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Zur Frage des "Ehrenkodex" (6)

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Holger Karl TE


Free Mitglied, Köln

Zur Frage des "Ehrenkodex" (6)

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Happy Family Volksfest auf der Rennbahn 1
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Holger Karl TE

Kommentare 9

  • Christoph Lauber 7. August 2003, 10:08

    hm
    ende?
    oder vertagung?
  • Christoph Lauber 5. August 2003, 15:17

    Zum "Nutzen" von Verhaltensstrategien:
    Ich verstehe ehrlich gesagt Deine Argumentation nicht: willst Du sagen, daß Du nur in Deinen eigenen Spiegel blickst und das ringsum Dir wenig mit Dir und Deinem Selbstbild zu tun hat, Du also auch, weil keine Aktion da ist, keine Reaktion zeigst?

    In dem Zusammenhang sprichst Du davon, daß jemand vorgeführt wird. Ich nehme mal an, daß Du das negativ meinst, was hieße, daß da eine mehr oder weniger bewußte Absicht hinter steht. "Vorführen" heißt aber auch (z.B. im Aktbereich) jemanden möglichst positiv darzustellen und über die ganzen kleinen Menschlichkeiten, von denen uns die Produzentenwelt sagt, daß sie anormal und häßlich sind, hinwegzutäuschen. Das ist genauso Lug und Trug, es ist der Versuch, der Welt zu sagen wie sie zu sein hat: und das wiederum ist Chauvinismus auf persönlicher Ebene. (Für mitlesende Mierenneuker: das ist absichtlich so hart formuliert, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen, ein rethorisches Mittel zum Zweck.)

    Zur Welt:
    na gut, das ist das Resultat einer langen Auseinandersetzung mit vielen Dingen, die völlig zu schildern den Rahmen der vorliegenden Diskussion sprengen würde. Es geht dabei um Selbstbildnis, Wahrnehmung, Gestaltungswillen, Akzeptanz und Außenwirkung. Ich kürze es mal ab, indem ich sage, daß die Welt (als Platzhalter für jede existente physische! Lebensform) akzeptieren muß wie und wo sie ist, mit allen Potentialen die dabei bestehen. Der Begriff Demut drückt das ungefähr aus: seinen Platz in Anspruch nehmen, nicht mehr, diesen aber bis in den letzten Winkel ausfüllen. Gerne mehr darüber, vielleicht bei einem Bier oder so oder unter einem anderen Bild.

    Zur Notwendigkeit der Zulassung unterschiedlicher Wahrnehmungen:
    Man diskutiert alles mögliche mit dem Hinweis, daß Meinungsaustausch den Horizont erweitert und möglicherweise Impulse übernommen werden können, die wieder was Neues in Bewegung setzen. Warum soll das nicht auch in der Fotographie gelten? Wir stecken ja gerade mitten in einem Prozeß des Austausches, den es ohne das Bild bzw. seinen Vorgänger nicht gegeben hätte. Uniformität hindert Entwicklung, Vielfalt erzeugt Auseinandersetzung und Dynamik. Auch das abgekürzt, das Ganze ist tatsächlich ein wachsendes wirtschaftswissenschaftliches und psychologisches Feld.

    Zur Einschränkung der Fotographie:
    >>>>>Ich bezweilfe a.) das es eine Notwendigkeit zur unreflektierten Fotografie gibt, die Dinge zeigt, die mir nicht geläufig sind, zu denen ich keinen Bezug habe, und die ich als exotisch ansehe (der Gral in Afrika als deutscher Touri)
    b.)das eine von Respekt geprägte Fotografie uninteressanter ist, das sie die Welt unvollkommener macht und den Umgang zwischen Fotograf und Motiv unangenehmer und motivloser,
    c.) Streetfotografie unter diesen Gesichtspunkten nicht möglich wäre.

    Hm ja, Das ist zu diskutieren, ich habe oben (halbwegs) dagegen argumentiert, aber warum bezweifelst Du das? Was sind Deine Argumente?

    Einschränkung soll da sein, wo Zwang und Gewalt angewendet werden, da stimme ich Dir zu. Die Abgrenzung des erweiterten Gewaltbegriffes gegen Nicht-Gewalt ist zwar fließend, aber ich sehe einen Unterschied darin, ob Menschen sich öffentlich bewegen oder in der von Dir geschilderten privaten Situation bedrängt werden. Insofern verstehe ich Rainer: wieviel optische Gewalt muß der durchschnittliche Mensch täglich erleben, und warum sollte er sich davor nicht schützen? Es bleibt ihm nur der Rückzug ins Private oder der offensive Umgang mit seiner Umgebung. Das hat, wie ich meine, erst in der Steigerung zum aggressiven Umgang mit Vergeltung zu tun, davor steht erstmal die Auseinandersetzung.

    Was Fotographen fotographieren "sollten":
    Eigentlich ein schlauer Absatz, Hemingway hat dasselbe über Schriftsteller gesagt. Ich halte es für denkbar, daß ein Fotograph, sagen wir mal, eine etwas massig gebaute Frau im roten Schlabbershirt fotographiert und sich einfach drüber wundert, ohne Wertung. Mir geht das oft so: was denken junge Frauen, die Werbefiguren und Hollywoodstars mit ihrer Kleidung imitieren, wenn sie in den Spiegel schauen? Mich fasziniert das. Wie fühlt die rotbekleidete Frau sich? Was macht die so tagsüber, abends, was findet sie wichtig? Und warum soll ich und mein Lebensstil mehr oder weniger wert sein als sie? Wie sollte ich, um alles in der Welt, dazu kommen das zu denken? Das ist durch nichts gegeben.

    Letztlich kann Fotographie auch die Dinge zeigen, die der Fotograph nicht kennt, einfach Dinge die ihn faszinieren. Ok, der wirklich große Wurf entsteht aus einer Situation, der sich der Fotograph verbunden fühlt, wenn es sich auf den Betrachter überträgt. Deshalb wirken die Röhlenschen Sachen ja auch so flau. Sie sind trotzdem gut, weil sie eine Form des neuen Erlebens für den Betrachter bieten und den Blick auf Sachen lenken, die man so vielleicht nicht wahrnehmen würde; und so hat man mit einem Mal neue, wertvolle Gedanken. Ich könnte dutzendweise Fotos von Werbeaufdrucken machen oder Produktbeschreibungen zitieren: die literarischen Ergüssse darauf sind einfach unglaublich. Sie haben irgendeine Existenzberechtigung, aber warum sollte ich meinen Blick darauf nicht mitteilen?
  • Christoph Lauber 5. August 2003, 14:20

    ja so geht's aber nicht!
    ich schreib doch noch!
    mist, elender
  • Holger Karl TE 5. August 2003, 12:48

    ok, danke. ja.
    puh°
  • Holger Karl TE 5. August 2003, 12:44

    irgendwann, andreas, kommt bei solchen debatten der punkt, an dem ich sehr genau hinschaue: was ist beim gegenüber (und bei mir) noch vorhanden außer rechthaberei? ok "damit" hast du gerechnet, aber "das" hab ich nicht geschrieben.


    das hab ich geschrieben, stimmt.

    "Was mir nicht ausdrücklich verboten wird, das ist erlaubt" halte ich nicht für die Lösung, sondern für eine Entschuldigung.
    wofür du das hältst, ist mir ehrlich gesagt im moment egal. das ist nicht meine haltung, und wenn du den unterschied nicht sehen willst: deine sache.

    (das mit dem austeilen und einstecken seh ich so wie du sagst, wobei ich persönlich zwei ehrliche "sackgesicht!" lieber einstecke als verdrehungen dieser art.

    >>Und "Holocaust" hat weder Neonazis, noch Wehrsportgruppen, noch Rassenhass, noch den Glauben, das Hitler tolle Autobahnen gebaut und den Volkswagen erfunden hat, verhindert.>>

    das ist ganz und gar wahr, finde ich. musste es gesagt werden? wozu? das wirst du wissen.
  • Holger Karl TE 5. August 2003, 11:53

    die es schon immer wussten, mussten es nun (wieder) wissen. und das ist ein riesengroßer, irreversibler unterschied. FJ Strauß sagte mal: Wer soviel geleistet hat wie die deutschen, hat das recht, von auschwitz nichts mehr hören zu wollen. und heute sülzen es immer wieder einzelne fc-ler nach. ohne diesen TV-vierteiler, so platt er war, wäre es kaum nötig, das zu erwähnen. die lehre heißt für mich: schock, ansprechend gemacht, kann dinge leisten, die du sonst nicht hinbekommst. (ich hoffe, wir können uns einigen, dass DIES nichts mit kirmesbildern zu tun hat bzw sich nicht drauf bezieht, das thema war "schock")
    ich habe sehr genaue erinnerungen an 4 Tv-abende mit meinen eltern, deshalb walze ich das so aus. vorher knnte man bei dem thema "auschwitz" sagen "was?", seitdem nur noch "ich habe aber nichts damit zu tun", das sit ein wichtiger schritt.

    andreas, ich finde die killerphrase "lies einfach nochmal genau" furchtbar. ich frage mich aber, woher du die fragen hast, die du stellst.
    mir geht es beim "wir wissen ja nicht", nicht um die bloße knipsgenehmigung, und ich sehe nicht mal eichhörnchenfotos je als "wertfrei" an. ich habe nicht die absicht, ein einziges wertfreies foto zu machen.
  • Holger Karl TE 5. August 2003, 11:05

    stimmt/
    stimmt nicht/
    stimmt nicht/
    stimmt nicht/
    stimmt
    stimmt nicht!

    3 beispiele:

    ein foto des sonnenkönigsgleichen berlusconi (preisgekrönt beim world press award ...was kein inh. argument ist)...
    vorführen nicht legitim? distanz? darf schröder mit der clack ran?

    eine freundin ruft mich aufgebracht an und sagt, sie würde am liebsten rgendwas in die ecke feuern, so wütend sei sie über ein foto im STERN, dass in einer reportage über himalaya-tourismus einen zufriedenen europäer zeigt, der von einem sherpa den berg hinaufgetragen wird.............

    die letzte behauptung duldet nun gar keinen widerspruch ("der hat noch nciht begriffen") und hat den meisten verdient.
    schock kann vielfältige folgen haben. traumatisierung, sensibilisierung, abwehr.........sorry, das mit der abstumpfung ist SO einfach völliger unsinn.
    war "holocaust" im TV nicht legitim?

    ho.
  • Christoph Lauber 4. August 2003, 15:25

    Andreas, mit konkret meinte ich in diesem Fall, daß wir gerade an der Basis unseres jeweiligen fotographischen Handelns in der Öffentlichkeit angelangt sind und noch ein bißchen mehr, nämlich bei grundlegenden Ansichten was Respekt in verschiedenen Formen angeht. Ich meine ja nicht, daß Du Rainers Ansicht als Rudelverhaltensbibel annehmen sollst, das wäre unehrlich, behaupte ich mal. Ob das was Rainer sagt Vergeltung ist weiß ich nicht, kann sein, kann auch nicht sein. Auch meine ich, daß Respekt und Rücksichtnahme nicht generell verneint wurden. Aber ich beanspruche bei aller sogenannten Aufgeklärtheit auch das Recht, genug instinktgesteuert für tit-for-tat - Strategien zu sein, nämlich dann, wenn Rücksicht in der Verneinung meiner eigenen Realität enden würde. Die andere Strategie, "beispielhaft vorangehen" nenne ich sie mal, nützt leider nur etwas, wenn das Gegenüber auch bereit ist, Dinge außerhalb des eigenen Gesichtskreises wahrzunehmen. In dem Zusammenhang kann ich von der Welt verlangen, daß sie dazu steht so zu sein wie sie ist, ebenso wie ich das von mir verlange. Manchmal braucht sie dazu aber einen Spiegel. Den Spiegel nicht hinzuhalten heißt, die Vielfalt der Wahrnehmung zu leugnen, und es heißt letztlich auch, Möglichkeiten des Ausdrucks und des Lernens nicht zu nutzen, welches Ergebnis auch immer dahinter stehen soll. Meinetwegen auch Schock.

    Ich stimme Dir zu in der Feststellung, daß der Fotograph immer Mitverantwortung trägt bei der Wirkung des Bildes, da geht NEK als bekanntestes Beispiel fehl, wenn er dieselbe allein dem Betrachter unterschiebt. Aber sie liegt auch im Auge des Letzteren. Man könnte als eine Deutung von vielen argumentieren, daß er [der verstörte Betrachter] einfach ein Problem mit der Vielgestalt hat und zu sehr von Normen abhängig ist um die Schönheit der Abweichung zu erkennen: Loriot galt Ende der Vierziger und Anfang der Fünziger als moralisch nicht akzeptabel. Ich meine das Vorstehende im abstrakten Sinne. Ich stimme Dir auch zu, daß manche Fotos zum Wohle der Abgebildeten nicht öffentlich gemacht werden sollten, ich habe da selbst einige. Bei mir um die Ecke wohnt jemand der einen Stoffwechselfehler hat und deswegen sehr massiv gebaut ist - der Mensch scheint sich dessen zu schämen, er geht nämlich nur zu Arztbesuchen raus oder wenn es sonstwie nötig ist. Es wäre respektlos, ihn abzuknipsen in seiner Hilf- und Wehrlosigkeit. Auch sonstige Sachen, die eher auf primitivem Verhalten als auf "nicht anders können" beruhen halte ich für gerechtfertigt abzubilden. Stefan Raab macht das so, der geht brutal mit den Leuten um, zeigt aber, wie ich sehen durfte, wenig Verständnis dafür, wenn er selbst vorgeführt wird. Aber hier kann ich diese vorsätzliche Boshaftigkeit wirklich nicht erkennen.
  • Christoph Lauber 4. August 2003, 13:06


    Andreas, Deine Lust oder Unlust in allen Ehren, aber das ist ein Punkt der uns weiter bringt als Deine und meine mittlerweile wieder benutzten Tassen: wieso larifari? Wie geht's denn noch konreter?