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Wenn deutsche Geschichte verdrängt wird...

Wenn deutsche Geschichte verdrängt wird...

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Jenny Block


Basic Mitglied, Berlin

Wenn deutsche Geschichte verdrängt wird...

...sieht das ganze so aus.
Innenansicht des Palastes der Republik, 15 Jahre nach der deutschen Vereinigung.
Mag sein, dass es etwas unscharf ist, aber ich hatte kein Stativ dabei und außerdem gehts mir mehr um die Dokumentation.

Am Wochenende habe ich eine Führung durch den Palast mit gemacht. Unglaublich, was man da zu hören kriegt:
1) Eigentliches Abrissdatum ist der 17.10.2005, allerdings fehlt es an finanziellen Mitteln für den Abriss. Also steht die Zukunft etwas in den Sternen.
2) Die Volkskammer, also der Plenarsaal, wurde aus dem Palast entfernt, ist im Moment irgendwo eingelagert und soll bald irgendwo wieder aufgebaut werden, "denn da wurde ja Geschichte geschrieben". Da fragt man sich doch, warum jedes andere Gebäude, in dem Geschichte geschrieben wurde, stehen bleibt. Mit Inhalt! Mein Vati wurde da übrigens mal als "Held der Arbeit" ausgezeichnet, goil wa?! :o)
3) Die Gefährdung durch Asbest im Gebäude ist ne ziemlich fadenscheinige Begründung für den geplanten Abriss, denn in den 60ern und 70ern wurde auf der ganzen Welt Asbestvermantelung eingesetzt zwecks Brandschutz bzw. Schutz des Stahlgerüstes vor zu schneller Schmelze im Brandfall. Demnach gibt es auch heute noch zahlreiche Gebäude in der Welt, die Asbest in sich tragen, aber bei denen nicht mit einem Sterbenswörtchen von Abriss gesprochen wird.
4) Das Foto zeigt einen Raum, in dem eine in der Welt (!) einzigartige Hebebühnenkonstruktion stand, die einfach sehr schlau konstruiert war und in diesem Raum hatten ne Menge Leute Platz - da hätte einiges draus werden können. Vielleicht wäre das mal für Touristen ein Anziehungspunkt geworden, so dass wir nicht größtenteils Tagestouristen haben, sondern welche, die länger bleiben, weil dort reizvolle Veranstaltungen stattfinden.
5) Der politische Weg, der Anfang der 90er zur Entscheidung FÜR den Abriss geführt hat, ist dokumentarisch so gut wie gar nicht mehr nachvollziehbar. Das war ne ziemliche Hauruck-Aktion, wahrscheinlich weil man alles, was in irgendeiner Weise an die Unterdrückung durch das DDR-Regime erinnert, weg haben wollte und will.

Ich schüttel nur noch meinen Kopf. Es ist unglaublich. Noch unglaublicher ist, dass dort dieses verdammte alte Schloss wieder aufgebaut werden soll. Als wenn wir nicht schon genug Schnörkelbauten hätten.

Kommentar auch zu finden bei diesem Bild

Alle Zweifel ausgeräumt!
Alle Zweifel ausgeräumt!
Philip K.

Kommentare 5

  • Martina Bie. 1. März 2006, 19:03

  • Timo A. Bartels 28. Dezember 2005, 10:10

    Wahnsinn wie das früher aussah. Im August 2004 hatte die Firma wo ich arbeite in diesem Gebäude eine Party veranstaltet, die hatten das ganze Ding also in eine große Disco verwandelt. Hab da auch Bilder von gemacht, ist schon erschreckend der Unterschied. Deinen Text finde ich gut!
  • Ralf Kesper 5. Juni 2005, 18:49

    ...die haben einfach Angst! Angst davor, das der "Bürger" wieder ein kommunistisches Ideal akzeptieren könnte. So wird Neoliberalismus gepredigt, und die Symbole für Alternativen halt abgerissen, bevor schlafende Hunde wieder gweckt werden.

    lg Ralf
  • Graschdanin Mjorki 31. Mai 2005, 16:54

    Kompliment für Bild und Kommentar. Ich finds komisch, dass gerade in Berlin keiner Verständnis und/oder Verwendung für so ein Gebäude hat. Liegt zentral, ist (architektonisch vielleicht nicht der schönste) Teil des Alex auch historisch und vor allem von Berlin. Was für reinen Gefallen tun die sich eigentlich, wenn sie so tun als hätte es die DDR nie gegeben, hätte die Stadt nie aus zwei unterschiedlichen Teilen bestanden?
    lg
    Christian
  • Philip K. 31. Mai 2005, 8:58

    Wirklich echt schade drum, man hätte einiges aus dem Ding machen können. Zumal der Palast selbst zu DDR-Zeiten schon ein vorbildliches "Multifunktionsgebäude" war.
    Gut, das äußerliche "Design" ist sicher Geschmackssache, aber das ICC steht ja auch noch...

    Und ich möchte mal prophezeien, dass das mit dem Schlossbau auf Grund der berühmt-berüchtigten Trägheit bei politischen Entscheidungen in Berlin vor 2030 nichts wird...

    P.S. Ach ja, einen "Held der Arbeit"-Aufkleber habe ich im Büro zu kleben (stimmt ja auch *g*)!