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Reichsbahnausbesserungswerk VI

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blind lense


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Reichsbahnausbesserungswerk VI

Intern nenne ich diese Kollage "vermessen". Nicht weil ich etwas für vermessen halte, sondern weil es ums Vermessen geht.

Wir haben ja schon in den anderen Bildern gesehen, daß die Kolben ausgebaut sind. Nun wird mit Mikrometerschrauben an drei Stellen im inneren des Zylinders in der Horizontalen wie in der Vertikalen das Innere des Zylinders auf "Rundlauf" vermessen. Mit einer Abweichung von nur 19 bis 40/100 mm lagen wir mehr als erwartet gut. Jetzt kam das eigentlich interessante.

In das Innere des Zylinders wird ein besonderes Fernrohr zentriert. Mit Hilfe diese Teiles kann man mehrere Dinge gleichzeitig feststellen. Man kann z.B wie in der oberen Zeichnung zusehen die Zylinder-Ist-Achse und letztlich auch die Rahmenmitte exakt vermessen. Das Bild darunter zeigt, wie einer der Meßtechniker durch das Fernrohr einen Meßpunkt am Rahmen anvisiert. Das dazugehörige Bild sehen wir oben rechts. Ein Meßstab einfach senkrecht an den Rahmen gehalten und die senkrechte Linie des Fadenkreuzes zeigt den Ablesewert an. So etwas macht man anverschiedenen Stellen des Rahmens und kann damit die Abweichung der Zylinder-Ist-Achse zur Soll-Achse ermitteln. Eingetragen in ein Meßblatt errechnet man diesen Wert.

Durch Kompensation dieses Wertes am Fernrohr kann man nun nach einem nahezu gleichen Meßverfahren(es werden nur andere Stellen anvisiert) die Rahmenmitte feststellen.

Aber noch eines kann man unter zur Hilfenahme eines besonderen Teiles feststellen. Man besfestigt einen Kollimator (eine Lichtquelle mit Strichplatten und einem Linsensystem) auf der Gleitbahn. Richtet man das Fernrohr auf "unendlich" ein, erkennt man ob die die Gleitbahn überhaupt parallel zur Zylinderachse steht. Durch Einstellung auf "endlich" kann man nun anhand einer anderen Strichplatte erkennen, um welchen Wert die Gleittbahn nach rechts, links, oben oder unten abweicht. In diesem Fall waren es 3 Striche, das entspricht 0,6 mm nach rechts versetzt.

Auf dem Bild links unten ist bei etwas genauem Hinsehen der Kollimator zu erkennen, der in einer exakt ausgerichteten Vorrichtung an der Gleitbahn befestigt ist.

Natürlich kann man auch anders Vermessen. Aber die Verfahren mit Draht und Linieal sind bei weitem nicht so genau und schon garnicht so schnell. Denn hier sind je Seite bis zu 6 Meßpunkte aufzunehmen, das dauert keine 5 Minuten und dann ist der Rest Rechnerei. Und da man heute mittels Tabellenkakulation nur noch Zahlen einstellt, hat man auch in der gleichen Zeit das Endergebnis vorliegen.

Kommentare 5

  • blind lense 13. November 2011, 12:25

    @Micha und Andreas

    Danke für die Anmerkungen. Es ist mein Bestreben aufzuzeigen, daß Dampfloktechnik im Detail viel feiner ist, als man gemeinhin annimmt. Die Lok ist grobschlächtig und trotzdem muß man bei bestimmten Dingen mit Genauigkeiten von Hunderstelmillimeter arbeiten. Diese Genauigkeit ist bei vielen Teilen des Fahrwerks erforderlich. Andere Bereiche können dagegen viel ungenauer bearbeitet werden.

    Wichtig ist mir auch zu zeigen, wie komplex die Zusammenhänge sind und welche Technik dahinter steckt. Es ist schon viel Wissen den Bach runter gegangen. Wir haben es uns auch mühsam erarbeiten müssen. Zum Glück gibt es noch Leute, die sich an das eine oder andere erinnern. Unser Bestreben ist es, das Wissen und Können weiter zu reichen. Leider nimmt die Zahl der Interessenten ab, denn Dampflok ist schwer und schmutzig! Hoffentlich rächt sich diese Einstellung eines Tages nicht.
  • Andreas Pe 12. November 2011, 15:12

    Toll, Deine ausführliche Erklärung zu diesen Messarbeiten. Welchen schädlichen Einfluss geringe Differenzen selbst an so einem Teil wie einer Dampflok haben,mussten ja die Freunde aus Löbau längere Zeit an ihrer Lok erfahren.
    VG Andreas
  • Michael PK 12. November 2011, 13:21

    Ja Du zeigst Uns hier wieder wieviel Wissen und Können zum Betreiben einer grossen Dampflok gehört.Hoffentlich rücken genug junge Leute nach,die gefallen an der Dampflok finden und das Können der alten Hasen übernehmen
  • blind lense 12. November 2011, 13:09

    Na, jetzt weißt du warum blind lense! Ich habe grad mal die alten Protokolle rausgesucht, da steht auch 0,4 mm. Ich habe wohl beim Schreiben des Textes den 0-Strich mitgezählt.
  • Bernd-Peter Köhler 12. November 2011, 11:34

    Jeder sagt sich doch beim flüchtigen Betrachten einer Dampflok, dass das alles grobe Teile sind, die schon irgendwie zusammenpassen.
    Welche Präzision erforderlich ist, führst Du uns hier sehr klar vor Augen.
    Ich meine aber, dass der Versatz nach rechts nur 2 Striche anzeigt, entsprechend 0,4 mm, oder?
    Danke!
    Munter bleiben, BP