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Was ist neu?
" Rasier - Salon "

" Rasier - Salon "

1.195 20

Brigitte Specht


World Mitglied, Berlin

" Rasier - Salon "

... gesehen in Potsdam .



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Hermann Harry Schmitz

Der überaus vornehme Friseur
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Aus: Düsseldorfer General-Anzeiger vom 20.2.1910;
Der Säugling und andere Tragikomödien, Leipzig 1911


Er hatte einen wohlgepflegten Vollbart und sah aus wie Herr Sudermann.

Er trug immer einen schwarzen Gehrock mit großem Seidenrevers und lange, schmale Lackstiefel.

Er war der erste Friseur der Stadt. Vor seiner Tür hatte er mehrere goldene Wappenschilder mit Keulenmännern, die ein Zeichen dafür waren, daß er schon erlauchte Bartstoppeln beseitigen durfte. Auch besaß er eine Brillantbusennadel: die Initialen des regierenden Fürsten mit der Krone darüber. Mancher höhere Staatsbeamte beneidete ihn um dieses Zeichen allerhöchsten Wohlwollens.

Es gehörte zum guten Ton, sich bei ihm behandeln zu lassen.

In jeder Stadt gibt es sogenannte »First-class-Geschäfte«, die ihren Ruf meist ohne eigenes Verdienst, durch die Suggestion der Tradition zu wahren wissen.

Da haben wir das Herrenmodengeschäft, sprich: »lätest fäschen«, den Schneider, sprich: »täler«, den Schuster, sprich: »buuts«, bei welchem sich der Kavalier, der etwas auf sich hält, zu bedienen hat.

Die exklusive, zurückhaltende Tendenz derartiger Standard-Läden künden schon die Schaufenster.

Liegt in einer großen Auslage aus poliertem Mahagoni lediglich ein zusammengeknülltes Seidentuch, ein Hosenträger, ein seidener Strumpf und eine Glasflasche mit englischen Drops, so befindest du dich vor dem einzigen Ort, wo du als Mann von Geschmack und Distinktion dir deine Krawatten, Unterwäsche und so zu kaufen hast.

Ein einsamer Lackschuh, ein schwarzer Leisten und ein Paar seidene Schuhbänder – nicht zu vergessen, eine Flasche englischer Drops – wahllos in einer Vitrine aus Zitronenholz verstreut, zeigen dir an, daß hier der maßgebende Schuster wohnt.

Bei dem alleinseligmachenden Schneider – ich warne dich indessen inständigst, den Mann jemals so zu nennen – wirst du außer der Flasche Drops nur ein buntes Stück Flanell für eine Weste im Schaufenster finden.

Für die Geschäfte in erstklassiger Damengarderobe gelten die gleichen Grundsätze. So macht auf mich stets das Schaufenster des sogenannten feinsten Damenmodemagazins der Stadt einen großen Eindruck. Auf einem Ständer langweilt sich ein einsamer, uninteressanter Hut, der so angebracht ist, daß man noch gerade ein wenig darunter schauen kann, um das Wort »Paris« zu lesen. Weit und breit sonst nichts in der Auslage oder höchstens nur wieder eine Flasche mit englischen Drops, die in allen Fällen auf harmlose Gemüter unbedingt wirkt. –

Er war also der erste Friseur der Stadt.


WER WEITERLESEN MÖCHTE BITTE DEN LINK ANKLICKEN :

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=2470&kapitel=13&cHash=ed850af5bdfriseur#gb_found


und weitere interessante Infos unter :

http://www.monumente-online.de/06/01/sonderthema/11_Friseurhandwerk.php

Kommentare 20

  • werner weis 11. Mai 2009, 11:48

    HIER
    ist Galerie!
  • Peter Mayer 1963 10. Mai 2009, 0:01

    Intressanter Text
    Klasse gesehen....
    Gruss Peter
  • Agapy 9. Mai 2009, 7:25

    die ironischen Betrachtungen gefallen mir sehr gut und in Zusammenhang mit Deinem Bild erlangen sie die richtige Bedeutung.
    LG Roswitha
  • Willewaller 8. Mai 2009, 22:10

    Das war es!!! Und noch einmal:Das war es!
    Und heute: Selvmademänner scheren sich mit einer "elektrischen" Maschine selbst eine Glatze und
    Das ist es!!!
    LG WW
  • Karl-Heinz Jeschke 8. Mai 2009, 10:57

    Also Brigitte...........
    was soll man sagen ? Hmm.........eine super Aufnahme. Da stimmt ja alles.

    LG
    Karl-Heinz
  • Claudio Micheli 8. Mai 2009, 8:15

    Essenziale e davvero molto bella.
    Ciao!
  • Heinrich Wittmeier 8. Mai 2009, 7:40

    klasse fotogrfiert. gefällt mir.
    ich wünsche dir ein schönes we.
    --- Heinrich ---
  • Karl H 8. Mai 2009, 0:12

    Da fällt mit die Geschichte von J. P. Hebel ein, "Der Barbierjunge zu Segringen".
    http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1117&kapitel=1#gb_found
    :-)
    lg Karl
  • Rainer Rottländer 7. Mai 2009, 23:20

    Ein guter Hinweis, auf ein anderes, früheres Kulturdenken. Eine Klasse Dokumentation hast du da hinterlegt mit lesenswerten Links.
    LG Rainer
  • werner weis 7. Mai 2009, 22:59

    Hallo Brigitte,
    ja, dieses Foto hier in Deiner Sammlung, es gefällt mir außerordentlich.
    Es hat etwas Neues geschaffen, was vorher noch nicht so da war - ich meine dabei das Foto alleine schon hat dies geschafft.
    Es platziert das Schild genau richtig im Bild.
    Es hat Sonnenschein auf der Wand.
    Es lässt geschickterweise unten was weg - dort wäre vielleicht nur ablenkender Trubel oder Trödel zu sehen gewesen.
    Es ist wirklich als Fotrografie ein Meisterwerk.
    -------------------------Hier ist Galerie!
    mhG werner
  • Günter K. 7. Mai 2009, 22:02

    zusammen mit der geschichte setzt dein bild rädchen in gang. kleine begebenheiten formen sich. blassierte herren mit riesengezwirbelten bärten sitzen in reih und glied, blätter gelangweilt in tageszeitungen, während sich der rasier-salon-betreiber und seine helfer abmühen, die ernte des vortages abzukratzen ;-)
    lg günter
  • werner weis 7. Mai 2009, 22:01

    Liebe Brigitte,
    die Kunst der Schilderfotografie, Du bist mit dieser Fotografie unter den Top Ten!
    mhG werner

    PS:
    Kunst der Schilder-Fotografie
    Kunst der Schilder-Fotografie
    werner weis
  • werner weis 7. Mai 2009, 21:58

    wunderbares Foto
    und erholsamer Text
    -----------------------------------------------
    klasse gemacht von Dir
    es spricht für sich selbst
  • Klaus-Günter Albrecht 7. Mai 2009, 21:38

    Prima!
    LG Klaus
  • Marina Luise 7. Mai 2009, 21:08

    Mag ich sehr - auch den Text dazu! Das war mir so nicht bekannt! :))