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Restauration Ledertasche (Contax/Pentacon/Agfa/...) mit ausführlicher Anleitung im Textteil !

Restauration Ledertasche (Contax/Pentacon/Agfa/...) mit ausführlicher Anleitung im Textteil !

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Lesley Les Paul


Pro Mitglied, Berlin

Restauration Ledertasche (Contax/Pentacon/Agfa/...) mit ausführlicher Anleitung im Textteil !

===> Bitte Text lesen !!! 2 - max. 3x wiederholen ! Nicht zu oft, denn bei Trocknung ergibt es einen weißen klebrigen Belag ! Also nur feucht, nicht naß werden lassen !
Das alles hilft nur nicht bei Schimmel (=Kellergeruch !) !

Wir üben an Opas altem Werkzeug oder an altem Besteck, um die Wirkung des Werkzeugs und das Drehmoment des Dremels zu erlernen !
Ausgebaute Metallteile spannen wir vorsichtig mit Lederläppchen umwickelt in einen Kloben (=in der Hand zu haltender Minischraubstock, siehe Bild !) mit geringem Anzug ein .
Ich arbeite jedoch lieber freihändig, habe aber allerdings fast 30 Jahre Erfahrung mit Micromots !

Ungeübte sollten die Reparatur nicht durchführen !

=> Man arbeitet nur an ausgeruhten Tagen mit Muße, nie unter Zeitdruck !

Oft sind die Schnallen der Lederriemen angerostet, egal wie trocken diese gelagert worden sind !
Denn es ist unedles Alu-Blech .
Wir ziehen den Riemen stramm über die linke Hand und führen den Dremel mit der eingesetzten Drahtrundbürste vorsichtig an die zu entrostenden Stellen, so zurückhaltend, dass der Riemen nicht in Berührung mit dem drehenden Werkzeug (= Einsatz) kommt, denn sonst müssen wir diesen wieder einfärben !
Auf 10.000 U/Min., der kleinsten Stufe, arbeiten !
Es empfiehlt sich ein Ausbau der Schnallen, was aber bei vernieteten Gurten nicht möglich ist (= Contax/Pentacon/KW) !
Nicht wundern :
Im Laufe der Arbeit löst sich die Rundbürste auf und verstreut im Umkreis von 2-3 Metern kleine nadelspitze Borsten, die wir uns ca. 1 Jahr lang in die Haut stechen, wenn wir damit in Berührung kommen !!!
Achtung => Ehekrise !!!
Metall-Besatz, wie auf dem Foto links oben zu sehen, ist möglichst nicht zu polieren oder zu bearbeiten, da wir nicht die Güte der Verchromung kennen !
Die Gefahr der Materialabtragung ist hier leicht gegeben !
Wir putzen HÖCHSTENS mit farblosem Scheibenklar !
Das Schloß der Agfa Billy Record-Tasche rechts oben ist bereits fertig entrostet !
Vorher war es dunkelbraun rostnarbig, jetzt haben wir hier bereits den Flugrost und vor allem den tiefer sitzenden Rost entfernt !
Geduld ist erforderlich, da der Fraß einige Mikromillimeter eingedrungen ist !
Auf dem Schloß sehen wir noch gut die Narben, diese sind jetzt aber völlig rostfrei !
Sehr tief sitzenden Rost, wie z.B. bei verrostetem Werkzeug vom Flohmarkt, entrosten wir mit der Silikon-Scheibe, aber Vorsicht
=> diese Scheibe trägt härtesten Stahl in Windeseile ab und schon ist eine Negativdelle im Blech, ...und Alu-Blech ist dünn und nicht sehr hart !
Also nur im Notfall einsetzen !
Einen guten Tiefenentrostungseffekt erzielen wir mit einer in Auflösung befindlichen, also älteren, Drahtrundbürste, deren Borsten sehr kurz sind, mit großem Druck arbeiten !!!
Achtung :
Eine Drahtrundbürste MATTIERT NICHT, sie POLIERT !
Nur Nylonbürsten MATTIEREN in verschiedenen Körnungen !!!
Die Nylonbürsten werden hier bei der Kamera-Restauration nur benötigt,
wenn wir Fehler am Gehäuse gemacht haben !
Anschließendes Polieren der Metallteile ist eigentlich nicht nötig, da wir nur mit einer harten Filzscheibe etwas bessere Ergebnisse erzielen,
die aber ohnehin schnell wieder nachdunkeln oder anlaufen !
Weiterhin sind Werkzeuge teuer und lassen sich effektiver einsetzen
als an diesem unedlen Material !

Schritt II

Leder einfärben =>

Ich bin kein Freund dieses Arbeitsschrittes, denn die Ergebnisse sind immer auffällig und nicht unbedingt authentisch !
Trotzdem ein kurzer Abriß :
Wir probieren die verschiedenen Filzstifte z.B. an Schuhen aus, um das Verhalten der Füllung zu erkennen !
Oft sind die Stifte, besonders, wenn sie neu sind, so stark austretend, dass eine große Menge Flüssigkeit beim Ansetzen ausläuft und das Leder so tränkt, dass eher Flecke (=irreparabel) als Korrekturen entstehen !
Also mit älteren Stiften arbeiten !
Weiterhin ist die Farbe Braun nicht überall zu haben !
(Evtl. in Möbel- & Farbenabteilung nachfragen => Holzkorrektur-, Laminat-/Parkett-Stifte !) .
Buntstifte sind ein Tip, evtl. Schuhcrème, die ganz gut zu dosieren ist, gut deckt und die vor allem nach dem Abfackeln (=brennt ca. 5 cm hoch, danach mit Deckel löschen => auf Teller/Brett arbeiten !) eine gute flüssige Konsistenz hat !
Schnitte in das Leder lassen sich gut durch Füllen mit Braun optisch verkleinern !

Schritt III

Nähen =>

Wir nähen offene Nähte mit einer starken Ledernähnadel,
die wir mit einem in der Handmulde gehaltenen Esslöffel hindurchstechen !
Da aber oft die Nähte so ausgerissen sind, dass eine Reparatur nicht möglich ist, können wir eine Ersatznaht stechen und daneben arbeiten, eine Scheinnaht für die Vitrine ist aber auch ausreichend .
(Man näht hierzu einen Lederflicken hinter die Naht !
Erhältlich im Pelzhandel, oder beim Schuhmacher .)
Das Garn sollte Zwirn oder zumindestens starkes Näh-Garn sein, da hohe Zugkräfte am Leder entstehen !
Eingetragene Vorbesitzernamen lassen wir unberührt !
Diese dokumentieren ja die Vergangenheit des Objektes !
Auch Blitzzeiten, Blendentips, etc. finden wir in den Taschen notiert !
Es gilt dasselbe .

Schritt IV

Finish =>

Ich verarbeite lediglich Vaseline !
Diese sollte neu sein und nicht aus dem 1€-Laden stammen !
Wir verteilen die Vaseline in jede Ecke, wir sehen sofort einen Camouflage-Effekt, da eine starke Abdunkelung für unsere Zwecke völlig ausreichend ist !
Da ich die Schrammen nicht mit Stiften überdeckt habe,
entsteht ein authentisches Lederfinish wie bei gepflegten älteren Maßschuhen aus London !!!
Wichtig ist :
War die Tasche im Keller feucht gelagert, was bei Flohmarkt und ebay-Ware öfter vorkommt, sollte man die Tasche nicht benutzen, denn die Pilzschimmelsporen sind aggressiv und wandern in dunkler ungeheizter Umgebung !
Man weiß ja nie, ob eine hinterlistige Linsenpilzspore auf unser Objektiv nur 60 Jahre gewartet hat ? ;-))
Je nachdem wie ausgetrocknet das Leder ist, kann man den Einfettungsprozeß 2-3x wiederholen !
Nach jedem Gang die Tasche 2-3 Tage stehen lassen !
Am Schluß polieren wir die Tasche wie bei Schuhen mit einer (weichen !) Bürste oder einem weichen Tuch auf Glanz (Hochglanz siehe oben !) .

Eher die Arbeit beenden als nötig, eine Sekunde zuviel zerstört eher,
als dass es hilft !

(Beide Taschen oben haben noch keine Einfettung erhalten,
d.h. die Schrammen sind noch deutlich zu sehen !)

Viel Erfolg, LES

=> Kommentare und weitere Tips sind willkommen !

Kommentare 6

  • Lesley Les Paul 28. Februar 2013, 13:46

    Hi Boris, ich liebe das, das riecht nach Kindheit !
    Aber :
    Außen intensive Pflege mit Schuhcrème und innen Fèbreze (4,- €) oder von Lidl Textilerfrischer (2,- €).
    =>Öfter wiederholen !).
    Hilft nur nicht bei Schimmel !
    Aber den meintest Du ja nicht !
    Viel Erfolg,melde Dich, wenn es geklappt hat !
    Gruß von LES
  • Boris Langanke 26. Februar 2013, 17:05

    Wie schonmal geschrieben, sehr interessant. Aufbereitung und Restauration kommen in den meisten Medien oft zu kurz.

    Wenn ich eine neue "alte" Kamera heimbringe, wandert die Ledertasche meistens in einen gut verschlossenen Karton. Warum? Ich mag den Geruch so garnicht, Nur nasser Hund schreckt mich mehr ab.

    Was kann man dagegen tun? Ich meine jetzt nicht feucht gelagerte oder verschimmelte Taschen, sondern die die einfach nur "alt" riechen.

    LG Boris
  • Lesley Les Paul 23. Februar 2013, 21:18

    Danke, Roland,
    ist ja kein Muß !
    Aber ein Kann !
    Schön, wenn Du es magst ! LES
  • rolvin 23. Februar 2013, 21:07

    Ist ja fast wie bei einem Chirurgen ;-)))
    Falls ich mal eine alte Foto Ledertasche wieder auf Hochglanz bringen muss, werde ich mich voll nach deiner Anleitung richten!! Lg Roland
  • Lesley Les Paul 23. Februar 2013, 20:14

    Danke sehr, Martina, nur ist das Foto völlig schief gegangen, habe ich erst am PC gemerkt und keine Nerven gehabt, alles nochmals aufzubauen !
    Die Nikon war vom Blitz und der Glühlampe überfordert !
    Gruß von LES
  • Thomas Tilker 23. Februar 2013, 18:20

    ...Perfektion bis ins Kleinste....

    LG Thom