab Werk hardwarekalibriert, ein entsprechendes Kalibrierungsprotokoll wird mitgeliefert.

Mit angeschlossenem X-rite i1 Display Pro Kolorimeter verbrauchte mein Testgerät bei einer Helligkeit von 130 cd/m2 im Schnitt 59 Watt. Ein sehr guter Wert, nicht nur wenn man von den angegebenen 90 Watt Maximalverbrauch ausgeht.

Anschlüsse sind zahlreich vorhanden, so befinden sich auf der Rückseite der USB-Eingang für den Hub und den SD-Reader und zum Schreiben der Kalibrierungsdaten in den Monitor, ein USB-Anschluss für den Hotkey-Puck, ein Audio-out-Anschluss und zu guter Letzt natürlich die Anschlüsse für die Grafikkarte, die in Form eines Display Ports (DP), miniDP und HDMI vorliegen. An der linken Seite des Monitors befinden sich die zwei USB-Anschlüsse des Hubs und ein SD-Kartenleser. Dies ist meines Erachtens eine fast vollwertige Ausstattung. Einzig einen CF-Kartenleser habe ich vermisst, da dies mein bevorzugtes Speichermedium ist.

Lieferumfang

Das Auspacken und der Aufbau des Monitors gestalten sich als äußerst einfach. Positiv anzumerken ist außerdem der kundenorientierte Lieferumfang, denn alle Anschlusskabel werden mitgeliefert. Hier können sich viele andere Hersteller eine Scheibe abschneiden.

Einmal aufgebaut, steht er stabil und elegant auf dem Schreibtisch, wirkt sehr solide und ist trotz seines hohen Gewichts überraschend einfach in der Höhe verstellbar, neigbar, schwenkbar und in die Pivot-Stellung zu bringen. Der mitgelieferte Hotkey-Puck ruht in einer extra Aussparung in der Mitte des Standfußes. Mit ihm lassen sich Farbräume wählen, Kalibrierungsszenarien wechseln und so weiter.

Ein kleines Highlight ist die Umstellung in einen s/w-Modus mit nur einem Klick. Natürlich ist die s/w-Umsetzung nicht die, die ein Fotograf in Photoshop vornehmen würde. Dennoch finde ich, eignet sich dieser Modus sehr gut, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, wie ein Bild in einer s/w-Umsetzung wirken könnte.

Der Monitor verfügt natürlich auch über einen professionellen Blendschutz, der nicht nur sehr leicht anzubringen ist, sondern auch in der Pivot-Stellung verwendbar ist. Ein Blendschutz ist sowohl für Fotografen als auch für Videografen äußerst nützlich, er schirmt nämlich das Umgebungslicht ab, was die Beurteilung der Bilddaten extrem erleichtert. Vor allem in den Ecken führt die Verwendung eines Blendschutzes zu einer Anhebung des wahrgenommenen Kontrasts. Der Blendschutz ist durch seine samtige und tiefschwarze Beschichtung sehr effektiv und hat eine Aussparung an oder Oberseite, um die Kabel eines Kalibrierungsgerätes durchführen zu können. An den Verbindungsstellen der einzelnen Elemente des Blendschutzes ist die samtige Beschichtung ausgespart, wodurch es bei hellen Darstellungen auf dem Monitor zu Reflektionen am Blendschutz kommen kann. Diese fallen jedoch noch recht dezent aus und wirken sich in der Praxis nicht auf die Arbeit am Monitor aus.

Die Kalibrierung wird mittels eigener Software (Palette Master Elements) von BenQ realisiert, die die Daten direkt in den Grafikchip des Monitors schreibt. Die Software befindet sich nicht auf der mitgelieferten CD, kann aber kostenlos unter http://www.benq.de/product/monitor/sw320/downloads/ für Windows und MacOS heruntergeladen werden.

Achtet bitte darauf, dass ihr beide Installer laufen lasst, einer ist für die Software, der andere für die Treiber! Die Funktion der Software könnte besser dokumentiert sein und deren Funktionsumfang größer aber für den ambitionierten Fotografen ist sie in der aktuell verwendeten Version v 1.2.3 im Erweitert-Modus schon sehr zufriedenstellend.

Zur Einstellung der Monitoroptionen empfehle ich folgende Werte: „Fotograf“, Weißpunkt D65 (alternativ Kelvin einstellen), Leuchtdichte 120 oder 130 cd, Gamma 2,2 oder L* (L* ist z.B. wichtig wenn man Softproofs erstellt). Bei den RGB-Primärfarben wählt ihr Pixel-Native oder Adobe-RGB und als Schwarzpunkt „absolut Null“.

Speichert diese Einstellungen und nach dem Klick auf „Weiter“ wählt ihr noch, ob ihr die Kalibrierungsdaten auf den Kalibrierungsparameter 1 oder 2 schreiben wollt, die Profilversion bleibt nach Möglichkeit auf v4. Als Profiltyp wählt bitte 16bit LUT oder Matrix und niemals 8bit LUT, da die 8bit LUT nur 256 Abstufungen bietet. Der Unterschied zwischen 16bit und Matrix ist, dass sich (ohne jetzt in Details zu gehen) Matrix besser für Verläufe und 16bit besser für Einzelfarben eignet. Als Fotograf solltet ihr somit immer Matrix wählen. Der Messfeldsatz sollte auf „groß“ gestellt werden.

Die anschließende Kalibrierung dauert nun eine Weile. Ganz wichtig: Achtet darauf, dass nicht der Energiesparmodus eures Systems während der Kalibrierung den Monitor ausschaltet, dies führt zu falschen Werten und einem kaum noch erkennbaren Monitorbild. Des weiteren MUSS der Monitor per USB an den PC angeschlossen sein, damit die Software die Daten in den Monitor schreiben kann. Der Anschluss der Kalibrierungshardware an den Monitor alleine reicht nicht aus. Neigt den Monitor ein wenig nach hinten, damit der Sensor einen ebenen Kontakt zur Oberfläche des Bildschirms herstellen kann.

Einmal kalibriert, kann es mit der Bildbearbeitung losgehen. Hier zeigt sich nun die ganze Leistungsfähigkeit des Monitors. Die Darstellung ist homogen, scharf, detail- und kontrastreich und der Blendschutz ist sehr effektiv. Die eingangs angesprochenen Reflektionen an den Rändern der einzelnen Elemente des Blendschutzes stören bei der Arbeit nicht. Die Auflösung in 4K spielt nun seinen Vorteil gegenüber FullHD aus. Mit meiner D800E erzeuge ich Bilddaten mit 36 MP; öffne ich ein Bild in Photoshop mit Werkzeugleiste auf dem gleichen Monitor und möchte es komplett betrachten, reduziert sich die Anzeigegröße des Fotos auf 36,9%.

Bei einem FullHD-Display bekomme ich nicht mal 10% des Bildes zu Gesicht. Somit reduziert sich der Zeitaufwand durch ständiges Ein- und Auszoomen beim Begutachten, wie sich Änderungen an Teilen eines Fotos auf den Gesamteindruck des Bildes auswirken. Zudem sind Vorschaubilder bereits so groß und hochauflösend darstellbar, dass man sie ohne Öffnen in der Schärfe vorab beurteilen kann. So kann man z.B. aus Lightroom unscharfe Aufnahmen aussortieren, ohne sie überhaupt öffnen zu müssen.



Hier seht ihr das Unboxing, den Aufbau, die Kalibrierung und die Benutzung des BenQ SW320 noch einmal in aller Ausführlichkeit:

Fazit

Dies sind auch die abschließenden Gründe, warum ich mich jederzeit für diesen Monitor entscheiden würde. Er ist für ein 4-K-Display mit seinen 31,5 Zoll ausreichend groß, hat eine sehr gute Farbtreue, ist hardwarekalibrierbar und beschleunigt durch seine Auflösung und Größe meinen Workflow immens.

Dazu kommt der Preis von um 1.400€, in diesem Segment kaum schlagbar. Für diese Summe bekommt man farbtreue Monitore bei anderen führenden Herstellern nur bis 27 Zoll und die 4,5 Zoll Differenz in der Bildschirmdiagonale merkt man im Workflow mehr als deutlich. Der Monitor erhält meinerseits eine eindeutige Kaufempfehlung für alle ambitionierten Fotografen.