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Hans-Henning Pietsch


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Wasserkraftwerk Raffelberg

Im Jahre 1913 wurde der Stadt Mülheim an der Ruhr das Recht verliehen, einen Schifffahrtsweg vom Rhein-Herne-Kanal nach Mülheim an der Ruhr zu bauen. In diesen Jahren war die Energie durch den 1. Weltkrieg und seine Folgen für den Ruhrkohlebergbau vor allem durch die Reparationsleistungen an Frankreich knapp. Somit war es nicht verwunderlich, dass in dieser Zeit die Idee geboren wurde, in der Nähe der neuerstellten Schleuse Raffelberg ein Wasserkraftwerk zu bauen. Der geplante Standort für dieses Kraftwerk war denkbar günstig, denn das Gefälle der Staustufe dort betrug bei Normalwasserstand 6,30 m, bei Mittelwasserstand 6,15 m und selbst bei höchstem Hochwasserstand noch 3,00 m.
Bei der Dimensionierung des Maschinenparks ging man von einer wirtschaftlich verwertbaren Durchflussmenge aus, die mindestens 100 Tage im Jahr anfiel. Messungen hatten ergeben, dass diese Menge bei 105 m3/s lag. Man entschied sich damals für den Bau von vier Francis-Turbinen mit senkrechter Welle, die direkt mit den Drehstrom-Schirmgeneratoren gekuppelt werden sollten. Nach den Berechnungen mussten drei Turbinen für einen Wasserdurchsatz von je 30 m3/s, die vierte für einen solchen von 15 m3/s ausgelegt werden. Auf dieser Grundlage wurde das Wasserkraftwerk Raffelberg in den Jahren 1922 - 1925 erbaut und im Februar 1926 in Betrieb genommen.
Den in den Generatoren erzeugte Drehstrom mit einer Spannung von 5.000 Volt speiste man seinerzeit teils in das Ortsnetz Speldorf, teils nach Transformierung auf 25 kV in das Überlandnetz des RWE ein. Auch die früher zum Deutsch - Luxemburg - Konzern gehörende Wilhelmshütte in Mülheim an der Ruhr bezog Strom aus dem Wasserkraftwerk Raffelberg.
Das Kraftwerksgebäude haben die Architekten Pfeifer und Großmann geplant und erbaut. Die technische Ausrüstung erfolgte nach den Plänen der Siemens - Schuckert - Werke Berlin. Das Wasserkraftwerk Raffelberg war schon in dieser Zeit für die Energieversorgung sehr wichtig. Besonders die "Ersparnis an Kohle" hatte besondere Bedeutung. So wurde die "Einsparung von 2.200 Eisenbahnwagenladungen" immer wieder hervorgehoben. Heute wird Wasserkraft unter dem Aspekt des Umweltschutzes gesehen und gilt als besonders umweltfreundlich.
Zu Beginn der 60iger Jahre wurden die Drehstromgeneratoren auf 10.000 Volt Maschinenspannung umgerüstet. Dies geschah im Zuge des Ausbaues der Energieversorgung nach dem 2. Weltkrieg, wobei die alten 5.000 Volt-Netze durch 10.000 Volt-Netze abgelöst wurden. Schon bald zeigte sich, dass der personalintensive Betrieb des alten Wasserkraftwerkes nicht mehr wirtschaftlich zu vertreten war. Mit der Firma Voith in Heidenheim wurden daher Pläne für die Automatisierung der Turbinenanlage im Wasserkraftwerk erarbeitet.
Mitte der 70iger Jahre war es dann soweit. Die Regelanlagen für die Beschickung der Turbinen wurden mit elektronischen Reglern ausgerüstet und automatisiert. Heute wird über ein Netz von Pegeln der Wasserstand des Oberwassers und der Hafenbecken bis auf wenige Zentimeter konstant gehalten. In den nächsten Jahren soll mit der Automatisierung des elektrischen Teils des Kraftwerkes begonnen werden, nach deren Durchführung dann das Kraftwerk vollständig automatisiert selbständig seinen Betrieb aufrechterhalten kann. Zur Zeit werden im Wasserkraftwerk Raffelberg je nach Wasserführung der Ruhr ca. 20.000.000 kWh/Jahr Strom erzeugt.
Das Kraftwerksgebäude passt sich noch heute in seiner äußeren architektonischen Gliederung dem Landschaftsbild der näheren Umgebung wirkungsvoll an. Wegen seiner überregional bedeutsamen technischen Architektur wurde das Gebäude 1986 unter Denkmalschutz gestellt. In den nächsten Jahren, so ist zu hoffen; wird das Kupferdach erneuert und der Ettinger Tuffstein der Außenflächen von den Kriegseinwirkungen befreit, in neuem Glanz erstrahlen. Wenn dann noch im Inneren die Travertinverkleidung ausgebessert wird, liefert das Kraftwerk Raffelberg als restauriertes kulturhistorisches technisches Denkmal eine nicht unerhebliche Menge Energie wirtschaftlich, abgas- und strahlungsfrei an das Netz des RWE.

Kommentare 4

  • indugrafie (punkt) de 21. September 2005, 11:13

    komplettautomatisierung ist doch heute keim problem mehr: man paart regelungstechnik mit fernwirktechnik und die sache läuft (ausnahmen bestätigen die regel). heuzutage benötigte eine schleuse auch keinen schleusenwärter mehr. um ihm dennoch eine aufgabe zu geben, drückt er den knopf, um den schleusenvorgang in gang zu setzen.
    im prinzip ist diese entwicklung erschreckend. der bedarf an arbeitsplätze nimmt stetig ab. gerade noch in der zeitung gelesen: zeiss verlagert seine einfachglasproduktion nach tschechien oder so. betroffen: 400 stellen. siemens baut ab, vw baut ab...... das kanns doch nicht sein. es kann aber auch nicht sein, daß die mwst erhöht werden sollte....

    zurück zu foto: schönes gebäude, vor dem ich selbst auch schon stand. da war nur immer das licht schlecht.
    gibt nix dran zu meckern.

    gruß Björn
  • Connie Engel 21. September 2005, 9:58

    viel zu häufig werden Restaurierungen nur vorgenommen, um Einsparnisse fadenscheinig zu begründen. Schaut man dann näher hin, wurde nur lieblos ein dünner Putz drübergeklatscht plus Anstrich. Nur wenige Restaurationen werden den Materialien des Originals gerecht. Hoffentlich bleibt dem Kraftwerk dieses Schicksal erspart.
  • Hans-Henning Pietsch 21. September 2005, 9:51

    @Connie: Ich würde mir wünschen, dass man die Spuren des Krieges nicht beseitigt. 60 Jahre haben die nicht gestört.
    mfG, Henning
  • Connie Engel 21. September 2005, 9:41

    Trotz deutlicher Spuren der Zeit ... sehr charmantes Bauwerk ... Bin neugierig, wie es nach einer evtl. Sanierung aussehen wird.
    Die vollständige (!!) Automatisierung ist schon ein wenig erschreckend ... bedenkt man, was doch durch das Kraftwerk erwirtschaftet werden kann.
    Gelungenes Portrait eines geschichtsträchtigen Werks.