Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Was ist neu?

Petra Berns


Free Mitglied, Bad Honnef

Und weiter geht es mit Ronny, dem Ex-Versuchshund

Heute, wo das Jahr 2003 zu Ende geht, möchte ich wieder etwas zu Ronny schreiben. Ein paar Menschen hier verfolgen ja sein Schicksal mit, das ich von Zeit zu Zeit veröffentliche.

Ronny ist ein ca. 37 cm großer Beagle-Rüde, der am 29.03.2001 geboren wurde. Geboren wurde er nur für einen Zweck. Gemeinsam mit vielen anderen Beagles war sein Lebenszweck der Tierversuch. Denn bei Bayer-Leverkusen züchtet man diese Hunderasse speziell nur für diesen Zweck.

Welche Versuche genau mit ihm durchgeführt wurden, das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Im Tierheim Wermelskirchen sagte man uns, es würden mit diesen Hunden Versuche für die Tiermedizin durchgeführt. Also Tierversuche, die dazu dienen, dass andere Haustiere immer bessere Medikamente erhalten. Uns selbst kommen manchmal Zweifel, weil Ronny auf vieles so extrem reagiert. Aber leider können Ronny und seine Schicksalsgenossen nicht reden und erzählen, was ihnen widerfahren ist. Vielleicht ist es auch besser so....

Bis zum 18. November 2003, also über 2 1/2 Jahre kannte Ronny nur wenige Dinge. Seine Box, in der er untergebracht war und den Ort, an dem dann die Versuche stattgefunden haben. Sein Leben als Welpe bzw. als normaler Junghund wurde ihm so genommen. Und seine soziale Prägung auf den Menschen hat so auch nicht stattgefunden. Menschen kannte Ronny nur als große Personen, die ihm wohl oft auch Schmerzen zufügten und die ihm sein Futter gaben.

Wer wie ich hofft, dass man da besonders Tiergerecht mit den Hunden umgeht, ihnen vielleicht doch mal liebe Wörter oder Streicheleinheiten schenkt, den werde ich wohl enttäuschen müssen. Denn dafür verhält sich Ronny Menschen gegenüber zu extrem. Schon alleine die Tatsache, dass ein Hund über 2 1/2 Jahre nur eine "Nummer" ist, also nur über seine eintätowierte Nummer identifiziert ist und keinen persönlichen Namen hat, lässt mir eine Gänsehaut über meinen Körper rinnen, auch jetzt noch.

Am 18. November 2003 kam Ronny zusammen mit einigen anderen seiner Artgenossen ins Tierheim Wermelskirchen. Ganz genau wissen wir es nicht mehr, wie viele es waren, schätzungsweise 45 bis 50 Hunde alle so um Ronnys Alter kamen ins Tierheim zur direkten Weitervermittlung. Wenn Tierversuchsreihen beendet werden und die Hunde nach einer Untersuchung physisch und psychisch als in Ordnung gelten, dann gibt es dank einsichtigen Wissenschaftlern und engagierten Tierschützern mittlerweile die Regelung, dass bestimmte Firmen diese Hunde ans Tierheim abgeben. Die Tierheime vermitteln diese Hunde normalerweise direkt weiter. Da es die Projekte jetzt schon über 10 Jahre lang gibt, existieren schon genug Hundebesitzer, die bereit sind, sich so ein Sorgenkind zu sich zu holen. Und die dann versuchen, aus diesem gestörten Hund einen normalen glücklichen Hund zu machen. Und das ist gar nicht so einfach. Daher selektieren die Tierheime sehr genau, wem sie einen ihrer geretteten Beagle herausgeben.

Wichtig ist es beispielsweise, dass man schon über eine gute Hundeerfahrung verfügt. Zu viele Fehler können hier gemacht werden, denn die Hunde haben kein normales Sozialverhalten dem Menschen gegenüber. Sie wurden ja nicht wie die anderen Welpen so auf uns geprägt, dass sie uns als Rudelgenossen, als Freunde betrachten. Und somit sind Menschen oft erschreckende Wesen, die man nicht unbedingt immer im Guten kennengelernt hat.

Ronny war einer der glücklichen Hunde, die es geschafft hatten. Er galt wie seine anderen Kollegen als Gesund und fähig, sich so umzuentwickeln, dass er mal ein "normaler" Haushund werden konnte. Zusammen mit den anderen Rüden befand er sich in dem einen Zwinger. Die Hündinnen befanden sich in einem weiteren Zwinger, als meine Eltern das Tierheim aufsuchten.

Da meine Eltern sehr lange Hundeerfahrung aufweisen konnten und ein eigenes umzäuntes Grundstück ihr eigen nennen, gehörten sie zu dem Personenkreis, dem die Tierheime diese Hunde am liebsten abgeben. Das Alter meiner Eltern warf zwar Anfangs fragen auf, aber mit 60 kann man auch noch alt genug werden, um einem Beagle bis in sein Altern ein gutes Zuhause bieten.

Meine Eltern waren sich eigentlich einig, dass es wieder ein Rüde werden sollte. Bisher waren alle unsere Hunde Rüden. Meine Mutter schloss zwar eine Hündin nicht aus, sofern ihr eine Hündin besser gefallen sollte, aber mein Vater wollte lieber einen Rüden.

Als sie beim Zwinger waren, fiel beiden direkt ein etwas kleinerer Beagle-Rüde auf, der sehr lebendig war und als einziger auch am Zwingerzaun hochsprang, um etwas mehr von der Umgebung zu sehen. Er war tricolor, also dreifarbig mit sehr schöner Zeichung. Er hatte lebendige Augen und meine Mutter hat sich wohl direkt in ihn verliebt. Dieser Hund musste es sein. Und somit wurden sich die Hündinnnen gar nicht angesehen, Ronny aber fand dadurch sein neues Zuhause im Westerwald.

Zusammen mit Ronny erwarben meine Eltern ein Hundegeschirr und eine neue Leine. Denn unsere Automatik-Langlaufleine sollten wir nicht verwenden. Unter der Auflage, den Hund nur mit diesem Geschirr und dieser Leine spazieren zuführen, bekamen meine Eltern dann Ronny und das neue Zubehör übergeben. Ronny zitterte und hatte Angst, aber das ist normal, wenn man einen Laborbeagle übergeben bekommt.

Durch eine Schutzgebühr von 160 Euro und einen schriftlichen Vertrag mit einigen Bedingungen wurde wurde dann Ronny offiziell zum Besitz meiner Mutter. Der Name wurde auch jetzt festgelegt. Ronny hat für uns eine größere/tiefere Bedeutung. Denn Ronny war der Name des ersten Hundes meiner Eltern. Und somit bekam auch der kleine Beagle diesen Namen, denn meine Eltern gehen davon aus, dass er der letzte ihrer Hunde sein wird. Im Vertrag wird bei der Vermittlung eines Versuchsbeagles übrigens vereinbart, dass so ein Hund nur an das Tierheim wieder zurückgegeben werden darf, aus dem er kommt. Es ist verboten, die Hunde anderweitig zu verkaufen oder zu verschenken. Ich finde das gut, da es einen Schutz für diese Hunde bietet.

Heute weiß ich, dass es durchaus schon Fälle gegeben hat, in denen Menschen der Beagle wieder abgenommen worden ist. Das kommt vor, wenn der Hund doch nicht so gut gehalten wird, wie es gerade bei einem sozial gestörten Hund der Fall ist. Sozial gestört hört sich für einige schlimm an. Aber zumindestens im Zusammenhang mit Menschen sind diese Hunde gestört. Man stelle sich einen Menschen vor, der bis zu seinem Erwachsenenalter nur immer in einem Zimmer bzw. Gebäude lebte. Und dann wird er in unser modernes Leben mit seinen vielen Möglichkeiten und Gefahren entlassen. So ähnlich geht es den Hunden aus dem Labor. Sie kennen nichts. Sie kennen kein Spazierengehen, sie kennen keine Bäume, keine Wiesen, keinen Regen, keinen Schnee. Und was noch schlimmer ist, sie kennen auch keine Straßen, keine Autos - und auch keine Menschen, die sie um ihrer selbst mögen.

Im Nachbarort hat Jemand auch einen Laborbeagle geholt. Aber er hat ihn wieder zurückgegeben, weil der Hund nach drei Monaten noch nicht sauber wird. Ich kann das nicht nachvollziehen, aber darüber zu urteilen steht mir vielleicht nicht an. Der Hund hatte das Pech in eine Familie zu kommen, bei der auch ein Hase in der Wohnung gehalten wurde. Und warum soll ein Hund nachvollziehen, dass er kein Bächlein und Häuflein machen darf, wenn ein Hase das darf und es wohl dementsprechend riecht.

Ich möchte hiermit klarmachen, dass es nicht einfach ist, einen solchen Hund zu sich zu holen. Manche der Hunde werden erst nach einem halben Jahr sauber und nicht jeder Laborbeagle macht so schnell Fortschritte wie unser Ronny. Es ist wichtig den Hunden zu helfen aber noch wichtiger ist es, sich der Verantwortung dafür bewußt zu sein. Gerade ein Hund mit einer solchen Vergangenheit braucht Liebe und sehr viel Geduld. Mit lautem Schimpfen kann man hier alles verderben, selbst wenn man andere Hund evtl. so erziehen kann. Aber hier kann ein hartes/lautes Wort das wenige Vertrauen schon wieder zerstören, das der Hund aufgebaut hat. Daher ist es keine Kleinigkeit, sich einen solchen Laborhund zuzulegen.


Beagle gelten als äußerst soziale und friedfertige Hunde. Das hat ihnen leider auch eingebracht, dass sie bevorzugt für Hundeversuche eingesetzt werden. Dazu kommt, dass sich Beagle für eine kleinere Hunderasse auch noch ausgezeichnet vermehren. Ihre Würfe sind größer als die von anderen kleinen Hunderassen. Und da Beagle eine sehr hohe Hemmschwelle haben, lassen sie sich eben sehr viel von Menschen gefallen, ohne auch nur auf den Gedanken zu kommen zu beißen. Das macht sie leider perfekt für unsere moderne Gesellschaft mit ihren Tierversuchen. Und auch wenn Ronny frei ist, es gibt schon viele junge neue Beagle, die seinen Platz für neue Versuche einnehmen. Jetzt und hier leiden sie wieder.

Für mich selbst waren Ronny und die schrecklichen Vorkommnisse in Münster der ausschlaggebende Grund zu meiner Mitgliedschaft im Deutschen Tierschutzbund jetzt auch in den Verband der Tierversuchsgegner einzutreten. So oft wie in letzter Zeit sind mir Tränen gekommen bei dem Gedanken, wie diese Tiere leiden. Und wie viele Tiere leiden und sterben müssen, obwohl längst nicht alles an Versuchen sein müsste. Aber ich möchte hier keine Diskussion um Tierversuche anfangen. Ich bekenne mich nur dazu, gegen Tierversuche zu sein. Und ich bin stolz um jede Creme, bei der ich weiß, dass kein Tier dafür leiden oder sterben muss.

Jetzt aber wieder zu Ronny, mein Leser entschuldige meine Abschweifung. Ich finde es aber zu wichtig, auch so etwas zu erzählen. Immerhin geht man davon aus, dass jährlich in Deutschland über 8.000 Hunde verbraucht werden. Ist das nicht ein schrecklicher Begriff? Aber es ist der offziell genutzte Begriff. Beagle - Versuchshunde werden verbraucht. Und nur ein ganz, ganz geringer Teil erlebt das Ende wie Ronny, mit Freiheit. Daher rede ich auch davon, dass er ein Glückskind bzw. ein Glückshund ist.

Am 19. November 2003 kam Ronny zu uns. Er war verängstigt und suchte sich als erstes eine Ecke, wo er sich verstecken konnte. Aber das war gar nicht so einfach. Denn natürlich wollte alles, was sich Berns nannte, auchn den neuen Hund kennenlernen. Aber darüber habe ich schon berichtet. Aber heute noch liebt Ronny die Ecke zwischen Frauchens Sessel und dem Sofa, auf dem Herrchen sitzt. Denn dort ist es noch am geschützesten und er kann alles überblicken.

Seinen scheuen Blick - jedenfalls uns gegenüber - hat er schon fast ganz verloren. Seine Augen strahlen ein gewisses Selbstbewußtsein aus. Meine Mutter begrüßt er ja schon seit über drei Wochen, in dem er schwanzwedelnd angerannt kommt und sie mit erhobenen Schwanz begrüßt. Für einen "normalen" Hundebesitzer etwas ganz normales ist das für uns etwas Bedeutendes. Ich selbst war überglücklich, als er mich vor drei Tagen, als ich spät aus dem Kino kam, ebenfalls so begrüßte. Denn anfangs registrierte er mich kaum. Oder wenn er neugierig ankam, machte er bei meinem Näherkommen, dann doch seinen berühmten Schnellrückwärtsgang. Aber seit ein paar Tagen nicht mehr, welch ein Fortschritt. Natürlich werden meine Eltern mindestens genauso begrüßt. Mittlerweile kommt er auch hoch. Das heißt, relativ vorsichtig springt er an der von ihm wohl vermissten Person hoch, um sich ein paar besondere Streicheleinheiten geben zu lassen. Manchmal läuft der Hund, an dem wohl ein Zirkushund verloren gegangen ist, auch ein paar Schritte auf zwei Beinen rückwärts. Aber nur, damit meine Mutter ihn besser nehmen und streicheln kann.

Außer vor Fremden hat Ronny oft Angst vor Dingen, die er nicht kennt. Auf der anderen Seite ist er aber ein sehr neugieriges Exemplar von Hund, was ihn manchmal zu einem langgetreckten gar nicht so beagleähnlichen Tier macht. Denn hínten bleibt man stehen, während sich die Schnauze vorsichtig nach vorne bewegt und so der Hund länger und länger wird. Umd dann natürlich schnell wieder zurückzupreschen, falls das Neue zu gefährlich scheint. Angst hat er auch Extreme vor dem Geräusch einer Schere, insbesondere wenn er gerade am Schlafen war. Aber auch eine herunterfallende Zeitung reicht noch aus, um den Hund für 15 bis 30 Minuten in einen Schreck zu versetzen. Manchmal kommen wir uns noch immer wie Beagel-Fresser oder Schreckmonster vor, so sehr stellt Ronny sich dann in solchen Momenten an. Natürlich ist man sich bewußt, dass man selbst nicht der Täter ist und die Fragen kommen hoch, was da in der Vergangenheit alles geschehen ist. Aber für den Hund ist man in dem Moment eben der Auslöser des Schreckens und für kurze Zeit ist auch sein Mißtrauen dann wieder vorhanden. Gott sei Dank hält es aber nicht mehr lange an und Ronny lässt sich wieder streicheln.

Mittlerweile lässt er sich nicht nur von meiner Mutter sondern auch mit Vorliebe von meinem Vater und mir streicheln. Er kommt oft hinter uns her und verlangt schon nach seinen Streichel- oder Krauleinheiten. Das ist schön, insbesondere wenn man ja noch die Fluchtzeit kennt. Sein Vertrauen zu uns wird immer größer und langsam gibt er uns auch etwas von der Liebe zurück, die wir ihm seit seinem Einzug bei meinen Eltern geben. Was gibt es schöneres als einen braven Hund, der zum Streicheln zu einem kommt oder der einen schwanzwedelnd begrüßt. Ach, wie seltsam ist es an die Zeiten zu denken, als ich das für normal hielt. Es ist etwas ganz Besonderes, dem soll sich jeder Hundebesitzer bewußt sein. Egal, ob er einen "Problemhund" oder einen sich ganz normal verhaltenden Hund hat.

Auf seinen Namen hört Ronny jetzt auch. Er kommt fast immer, wenn wir ihn rufen. Leider aber eben nicht immer. Und so hat einer meiner Fehler letztens nur durch Ronnys Schutzengel nicht zu schlimmeren geführt. Meine Eltern hatten jetzt gut ein Jahr lang keinen Hund. Und daher denke ich noch nicht immer daran, das Törchen zu schließen. Es ist das Törchen nach draußen. Vor ein paar Tagen habe ich es Mittags wohl vergessen zu schließen. Mein Vater nimmt aber Ronny auch öfters auf die Wiese mit. Und so geschah es, Ronny entdeckte das nicht geschlossene Törchen und machte sich auf seinen eigenen Erkundungsgang durch Fürthen. So heißt der Wohnort meiner Eltern. Als mein Vater Ronnys Fehlen entdeckte, waren schon ein paar Minuten vergangen. In Pantoffeln machte er sich rufend auf die Suche. Durch das Rufen aufmerksam geworden, sprach ihn eine Frau darauf an, weiter unten an der Straße einen Hund gesehen zu haben.

Die Straße an unserem Haus ist zwar eine Dorfstraße, aber immerhin die Hauptstraße. Und leider halten sich einige Autofahrer nicht an die vorgeschriebenen 50 km/h. Ronna hat dazu die Eigenart, nicht wie andere Hunde ann der Seite zu bleiben, nein die Mitte einer Straße ist ihm gerade gut genug. Aber der Kleine hatte Glück. Ein Autofahrer stand schon mit Warnblinklicht auf seiner Spur, da der Hund diese nun mal nicht verlassen wollte und auch andere waren dadurch aufmerksam geworden. Mein Vater versuchte nun Ronny einzuholen bzw. zu sich zu locken. Nur wollte Ronny seine neue Freiheit nicht so leicht aufgeben. Er ließ meinen Vater bis auf einen halben Meter an sich heran und lief dann fort. Irgendwie hat mein Vater ihn dann trotz Pantoffeln geschnappt und beendete das Fürthener Verkehrschaos, in dem er Ronny auf den Armen nach Hause trug. Um vorher das Geschirr und die Leine zu holen, blieb ihm ja keine Zeit. Ich habe dadurch gelernt, immer mindestens noch einen Blick auf das Törchen zu werfen, wenn ich das Haus verlasse. Beim Gedanken daran, was hätte passieren können, kommen mir die Tränen und mir wird übel. Ich danke Gott dafür, dass Ronny einen so guten Schutzengel hatte und mein Vater ihn doch relativ schnell erwischt hat.

Was gibt es noch Neues zu erzählen? Ronny hatte für drei Tage einen Rückfall und hat nachts eine Pfütze im Wohn- oder Esszimmer hinterlassen. Das war weniger schön. Gestern war ich Abends sehr lange mit ihm spazieren und heute war auch alles trocken. Ich bin mal gespannt, ob das jetzt so bleibt.

Bei Hunden und Katzen reagiert Ronny immer noch sehr freundlich. Alles was auf vier Beinen läuft, scheint für ihn Freund zu sein. Das ist gut und in einigen Punkten weniger gut. Selbst vor ihn angeifernden Hunden hat Ronny keine Angst. Am liebsten würde er auch mit denen spielen. Da es in der Gegend doch einige Raufer gibt, ist das nicht so gesund für ihn. Gut, dass er bisher immer nur an der Leine läuft. Aber Ronny hat auch schon einige Hundefreundschaften geschlossen. Er ist nicht der Hund, der mit anderen spielen will, aber er will alle Hunde kennenlernen und sie beschnuppern. Das Spielen/Toben mit anderen kennt er auch bei Hunden nicht. Als meine Nachbarhündin, auch ein Beagle, uns besuchte, folgte er ihr wie ein Schatten. Immer hinterherrennen und immer schnuppern, mehr wollte er nicht.

Mit dem großen Schäferhundmischling meiner älteren Schwester verträgt er sich auch. Dem Toby, so heißt der Mischlingsrüde, war er allerdings zu vorsichtig. Toby ist allerdings ein sehr wilder Hund, dessen wildheit meine Schwester nicht so ganz in den Griff bekommt. Dennoch war alles positiv. Denn da mein Vater meiner Mutter im Januar eine viertägige Romreise geschenkt hat, wollten sie den Hund bei meiner Schwester unterbringen. Ich selbst muss ja zu diesem Termin wieder im Projektgeschäft bei einem unserer Kunden arbeiten und werde dann mein Hotelleben weiterführen. Meine jüngere Schwester würde Ronny wohl auch Leben, aber leider mag ihre Katze keine Hunde. Das könnte dann wieder Probleme geben. Und somit wird Ronny wohl für vier Tage zu meiner älteren Schwester kommen.

Angst hat Ronny immer noch, wenn das Haus voll ist oder wenn wir irgendwo hingehen, wo sich viele fremde Menschen aufhalten. In der letzten Woche war der Hund beim Besuch eines griechischen Lokals wieder nur am Zittern. Wir sind nachher gegangen und haben uns das Essen einpacken lassen. Auch Weihnachten, als meine Schwestern mit ihren Kindern (insgesamt vier Kinder) dawaren, wäre Ronny wohl lieber woanders bzw. alleine gewesen. Die Kinder verstehen nicht, wieso der Hund vor ihnen Angst hat und wollen ihn dadurch noch mehr streicheln. Es war somit nicht ganz einfach. Ronny hat sich mehrmals auf den Schoß meiner Mutter geflüchtet, weil er von ihr Hilfe erhoffte. Allerdings schlägt meine Mutter auch ungerne den Enkeln etwas ab, weshalb Ronny dann bei zu viel Streicheleinheiten von Neffe/Nichte dann wieder den Schoß verließ. Dennoch ging es insgesamt gesehen sehr gut. Den Kindern muss man zureden, manchmal eben etwas dringlicher, dann lassen sie den Hund doch mal in Ruhe. Und somit hatte Ronny doch einen gewissen Schutz vor der Unruhe, die ihm noch Angst macht.

Eine neue Lieblingsspeise von Ronny habe ich auch entdeckt. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich esse für mein Leben gerne Joghurt. Am liebsten noch den einfachen Vanille- oder Mokkajoghurt, den es schon relativ günstig in den Läden gibt. Und vor ein vier Tagen nahm ich mir nach dem Abendessen einen Vanillejoghurt aus dem Kühlschrank. Und wohl eher aus Scherz, als auch um auszuprobieren, ob Ronny wie Joker, der Hund vor ihm, Joghurt mag, hielt ich ihm den Becher unter die Nase, nahm etwas auf meinen Zeigefinger und streckte es Ronny hin mit der Aussage "Petra Leckerli". Ich rechnete gar nicht damit, dass Ronny den Joghurt mochte. Denn er ist manchmal ziemlich vorsichtig mit "neuem" Fressbaren. Allerdings hat er sich doch schon daran gewohnt, dass er nach dem Abendessen eine kleine Leckerei von mir bekommt. Die hatte er allerdings schon erhalten.

Nun denn, auf alle Fälle reagierte Ronny wie noch nie zuvor. Nicht nur, dass er meinen Finger ableckte und mir wie ein verrückter nachkam. Nein, er versuchte zu mir auf den Sessel im Wohnzimmer zu kommen, auf den ich mich setzte. Er stand auf zwei Pfoten, an den Sessel gelehnt, die Nase fast schon in meinen Joghurtbecher. So wurden auch meine Eltern auf ihn aufmerksam. An den Becher habe ich ihn nicht gelassen, so etwas mag ich nicht. Allerding wurde der Finger in Joghurt getaucht und wieder machte ich einen Hund überglücklich, in dem er meinen Finger mit dem Joghurt ablecken konnte. Leider wollte Herrchen mit Ronny raus und dieser wollte jetzzt nur noch den Joghurt. Also trug ich den angefangenen Becher zurück in den Kühlschrank und Ronny kam dann doch freiwillig zum Leine/GEschirr anziehen zu meinem Vater.

Den Joghurt habe ich dann verwahrt, weil ich sehen wollte, ob Ronny den nach seinem Spaziergang noch interessiert. Und das tat er. Ich ging mit dem Becher - verfolgt von Ronny nach seiner Runde - dann zu meinem Sessel ins Wohnzimmer und gab ihm wieder eine Fingerspitze voll. Bloß - wie wird man einen Joghurt-verrückten Hund los, wenn man selbst auch etwas von dem Joghurt bzw. das meiste verspeisen möchte? Nun gut, ich gab Ronny einen Löffel in den Napf und hatte kurz, sehr kurz, meine Ruhe. Danach musste Ronny zuschauen, bis ich meinen Joghurt fast auf hatte. Dafür durfte er dann den Becher auslecken. Wenn man bedenkt, vor einer Woche nahm Ronny nur etwas von mir auf der Flachen Hand und wenn man/ich mucksmäuschenstill dabei blieb. Bewegen sorgte für eine Ronny-Rückwärtsflucht. Und jetzt stand der Hund nah bei mir und schleckte den Joghurtbecher aus, den ich ihm hinhielt. Viel sauberer bekommt man so einen Becher mit Spülen auch nicht, kein Tropfen, kein Restchen war mehr vorhanden, als ich den leeren Becher zum Plastikmüll rübertrug und von Ronny in Erwartung von noch mehr verfolgt wurde. Aber da bekam er nur das "Alle" zu hören. "Alle, Alle" das kannten alle unserer Hunde. Und auch Ronny scheint schon zu verstehen, was das heißt. Es bedeutet, dass eine Leckerei alle ist, dass es nichts mehr gibt. Und so gab auch Ronny seine Ruhe. Mittlerweile mag ich auch, dass Ronny den Joghurt Typ Espresso, den es im Aldi gibt, genauso gerne mag.

Meine Mutter hat die Idee positiv aufgenommen. Denn bei einer Diät wird sie jetzt vielleicht versuchen, dem Hund mal Joghurt unterzumischen. Wie alle Beagle ist Ronny sehr verfressen und da heißt es doch aufpassen, wenn man keinen überfetteten Hund haben möcht3e.

Jetzt noch etwas zur Leckerei nach dem Essen. Nach dem Essen, unserem Essen, ist Ronny es schon gewohnt, eine kleine Leckerei zu bekommen. Wir haben das bei allen anderen Hunden genauso gemacht und so immer verhindern können, dass die Hunde bei Tisch betteln. Das ist beispielsweise der Speckrand vom Schinken, eine Wurstscheibe, die nicht mehr ganz einwandfrei aussieht oder auch nur ein Hundeleckerli vom Schrank. Auf diese Weise liegt dann der Hund während des Essens unter oder wie Ronny ein Stück entfernt vom Tisch und bettelt nicht. Sobald man aufsteht, wird man dann allerdings verfolgt, denn so ein Hund ist nicht dumm und weiß genau, dass es nach dem Essen auch etwas für ihn gibt. So etwas liest man übrigens auch manchmal als Tipp gegen das Betteln in Fachbüchern. Ich halte es selbst für eine sehr gute Idee. Denn das Betteln eines Hundes bei Tisch gehört sich nicht und nur so hat man auch einen Hund, den man gut in ein Lokal mitnehmen kann, ohne sich selbst zu blamieren.

Gestern abend habe ich mal wieder erfahren, was es bedeutet, sich Ronny gegenüber durchzusetzen. Wie weiter oben schon erwähnt, bin ich am späten Abend extra mal eine andere, große Runde gegangen. Normalerweise gehen wir Abends nur eine mittelgroße Runde (15 bis 20 Minuten) um die Häuser. Jetzt ist Ronny aber ein schlauer Hund, der mitbekommen hat, dass er nach dieser Runde noch einmal Fressen bekommt. Ich vermute dass er auch aus diesem Grund so reagiert. Denn er will Abends nicht lange spazieren gehen und zieht zumindestens das letzte Drittel nur noch, bis er endlich Zuhause und bei seinem Fressen ist. Daher war meine Idee, einfach eine größere Runde zu gehen. Da kann/wird Ronny mehr pipinieren und vielleicht klappt es dann auch mit einer Nacht ohne Pfütze. Somit ging ich bei der Straße nach links anstatt nach Rechts. Das führte dazu, dass Ronny doch nach links wollte. Er weiß durchaus, wo es normal hergeht. Also musste ich ihm zureden und ihm durch Zug an der Leine klarmachen, wer hier den Weg bestimmt.

Danach begann allerdings erst der ganze Wahnsinn. Denn als ich in den dunklen, leicht vereisten Feldweg einbog, da hatte Ronny beschlossen, hier nicht hergehen zu wollen. Mittlerweile haben wir gelernt, dass so ein Beagle durchaus mit der Sturköpfigkeit eines Dackels zu vergleichen ist. Und da heißtn es nur eines, sich durchsetzen. Sonst darf man nämlich machen, was der Hund will. Und somit kam es dann zu einer kleineren Rangelei mit Ronny. Während der Hund normalerweise immer so weit vorgeht, wie es die Leine zulässt, ging Ronny jetzt an meiner Seite, um dann eine Kehrtwendung zu machen, so dass die Leine sehr stark nach hinten anspannte. Mittlerweile kann Ronny das schon so aussteuern, dass er sich nicht auf den Rücken legt.

Anfangs landete er dann durch den eigenen Schwung schon mal unsanft auf dem Rücken. Dennoch ist es sehr stören, wenn man selbst nach Vorne geht und der Hund schwungwärts zurück rennt. Zureden schien nicht zu helfen. Somit half nur eines, stur zu bleiben, wieter zu reden und einfach den Weg weiter zu gehen. Schließlich lief Ronny mir so um die Füße herum, das ich leider auf einem seiner Pfoten trat. Im selben Moment, wo ich es bemerkte und mir der Hund leid tat, fing er auch an kurz zu jammern. Das war schlimm und gut zugleich. Schlimm ist es für mich, dem Hund wehzutun, so dass er jammern muss. Aber gut war es, dass er endlich mal einen Ton von sich gab, normales Hundeverhalten zeigte.

Ich stand natürlich mittlerweile. Ich redete mit Ronny, tröstet ihn und wie man das oft als "verrückter" Hundbesitzer macht, man erklärt dem Tier, wozu man eben weiter gehen will und wie wichtig diese Runde war. Obwohl es relativ dunkel war, bemerkte ich auch Ronnys vorwurfsvollen Blick. Anfangs stand er stur da, wollte nicht weiter gehen. Aber nach meiner Schmuse/Erzählrunde, kam er mit. Und ab diesem Moment lief er sogar normal. An der nächsten Kreuzung wollte er dann sogar von sich auch weiter und somit wurde es eben doch eine sehr große Runde. Mir hat das gezeigt, dass ich wohl doch trotz meines schlechten Gewissens (einen Hund ziehen zu müssen erzeugt durchaus auch ein schlechtes Gewissen) richtig gehandelt habe. Das zu machen, was ein Hund will, ist nicht der richtige Weg. Und so viel Ronny auch mitgemacht hat, so wenig er auch kennt und vor so vielem er noch Angst hat. Man muss als Mensch bestimmen und dem Hund irgendwie zeigen und klarmachen, in welche Richtung es zu gehen hat. Das gilt nicht nur fürs Spazierengehen. Ansonsten braucht man sich nicht zu wundern, wenn der eigene Hund einen nicht anerkennt.

Ich finde selbst, dass Ronny in der kurzen Zeit schon sehr viele Fortschritte gemacht hat. Noch spielt er nicht mit Bällchen oder Stöckchen. Aber ich glaube, dass er das auch noch lernt. Immerhin tobt er jetzt sehr gerne mit uns herum. Wie ein wilder prescht er um die Ecken, wenn ihm nach Toben ist. Und unser "Wo ist denn der Hund" stachelt ihn dabei an, noch wilder herumzurasen. Es ist einfach herrlich zu sehen, wie Ronny sich mehr und mehr zum "normalen" Hund entwickelt, wie er mehr und mehr auf uns reagiert und lockerer das heißt auch selbstbewußter wird.

Aufgrund meiner Beiträge in verschiedenen Internetforen habe ich schon viele Resonanzen. Sowohl von Menschen, die selbst einen Laborbeagle haben bzw. sich für diese Tiere engagieren als auch tierliebende Menschen, die sich einfach für das Schicksal dieser Hunde interessieren. Ich möchte mich auf diesem Wege auf die vielen Kommentare und auch Mails bedanken. Auch für den Hinweis, dass Ronny bellen kann aber wohl nur nicht das bellen kannt, bin ich dankbar. Ich bin mal gespannt, wann unser Kleiner das erste Mal bellt und ob das Beagle-Bellen wirklich so tief ist, wie ich erfahren habe.


*Das Bild zeigt Ronny in seiner ersten Woche - nach vier Tagen bei uns. Bei meiner Mutter fühlt er sich immer am sichersten, daher sitzt er auch der Couch. Damals ließ er sich nur von ihr vorsichtig streicheln. Sein Blick war zu dem Zeitpunkt noch ein wenig misstrauisch, anders als heute.


Ich wünsche allen Lesern ein gutes Jahr 2004 und werde auch weiter über Ronnys Schicksal informieren. Ich hoffe, dass euch mein heutiger etwas längerer Beitrag gefallen hat.

Liebe Grüße Petra

Neues von Ronny
Neues von Ronny
Petra Berns

Ronny auf Erkundungstour
Ronny auf Erkundungstour
Petra Berns

Wenn die Welt auf den Kopf gestellt wird - Ronny, der Ex-Versuchshund
Wenn die Welt auf den Kopf gestellt wird - Ronny, der Ex-Versuchshund
Petra Berns


Links zum Thema Laborbeage:
http://www.versuchstiere.de
http://www.beaglewg-bonrheim.de/
http://www.tierheim-wermelskirchen.de/beagles/beagles.htm
http://www.bv-tierschutz.de/39903_3.html
http://www.laborbeagle.de/

Kommentare 6

  • Volker Munnes 3. Januar 2004, 19:20

    Viel LIEBE, zu Eurem BAEGEL, der nach dieser Rettung viel Zeit bestimmt braucht.......

    Es gibt ja auch sehr beängstigende Versuchsreihen, am Mensch und viele Tester können den Hals mit Geld nicht vollbekommen und versuchen gleich mehrere Tests ! ?
    Elend, an allen Ecken und Kanten, manchmal sogar im selben Raum........

    vlG-------------------------------------------------------volker-
  • Mirjam H. 3. Januar 2004, 18:00

    Hallo Petra, es gibt bei yahoo eine Gruppe, die Beaglefreunde. Dort sind Labor- und "normale" Beagles und alle setzen sich sehr vorallem für die Laborbeagles ein.
    Die Seite der www.laborbeagle.de wurde von der Gründerin der Beaglefreunde ins Leben gerufen.
    Vielleicht hast du Lust und meldest dich an? Grüße an Ronny von Charlie!

    LG Mirjam
  • Kerstin Lührs 1. Januar 2004, 13:00

    Das ließt sich doch gut,da hat euer Ronny doch ein gutes Heim gefunden.
    Wünsche Euch allen ein Frohes neues Jahr mit viel Kraft und Ausdauer.Euer kleiner Kerl wird es euch danken.
    LG Kerstin
  • Monika Paar 31. Dezember 2003, 13:43

    eine tragische geschichte, die wenigstens für euren ronny einen guten ausklang findet! bewundernswert!!
    lg
    monika
  • Horst Lehmitz 31. Dezember 2003, 13:06

    Hallo Petra!
    Ich danke Dir für dieses ausführlichen Worte die ich allesamt für mich nachvollziehen kann!Es ist wirklich unglaublich wie Du/Ihr Dich/Euch dieser armen geschundenen Kreatur annnehmt!Nun habe ich auch schon seit 14 Jahren einen Hund und weiss welche Verpflichtungen und auch wieviel Zuneigung und Liebe es bedarf so einem Tier ein Zuhause zu geben!
    Euch wünsche ich die Kraft und die Ausdauer euren Ronny eines Tages so hinzubekommen das er "fast"wie ein normaler Hund wird!!!
    Wenn Du magst dann könntest Du mir gern einige Links senden wo ich weiteres über Ronny und seine Artgenossen finden kann!!!
    Vielen Dank schon mal im Vorraus.....
    LG Horst L.

Schlagwörter

Informationen

Sektion
Klicks 7.336
Veröffentlicht
Sprache
Lizenz