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Wien und der Tod Teil 3

Wien und der Tod Teil 3

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Sam Vincent


Free Mitglied, Wien

Wien und der Tod Teil 3

Kaiserliche Friedhofsreformen

Über viele Jahrhunderte wollten die Wiener ihre Toten möglichst nahe bei sich haben. So lagen die größten Friedhöfe im Stadtzentrum, um die Stephanskirche, die Ruprechtskirche und beim Schottenstift. Zumindest hier setzte sich der Reformkaiser Joseph II. durch. Er verbot die Bestattung in den Kirchen der Innenstadt und deren Grüften, die besonders zu Epidemiezeiten überfüllt waren, und ließ Friedhöfe in den damaligen Vororten Währing, Matzleinsdorf und auf der Schmelz anlegen. Freilich nicht ahnend, dass die Stadt wieder wachsen würde: Es dauerte keine hundert Jahre, bis die Gottesäcker wieder von Häusern umschlossen waren.
1874 wurde der Zentralfriedhof, Wiens riesige Totenstadt in Simmering, gegründet. Mit einem katholischen, einem evangelischen und einem israelitischen Teil. Zwischen 1908 und 1910 erbaute Max Hegele die wuchtige Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche, ein Pendant zu Otto Wagners Jugendstil-Kirche am Steinhof. Architektonisch interessant sind auch das ebenfalls von Hegele errichtete Hauptportal und das 1922/23 gegenüber, auf dem Gelände des verfallenen Renaissanceschlosses Neugebäude entworfene Krematorium von Clemens Holzmeister.

Ehrengräber für Strauß & Co

Der Bereich der sogenannten Ehrengräber des Zentralfriedhofs stellt eine Art österreichisches Pantheon dar. Beim Aufseher am Haupttor liegt ein Detailplan auf, ein Wegweiser zu den letzten Ruhestätten großer Persönlichkeiten wie Johannes Brahms, Johann Strauß Vater und Sohn, Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart (Gedenkstein), Franz Schubert, Arthur Schnitzler (israelitische Abteilung), Curd Jürgens oder Helmut Qualtinger, von dem der wunderbare Ausspruch stammt: „In Wien musst’ erst sterben, bevor sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang.“ Auf Österreichs Popstar Nr. 1, Falco, trifft das nicht unbedingt zu. Dennoch hat auch er ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof erhalten.
Nach der Eröffnung des Zentralfriedhofs hatten die Vorortefriedhöfe aus josephinischer Zeit ausgedient. Schrittweise wurden sie von den Gemeindevätern des „Roten Wien“ der Zwischenkriegszeit aufgelöst, Prominenz nach Simmering umgebettet und die Areale in Grünflächen verwandelt. Heute erinnert in Märzpark, Schubertpark und Waldmüllerpark nur mehr wenig an vergangene Tage der Stille und Andacht.

Kommentare 1

  • Sam Vincent 14. August 2005, 12:30

    by the way: eine der interessantesten "Totenstädte" findet man in Buenos Aires. Eine Freundin von mir war schon mal dort. Auf diesem Friedhof besitzt jeder Tote ein eigenes kleines oder grösseres Haus.

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