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Zwei Oldtimer im Einsatz

Zwei Oldtimer im Einsatz

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Ulrich J. Kind


Pro Mitglied, Riedbach/Krs.Haßberge (Ufr.) - Bayern

Zwei Oldtimer im Einsatz

Die Geschichte hab ich vor einer Woche "so im Vorbeifahren" per Zufall ausgegraben.
Ich Bitte die Photo-Päpste unter den Usern um Nachsicht wenn sich das Titelbild nicht für eine fc-Galeriebild-Besprechung eignet! *)
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"Ups und opperla"!! - Sorry liebe Dosis und Fellis!

Das wundert es mich nicht wenn seit gestern um 22.24 Uhr noch keine Anmerkung hier stehen, das Bild wurde von mir aus Versehen in der Sektion Katzen abgelegt! :-))) - Scheinbar keine Floriansjünger unter den Dosis?
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Der Neuberts Hans und sein roter Brummer
Wiese für das Hasenfutter wird mit ehemaligem Feuerwehrauto regelmäßig gegossen
Hofheim (uk) Grau und verdörrt liegen derzeit die Wiesen und Vorrasen in der erbarmungslosen Sommersonne. Kaum ein grüner Halm ist in dieser Gluthitze zu sehen. Eine Ausnahme bildet da eine kleine Wiese an der Goßmannsdorfer Straße am östlichen Stadtrand von Hofheim. Dort steht das Gras auffallend saftig-grün. Kein Wunder, wird es doch regelmäßig gegossen – von einem Feuerwehrauto.

An diesen heißen Tagen sind dort zwei Feuerwehr-Oldtimer im Einsatz: der 75-jährige Hans Neubert und sein 45 Jahre altes Magirus-Deutz Tanklöschfahrzeug. Damit für seine Stallhasen nach der ersten Heuernte im Juni auch noch das Grummet im August von der kleinen Wiese eingebracht werden kann, setzt Neubert das Tanklöschfahrzeug zum Bewässern ein. Das Wasser darf er natürlich nicht aus einem offenen Gewässer pumpen, erzählt der rüstige Feuerwehrrentner. Er nutzt dazu den Brunnen in seiner Gartenparzelle und da dauert es eben eine Weile, bis der Tank voll ist.

Der Ehrenkommandant der Hofheimer Feuerwehr hatte das ausgemusterte Fahrzeug im Jahre 1997 vor dem Ausschlachten und der Schrottpresse gerettet. Zum Schrottpreis erwarb er das im Jahr 1965 vom Landkreis Hofheim angeschaffte TLF 16/24 und richtete den alten Karren wieder zulassungsfähig her. Der rote Brummer könne jetzt im Ernstfall sogar mit seinem 2400 Liter fassenden Wassertank ohne Probleme für Löschzwecke eingesetzt werden, ist sich der ehemalige Floriansjünger sicher.

Neubert strahlt übers ganze Gesicht, wenn er die technischen Daten auswendig vorträgt: Der 10-Tonner hat einen luftgekühlten Sechs-Zylinder Dieselmotor von Klöckner-Humbold-Deutz mit 9,5 Liter Hubraum bei 2300 Umdrehungen in der Minute und 150 Pferde unter seiner imposanten kantigen Fronthaube. Neben einem Bremssystem mit Druckluft unterstützter Hydraulik hat das Tanklöschfahrzeug ein 5-Gang-Allrad-Getriebe mit Geländeübersetzung und Differenzialsperre. Floriansjünger werden jetzt aufhorchen: Die eingebaute Kreiselpumpe mit 1600 Liter Förderleistung in der Minute bei acht bar Druck wird von einem Gasstrahler angetrieben.

Außerdem gehören vier historische Atemschutzgeräte aus Beständen der Stützpunktwehr mit Pressluft-Doppelflaschen zur Ausstattung. Die Ausbildung zum Atemschutzträger musste damals noch in Würzburg auf der Feuerwehrschule absolviert werden, erinnert sich Neubert, der 15 Jahre lang die Wehr seiner Heimatstadt als Kommandant führte.
Auf dem Dachträger ist die Steckleiter verstaut. Die diversen Druck- und Saugschläuche mit Löschschaumzuführung sind in den seitlichen Staufächern mit den damals so typisch chromblitzenden Handgriffen untergebracht. Als Sonderausstattung besitzt das Fahrzeug neben dem serienmäßigen 30 Meter langen Schnellangriffsschlauch mit Strahlrohr eine 30-Meter-Verlängerung auf einer Schlauchhaspel, aufgerollt am Fahrzeugheck. Das war schon damals eine Besonderheit.

Noch gut erinnern kann sich Neubert an die Vorgespräche bei der Anschaffung des Fahrzeuges. Dem Landkreis lagen zwei Angebote von Daimler-Benz und Magirus-Deutz vor. Bei der Feuerwehr war der Magirus der Wunschkandidat, weil er ein hochbeiniges Allradfahrwerk hat. Man verabredete eine Probefahrt zum direkten Vergleich. An der Goßmannsdorfer Steige überholte der Mitbewerber mit dem Stern den Magirus, aber auf der Geländestrecke im Wald musste der Magirus seinen schnelleren Konkurrenten dann mit der Schleppstange aus einer festgefahrenen Situation befreien. Obwohl der örtliche Stern-Vertreter mit einem Fass Freibier die Floriansjünger auf seine Seite bringen wollte, so erinnert sich der Neuberts Hans, war den mitfahrenden Kreisräten und der Feuerwehrführung da sofort klar, welcher Anbieter letztlich den Zuschlag erhielt.

Dass die Entscheidung richtig war, daran lässt Hans Neubert auch nach 45 Jahren keine Zweifel aufkommen. Der rote Tanker funktioniert noch immer. Und wer die grüne Wiese am Stadtrand sieht, der glaubt es.
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*) Eine überarbeitete Textversion wurde von mir am Dienstag, 13. Juli, ab 15.25 Uhr eingestellt!

Kommentare 1

  • Bilderclown 13. Juli 2010, 17:38

    Schön, dass diese beiden Oldies sich einer so guten Gesundheit und Lebensfreude erfreuen. - Leider hat sich die "Familie" des roten Kumpels nicht so gut gehalten: Das rechtsrheinische Köln war einst geprägt von KHD, ein ganzer Stadtteil (Deutz) war davon geprägt. Doch das ist längst Geschichte, die rauhbeinigen, luftgekühlten Magirus-Fahrzeuge sind im Iveco-Konzern verschwunden.
    Und in Köln-Deutz erinnert nur noch der "Ottoplatz" an vergangene Glanzzeiten, und ein kleiner Rest von KHD fertigt im Stadtteil Köln-Porz-Gremberg Industriemotoren. So läuft's halt...
    Gruß, Rainer