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Sighard Schraebler


Free Mitglied, Frankfurt am Main

Setup der Jupiteraufnahme vom 29.08.2009

Auch wenn nur ein kleiner CCD-Chip mit 640x480 Pixeln zum Einsatz kommt, so ist doch das Drumherum ziemlich voluminös. Als Optik dient ein 30cm Schmidt-Cassegrain, Brennweite mit Barlow-Linse verlängert auf knapp 10m. Die Kamera ist eine DMK21AU04.AS von The Imaging Source. Sie ist in informierten Kreisen weit verbreitet, man kann sie in fast jedem Astro-Fachgeschäft erwerben. In Verbindung mit der Barlow-Linse und dem Filterrad sieht sie doch ziemlich anders aus als die verbreiteten DSLR-Kleinbildkameras.

Das Besondere an der Kamera ist nicht, dass sie viele Pixel oder einen großen Sensor hat. Für Planetenfotografie wäre das sogar kontraproduktiv. Dafür hat sie einen ordentlichen Quantenwirkungsgrad (nicht zu verwechseln mit bloßer Empfindlichkeit) und sie kann Daten mit einer solchen Geschwindigkeit in den Rechner schaufeln, dass es sogar für 60 fps Vollformat unkomprimiert reichen würde. Das sind dann 18.4 Mbyte pro Sekunde Nettodatenrate, denn jedes Pixel wird mit 8 Bit aufgelöst. Genutzt wird davon bei gutem Seeing nur wenig, ein bis fünf fps (frames per second) je nach Farbe genügen vollauf. Außerdem ist die Kamera monochrom, hat also kein Bayer-Pattern wie DSLR-Kameras. Das ist hier von Vorteil, weil der Brennpunkt für jede Farbe bei brennweiten-verlängerten Aufbauten schwankt. Man könnte also mit einem Farb-Chip in dieser Konfiguration nie richtig scharfe Bilder machen, es sei denn, man benutzt Filter, dann hätte man aber die Auflösung geviertelt und die Hälfte vom Quantenwirkungsgrad verschenkt, also lieber gleich monochrom.

Für die Aufnahme der Rohbilder steht ein NC10 Netbook von Samsung zur Verfügung, auf dem die zur Kamera mitgelieferte IC-Capture Software läuft. In wenigen Worten ist IC-Capture beschrieben: funktional, robust, empfehlenswert. Man kann entweder Einzelbilder oder Filme speichern. Die Belichtungszeiten reichen dabei von Sekundenbruchteilen bis zu Minuten, das gilt auch für die Filme, was zu Zeitraffer-Effekten führen kann. Später werden die Rohdaten auf einen Desktop-Rechner überspielt und dort mit der freien Software Registax zusammengerechnet.

Bis das Gerät aufgestellt ist, dauert es etwa 40 Minuten. Dann sollte man noch einmal 2-3h warten, bis die Optik temperiert ist, sonst sieht man zu viel Wabern und Schlieren. Im thermischen Gleichgewicht gibt es dann Momente großer Klarheit, in denen die Strukturen deutlich herauskommen und meistens ein mehr oder weniger starkes Wabern, verursacht durch die Atmosphäre. Es lohnt sich, das Gerät nicht im oder am Haus aufzubauen, sondern etwas weiter in den Garten oder aufs Feld zu gehen. Das Seeing, also die Ruhe der Luft, ist dort deutlich besser. Ein weiterer Tipp ist es, das Gerät so hoch wie möglich über dem Boden aufzustellen. Ich brauche den Werkzeugkasten auch zum Draufsteigen, sonst reiche ich nicht bis an die Kamera heran.

In gut drei Minuten müssen die Rohbilder im Kasten sein, sonst hat sich Jupiter so weit gedreht, dass eine Kombination aufwändig wird. Für drei Farbauszüge muss man sich also sputen, denn nach jedem Filterwechsel muss außerdem neu fokussiert werden. Mit viel Training schafft man Filterwechsel und fokussieren angeblich in 10 Sekunden, hier dauert es noch etwas länger, eine Frage der Übung.

Kommentare 6

  • Sighard Schraebler 5. Oktober 2009, 23:56

    Hey, Danke Euch für die Blumen. Freut mich, wenn es Euch weiterhilft. Werde wohl nächstes Jahr ein Seminar mit der Kamera veranstalten, die ist nicht so teuer und man kann damit gut den Mond fotografieren.
    LG Sighard
  • Pixelraini 5. Oktober 2009, 21:40

    Hallo Sighard,
    dachte ich mir doch, dass das mit den Planeten nicht so einfach ist...
    Ich finde es sehr gut, wie du uns all die verschiedenen Themen näher bringst.
    LG aus Winti
    Rainer
  • Christian Rusch 5. Oktober 2009, 21:26

    Hallo Sighard
    sehr spannend Dein Setup und Deine kompetenten Ausführungen !
    LG Christian
  • Bernhard F. 4. Oktober 2009, 23:12

    schöne dokumentation mit auch einem schönem jupi.
    klasse.
    vg bernhard
  • Sighard Schraebler 4. Oktober 2009, 12:43

    Hallo Christoph,
    leider ist der Tisch nicht ganz passend dazu,
    aber das läßt sich noch optimieren :_)
    LG Sighard
  • Christoph Wöhrle 4. Oktober 2009, 10:21

    Hallo Sighard,
    sehr schöner Bericht.
    Informativ und unterhaltsam..
    Am besten gefällt mir dein " Astrostuhl" :-)

    Gruß
    Chris