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polnischer Luftballonverkäufer beim Weltjugendtag 1991 in Tschenstochau

polnischer Luftballonverkäufer beim Weltjugendtag 1991 in Tschenstochau

Dirk-Christian


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polnischer Luftballonverkäufer beim Weltjugendtag 1991 in Tschenstochau

Es waren in mehrfacher Hinsicht beeindruckende Tage, 1991 im August beim Weltjugendtag im polnischen Tschenstochau. Seit dreizehn Jahren war mit Carol Voityla, dem früheren Erzbischof von Krakau, ein Pole, Papst und Nachfolger Petri in Rom. Viele Tausend Jugendliche waren nach Polen gereist, untergebracht in Zeltlägern auf Militärbetten, zu zehnt in einem Zelt und mit viel zu wenigen Toiletten für die Tausende von Jugendlichen. Werde hier mal ein Foto von den Menschenschlangen bis zum Horizont vor den Damentoiletten in die fc einstellen. Wir Herren haben es dann meist stehenderweise irgendwo in den Büschen verrichtet und nur eines der arg wenigen Klos aufgesucht, wenn es wirklich aus größeren Geschäftsgründen nicht anders ging ...
Was mich auch gestört hatte während jener Tage beim polnischen katholischen Weltjugendtag in Tschenstochau waren die fehlende Spiritualität und der Umgang mit den Menschen dort. So wurden wir wie Vieh in der Kirche an der berühmten Schwarzen Madonna von Tschenstochau vorbeigetrieben. Auf die Knie gefallene Jugendliche durften natürlich verweilen. Auch warf ein Mönch ein Klostertor an einem Durchgangsweg mitten innerhalb unserer durchgehenden Gruppe ins Schloss, gerade in diesem Augenblick zu, als ein Teil unserer Gruppe hindurch gegangen war, ein anderer aber noch nicht, so dass dieser Teil einen großen Umweg drumherum gehen musste. So geht man einfach nicht mit Menschen um! Nicht einmal mit ausländischen Jugendlichen, und erst recht nicht mit Jugendlichen des Weltjugendtages, wenn man selbst eine Mönchskutte trägt. Ich fand diese Mentalität ekelerregend, doppelmoralisch widerwärtig und herablassend rücksichtslos ! Ebenso irritierend war der Mammon, der regierte, als sich überall in der Stadt private polnische Straßenhändler positioniert hatten, um den Tausenden von Jugendlichen während des heißen Sommers zu stark überhöhten, westlichen Preisen Getränke zu verkaufen, die ein paar Meter weiter in polnischen Geschäften deutlich günstiger und zudem am Stromanschluss gekühlt zu bekommen gewesen wären. Einen dieser Händler zeige ich hier mit Luftballons mit dem Kontafei des damaligen Papstes Johannes Paul II.
Als eben dieser Papst Johannes Paul an einem Tag in die Stadt Tschenstochau kommen sollte, war ich schon ganz früh morgens mit der Kamera in der Stadt unterwegs um mir das Treiben anzusehen. Viele Jugendliche wie Einheimische hatten im Freien auf Matten campiert um früh vor Ort zu sein. Gegen Mittag vermeldete das eigens eingerichtete Weltjugendtagradio, dass man bitte nicht mehr in die Stadt zum eintreffenden Papst zu gelangen versuchen solle, da es bereits einige Tote an den Absperrgittern gegeben hätte. Ihr kennt jene Absperrgitter, wie sie auch bei uns bei größeren Menschenansammlungen genutzt werden. Wie Kartoffeln im Pommesschneider müssen diese Menschen von den von hnten drängenden Papstfanatikern ohne Sinn und Verstand durch die Gitterstäbe ge- und zerdrückt worden sein. Eine Stimmung beinahe wie bei der Duisburger Loveparade vor einigen Jahren.
All diese Erfahrungen und noch viele, viele mehr von Manipulation und Nötigung im Rahmen dieses katholischen Weltjugendtages in Polen haben mich sehr irritiert, ich wage sogar zu sagen, in Bezug auf meine Beziehung zur katholischen Kirche traumatisiert. Eigentlich schade für einen frisch examinierten Lehrer, unter anderem mit dem Fach katholische Religion ... . Heute weiß ich: Religion, Religiösität und Spiritualität sind etwas ganz Anderes. Ich hatte sie wohl nur zur falschen Zeit am falschen Ort erwartet ...

Kommentare 3

  • Dirk-Christian 29. Juli 2013, 21:42

    Tja, Dannchen66, du beschreibst doch vergleichbar irritierende Zustände. Dass du nicht mitbekommen hast, dass sich bereits mehrere Menschen zu Tode gedrängelt hatten, sagt ja nicht, dass mich das neben vielen anderen zutiefst irritierenden Rahmenbedingungen nicht hätte irritieren dürfen. Vielleicht passen meine Wahrnehmungen nicht in dein eigenes Bild von dieser großartigen katholischen Weltveranstaltung. So unerschiedlich können Wahrnehmungen sein ...
  • danchen66 29. Juli 2013, 21:16

    Sehr schönes Foto - allerdings gefällt mir der Kommentar dazu nicht - also ich war damals auch in Tschenstochau und hab echt nichts davon mitbekommen, dass da jemand gestorben wäre. Wir waren eine Woche lang mit der Gemeinschaft Emmanuel aus Frankreich unterwegs. Natürlich war alles sehr anstrengend und sicher auch manches nicht gut geplant. Wir haben auch auf der Strasse schlafen müssen. Die Grenzen waren da erst kurz geöffnet und der Platz auf der Papstwiese ging erstmal an die Jugendlichen aus dem Osten. Dennoch durften wir früh um halb vier endlich in die Papstwiese und gerade die Strapazen machten mich offen für die Worte von Papst Johannes Paul. Seither hab ich immer eine starke Bindung zum WJT und zur katholischen Kirche. Diese Wallfahrt hat mein Leben sehr gestärkt und geprägt. Aber man sieht, wie unterschiedlich so etwas wahrgenommen wird. Schade.
  • Vitória Castelo Santos 10. April 2013, 21:42

    Gefällt mir sehr!
    LG Vitoria

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