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Was ist neu?

Michael Albat


Pro Mitglied, Kaisten

Umweltschutz nun gerade - und kippt nicht mehr!

Selektion und Präsentation:
Andreas Hurni


Andreas und ich haben uns entschlossen, den klugen Ratschlägen zu folgen.

Umweltschutz ...
Umweltschutz ...
Michael Albat


Nun also ist das Bild gerade und kippt nicht mehr!



Aus SPIEGEL ONLINE:
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Süddeutsche Zeitung, 13.06.2005
Droht das Ende der klassischen Fotografie, titelt die SZ mit alarmierendem Unterton, um gleich darunter wieder Entwarnung zu geben. Egal ob digital oder analog, es gibt heute so viele schöne Bilder wie nie, meint Alexander Hosch, der im Aufmacher einen weiten Kunstbegriff pflegt. "Millionen von Knipsern befreien sich jeden Tag mit einer radikalsubjektiven Geste von der Diktatur des guten Bildaufbaus. Sie schaffen Fotos, die auf eine ganz andere Weise schön sind." Claus Heinrich Meyer gibt sich im Artikel darunter schon konservativer. Im besten und kreativsten Fall gesteht er der digitalen Fotografie ein "hohes Maß an Künstlichkeit, Surrealismus" zu. Ansonsten glaubt er, man wird sich bald nach der analogen Fotografie zurücksehnen.
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Kommentare 17

  • Andreas Hurni 25. Juli 2006, 14:28

    *jessas*
    ich setzt mal ein bookmark
    da muss ich ein paar sätze draus retten ...
  • Gregor Killing 22. Juni 2005, 11:27

    Ich darf mich für die angenehm kurzweilige Diskussion langer Worte bedanken.

    Heute kam mit der Post ein Brief meiner Schwester, sie hat mir die Seite der Süddeutschen Zeitung geschickt, auf der die Artikel gedruckt sind. Sie hatte wohl Angst, mir wären die Artikel entgangen. Schön, daß auch das familiäre Umfeld meine Leidenschaft unterstützt.

    (So inzwischen ist der neue Akku da, vielleicht wird es was am kommenden Wochnenende mit der 6*6.)

    Liebe Grüße

    G.
  • Andreas Hurni 21. Juni 2005, 19:02

    >> Also ganz so radikal würde ich es dann doch nicht sehen, wenn ich mich recht erinnere, habe ich irgendwo einmal gelesen, daß selbst Photographen wie Ansel Adams heftigst getrickst haben.

    ja sicher, wie stellt man sich fotografie ohne tricks vor?
    wo fangen die tricks an?
    belichtung, was ist richtig und deshalb kein trick - welches wetter wählt man weil es gut zum rest passt ...
    wer davon ausgeht, das fotografie die realität abbildet - der muss über tricks nachdenken - wenn die realität aber ausgangpunkt für die fotografie ist - dann ist das bild zwar nicht realität, aber entweder zeugt sie davon (keine tricks) oder sie ist eine meinung darüber ("tricks")
    ich mag meinungen ...

    >> Also die Generierung von Wirklichkeit aus der Konserve lehne ich ab, auch das Wegretouchieren von Stromleitungen usw. kann nicht im Sinne des Erfinders sein,

    ... von meinungen zu lügen ist ein bewusster schritt - die meinung mag zwar manipulieren, die lüge ist bereits in der grundlage falsch.

    >> schwieriger wird es m.E. bei der Frage, ob man am Kontrast schrauben darf, darf ich ein Bild drehen, darf ich USM anwenden ...

    ABER NATüRLICH - weshalb dürfen, du sollst sogar. Analog hat seinen "workflow" und digital den seinigen - in den computer geht das (wenn man es so benennen will) negativ - raus kommt das bild. was macht es für einen sinn, usm nicht anzuwenden oder den kontrast so zu belassen wie er zufälligerweise gerade war? in der duka verwende ich auch verschiedene gradation (kontrast), mache teilbelichtungen (ebenen) und zum schluss geht es in die glanzpresse (usm).
    bloss die tonung - darüber müsste noch gesondert gesprochen werden.

    >> Das ist auch meine Anfrage an das Werk der Künstlerin, aber ich verstehe nicht genug von der Kunst und der Photographie um mir ein Urteil anmassen zu können.

    wenn kunst eine wissenschaft ist und vollständig und ausschliesslich im einzelnen werk begründet ist, dann könnte man über zulässige und unzulässige urteile entscheiden.
    ich glaube jedoch, das kunst ein bedürfnis und keine wissenschaft ist und zudem nicht vom werk sondern vom tätigen menschen abhängig ist.
    die frage müsste also an die künstlerin gerichtet sein und es ist absolut zulässig wenn du sie stellst.

    >> Das ist für mein Empfinden nicht unbedingt vergleichbar. Hier geht es doch wohl darum, daß die Kunst auf einer Meta-Ebene den Konsum kritisiert, aber eben selbst als Objekt an diesem Konsum teilnimmt und somit ein kleines Mosaiksteinchen in der Fortschreibung des alltäglichen Wahnsinns bildet.

    kunst kritisiert - gern gesehen wird selbstkritik ... jetzt ist es natürlich nicht so, dass man deshalb selbstkritisch sein sollte, bloss sollten die anderen so denken.
    weshalb ist diese ausstellung dort? weil die bank eine abteilung hat, die über ihr image nachdenkt, nicht weil der CEO glaubt, die welt wäre besser wenn kunst über geld stehen würde.
    andererseits: auf die alten tage würde man sich gerne so ein paar stücke zurechtlegen - trophäen glooreicher zeiten. wenn die manneskraft nachlässt steht nicht jeder automatisch auf autos.

    >> Also ist es doch eine Frage der Einstellung zum abgebildeten Objekt. Oder habe ich da jetzt etwas falsch verstanden?

    fotografieren ist erst mal eine tätigkeit - sie auszuüben braucht nicht zwingend eine frage. es kann ein wunsch sein - auf die dauer verändert die ausübung eine tätigkeit - sie wird zum weg, der eine lernt was dabei, kommt evtl. zu einsichten. fragen mögen sich stellen, aber nicht zwingend zu beginn.
    ich sags mal so: wer eine frau kennenlernt steht nicht am gleichen ort wie wenn er schon 30 jahre verheiratet ist. wenn die kinder eines tages ausziehen ist es besser, er ist an der beziehung gewachsen, sonst hat er ein problem...
  • Gregor Killing 20. Juni 2005, 19:50

    @Andreas
    [für die Antwort habe ich die ursprünglichen Texte radikal gekürzt, sonst wird es unübersichtlich]

    | [...] Wenn man Grund hat zu Bearbeitung – hat man dann
    | überhaupt Grund zur Fotografie? [...]

    Also ganz so radikal würde ich es dann doch nicht sehen, wenn ich mich recht erinnere, habe ich irgendwo einmal gelesen, daß selbst Photographen wie Ansel Adams heftigst getrickst haben.

    | [...] Wo es doch schon so gute Reenderingprogramme gibt – wäre
    | es nicht einfacher, den mühsamen Weg über die Realität ganz zu
    | meiden. Weshalb hat sich noch niemand ein Gebäude ohne Türen
    | und Fenster ausgedacht [...]

    Also die Generierung von Wirklichkeit aus der Konserve lehne ich ab, auch das Wegretouchieren von Stromleitungen usw. kann nicht im Sinne des Erfinders sein, schwieriger wird es m.E. bei der Frage, ob man am Kontrast schrauben darf, darf ich ein Bild drehen, darf ich USM anwenden (in der analogen Photographie gibt es doch wohl ein ähnliches Verfahren) usw.

    | >> Die Werke von Miwa Yanagi [...]
    | [...] Vielleicht wären sie analog nicht so weil es zu aufwändig gewesen wäre,
    | weil die Bilder den Aufwand nicht wert wären.

    Das ist auch meine Anfrage an das Werk der Künstlerin, aber ich verstehe nicht genug von der Kunst und der Photographie um mir ein Urteil anmassen zu können.

    | >> Und wie großzügig es von der Deutschen Bank ist, daß sie
    | >> konsumkritische Kunst kauft. [...]
    | Auch die Päpste liesen den Petersdom ausmalen – zwar nicht
    | konsumkritisch, aber blasphemisch – dem Herrn Buonarotti (Gott
    | sei seiner Seele gnädig) hat man die Kritik in der Gehaltsnote
    | kundgetan.

    Das ist für mein Empfinden nicht unbedingt vergleichbar. Hier geht es doch wohl darum, daß die Kunst auf einer Meta-Ebene den Konsum kritisiert, aber eben selbst als Objekt an diesem Konsum teilnimmt und somit ein kleines Mosaiksteinchen in der Fortschreibung des alltäglichen Wahnsinns bildet.

    | >> Oder anders formuliert, geht es wirklich um die Technik [...]
    | >> Können also aus technischen Gründen keine guten digitalen Bilder
    | >> entstehen, oder entstehen die guten Bilder zwangsläufig analog,
    | >> weil die Arbeitsweise eine andere ist?
    | Die Frage stellt sich meines erachtens so nicht – Fotografieren tun
    | viele, ein Hobby ist es von einigen – intensiv damit auseinandersetzen
    | tun sich die wenigsten. Je stärker die Auseinandersetzung mit dem Hobby
    | ist, desto individueller wird die Art und Weise der Fotografie sein –
    | aber auch, desto mehr eigenartige Marotten werden anzutreffen sein. [...]

    Also ist es doch eine Frage der Einstellung zum abgebildeten Objekt. Oder habe ich da jetzt etwas falsch verstanden?

    | [...] witzigerweise hängen bei mir zuhause aber nur 3 Farbbilder
    | (welche zusammen eine untrennbare Serie bilden) – der ganze Rest
    | ist alles S/W.

    Bei mir hängen keine meiner Fotos und auch keine anderen Photographien an den Wänden. Meine eigenen Werke verschwinden in Alben, da muß ich sie mir nicht ständig anschauen.      ;-)
    Ich bevorzuge abstrakte Bilder Öl oder Acryl auf Leinwand - von unbekannten Künstlern sind sie bezahlbar und haben eine längere Wirkungs-Halbwertzeit. Vielleicht ändert es sich eines Tages (wenn aus meinen Fotos Photographien geworden sind) und ich hänge ein paar meiner Bilder auf, bis jetzt ist keines gut genug dafür. Die Einrichtung des guten alten Albums finde ich für mich adäquater, so ein Album kann ich nehmen und anschauen und ... ich kann es wieder wegstellen.

    Meine Premiere mit der Rolleiflex ist (nebenbei bemerkt) gründlich in die Hose gegangen. Das Monster funktioniert ohne Akku nicht, ich hatte zwar die Funktion geprüft, den Akku aufgeladen, die Kamera schluckte aber im Standby derart viel Strom, daß der (etwas altersschwache) NiCd-Akku beim ersten Bild leer war. Mich amüsiert die Vorstellung, daß dies ausgerechnet bei der analogen Premiere passiert ist. Wenn ich mit dem digitalen Teil unterwegs bin, habe ich vorsoglich ein kleines Kraftwerk in Form von Kunststoff-Klumpen in der Fototasche - soetwas ist mir jedenfalls noch nie passiert.

    Gruß

    G.
  • Andreas Hurni 20. Juni 2005, 19:15

    > ali hat nur angst

    unbegründeterweise - ich schlage nur frauen und kleine kinder...
  • Michael Albat 20. Juni 2005, 11:48

    > Ali steht dann jeweils davor und ich denk mir, er
    > schütz mich indem er nichts sagt
    Ali hat nur Angst.
  • Andreas Hurni 20. Juni 2005, 10:44

    >>(Diese Anmerkung bezieht sich einmal nicht auf das Bild, sondern auf die vorhergehenden Anmerkungen)

    eine vorangehende anmerkung will dir dann folgerichtig auch antworten...

    >> ...nach verbranntem Grillgut und reichlich billigem Wein erklärte mir ein Nostalgiker,

    womit wir doch schon an einem wesentlichen punkt angelangt sind. an was mag man sich erinnern? billiger wein und verbranntes grillgut - bei mir ist es warmer weisswein im polyaetylenbeutel, dazu chips, taste "cheese and onion" ...

    >> er werde eine CD im Klang immer von einer LP unterscheiden können und die CD sei leblos.

    ... was in der anfangszeit auch zutraf, weil die ton"meister" nicht die musik im sinne hatten, sondern zeigen wollten, was das neue medium alles kann – wichtig war, sich kräftig von vinyl zu unterscheiden. gruslig!

    >> Im Verlauf des Gesprächs habe ich den Eindruck gewonnen, daß es ihm primär um die Dynamiksprünge digitaler Audio-Aufnahmen ging, die eine CD sicherlich näher an der Realität transportieren kann, als eine LP (die Trägheit der Masse des Tonabnehmers verschleiert ein wenig die volle Dynamik) -

    … erinnert stark an objektivtesten…

    >> er empfand die CD als unnatürlich "hart" im Klang.

    analoge zeiten: deep purple, uriah heep, hendrix, joplin und leningrad cowboys
    digitale zeiten: britney spears und michael jackson - hart ist das falsche wort, hohl würde es treffen...

    >> Ich könnte jetzt einfach frech behaupten, daß dieser Zeitgenosse inzwischen auch CDs besitzt,

    ... jeap - weshalb auch nicht, ich kann gute musik auch als mp3 hören. resp. mp3 bringt mir eine grössere auswahl - ich kann wählen und muss nicht kaufen was halt gerade so zufällig im plattenstore aufliegt (zumal der verkäufertyp bestimmt ein psychopat war)

    >> das Dramatische an der Entwicklung ist, daß es heute nur einen ALDI-PC braucht um die Resultate weltweit zu verbreiten.

    verbreiten ... das wort enthält noch nicht, dass sich jemand die bilder auch anschaut

    >> Ist man mit der analogen APS-Flitsche unterwegs, dann landen die Ergebnisse bestenfalls im Fotoalbum,

    bestenfalls? das ist doch schon einiges - man hat keinen kunstanspruch, die bilder zeigen etwas - familie z.B., wobei witzigerweise nicht interessant ist, wo man gerade steht, es ist eher im nachhinein die selbstbetrachtung, mit etwas zeitlicher distanz *jessas*, hatte ich damals noch haare ?* oder auch *mit dieser badehose hab ich schon vor 30 Jahren die Damenwelt beeindruckt*

    >> Da wird geknipst was das Zeug hält - digital, analog, gefilmt, egal - Hauptsache es geht schnell, die Verweildauer in Passau ist kurz, da muß man sich beeilen.

    Eben – Fotografie steht ja auch nicht im Vordergrund der Reise. Es haben zwar viele Leute eine Kamera – aber die wenigsten sehen sich als Fotografen. Digitalfotografie erlaubt es ihnen, ähnlich einem Notizbuch ein paar Bilder anzufertigen. Den Eindruck behalten sie in ihren Gedanken und das Bild wird es erlauben, später nochmals darauf sprechen zu kommen.
    Ich geh davon aus, dass die Handys diesen Teil eines Tages übernehmen werden. Mittelpreisige Digialkameras werden wohl verschwinden, der Kameramarkt wird aufgeteilt in zwei Klassen „möglichst billig“ und „möglichst hochwertig“. Es wird wieder sein wie früher – Fotografen werden wieder die Beachtung kriegen die sie verdienen, man wird den Kopf schütteln.

    >> Die oben zitierten Artikel habe ich selbstverständlich mit großem Genuss gelesen.

    Moralischer Beistand kommt immer gut an …

    >> Gehen wir zum zweiten Themenfeld, der digitalen Bearbeitung, so kann es gute Gründe geben, das zu tun. Viele gute Gründe gibt es aber auch, es zu lassen.
    … auch wenn es jetzt verbale Prügel gibt, das Ergebnis ist entscheidend.

    Tia, die Bearbeitung – wo es doch schon so viele verschiedene Gründe gibt, zu fotografieren.
    Wenn man Grund hat zu Bearbeitung – hat man dann überhaupt Grund zur Fotografie?
    Wo es doch schon so gute Reenderingprogramme gibt – wäre es nicht einfacher, den mühsamen Weg über die Realität ganz zu meiden. Weshalb hat sich noch niemand ein Gebäude ohne Türen und Fenster ausgedacht … (mal abgesehen von selbsternannten Strafrechtverschärfern)

    >> Die Werke von Miwa Yanagi gastieren … Die Bilder - technisch aufwendig produziert - sind für mein Empfinden artifiziell. Natürlich knallen die Farben, das ist bei Photoshop Bearbeitungen hoch wahrscheinlich, druckt man hinter Hochglanz-Plexiglas, so kommen diese Farben natürlich noch intensiver und leuchtender daher - und - gigantische Formate unterstützen selbstverständlich die Bildwirkung.

    womit wir zwangslos wieder beim Übergang Vinyl zu CD sind. Ist es das typisch digitale oder wären die Bilder auch analog so? Vielleicht wären sie analog nicht so weil es zu aufwändig gewesen wäre, weil die Bilder den Aufwand nicht wert wären.
    Oder auch: Sie waren zum Teil schon so: Martin Parr war kein Kind von Traurigkeit wenn es um kräftige Farben ging, und seinen Stil hat er analog entwickelt. Soll man also dem digitalen die Schuld zuschieben? Hat das digitale nicht eher etwas ans Tageslicht gefördert, was schon latent (welch schönes Wort) als Bild in den Köpfen geschlummert hat?

    >> Und wie großzügig es von der Deutschen Bank ist, daß sie konsumkritische Kunst kauft. Toll! Diese konsumkritische Einstellung kommt in satten Farben, als Hinterglasinstallation von gigantischen Flächen daher. Also, ich weiß nicht .......

    Auch die Päpste liesen den Petersdom ausmalen – zwar nicht konsumkritisch, aber blasphemisch – dem Herrn Buonarotti (Gott sei seiner Seele gnädig) hat man die Kritik in der Gehaltsnote kundgetan.

    >> Oder anders formuliert, geht es wirklich um die Technik, oder geht es um die innere Einstellung zum Photographieren? Können also aus technischen Gründen keine guten digitalen Bilder entstehen, oder entstehen die guten Bilder zwangsläufig analog, weil die Arbeitsweise eine andere ist?

    Die Frage stellt sich meines erachtens so nicht – Fotografieren tun viele, ein Hobby ist es von einigen – intensiv damit auseinandersetzen tun sich die wenigsten. Je stärker die Auseinandersetzung mit dem Hobby ist, desto individueller wird die Art und Weise der Fotografie sein – aber auch, desto mehr eigenartige Marotten werden anzutreffen sein. (Es gibt z.B. einen „weichen“ Grund, weshalb ich ungern mit Teleobjektiven arbeite).

    >> Den Aspekt der Sinnlichkeit von langen Abenden in der Dunkelkammer klammere ich jetzt einmal bewußt aus.

    Das hat mit Sinnlichkeit nichts zu tun. Ich betrachte mich eigentlich als Puntfotograf – witzigerweise hängen bei mir zuhause aber nur 3 Farbbilder (welche zusammen eine untrennbare Serie bilden) – der ganze Rest ist alles S/W.
    Trotzdem: Dunkelkammer ist eine harte Erfahrung – es geht zwar viel Papier drauf, und es stappelt sich auch ganz schön was zusammen – man wirf das Zeugs einfach nicht weg, als Datei könnte man es immerhin löschen. Wenn ich rechne komme ich auf 2 erträgliche Bilder pro Jahr. Ali steht dann jeweils davor und ich denk mir, er schütz mich indem er nichts sagt.

    >> Ich stehe kurz vor der Rückkehr zur analogen Fotografie sozusagen als Selbstversuch nach zwei Jahren - ich habe mir eine Rollei 6 * 6 Kamera ersteigert, 3 Festbrennweiten sind dabei und am kommenden Wochenende ist Premiere.

    Fotografie mit dem Rücken zur Wand – ohne Notlage entsteht nichst Gutes.Nimm jeweils nur ein Objektiv mit, 80mm…

    >> Schade, daß ich keine eigene Dunkelkammer habe, das macht dann nur halb so viel Freude.

    Es macht nicht weniger Freude, sondern weniger Bilder, das ist hart.

    >> Ich bin gespannt auf meinen hybriden Weg.

    Jo mann, da müsste ich jetzt einen schönen Abschluss hinzimmern …

  • Gregor Killing 15. Juni 2005, 0:17

    (Diese Anmerkung bezieht sich einmal nicht auf das Bild, sondern auf die vorhergehenden Anmerkungen)

    Ich glaube es war so 1985 auf einer Party im Studenten-Wohnheim, nach verbranntem Grillgut und reichlich billigem Wein erklärte mir ein Nostalgiker, er werde eine CD im Klang immer von einer LP unterscheiden können und die CD sei leblos. Im Verlauf des Gesprächs habe ich den Eindruck gewonnen, daß es ihm primär um die Dynamiksprünge digitaler Audio-Aufnahmen ging, die eine CD sicherlich näher an der Realität transportieren kann, als eine LP (die Trägheit der Masse des Tonabnehmers verschleiert ein wenig die volle Dynamik) - er empfand die CD als unnatürlich "hart" im Klang. Ich könnte jetzt einfach frech behaupten, daß dieser Zeitgenosse inzwischen auch CDs besitzt, aber das lasse ich lieber - ich habe ihn aus den Augen verloren.
    Natürlich gibt es noch die Anhänger der LP, aber meistens existieren CD und LP friedlich nebeneinander.

    Ähnlich verhält es sich meines Erachtens mit den digitalen und analogen Bildern. Natürlich entsteht digitale Massenware mit der TCM-Knipse (im Tschibo-Store beworben mit X Megapixeln), das Dramatische an der Entwicklung ist, daß es heute nur einen ALDI-PC braucht um die Resultate weltweit zu verbreiten. Ist man mit der analogen APS-Flitsche unterwegs, dann landen die Ergebnisse bestenfalls im Fotoalbum, meist bleiben sie in der Labortüte und werden ab und zu herausgeholt und gezeigt. Ich glaube, ich darf behaupten, ich weiß wovon ich spreche. Meine tägliche Hunde-Runde führt mich an den Donau-Dampfern vorbei, die von Touristen aus der ganzen Welt für eine Kreuzfahrt bis zur Donaumündung genutzt werden. Da wird geknipst was das Zeug hält - digital, analog, gefilmt, egal - Hauptsache es geht schnell, die Verweildauer in Passau ist kurz, da muß man sich beeilen.

    Die oben zitierten Artikel habe ich selbstverständlich mit großem Genuss gelesen.
    Ich möchte die Digital-Kritik jetzt einmal in zwei Unterbereiche gliedern. Zum einen die digitale Aufnahme, die "NICHTS" kostet (sie kostet sehr viel). Und die digitale Bearbeitung digitaler bzw. analoger Bilder.
    Wendet man sich dem ersten thematischen Block zu, so herscht Einigkeit, Scharen von Fotografierenden schauen eher beiläufig auf das Display ihrer DigiCam und gleichzeitig auf das Motiv, so, als ob sie der digitalen Version ihrer umgebenden Wirklichkeit nicht trauen. Dieser Anblick wird nur noch übertroffen von dickbäuchigen Touristen, die Ihren Camcorder in Anschlag bringen und gerne einmal "life" ihren Kommentar zu den bewegten Bildern sprechen. Mich reizt es immer im Vorbeigehen ebenfalls einen Kommentar zu verewigen (vielleicht: "Ich bitte Sie, mich Ihrer Frau Mutter zu empfehlen" oder ähnlich schwülstige Sätze).
    Gehen wir zum zweiten Themenfeld, der digitalen Bearbeitung, so kann es gute Gründe geben, das zu tun. Viele gute Gründe gibt es aber auch, es zu lassen. Mein persönlicher Favorit: Die Faulheit. Ich arbeite lieber vor Ort sauber und muß mich nachher nicht mit dem Photoshop quälen, als daß ich in zeit- und nervenraubenden Stunden die Nachlässigkeiten korrigiere. Aber ich bin da kein Dogmatiker - auch wenn es jetzt verbale Prügel gibt, das Ergebnis ist entscheidend.
    Die Werke von Miwa Yanagi gastieren derzeit im Museum für Moderne Kunst in Passau (siehe auch dazu: http://www.deutsche-bank-kunst.com/ausstellungen/miwayanagi/de/) und heute habe ich es geschafft, meine innere Abneigung zu überwinden - ich war da. Die Bilder - technisch aufwendig produziert - sind für mein Empfinden artifiziell. Natürlich knallen die Farben, das ist bei Photoshop Bearbeitungen hoch wahrscheinlich, druckt man hinter Hochglanz-Plexiglas, so kommen diese Farben natürlich noch intensiver und leuchtender daher - und - gigantische Formate unterstützen selbstverständlich die Bildwirkung. Und wie großzügig es von der Deutschen Bank ist, daß sie konsumkritische Kunst kauft. Toll! Diese konsumkritische Einstellung kommt in satten Farben, als Hinterglasinstallation von gigantischen Flächen daher. Also, ich weiß nicht .......

    Ich stelle hier nun einmal die ketzerische Frage: Habt ihr einen CD-Player oder besitzt ihr nur analoge LPs? (Ist meine Frage zu provokant?) Oder anders formuliert, geht es wirklich um die Technik, oder geht es um die innere Einstellung zum Photographieren? Können also aus technischen Gründen keine guten digitalen Bilder entstehen, oder entstehen die guten Bilder zwangsläufig analog, weil die Arbeitsweise eine andere ist?
    Den Aspekt der Sinnlichkeit von langen Abenden in der Dunkelkammer klammere ich jetzt einmal bewußt aus.

    Ich stehe kurz vor der Rückkehr zur analogen Fotografie sozusagen als Selbstversuch nach zwei Jahren - ich habe mir eine Rollei 6 * 6 Kamera ersteigert, 3 Festbrennweiten sind dabei und am kommenden Wochenende ist Premiere. Schade, daß ich keine eigene Dunkelkammer habe, das macht dann nur halb so viel Freude. Trotzdem werde ich weiterhin mit dem digitalen Ding unterwegs sein, dank meiner bescheidenen Künste wird es vermutlich egal sein. Ich bin gespannt auf meinen hybriden Weg.
  • Andreas Hurni 14. Juni 2005, 11:55

    so viel zu lesen - denk an pisa...
  • Michael Albat 14. Juni 2005, 11:41



    Kultur
    13.06.2005 09:07 Uhr


    Nachruf auf die analoge Fotografie (II)

    Jeder Mensch ist ein Knipser

    Das lachende Auge: Keine Nachrufe, bitte! Ob analog oder digital, nie gab es schönere Fotos als heute.
    ALEXANDER HOSCH




    Die digitale Fotorevolution ist nicht mit einem neuen Stil oder einer neuen Technik vergleichbar. Sie war eine Art schleichender Quantensprung.
    (Gérard Chesneau: Beauty, 2004)





    Im Mai waren wir auf eine Hochzeit in Südfrankreich eingeladen. Die Gäste kamen aus aller Welt. Wenig später trafen sich alle auf einer Honeymoon-Website wieder. Jeder konnte eigene Fotos von dem Ereignis ,uploaden‘ und sich die der anderen ansehen oder herunterladen. Man muss diese neue Art der Globalisierung von Privatheit nicht mögen. Aber die beteiligten Nutznießer der sozialen digitalen Interaktion fühlten sich durch den Austausch ihrer Erinnerung ungemein bereichert.

    Es war Beuys, der gesagt hat: Jeder Mensch ist ein Künstler. Er hatte Unrecht. Milliarden und Abermilliarden digitaler Schrottfotos beweisen das Gegenteil. Zur Strafe führen sie ein Dasein als Untote in den Papierkörben der E-mail-Accounts. Aber Beuys hat auch immer noch Recht: Millionen von Knipsern befreien sich jeden Tag mit einer radikalsubjektiven Geste von der Diktatur des guten Bildaufbaus. Sie schaffen Fotos, die auf ganz andere Weise schön sind.

    Die digitale Fotorevolution ist nicht mit einem neuen Stil oder einer neuen Technik vergleichbar. Sie war eine Art schleichender Quantensprung. Sie begann vielleicht im Jahr 1981, als Profis und Amateure auf der Photokina mit fragenden Augen eine elektronische Kamerasensation namens Sony Mavica umkreisten. Dass etwas passiert war, wurde erst zehn Jahre später richtig klar, als Künstler in historische Aufnahmen von Hitler oder Kennedy ihre eigenen Konterfeis hineinprojizierten. Die Montage geschah nicht wie früher durch Mehrfachbelichtung, Maskierung oder Klebetechniken, sondern mittels Manipulation am Computer. Sie war nicht mehr mit dem Auge, sondern nur mit dem Verstand wahrnehmbar. Das Foto hörte auf, die Wahrhaftigkeit des Dargestellten zu behaupten. Es war kein Beweis mehr.

    Die nächste Stufe folgte wohl, als uns -- so etwa um 1997 -- jener Fußballfotograf erzählte, eine Firma habe ihm Geld dafür geboten, dass er noch schnell auf seinen Fotos die Bandenwerbung am Spielfeldrand verändere, bevor er die Aufnahmen zum Spielschluss an die Sportredaktionen übersendet. Technisch kein Problem. Natürlich blieb der Fotograf standhaft. Die Digitalfotografie als Massenphänomen ereignete sich schließlich ab dem Jahr 2000. Wurden 1999 in Deutschland noch 4,3 Millionen analoge und nur 300 000 digitale Kameras verkauft, so setzte der Handel 2004 allein 7 Millionen digitale Apparate gegenüber nur noch eineinhalb Millionen herkömmlicher ab.



    Mit acht Millionen Auflösungspunkten prunkt heute eine sehr gute Digitalkamera. Können so viele Pixel irren? Eine Branche wächst und brummt. Für ein paar verdiente Firmen der Fotogeschichte jedoch ist digital inzwischen ganz schön fatal: Leica, Kodak und Agfa haben den Anschluss an die neue Schnittstelle verpasst. Nun melden sie Probleme, Krisen und vielleicht sogar Insolvenz an. Es wird Arbeitsplätze kosten.

    Davon abgesehen gibt es für Kulturpessimismus wenig Grund. Was das Digitale für Künstlerbilder bedeuten kann, hat der sehr erfolgreiche Fotograf Thomas Ruff einmal in Worte gefasst: "Warum soll ich, um ein Haus zu fotografieren, 500 Kilometer weit fahren? Am Ende steht ein Auto davor, oder es stört mich ein Baum." Ruff ließ sich damals einfach eine Vorlage des Hauses von einem anderen Fotografen schicken. Dann veränderte er dieses Foto am Computer, bis es "sein Bild" war. So ähnlich erzeugt Ruff alle seine Fotos. Nichts muss so bleiben, wie es ist. Das Bild ist fertig, wenn es wunderbar ist. Noch nie machten Fotografen so wenig Aufhebens um ihre Ausrüstung wie die aktuellen Fotostars. Sie verfremden, retuschieren oder erzeugen Fotos per Mausklick. Was zählt, ist nur das, was man sieht. Es geht um das Bild, nicht um die Wirklichkeit. Auf diese Weise eroberten sie seit 1990 das Allerheiligste in der Kunst: den Platz überm Sofa, der den Gemälden vorbehalten war.

    Was die Digitalfotografie für die Allgemeinheit bedeutet, ist ebenfalls kaum zu überschätzen: Sie kommt direkt aus den Kameras der Herzen. Jeder darf per Foto-Handy oder Knipskiste auf Partys oder Premieren, im Auto, in der Küche oder im Pyjama sein privates Portfolio der Erinnerung aufrüsten . So fand das private Erinnerungsbild durch die Ausweitung der digitalen Kampfzone aus dem Herrschaftsbereich des Geschmackvollen. In privaten Formen und Foren entzieht es sich der Beurteilung durch den professionellen Connaisseur.

    Manche halten den Massenexodus der Konsumenten ins Pixelparadies deshalb für den Anfang vom Ende einer sinnlich-künstlerischen Ausdrucksform. Der unglaubliche Aufwand, der früher für ein Foto -- diese Ode an den Moment -- betrieben wurde, wird konterkariert durch den beiläufigen Klick des Dilettanten. Und die Therapie, die darin lag, dass es so lange dauerte, bis man diesen Moment in Form eines Fotos zurückbekam -- sie wird durch die Instant-Erlösung eines sofort verfügbaren Bilderkatalogs ersetzt. Wer je in einer Dunkelkammer war und die Geburt eines Lichtbilds zwischen Essenzen, Dämpfen und den Schemen der Laborwelt herbeiführte, der weiß, was für ihn verloren ist, wenn er es jetzt nicht bewusst kultiviert: die Dunkelheit, die Langsamkeit, das Prozesshafte, die Chemikalien, der Gestank und das lange Warten auf das Bild.

    Aber der analogen Fotografie muss noch nicht nachgerufen werden. Sie bekommt mehr Aufmerksamkeit denn je. Frühe Porträts, Expeditionsfotos, Bauhaus, Mode -- kaum ein Zeitraum oder ein Segment der Fotogeschichte ist auf dem Kunstmarkt in den letzten zehn Jahren dem Aufschwung entronnen. Gewiss mehr Menschen als vor zwanzig Jahren jagen nach Vintage-Prints, den sündteuren Originalabzügen eines Meisters. Und nicht mehr nur Ikonen wie der Amerikaner William Eggleston sind erfolgreich. Zuletzt boomten auf Auktionen private alte Alben. Und Snapshots -- anonyme Laien-Fotos von anno dazumal. Im Idealfall haben sie einen Bildausschnitt, der auch zum heutigen Zeitgeist passt. In anderen Nischen der Nostalgie nehmen mit guten Ideen und Bildern zeitgenössische Künstler wie die in Amerika lebende Vera Lutter Platz: Sie arbeitet nach dem Camera-obscura-Prinzip und wohnt in selbst gebauten Gehäusen tagelang der Belichtung ihrer mehrere Meter großen Negative bei.

    Analog also oder digital? Egal. Neulich lernte ich auf einer Veranstaltung eine junge chinesische Kollegin kennen. Sie hatte ein paar Aufnahmen von deutschen Großstädten gemacht, die sie langweilten, aber seltsamerweise ungefähr 50 Fotos von einer Kleinstadt, die sie faszinierte. Ausgerechnet in dieser Stadt bin ich aufgewachsen. Sie zeigte mir die Fotos während eines Abendessens auf dem Display ihrer winzigen Digitalkamera und ich sah Dinge, die ich noch nie gesehen hatte, obwohl ich so oft daran vorbei gelaufen sein muss. Die Speisen wurden kalt, während die hässlichen Hexen und Folklorepuppen aus den Souvenirläden der Altstadt in diesen fernöstlichen Wimmelbildern zu fremden Schutzheiligen wurden und die hölzernen Schnitzwerke mittelmäßig begabter Halsabschneider zu glaubwürdigen Charakteren aus der japanischen Mangakultur. Die Fotos trugen eine Handschrift, die an einer anderen Bildauffassung geschult war. Sie waren zugleich direkt und rätselhaft, feindlich und vertraut, wahnsinnig weit weg und sehr nah. Die Qualität der Abbildungen war unwichtig, ihre Aura dagegen: unglaublich.

    Der Bildmagie ist es einerlei, ob sie in einer Giftküche mit Hilfe von Schwefel, Natrium, Brom, Salz und Silber entstanden ist oder in der Ursuppe des Pixelreichs. Sie rührt einfach daher, dass sich zwei Menschen im Schnittpunkt eines Bildes treffen: Der eine hat ein Foto gemacht, und der andere schaut es gerne an.

    (SZ vom 13.6.2005)
  • Andreas Hurni 14. Juni 2005, 8:08

  • Michael Albat 14. Juni 2005, 6:02



    Kultur
    13.06.2005 09:04 Uhr


    Nachruf auf die analoge Fotografie (I)

    So süß das Gift der analogen Bilder

    Weinendes Auge: Der herbe Verlust von Sinnlichkeit ist zu beklagen. Ein Krankenbesuch, anlässlich des Hinsiechens der traditionellen Fotografie.
    CLAUS HEINRICH MEYER




    Täuschend ähnliche Daguerrotypie ohne den Einsatz hochgiftiger Substanzen? Niemals!
    (Mark Kessell: The Domestication of Wonder, Daguerrotype, unique, 2003)





    Todes-Stunde nicht bekannt. Todesursache? Totenschein? Bisher verweigert. Vorbereitungen für eine Trauerfeier im stillen Familienkreis? Der ehemals liebste Begleiter der neuzeitlichen Zivilisation, spätes Kind der Aufklärung, ist nicht mehr? Gerücht oder Hysterie? Bilden wir uns das nahe Ende ein? Ein unangemeldeter Besuch sollte Klarheit bringen.

    Schwarz verdunkeltes Zimmer. Rotes Licht flutete schwach. Nach Minuten der Gewöhnung erkannte man den Geist Walter Benjamins, welcher sich an einer vergilbten Schwarz-Weiß-Fotografie zu schaffen machte, einer Schöpfung aus kostbaren Silbersalzen. Die Aura. Sie verkümmert, diagnostizierte Benjamin. Dahingegen wispelte es von der samtüberzogenen Récamiere, welche als Requisit im Atelier des berühmten Künstlerfotografen Nadar (1820 - 1910) heftiges Fotografieren erlebt haben musste: Ich bin das letzte latente Bild der analogen Fotografie auf Erden. Eine erschütternde Szene. Im Hintergrund wuselte ein, offenkundig, Alchimist. Beißende Flüssigkeiten dünsteten aus fahlen Schalen. Er rührte, der Alchimist, eine teuflische Mischung zusammen. Natriumsulfit + Natriumcarbonat + Metol + Hydrochinon + Kaliumbromidlösung. Nicht einatmen oder schlucken! Extrem gefährlich! leuchtete es aus einem Totenschädel. Der Alchimist beugte sich über den frisch angesetzten Papierentwickler. Herrlich blau-schwarze Warmtöne werden entstehen, triumphierte er.

    Lebensgefahr? Seit 1839, als der französische Staat das allererste, hochfeine, hochkomplexe fotografische Verfahren die Daguerreotypie ankaufte und der Menschheit übereignete -- seit 169 Jahren also tauchten Millionen Liebhaber und Meister des neuen Mediums ihre Finger, Filme und Prints in schwergiftige Brühen. Bäder. Betrachtet durch die Brille heutiger Feinstaubhysteriker hätten sie auf der Stelle tot sein müssen. Sind wir aber nicht, murmelte der letzte Alchimist im letzten Fotolabor der sogenannten analogen Fotografie und deutete auf sein Vergrößerungsgerät, von dessen Filmbühne er ein einzelnes Staub-Fusselchen mittels Druckluft und Antistatik-Tüchlein zu entfernen hoffte.

    Dies alles zusammen, hüstelte der Gewährsmann zum Abschied, waren und sind die Geheimnisse unserer unvergleichlichen Kunst -- ein Zusammenspiel. Einerseits Technik, andererseits Intuition; einerseits Chemie, anderseits Physik, einerseits Abstraktion, andererseits Sinnlichkeit. Dazu ein Auge für gefundene wie für inszenierte Bilder. Und jeder, wirklich jeder kann sie hervorrufen, mit einfachsten Mitteln, wenn es sein muss. Bilder hervorrufen -- klingt das nicht wie ein Wunder? Und heißt es nicht im Bericht Aragos vor der französischen Deputiertenkammer im Juli 1839, die neue Erfindung enthalte nicht eine einzige Verrichtung, die nicht jedermann vollbringen könne? Jedermann!


    Nach soviel Vergewisserung verließen wir die vermeintliche Todeskammer der analogen Photographie. Wir schreiben 2005. Draußen kursieren gewisse sorgenbehaftete Wirtschaftsnachrichten. Leica angeschlagen. Agfa abermals Pleite. Von Polaroid lange nichts gehört. Etcetera. Wie soll das enden? Aber wächst nicht anderswo längst neues Leben? Schmetterlingsgleich taumeln menschliche Einfaltspinsel von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, halten klitzekleine Digi-Kameras auf Armlänge von sich, erkennen die Motive auf den winzigen überstrahlten Displays überhaupt nicht, betätigen gleichwohl den Auslöseknopf, machen Bilder nach irgendwohin, ins Ungefähre. Das heißt, der CCD-Sensor, Charge-Coupled-Device, wandelt zögerlich Cyan, Magenta und Yellow in elektrische Signale. Ströme von Daten ergießen sich ins Speichermedium, von wo aus sie ihren Sieges- und Verdrängungsfeldzug um die ganze Welt antreten.

    Ist das so? Einerseits: Vorletztes Stündlein eines schnöde zurückgesetzten, abservierten, zu kleinen Teilen kulturell hochstehenden, längst, das MoMA voran, musealisierten -- allerdings doch: Massenmediums, dessen Zeugnisse und Zeugen banal, künstlerisch, journalistisch waren, nebeneinander, dessen ausübende Spitzen, Fotokünstler nach allgemeiner Übereinkunft, zu allen Zeiten seit 1839 außerordentliche Individuen und sonderbare Charaktere gewesen sind. Und nunmehr? Periodische wie unperiodische Printmedien von kalten, seelenlosen Pixelströmen überflutet? Aliens-Produkte?

    Es drückt schon aufs Gemüt, wenn man, genötigt zur "Zusammenfassung" eines zumindest kritischen Zustands, sich vergegenwärtigt, wieviel kluge (und tiefe) Sätze gedacht und geschrieben worden sind nach der Geburt eines Bildmediums für die ganze Welt -- aus dem Alten Europa. Man blättere einmal in der vierbändigen "Theorie der Photographie" von Kemp/Amelunxen (leider nur antiquarisch): "Das Werk der besten zeichnet sich aus durch dokumentarische Qualität, durch Kunstsinn und Erfindungsgeist" (Gisèle Freund). Baudelaire freilich spottete, die Fotografie sei die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und Faulen. Alfred Stieglitz aber, vielseitiger großer Künstler, hatte herausgefunden, der fotografische Apparat, Objektiv, Kamera, Platte, sei ein biegsames Instrument und nicht ein mechanischer Tyrann. Stieglitz wiederum ist stellvertretend auch zu nennen: wenn man beschreiben möchte, welche "Aura" (jenseits von Benjamin) fotografische Prints zu umgeben vermag. Schönheit feinster Halbtöne, der Charakter anspruchsvoller Papiere und Verfahren. Bromsilbergelatine, Platindruck. Heliogravüre. Was für Namen. Welche Sinnlichkeit der hochgiftigen Prozesse. Und zu alledem eine beinahe ewige "Haltbarkeit". Beständigkeit.


    Was aus der Silberfotografie werden mag? Sie glänzt in einer Nische. Man wird sich nach ihr sehnen. Man wird ihre feinmechanischen Handwerks-Kunstwerke küssen und teurer verauktionieren, immer teurer; für die so genannten Vintage-Prints wird man noch mehr bezahlen, viel mehr. Und man wird aufhören, irgendwann, das nicht mehr neue, digitale Bildmedium gegen das alte sinnlos auszuspielen.

    Natürlich ist (und war) das jeweilige Massen-Spielzeug für Knipser kein Maßstab innewohnender Möglichkeiten, und digitales Bildermachen ist ohnehin eine Sache für sich. Fortsetzung der Computerspiele. Fesselnd wie fast alles, was man in autistischer Verfassung mit EDV-Werkzeugen anstellen kann. Natürlich ist es fabelhaft, den "Führer" nachträglich kolorieren zu können, Unschärfe in Schärfe zu verwandeln. Und wenn wir ein Leben lang es nicht vermochten, die heiß ersehnt analoge Pseudo-Solarisation aus den Kniff- und Trickbüchern von Otto Croÿ zu erlernen: Ein einziger Modus des digitalen Bilderwesens macht es möglich, jedenfalls "so ähnlich". Andere Modi erschaffen das Zwitterwesen Merkelstoiber oder solche Hühnerkatzen wie ein Morgensterngedicht. Aber: Die witzigsten digitalen Bild-Manipulationen, perfekt in die Welt gesetzt, sind und bleiben "Ausdrucke" , sie haben kein Leben.

    Wiederum mag das Œuvre der japanischen Künstlerin Miwa Yanagi ein Prospekt dessen sein, was aus digitaler Fotografie und späterer Computer-Generierung unnachahmlich entstehen kann: Ein hohes Maß an Künstlichkeit, Surrealismus -- geboren aus Einfallsreichtum, so dass man ihre Großmütter, ihre Elevator-Girls, vor eineinhalb Jahren im Deutschen Guggenheim, Berlin, nicht vergisst.

    Hauptsächliches Manko der lichtempfindlichen Chips ist jedoch ein Paradox: Sie "können" nur Blaugrün, Purpur und Gelb, einen Schwarzweiß-Modus gibt es nicht. Dies bejammern nicht ehrwürdige Meisterinnen und Meister der analogen Kunst; thematisiert wird es von jungen Computerfreaks. Aber das könnte ihnen so passen. Eine täuschend ähnliche Daguerrotypie ohne den Einsatz hochgiftiger Substanzen? Niemals.

    (SZ vom 13.6.2005)



    Nachruf auf die Fotografie (II) Jeder Mensch ist ein
  • Andreas Hurni 13. Juni 2005, 22:08

    dann... ja, dann werden wir uns quer stellen -

    lang lebe die diagonale !!

    ... und sie wird geknickt sein

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