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Thomas Gotthal


Free Mitglied, Berlin

Pop ist eklig!

Wir fahren die Westberliner Kantstr. entlang und sind schon kurz vor dem Theater des Westens (dort läuft: Les Miserables). Wir erschrecken, denn auf dem Laden an der Ecke Uhlandstraße heisst es gross lesbar: POP IST EKLIG.

Wir erinnern uns an Janis Joplin, die mochte Southern Comfort. Und Jimi Hendrix sei an seinem Erbrochenen erstickt. Dass Alice Cooper früher richtige Schlangen in den Mund steckte, lockt uns heute keinen Schauer mehr über den Rücken. Wir wissen, im Popgeschäft ist alles möglich, alles erlaubt und was gestern noch verboten war, ist heute längst banal. Heute gibt es dafür Ersatz, jede Menge Plastikprodukte aus Retortenschmieden, Musik ist nicht mehr handgemacht, oder nur noch selten. Uns schauert: Wir sind älter geworden. Peter Gabriel steht heute einem der grössten Internet-Downloader vor, und die Art und Weise, wie sich mediale Inhalte verbreiten, hat sich bereits spürbar gewandelt. Die grossen Plattenbosse werden schon bald alle rausgefeuert, und wer heute noch den Superstar sucht, ist morgen schon auf Abwegen in die neue Existenz. Sinnstiftung gegen den Vietnam-Krieg, World AID gegen die Verbreitung von AIDS auf dem schwarzen Kontinent, "Was wollen wir trinken" auf dem Campus von Gorleben und für eine AKW-freie Zukunft; dies alles ist vorbei und längst im Orkus der Geschichte. Joschka Fischer ist Bundesaussenminister, Jürgen Trittin sammelt Weißblechpfand und der Berliner Rechtsanwalt Hans-Christian Ströbele probt sich als grünes Gewissen. Boygroups & Girlie-Power, Beliebigkeit und schnöde Tristesse, und dann wir dem Passanten plötzlich klar: Ja, es stimmt. POP ist tatsächlich eklig, einfach widerwärtig.

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