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Michael Albat


Pro Mitglied, Kaisten

Toku

Präsentation: Andreas Hurni.

Nistkästen für Tokos
Forschungsprojekt seit 1980 im Daan Viljoen Park erfolgreich
Sie mauern sich ein und bleiben bis zu neun Wochen in einem 20 x 20 und 60 Zentimeter hohen Raum, den sie einige Zeit auch noch mit bis zu acht Küken teilen. Tokoweibchen sind in dieser Zeit fast wehrlos.

Kurz nachdem sie sich freiwillig in das ,,Gefängnis” begeben haben, verlieren sie alle Schwung- und Schwanzfedern. Flugunfähig und eingesperrt sind die Weibchen den Männchen völlig ausgeliefert. Diese versorgen sich selbst und das Weibchen täglich mit Futter und später auch noch die zahlreichen hungrigen Schnäbel der Küken. Sobald die Küken groß genug sind, öffnet das Weibchen das mit Kot und Lehm versiegelte Einstiegsloch und begibt sich nach Wochen erstmals wieder aus der Nesthöhle. Jetzt hilft sie dem Männchen für einige Wochen die Jungen zu füttern. Sobald das Weibchen die Nesthöhle verlassen hat, versiegeln die Küken den Eingang und lassen, wie das Weibchen zuvor, nur einen etwa sechs Zentimeter langen und maximal einen Zentimeter breiten Schlitz in der Versiegelung. Durch diesen Schlitz reicht das Männchen dem Weibchen und den Küken und später beide Elternteile den Jungvögeln das Futter.

Im Jahre 1980 hängten die beiden Naturschutzbeamten Ben Riekert und Charles Clinning im Daan Viljoen Naturschutzpark westlich von Windhoek 26 Nistkästen an verschiedenen Bäumen in unterschiedlichen Höhen auf. Sie wollten erforschen, welche der 15 Vogelarten im Daan Viljoen Park, die in Baumhöhlen brüten, diese annehmen würden und dann mehr über das Brutverhalten erfahren. Besonders die Zwergohreulen hatten es den beiden Naturschutzbeamten angetan. Normalerweise kann ein Gelege oder die Jungvögel in den Nistplätzen in Baumhöhlen nur mit einigen Schwierigkeiten kontrolliert werden. Zum Erstaunen der Beamten waren es jedoch die Tokos, die die Nistkästen am meisten benutzten. Bei Tokos ist es fast unmöglich, ihr Brutgeschehen zu beobachten, da sie ihre Nisthöhle versiegeln. Mit Hilfe der Brutkästen, deren Deckel abgeschraubt werden können, ist die Gelegenheit geschaffen, mühelos das Brutverhalten zu beobachten und mehr über Gelege und Wachstum der Jungvögel zu erfahren.



Schnelle Annahme der Nistgelegenheiten



In der Brutsaison 1980/1 war von einem Toko ein Brutversuch unternommen worden, die neuen Nistkästen zu benutzen, denn ein Eingangsloch war teilweise zugemauert worden. Gebrütet wurde jedoch nicht. In der folgenden Brutsaison 1981/2 waren neun Nistkästen von vier verschiedenen Vogelarten benutzt worden. Im Sommer 1982/3 konnten die Nistkästen nicht besucht werden, aber drei weitere Nistkästen waren von Tokos benutzt worden. Die meisten Nistkästen wurden anschließend in einen Teil des Parks verlegt, der leichter zu erreichen ist. Insgesamt wurden 24 Brutversuche von sieben Vogelarten unternommen, von denen die meisten erfolgreich waren, berichteten Riekert und Clinning. Graue Tokos, Gelbschnabel-Tokos, Monteiro’s Tokos, Rotschnabel-Tokos, Perlkauz, Zwergohreulen, Rotschulter-Glanzstare und Gabelracken brüteten in den Nistkästen.

Da die Forscher die Nistkästen oben öffnen können, konnten sie genau feststellen, welche Vogelart dort brütete, wieviel Eier gelegt wurden und wieviel Küken schlüpften. Dadurch wurden auch Dramen in der Vogelwelt deutlich. Ein Gelbschnabel-Toko tötete in der Brutsaison 1981/2 zwei Perlkauzküken, um dann den Nistkasten für das eigene Brutgeschäft zu übernehmen. Meistens brüteten die Eulen und andere Vogelarten vor den Tokos, die ihr Brutgeschäft erst nach den ersten guten und heftigen Niederschlägen beginnen. Mit den Jahren wurden immer mehr Nistkästen in dem Park aufgehängt. Neben den Vögeln zogen auch unerwünschte Gäste in die Kästen ein, wie Bienen und Baumratten. Probleme bereiteten die Paviane, die manch einen Nistkasten öffneten und die wehrlosen Tokoweibchen töteten und das Gelege zerstörten. Generell aber war und ist das Projekt seitdem ein großer Erfolg. Nach Riekert und Clinning führte John Mendelsohn das Projekt weiter, unzählige Studenten erforschten die verschiedensten Verhaltensweisen der Tokos und manch Jugendlicher bekam einen Einblick in das geheimnisvolle Brutgeschäft der Baumhöhlenbrüter.

In den letzten Jahren interressierten besonders die Monteiros Tokos den Ornithologen Christian Boix-Hinzen. Diese Tokoart kommt nur in den trockneren westlichen Teilen Zentral- und Nord-Namibias und einem sehr kleinen Teil im Südwesten Angolas vor.



Monteiros Tokos, eine fast endemische Art



Von den vier Tokoarten, die im Daan Viljoen Naturschutzpark vorkommen, beginnen die Monteiros Tokos meist als letzte Art mit dem Brutgeschäft. Die ersten sind die Grauen Tokos, gefolgt von den Gelbschnabel-Tokos und Damara-Rotschnabel-Tokos. Nach den ersten schweren Regen von 25 mm und dem Erscheinen der Sattelschrecken - im Volksmund Dickpense genannt - mauern sich die weiblichen Monteiros Tokos in ihren Nistkästen ein. Die Weibchen, wie die anderen Tokoarten, beginnen jedoch nicht sofort mit der Eiablage. Bis das erste Ei gelegt wird, können bis zu 15 Tage vergehen. Danach wird in Abständen von mindestens zwei Tagen ein Ei gelegt. Ein Gelege kann aus acht Eiern bestehen. Nach 24 bis 27 Tagen schlüpft das erste Küken und die weiteren in der Zeitspanne, in denen die Eier gelegt wurden. Nachdem das jüngste Küken geschlüpft ist, ist der älteste Jungvogel meist schon fast ein fünffaches größer als das Jüngste. Das Weibchen verlässt die Nisthöhle, wenn ihre Schwung- und Schwanzfedern fast ausgewachsen sind und die ältesten Küken ein Federkleid bekommen. Reicht das Nahrungsangebot in dem Jahr aus, werden alle Jungvögel überleben. Kann nicht genug Futter von den Eltern herangeschafft werden, stirbt zuerst das jüngste Küken. Manchmal überleben nur zwei der Küken. Während der Forschungsarbeit, bei der Boix-Hinzen von zahlreichen weiteren Experten unterstützt wurde, konnte festgestellt werden, dass weibliche Tokos Sperma in ihrem Körper lagern können und somit die Zeitspanne der Eientwicklung und -ablage selbst bestimmen. Tokos benutzen Tausendfüßler, um ihr Nest von Parasiten, Bakterien und Schwämmen freizuhalten. Tausendfüßler geben bei Gefahr eine Flüssigkeit ab, die Bakterien und Schwämme abtötet. Sobald das Weibchen sich in der Nisthöhle eingemauert hat, bringt das Männchen lebende Tausendfüßler, die von dem Weibchen zerkleinert werden. Die Nestmulde wird mit den Tausendfüßlerteilen ausgelegt und der Nesteingang damit weiter versiegelt. Somit ist die Möglichkeit von Erkrankungen während der langen Zeit des Eingesperrtseins in der engen Bruthöhle drastisch reduziert.



Fremde können dem Betteln nicht widerstehen



Zu kuriosen Verhalten kommt es ebenfalls in der Brutsaison. Christian Boix-Hinzen beobachtete, wie ein Gelbschnabel-Toko auf der Nahrungssuche am Boden einen Falter aufscheuchte. Dieser flüchtete zu einem nahegelegenen Baum, an dem ein Nistkasten befestigt war, und suchte Schutz zwischen Baum und Kasten. Der Toko folgte der fetten Beute und krabbelte dabei auf dem Nistkasten herum. In diesem befand sich ein weiblicher Grauer Toko. Dieses Weibchen schien seinen Partner auf dem Brutkasten zu vermuten. Der Gelbschnabel-Toko hatte inzwischen den Falter erwischt und hörte plötzlich den Bettelruf des Grauen Toko Weibchens aus dem Inneren des Nistkastens. Obwohl sich sein Weichen etwa 200 Meter entfernt in einem Nistkasten befand, konnte der männliche Gelbschnabel-Toko den Bettelrufen des Weibchens einer anderen Art nicht wiederstehen. Ohne zu zögern kletterte er an die Öffnung und reichte dem Grauen Toko durch den Schlitz den Falter. Danach ignorierte er jedoch weitere Bettelrufe und begab sich zu seiner Partnerin, um diese zu füttern.

Beobachtet wurde auch, wie ein Gelbschnabel-Toko ein Monteiros Toko Weibchen fütterte, als diese bettelnd rief und wie ein Rotschnabeltoko die Küken eines Monteiros Tokos fütterte.

Ein Pärchen Monteiros Tokos, die ihre Jungen durch einen Waran verloren hatten, halfen nach dem Verlust ihren Nachbarn knapp hundert Meter entfernt, die Jungen zu füttern.

Das Abholzen von Bäumen birgt für Tokos und andere Baumhöhlenbrüter eine große Gefahr. Dies ist bereits außerhalb des Daan Viljoen Parks zu beobachten, wo zwischen dem Park und dem Stadtrand Windhoeks kaum noch große Bäume zu finden sind. In diesem Gebiet brüten keine Tokos mehr, da die Bäume als Feuerholz gesammelt wurden. Neben den unzuverlässigen Regenzeiten und dem ausbleibenden Nahrungsangebot ist für Tokos die Abholzung die größe Gefahr. Es wäre schade, diese bei Namibiern und Touristen beliebten Vögel zu verlieren, nur weil ihnen die natürlichen Nistmöglichkeiten genommen werden, die auch anderen Arten dienen. Das langjährige Forschungsprojekt im Daan Viljoen Park in der Nähe Windhoeks hat inzwischen zahlreiche Geheimnisse der Tokos aufgedeckt. Viele Fragen sind noch zu beantworten, z.B. wohin die Tokos ziehen, wieviele überleben und welchen Einfluss sie bei der Schädlingsbekämpfung haben.

von Dirk Heinrich
Artikel vom 17. 03. 2004
Allgemeine Zeitung, Windhoek, Namibia

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