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northernstar


Free Mitglied, berlin

rückenwind.

aus meiner jackentasche krame ich ein stück papier hervor, das ich zwischen den fingern zerknittert und zerknüllt haben muss, ohne darauf zu achten. es ist die einkaufsliste für samstags, morgen, die ich schon eingesteckt hatte. ich breite den zettel auf der fensterbank aus und streiche ihn glatt.

milch
frischkäse
praprika
orangensaft

- auf einmal erscheint mir nichts so verloren und hoffnungslos wie diese wörter. sie stammen aus einer anderen zeit. ich knülle den zettel wieder zusammen und werfe ihn in den papierkorb. ich bin jetzt bereit zu gehen.

ich fahre noch einmal über die zerkratzte tapete am kopfende des bettes und zerkrümele ein paar lose putzbröckchen zwischen den fingerkuppen. lange habe ich nach der geschichte gesucht, die ich dir schuldig bin, jetzt weiß ich, dass es die geschichte meines abschieds ist.

hätte sie dir nicht vorenthalten dürfen. meine geschichten sind deine geschichte, das war schon immer so, wir hätten tauschen sollen. ich wäre dazu bereit gewesen. ich bin es mehr denn je.

sachte ziehe ich die haustür zu. die heimlichkeit, mit der all das geschieht, steigt mir zu kopf wie ein rausch. zum ersten mal seit langem ist mir warm. der wind ist kräftig, aber gar nicht kalt. rückenwind. er riecht nach schnee. ich laufe, wie noch nie in meinem leben, sichere, federnde schritte, alles fällt von mir ab, es ist keine flucht mehr, ich laufe vor lauter leichtigkeit und denke nur eins: so muß es sein.

ich wünschte, du könntest mich sehen.

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