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Was ist neu?

Thomas Stölting


Free Mitglied, Visselhövede

Versuch einer Systematik zur Bildbeurteilung, Version 2

Auf vielfachen Wunsch möchte ich nun doch diese Systematik veröffentlichen.

>Woher stammt die Systematik? Was steckt dahinter?
>> Die Idee stammt u.a. aus der Zeitschrift "foto MAGAZIN". Dort werden alle veröffentlichten Leserfotos nach den 3 Kategorien IDEE, GESTALTUNG und TECHNIK beurteilt.
>> Die einzelnen Unterpunkte entstammen einer Diskussionszusammenfassung aus dem Members Talk.

Worauf kommt es NICHT an?
>> Es kommt nicht darauf an, daß diese Schema perfekt ist.
>> Es kommt nicht darauf an, ob die Kriterien vollständig und umfassend sind.
>> Es kommt nicht darauf an, ob die Kriterien "richtig" oder "falsch" sind.
>> Kurzum: es kommt überhaupt nicht auf das Schema im Detail an.

>Worauf kommt es an?
>> Es kommt darauf an, eine Versachlichung der Beurteilungen herbeizuführen. Auch AUSDRÜCKLICH eine gewisse Distanz zwischen Kritik (Bemerkung) und Foto auf der einen und Kritiker (Anmerkendem) und Fotograf auf der anderen Seite herbeizuführen, denn nur diese Trennung zwischen Sachlichem und Persönlichem erlaubt m.E. eine ehrliche Kritik. Diese mangelhafte Trennung ist der Hauptgrund für die vielen Kleinkriege und Pöbeleien hier in der fc. Oder sie führt eben zu dem was Einige hier "Buddysmus" nennen. Schön schleimen, denn fürs nächste Voting brauche ich ja jedes PRO.

>Warum veröffentliche ich dies hier?
>> Weiss ich auch nicht genau. Vielleicht mein ungebrochener Optimismus, dass man Leute nicht nur zum Konsumieren, sondern mindestens einige auch zum Nachdenken anregen kann.


>Antworten auf einige bereits geäußerte Bemerkungen zur Systematik:
======================================================
>Ich will gar keine kritische Beurteilung meiner Bilder:<
Ganz einfache Lösung: Foto nicht fürs Voting freigeben. Dann ist auch jedem sofort ersichtlich, daß keine kritische Bewertung erwünscht ist.

>"Kunst" kann man NUR nach Emotionen und Spaß beurteilen.<
Jede Art von "Kunst" (Malerei, Literatur, Musik, Fotografie) kann AUCH nach objektiven Kriterien beurteilt werden. So wie in der Literatur die Sprache und nicht nur die "Story" beurteilt wird (sonst kann ich gleich einen Comic lesen), so gibt es auch in der Fotografie bestimmte "Sprachelemente", die zumindest die "Bildaussage" unterstützen, manchmal sogar erst transportieren. Natürlich werden zunächst und vor allem unsere Emotionen angesprochen und ein gutes oder ein weniger gutes Foto unterscheidet sich oftmals nur dadurch, ob es dem Foto gelingt diese Emotionen beim Betrachter zu wecken.

>Bilder, die mir gefallen, haben etwas mit Gefühlen, mit Emotionen und Vorlieben zu tun, die von Moment zu Moment sich auch verändern können, je nach Stimmungslage etc.<
Stimme ich 100%ig zu! Aber dennoch bleibt die Frage, warum schafft es das eine Foto mehr, und das andere Foto weniger, bei mir Emotionen zu wecken?

> So habe ich das strukturieren aufgegeben und überlege mir eigentlich nur, warum gefällt mir ein Bild, warum zieht es meine Blick an, warum lässt es mich verweilen, warum macht es mich neugierig, warum ... warum ... Und das schreibe ich dann auf, mit wachsender Begeisterung <
Genau das ist es. Warum gefällt mir etwas mehr und etwas anderes weniger. Die Systematik gibt nur den Rahmen vor, sich selber einige Fragen zu stellen!

> Es ist schön ..., es gefällt mir ... und das ist gut so ... hat so ein bißchen mit Freiheit zu tun ... einmal nicht erklären / begründen zu müssen ...., abwägen zu müssen ...<
Kann ich verstehen, denn es geht mir auch so. Auf der anderen Seite sollen Kommentare ja auch zur Weiterentwicklung helfen. Dem Fotografen, dem Kommentierer/Kritiker und auch dem Mitleser.

> Die Lehre von der Bildgestaltung versucht nur nachzuvollziehen, was Gefühle den Betrachtern sagen ... oder um es mit Antoine de Saint Exupéry zu sagen "Man sieht nur mit dem Herzen gut".<
Hätte ich nicht besser sagen können. Und ich wiederhole es nochmals ausdrücklich.
DIE EMOTIONALE WIRKUNG EINES BILDES IST DAS ALLES ENTSCHEIDENDE.
Die Frage ist nur, wie erreiche ich das? Wie kann ich beim Betrachter diese Emotionen auslösen. Ich behaupte, dass es ähnlich wie in der Literatur, auch in der Fotografie, Malerei usw. bestimmte Gestaltungskriterien gibt, die dieses Wecken von Gefühlen fördern. Die zu erkennen und zu nutzen, darum geht es.

> Mir sind viel zu viele technische Aspekte in dem Bewertungsschema enthalten <
Mag sein, aber bitte daran denken: Vor der Kunst kommt das Handwerk. Und gerade für die Galerie sollten bestimmte Mindestanforderungen an die Technik m.E. erfüllt sein. Wobei Ausnahmen durchaus die Regel bestimmen können.


GONG: Und nun könnt ihr alle schön auf mich einprügeln.

Kommentare 85

  • Niccolo Dossarca ( oder auch u.a. JürgenStrötgen oder js ode 31. August 2011, 12:37

    verdienstvolles werk mit exzellentem kritiktext darunter. was ein lesen der anmerkungen noch bringt, das wird sich (mir) später noch zeigen. jetzt schon fast drei jahre keine neue anm, das ist allerdings geradezu schockierend 4me, anders ausgedrückt: so offenbart sich auch reale fc-'qualität'.

    ad hoc ein paar splitterle:
    ein einziges schema für alle unzähligen arten von fotografie-beurteilung? verführt, animiert das nicht zur schematischen (versuchten) anwendung? ist es überwiegend auch denkanstoß und inspiration oder nur in ausnahmen hier und da?

    kopfbetontes, ja fast kopfbestimmtes herangehen an bildbeurteilung, beschrieben und erläutert mittels geschriebener (ergo toter!?!) sprache - läßt das wirklich freiheit für die gefühlte, gesungene, hörbare "sprache", bildbeurteilung von herz und seele?

    das schema ein versuchter wissenschaftlicher ansatz im gegensatz (einheit der gegensätze!?!) zum kreativen, künstlerischen, schöpferischen ansatz?

    ich bevorzuge den ansatz, dem beurteilungskriterien gar nicht aktuell bekannt oder gar bewußt sein müssen und die er im dialog mit fotowerken eher nicht verbal aussprechen will, kann, sollte, dem aber die ur(jahrtausende)alten und sich ewig weiter entwickelnden erfahrungen, kenntnisse, maßstaebe in 'fleisch und blut' übergegangen sind und dem diese unauslöschlich in "heart&soul" INNEwohneN ...

    summa summarum: mir ist fühlen, ahnen angesagt, dass das fotografische gedächtnis, wissen und können (samt menschheit und ihrer einzelnen angehörigen) um ein riesiges vielfaches älter, weiser, wirksamer ist als das was gängigerweise fotografie genannt wird oder werden möchte ...

    zum abschluß ein ganz herzliches merci
    ciao niccolo
  • Juan 13. September 2008, 9:25

    etwas vielfältig aber im Prinzip richtig.
    LG. Juan..
  • Volker Gutgesell 8. November 2006, 20:53

    @Derkritiker Itiker,
    Du schreibst unter anderem:
    "Du glaubst doch nicht, dass Leonardo da Vinci's Werk nur deswegen so genial ist, weil er ab und zu mal einen goldenen Schnitt verwendet hat?"

    Hast Du tatsächlich so etwas in meiner Antwort entlesen, daß glaub ich wohl nicht.

    In Deinem Selbstverständnis als offizieller Kritiker aufzutreten, mußt Du natürlich geradezu getrieben sein gegen "altbackene Schulmeisterregeln" vorzugehen, viel Glück dabei.

    Entschuldigung habe erst jetzt Dein Portfolio gesichtet und beende deshalb die Diskussion.

    vgvg
  • Derkritiker Itiker 8. November 2006, 19:41

    @Volker Gutgesell
    Du glaubst doch nicht, dass Leonardo da Vinci's Werk nur deswegen so genial ist, weil er ab und zu mal einen goldenen Schnitt verwendet hat?

    Das mit der Scheibe kann ich problemlos umdrehen: Die Idee, dass die Erde eine Scheibe sei, war wohl ein ziemlicher Holzweg. Ebenso halte ich die Ansicht, dass ein goldener Schnitt automatisch ein Bild aufwertet, für ziemlich naiv. Nix gegen den alten Leonardo, der hat halt in einer Zeit gelebt, in der der goldene Schnitt als besonders schick galt.

    Aufnahmen von mir wirst Du hier kaum finden, ich bin kein zahlendes Mitglied, sondern spiele hier nur die Rolle des Kritikers. Und als solcher muss ich halt auch solche altbackenen Schulmeisterregeln hinterfragen.

    Gruss
  • Volker Gutgesell 8. November 2006, 12:40

    @Derkritiker Itiker,
    es waren nicht nur die Philosophen, sondern auch eine Ausbildung zum
    Buchdrucker die mich für diese Sichtweise begeistert.

    Das Werk Leonardo da Vinci`s zum gS
    (und der war nicht nur Philosoph)
    findet bei Dir also keinen Zugang, ok.

    Bei dem gezeigten Organigramm geht es aber um 40 weitere Kriterien.
    In diesem Verbund hat der gS auf jeden Fall seine Berechtigung.

    Muß mir mal Deine Aufnahmen anschauen, eventuell kann ich ja
    von Deiner fotographischen Sichtweise etwas abschauen.

    Und wenn die Erde eine Scheibe ist, so sei es. o:))
    vgvg
  • Derkritiker Itiker 7. November 2006, 0:22

    Ich weiss, dass berühmte Philosophen das als Ästhetik-Regel ausgerufen haben. Dem Philosoph ist halt nix zu doof. Und die tausend "Digitalfotografie leichtgemacht" Bücher, wo ein Autor vom anderen den gleichen Senf abschreibt, haben diesen unsäglichen goldenen Schnitt wieder aus der Mottenkiste geholt. Mir graut...
  • Volker Gutgesell 6. November 2006, 17:11

    @Derkritiker Itiker,
    du meinst die Frage nicht im Ernst.
    vgvg
  • Derkritiker Itiker 5. November 2006, 0:55

    "Goldener Schnitt" würde ich streichen, da das eine rein mathematisches Verhältnis ist, nämlich Eins zu 1,618033988...
    Was hat das bitte mit Ästhetik zu tun?

  • Gerald W 4. November 2006, 10:06

    Sehr gut gemacht. Nach sowas hab' ich schon lange mal gesucht. Die Arbeit hat sich gelohnt.
    LG
    Gerald
  • Re Wo 13. Mai 2006, 15:57

    Jupp, stimme Thomas zu!

    Letztlich immer vom Motiv ausgehen...
    den ersten Eindruck genau erhaschen
    und sich diesen auch bewußt machen.
    Der ERSTE Eindruck ist immer beim Motiv,
    das Erleben, dass das Bild MIR gut
    gefällt, ICH es total klasse finde...
    und ähnliche SUBJEKTIVE Eindrücke,
    die letztlich NUR SELBSTAUSSAGEN sind,
    aber gar nichts über das Bild aussagen,
    sind immer ZWEITE Erlebnisse. Vorher war
    das Erleben des Bildes, wovon die Selbstaussagen
    nur ein Echo in mir, meine Positionierung
    (Selbstaussage) ZU dem Eindruck sind.

    Der Eindruck muss verbalisiert werden,
    in Worte versucht werden zu bringen
    (das ist dann auch "Sprachkunst"!).

    Und im Eindruck lebt das Motiv auf...
    Technisches nur im Hinblick auf die
    Betonung, Akzentuierung des Motivs ansprechen.

    Ja, soweit mal meine schnellen Gedanken!

    Grüße!
    Rewo
  • Thomas Stölting 18. Februar 2006, 17:03

    Nach fast 2 Jahren sollte ich erwähnen, dass ich die Diskussion, heute etwas anders bewerte.

    Das betrifft nicht die Systematik selber, denn die kann immer nur Anstöße geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern eher die Tatsache, dass eine solche Systematik dazu verführt, Bilder nur noch nach formalen und technischen Gesichtspunkten zu beurteilen. Ich finde, dass zu dieser Systematik zwingend auch eine Beurteilung der "soft facts" gehört:

    Wie war mein erster Eindruck von dem Bild?
    Spricht mich das Bild emotional an?
    Warum spricht mich das Bild emotional an?
    Habe ich positive oder negative Empfindungen beim Betrachten des Bildes?
    Warum habe ich diese Empfindungen?
    Usw.

    LG Thomas
  • m.bee 26. Januar 2006, 10:58

    Das ist aber konstruktiv,
    vielen Dank für dein Engagement in dieser Sache Thomas - auch deine Tipps zu PS auf webseite sehr zu empfehlen!
    Jetzt geh ich mal deine Fotos anschauen!
    m
  • Rainer RXI 3. Januar 2006, 21:37

    genial
    ;-))
  • Günther Müller (gm1) 25. Oktober 2004, 1:56

    Hallo Thomas,
    vieln Dank für die Anregung dieser Diskussion.
    Habe jetzt über eine Stunde alle Anmerkungen gelesen und muss sagen das war das Beste und Kreativste was ich bisher in der fc an Diskussionen gesehen habe.
    Gruß Günther
  • Thilo Remmers 1. September 2004, 13:46

    will mich nicht hier einmischen, ich weiß nur, dass es in die fc galerie eh nur technisch praktisch perfekte bilder schaffen. sowas passiert mir äußerst selten. allerdings find ich die machart dieses deines schemas interessant.

    wie/womit biste da rangegangen? macht n sehr sauberen eindruck. könnte sowas generell gebrauchen!

    danke schon mal!
    lgT
  • Helmut Gutjahr 13. August 2004, 15:39

    @Jürgen
    Ich fotografiere um meine momentalen Gefühle übermitteln zu können. Wenn ich unter Zwang stehe, schaffe ich es nicht. Oft spielt der Zufall ein Rolle und wenn mich dann die Leidenschaft packt, dann weiss ich, das ist es. Aber sehr oft habe ich diesen Zustand auch nicht. Und so bleiben auch die meisten Aufnahmen von mir nur einsamer guter Durchschnitt, wobei das fotografische Können sichtbar ist.

    Es gibt viele Fotografen, die gut fotografieren aber rotzdem die Leute nicht berühren können!
    Ein Bild muss einfach umhauen - entweder alles oder nichts. Da gibt es keine Kompromisse!

    LG Helmut
  • Thomas Stölting 2. Juli 2004, 10:34

    @Jürgen:

    Einiges von dem, was Du sagst ist sicherlich richtig.
    Allerdings sehe ich deine Reihenfolge anders.
    Zuerst sollte die Idee/Thema da sein. Dann das dazu geeignete Motiv und erst zum Schluss die Gestaltung.

    Ich habe es schon mehrfach erwähnt: Bildgestaltung kann eine Bildaussage (Idee/Thema) immer nur unterstützen. Wo nichts ist, was unterstützt werden kann, hilft auch die beste Bildgestaltung nicht. Es entstehen formale, tote und leere Fotos.

    Auf der anderen Seite finde ich es oft sehr schade, dass manche Fotos, hinter denen eine interessante Idee vermutet werden kann, einfach sehr viele Möglichkeiten durch unzureichende Bildgestaltung verschenken. Es geht also nicht um ein "ODER" sondern um ein "AUCH".

    In diesem Zusammenhang empfehle ich gerne den Andreas Feininger, z.B. "Das ist Fotografie" (ISBN 3-7231-0022-8). Besonders auf den ersten Seite geht er genau auf diese Themen ein.
    Für Feiniger ist Fotografie eine Art von Kommunikation. Und wie bei jeder Kommunikation steht am Anfang die Botschaft oder auch Idee. Neben dieser informellen Ebene gibt es auch eine formelle oder formale Ebene. Die interessanteste Botschaft kann nicht vermittelt werden, wenn der Fotograf nicht in der Lage ist, seine Information auch umzusetzen. Das ist wie ein Musiker, der kein Instrument spielen kann oder ein Schriftsteller, der nicht Schreiben kann. Sie haben zwar tolle Kompositionen oder Romane im Kopf, können diese aber nicht vermitteln.
    Idee und Botschaft ist das wichtigste. Dann muß der Fotograf aber auch über die Mittel verfügen, diese Informationen weiterzutragen. Und zwar so, dass der Empfänger diese Botschaft auch versteht. Die Systematik beschäftigt sich in erster Linie mit dem formalen Teil. Die vorhergehenden Teile "Idee, Thematik und Motivwahl" sind viel schwieriger zu fassen.

    LG Thomas
  • Jürgen Spang 2. Juli 2004, 1:37

    Hallo Thomas!
    Ich halte Deine Systematik für etwas problematisch, da sie für mich zu stark die gestalterische Komponente betont; von der Technik mal ganz zu schweigen!

    Die Technik sollte ganz einfach der Aussage angemessen sein - ein gutes Foto kann durchaus mit Unschärfen, scheinbaren Fehlbelichtungen und anderen Schieflagen leben, wenn es dem Thema und der Aussage dient.

    Nachdem ich mich in den letzten Monaten darauf vorbereitet habe, mein liebstes hobby - die Fotografie - (endlich) zum Beruf zu machen, kann ich für mich folgende Systematik aufzeigen. Meine Kriterien zur Beurteilung und Interpretation eines guten Fotos - eine angemessene Technik setze ich voraus - sind

    1. das Motiv
    2. die Gestaltung
    3. das Thema,

    wobei ich dem Thema die grösste Bedeutung beimesse.

    Natürlich gibt es Fotos ohne Thema - es sind mit Abstand die meisten - , die hübsch aussehen und sich in Kalendern, Reiseführern usw. finden lassen. Da stimmt dann das Motiv und die Gestaltung, die Technik sowieso!

    Mir muss ein gutes Foto aber erst einmal eine Geschichte erzählen wollen! Was für eine Geschichte - das bleibt oft dem Betrachter überlassen. Aber das hängt in jedem Fall von der thematischen Ebene ab. Ein Foto ohne Thema kann auch keine Geschichte erzählen!

    Manche Fotos lassen sich natürlich nicht vollends deuten, wenn man nicht gerade Kunstprofessor ist. Aber das macht ja die Magie solcher Bilder aus.

    Durch zuviel Interpretation kann die Magie allerdings zerstört werden. Glücklich also die, die noch staunen können!
  • Straßenrandknipser 1. Juli 2004, 11:25

    Objektive Kriterien bei Kunst gibt es leider nicht. Dieser Eindruck wird leider nur vermittelt.
    Ich persönlich kann das am Beispiel der Musik erklären. Nehmen wir Quintparallelen. Sie waren einige Epochen lang verboten, dann wurden sie bei Debussy und den Impressionisten zum notwendigen Stilmittel. Die Powerchords der Rockmusik leben davon.
    Man muss auch mal sehen, wie kommt es zu Kriterien. Du beschäftigst dich mit einem Thema. Irgendwann stellt Du fest, dass gewisse Dinge, die Du als gut empfindest, Gemeinsamkeiten haben. Diese Gemeinsamkeiten formulierst Du und stellst fest, dass das Beachten dieser Gemeinsamkeiten deine Ergebnisse verbessert. Diese Formulierungen nennen sich Theorie. Irgendwann fängst Du dich an, mit den entdeckten Regeln zu experimentieren. Dadurch entsteht eine Stilistik, die unter Umständen die Gesetzte der alten negiert. Die Quintparallele war das Grundmittel der Gregorianik. Mit erscheinen der Vokalpolyphonie war sie verboten, weil sie die neuentdeckte Wirkung der Terz zerstört.

    Grüße
    Stephan
  • Günter Kramarcsik 2. Juni 2004, 0:54

    Hallo Thomas!
    Zum Thema Bildbewertungskriterien und Kommentare und Bewertungen scheint sich eine interessante Diskussion zum nachfolgenden Bild zu entwickeln. Sieh doch mal vorbei, wenn sie Dich interessieren sollte. Gruß aus Tirol
    von Günter
  • Günter Kramarcsik 25. Mai 2004, 10:23

    Hallo Thomas!
    War vor ca. 3 Wochen schon mal bei Deinen Bildern (die Sandwichbilder) und bin nun durch ein Fotomail von Carl Bildermann auf die Grafik gestoßen.
    Auch ich habe so meine Kriterien, wonach ich ein Bild beurteile und es gibt keine Regel, wo es auch Ausnahmen gibt. Aber es gut zu wissen, warum ein Bild so und nicht anders beurteilt. Die "Bauchbeurteiler" werten ja auch und unbewußt tun sie es genau nach solchen oder ähnlichen "Regeln". Wer auf seine persönlichen Emotionen hinzuhören versteht, wird richtig entscheiden, egal ob er dabei auf Regelwerke zurück greift oder nicht. Wer aber seine Kritik auf die Person (Autor) bezieht, der wird unbewußt falsch beurteilen. Egal, ob es ein Bild eines Freundes ist oder das Bild eines ungeliebten Konkurrenten. Das Pendel wird in diesem Fall vom einen zum anderen Extrem schlagen.
    Wer aber dankbar für jede ehrliche Kritik am eigenen Bild ist, der ist auch auf dem guten Weg, brauchbare Kritik zu liefern bzw. abzugeben.
    Ich bin in jedem Fall froh über jede sachliche Kritik und auf Fehlerhinweise, denn nur daraus kann man dazu lernen. Die eigenen Bilder sieht man sowieso immer mit einer rosaroten Brille und man ist blind für eigene Fehler. Blind deshalb, weil man im Geiste (Idee) das Bild vor Augen hat und wenn glaubt die Idee umgesetzt zu haben, scheint das Bild auch dem geistigen Bild zu entsprechen. Aber man projeziert dabei selbst soviel in das Bild hinein, was andere Betrachter nicht sehen können, weil sie erst die Bildaussage erfassen müssen. Selbst ist einem die Bildaussage ja bekannt, aber versteht der Betrachter die Idee und Aussage auch wirklich? Da ist mir dann wichtig zu wissen, welche der Kriterien ich vernachlässigt habe, sodaß meine Bildbotschaft nicht unterstützt wird und vermutlich sogar zerstört wird.
    Als freier Gast, hat man kein Vorschlagrecht für die Galerie und ich glaube, es können solche Bilder auch von Gästen nicht für die Galerie vorgeschlagen werden. Trotzdem hoffe ich, daß meine Bilder gefunden und kommentiert werden.
    Mich freut natürlich auch ein simples "gefällt mir" oder "super" etc. aber noch mehr freuen würde ich mich, wenn ich wüßte warum es gefällt oder super ist. Denn nicht nur ich sehe dann, daß meine Bildidee wirklich rüber gekommen ist, sondern auch andere Betrachter können dann daraus lernen, oder finden sich dann bestätigt.
    Abschließend möchte ich noch hinzufügen, daß Bildtitel unwichtig sind. Wichtig ist, daß die Bildaussage auch ohne Titel transportiert werden kann. Sehe daher nie auf Titel und Erläuterungstexte, bevor ich nicht meine Meinung gefaßt habe. Ich will die Bildaussage selbst interpretieren können. Auch wenn dann meine Interpretation eine andere sein mag, als die beabsichtigte Aussage des Autors. Wenigstens war eine Aussage zu erkennen und das halte ich vorwiegend als wichtig.
    Wenn Euch meine Kriterien interessieren dann findet Ihr diese unter nachfolgenden Link: http://www.fotocommunity.de/pc/account/myprofile/446762
    Liebe Grüße aus Tirol
    von Günter
    Werde noch einen Link zu diesem Bild unter meinen Kriterien setzen.
    Hier noch ein Link zum selben Thema in einem anderen Forum. Für alle Interessierten: http://www.fotofenster.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?p=1045&sid=28f553784947b556c09cd71f30c23df3#1045
  • Thomas Stölting 17. Mai 2004, 9:25

    @Kai:
    Zu den Themen "Bauchgefühl" oder "gefühlsmäßige Bildbeurteilung" habe ich schon u.a. in meinem Profil etliches gesagt. Ich möchte es an dieser Stelle nicht vollständig wiederholen.
    Vielleicht nur soviel:
    Das Ziel ist die Wirkung eines Bildes auf den Betrachter. Diese Wirkung ist sehr stark von subjektiven Gefühlen oder besser dem Ansprechen von Gefühlen geprägt. Die Bildbeurteilung ist nur der Versuch, zu erklären, warum es zu einer bestimmten emotionalen Wirkung beim Betracher kommt oder eben auch nicht.

    LG Thomas
  • Kai Rickert 14. Mai 2004, 12:25

    Klasse, das du dich so intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt !
    Mir persönlich würde noch ein "unwissenschaftlicher" Bereich fehlen, den ich noch nicht ganz unter Idee verwirklich sehe:
    Spontan fallen mir in etwa solche Punke ein:
    Menschlichkeit,
    Bauchgefühl,
    Humor,
    Sympathie,
    Persönlichkeit,
    Gefühlskraft
    ect.
    Denk mal du kannst alles auch in den anderen Punkten wiederfinden, aber es entsteht der Eindruck das Fotos "immer" nach objektiven Kriterien zu bewerten sind.
    Manchmal mag ich auch "schlechte" Fotos und finde sie haben einen Platz in der Galerie verdient.
    Lieben Gruß
    Kai
  • S Cbs 5. April 2004, 18:20

    Danke
  • Peter Siegler 29. März 2004, 14:23

    Hallo Thomas,
    eine hochinteressante Diskussion. Sie spiegelt im wesentlichen auch meine Einstellung wieder; hin- und hergerissen zwischen "Beurteilung aus dem Bauch heraus" und einer "schematischen Beurteilung" wie Du sie oben vorschlägst. Von einer Beurteilung nach Noten halte ich auch nichts. Für mich liegt der goldnee Weg irgendwo dazwischen. Ein Kommentar "Toll, gefällt mir..." ist mir zwar auch wichtig; aber um mich weiter zu entwicklen, reicht das natürlich nur bedingt. Deshalb würde ich mir gerade für meine Bilder oft eine mehr systematischere Auseinandersetzung wünschen, um das "Handwerk" richtig zu lernen.
    Da kommt für mich dann ein anderes "Problem" der FC ins Spiel. Die Masse der Bilder, die hochgeladen wird ist nicht mehr überschaubar. Man kann die Informationsflut nicht mehr verarbeiten und stößt eigentlich nur noch durch Zufall auf wirklich interessante Bilder. Hier wäre sicher weniger im Endeffekt mehr.
    Zum anderen zeigt die Diskussion hier auch, dass man in der FC doch noch vernünftig diskutieren kann. Die Glaubenskriege, die in manchen Bild- oder Forumsbeiträgen ablaufen und dann auch noch oft leider unter die Gürtellinie gehen, kann man sich wirklich nicht mehr antun.

    Gruß
    Peter

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