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Was ist neu?

werner weis


World Mitglied

Werner´s ... (als Onkel Kuddl fotografierte)

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Ginger White: Bleibende Wahrheiten

ich musste ja täglich zum Milchholen und
wir wohnten genau auf halber Strecke
zwischen zwei Milch-Männern

beide zapften selbst und ich musste täglich
mit der Kanne los und
konnte dabei entscheiden ob ich zum

- westlichen Milchmann ging, da konnte
ich an der Freiwilligen Feuerwehr vorbei,
oder zum

- östlichen, da konnte ich zwischen
zwei parallelen Straßen auf einem
Privatweg (eingezäunt wie Fort Knoxx,

der im Zickzack durch den großen
Gemüsegarten dieses Milchmannes lief)
abkürzen.

Der östliche Milchmann, den es nicht mehr gibt,
hat diesen Weg dann irgendwann wieder dem
Gemüsegarten einverleibt - und ich

lernte den Enkel des Milchmannes kennen,
der in der gleichen Fußballmannschaft wie mein Sohn
spielte und dessen Vater auch

also einen der drei Söhne des Milchmannes,
der auch
eine Tochter hatte.

Nun zurück zum westlichen Milchmann,
der auch sogar auf
meinem Schulweg lag:

Der westliche Milchmann hatte manchmal
auch Kuchen ausliegen, z.B. satten,
sahnigen Bienenstich plattenweise

- doch meine Mutter buk alles selber
und - mein Vater buk jeden Silvester
Krapfen, genannt "Kameruner" am

Sylverstertage, eine Tradition in unserer Straße,
die Leute fragen mich
heute noch danach

- der westliche Milchmann hatte eine dicke Lippe, als ich da eines Tage reinschneite (es war Sommer, doch ich musste auch im Winter täglich Milch holen)

- die dicke Lippe, man konnte ihn kaum
erkennen, die dicke Lippe hatte er
sich zugezogen,

als er während seiner Arbeit in ein
Stück Bienenstich
gebissen hatte

- da war nämlich gerade eine Wespe drauf gesessen
und saugte die Süße - dann stach sie ihm in die
Lippe, als die ihr zu nahe kam

- ich lauschte, wie er es den Frauen vor mir in der
Schlange erzählte und als ich dran war sagte ich:
"Anderthalb bitte!"

(dieses Bild setzt diese Serie fort):

Werner`s Schrei 1958
Werner`s Schrei 1958
werner weis


dieses Gedicht schrieb ich zunächst auf Veranlassung von Rolf



unter ein Watndat-Foto:





Dieses Gedicht passt aber genau in die Zeit, als diese
"Werner´s ..." -Fotos entstanden.... deswegen veröffentliche ich es hier noch einmal.
Man schaue auch auf die oben ange-linkten Fotografien von Rolf und Watndat und die Diskussionen darunter.

Kommentare 11

  • Willi Thiel 16. Januar 2013, 11:12

    wie damals die anmerkung ...
    und das erinnert doch wieder an diese geschichte
    Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun...Kinder von heute werden in Watte gepackt...

    Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70 Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten!

    Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags!

    Unsere Bettchen waren angemalt in stahlenden Farben voller Blei und Cadmium.

    Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit dem Bleichmittel.

    Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen.

    Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

    Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.

    Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir auch nach einigen Unfällen klar.

    Wir verließen morgens das Haus zum Spielen.
    Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wußte, wo wir waren und wir hatten nicht einmal ein Handy dabei!

    Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht".
    Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht.

    Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.

    Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

    Was wir nicht hatten: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms.

    Was wir hatten: Freunde.

    Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns hin und keiner holte uns ab... Wie war das nur möglich?

    Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen.
    Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.

    Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war.
    Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

    Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere.
    Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen.
    Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

    Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen.
    Das war klar und keiner konnte sich verstecken.
    Wenn einer von uns gegen ein Gesetz verstoßen hat,war klar, daß die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!

    Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg,
    Erfolg und Verantwortung. Mit all dem wussten wir umzugehen...

    ...und Du gehörst auch dazu.
    Herzlichen Glückwunsch!
    hg willi
  • Watndat 15. Juli 2011, 15:49

    Magnetisch angezogen wieder einmal auf deiner Seite und das coole Foto von Dir Werner.....

    Mittlerweile als Kult und Erinnerungsqualität gilt.
    Das Vergessene wieder wach wird ..eben unsere Jugendzeit..
    Im Alter kommen diese guten Erinnerungen an.Die ohne Fotos und Gespräche nie wieder das Tageslicht erblicken würden..Daher , ich liebe diese alten Zeiten- Echos..Ist wie Kopfkino ..So manche Kindheit ist so verschieden wie en Daumenabdruck ..wichtig nur das man es (auch in Notzeiten) gut zuhause hatte ..
    Bedenkt man das viele Kinder ohne Eltern aufwachsen mussten..
    Erinnerung an den Wüstenberg , wohnte dort eine Familie mit 3 Kindern unterschiedlichen Alters der Älteste war mein Freund der etwa 2 Jahre älter war als ich.. Nur der Vorname ist geblieben ..Werner ..alter Lausbub mit rotem Haar ..Wir streiften durch die Wälder und kamen uns vor wie Robinson und Kumpel Freitag..
    Die Schulbank haben wir gedrückt , leider zog man in die Ferne und man hörte nichts mehr von Werner..und seinen Eltern..
    Solche Fantasien gibt es noch heute , nur das Durchspielen nicht mehr..Man schreibt es nieder oder denkt sich sein Teil..
    Was ich sagen will , ist dass solche alten Fotos nicht mit Gold aufwerten kann..Sie sind Erinnerunszweck..
    Viele Grüsse Kleus D. Watndat
  • Willa 27. Januar 2011, 21:28

    Die Qual der Wahl hatte ich nicht. :-)
  • Willi Thiel 5. September 2009, 0:37

    mal wieder ein normales foto mit der story
    was ein paar liter milch nicht alles erleben können
    herrlich deine erinnerungen...
    damals schmeckte die frisch gepresste milch noch nach milch und war nicht so verunstaltet wie heute...man fragt sich manchmal ob da überhaupt noch milch drin in der milch
    fettarm ,laktose befreit etc...
    hg willi
  • Adrena Lin 3. September 2009, 6:20

    Wieder einmalig gut und spannend erzählt....Anregend....Auch ich denke wieder daran , wie ich mit meinem Alu-Milchkännchen zum Tante Emma Laden lief, um frische Milch zu holen....
    Auf dem Ladentisch befand sich eine Art Zapfsäule, die Milch wurde hoch gepumpt, ich kann mich an den Milchschaum erinnern...!
    Deine wunderbare Grimasse erinnert mich in diesem Zusammenhang an Pelle auf warmer Milch..:-))))
    Lieben Gruß
    Andrea
  • SLOW-WHITE 2. September 2009, 23:28

    Also, mit diesen Fotos und den Geschichten dazu hast Du es ja zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Mir fehlt da der Mut, so aus dem Nähkästchen zu plaudern.
    Obwohl....ist schon eine Überlegung wert......
    ;0)
    Mach weiter so und
    LG
    Wolfgang


  • Neydhart von Gmunden 2. September 2009, 18:37

    ... schöne Geschichte ....; wir hatten zwar mehrere Bauern im Ort aber ich ging immer nur zum "Kropf Peter", wie der Bauer genannt wurde; der melkte direkt vom Euter in die Kanne .. und manchmal, wenn ich zu träumen schien .... lenkte er ein Euter auf mich und ein kurzer Milchstrahl traf mich im Gesicht ....
  • Marina Luise 2. September 2009, 18:32

    Grossartig - welch eine Grimasse - und Onkel Kuddel erfand da die Vakuumfotografie! ;))
  • Watndat 2. September 2009, 14:17

    Moin Werner

    Dein kleiner Bruder trost für den Grossen ..
    Der wiedereinmal in die Zitrone biss..Bevor der Photograph abdrückte..
    Sehe hier parallelen zu meiner Vergangenheit..
    Solche Fotos sind leider aus meinem Leben verschwunden ..leider und traurig aber wahr..
    Doch Einer oder Eine lacht übers ganze Gesicht , hat Freunde dran wenn der Fotograf sagte ..schau hier kommt gleich ein Vögelchen raus!!!!

  • liesel47 2. September 2009, 13:13

    Ach Werner, so ein Gesicht zu machen! Aber es hat ebenfalls wieder Parallelen zur Blechtrommel! Hier hatte wohl Oskarchen seinen Daumen drunter, als er zu trommeln begann! Er hält ihn auch etwas verschämt zur Seite, sein Gesicht zeigt jedoch den Schmerz!
    Hat denn nicht mal jemand einen Krapfen für das Kind? Lieben Gruß von Liesel
  • Rolf Gleitsmann 2. September 2009, 12:22

    Werner, natürlich passt Deine nachvollziehbare Erzählung in diese damalige Epoche. Eine Fotografie kann viel erzählen. Dabei muss sie nicht so exakt und reif wie für eine Fotoausstellung sein. Die Ausage hat primären Vorrang und ich finde, dass die anliegende Aufnahme genau dem entspricht.

    Den großen Bruder im verspielten Alter mit weißen Söckchen sehe ich hier. Was für ein Hemmnis im Bewegungsdrang. Ich erahne den erhobenen Zeigefinger, "mach dich bloß nicht dreckig" !

    Deshalb vielleicht auch der verkniffene Gesichtsausdruck. Möglicherweise hat man Werner aber auch die Krapfen versagt.

    In Sachsen und Schlesien nennt man diese Backwerke "Kröppeln". Ein Genuss für Unverwöhnte.

    Nun bin ich wieder am Ausgangspunkt: eine Fotografie kann viel erzählen.

    Über weitere Anregungen würde ich mich, sicherlich auch in Werners Namen, freuen. Herzliche Grüße Rolf