Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Was ist neu?
1.220 9

Sighard Schraebler


Free Mitglied, Frankfurt am Main

Pac Man Nebula

Der NGC281 ist eine klassische HII-Region, beleuchtet von den aus ihr hervorgegangenen Sternen. Gelegen im Perseus-Spiralarm unserer Milchstraße (Sternbild Cassiopeia), erstrecken sich die sichtbaren Strukturen über schätzungsweise 60 Lichtjahre. Die Molekülwolke, aus der der Nebel einst entstanden ist, hatte in den letzten Millionen Jahren viel zu tun. Sie formte die jungen Sterne des zentralen Haufens IC 1590. Gegen den Hintergrund zeichnen sich kompakte, dunkle Strukturen ab, so genannte Bok-Globulen. Diese Strukturen, zuerst um 1940 beschrieben durch den Astronomen Bok, sind kleine, kalte und dadurch besonders dichte Molekülwolken. Bei den tiefen Temperaturen bleibt es jedoch nicht, wenn sich die Wolken im Innern reiben, damit Drehimpuls abgeben und sich unter der Schwerkraft bereichsweise weiter verdichten. Es wird warm, vermutete Bart Bok, ziemlich warm sogar! Anfang der 1990er Jahre kam die thermische Infrarot-Astronomie in die Gänge und wies nach, dass sich im Inneren der Bok-Globulen Protosterne bilden, die mit polaren Jets die Globulen perforieren, benachbartes Gas anregen (das wäre dann ein Herbig-Haro Objekt) und schließlich aus dem Kokon heraustreten. Die Wechselwirkungen erklären die bizarre Form mancher Bok-Globulen. Die größte, Neolith-Elefanten-förmige hat einen Durchmesser von knapp drei Lichtjahren. Man beachte auch den ringförmigen, dunklen Bogen, eine ''Fingerbreite'' links davon, der ist besonders schwierig einzufangen! Ein anderes Schicksal haben die kometaren Globulen am Rand. Der Strahlungsdruck des Sternhaufens schiebt sie in die Länge (Photoevaporation), räumt das Innere der Molekülwolke frei, bis sie aufreißt. Zugleich werden die oberen Schichten der kometaren Globule erhitzt und aufgelockert, woraufhin sie wie Gasentladungs-Lampen zum Strahlen angeregt werden. Auch die kometaren Globulen sind ''Säulen der Schöpfung'', nur dass sie nicht derartig hoch verdichtet sind wie die Bok-Globulen.

Neu abgeglichene First Light Aufnahme mit dem ONTC1215 12'' f/5 Fotonewton auf einer G53F Montierung, mit ASA Quattro Korrektor sind es effektiv gemessene 1739mm Brenweite f/5.7, 3nm Astrodon Schmalbandfilter SII, Ha, OIII, QSI583wsg Kühlkamera, -20°C am Chip, Binning 2x2, 4x3x600s belichtet, Lodestar Guider am Off-Axis Port des wsg Covers, klassische Nachverarbeitung mit Dark-Bias-Flat Kalibrierung, Stacking, log ddp, dann weiter in Pixinsight mit SHO-Skript (das ist neu, kombiniert die Auszüge zum Farbbild), DBE (reduziert den Hintergrund), SCNR (Reduziert Grün, sonst wäre das Bild supergrün, das ist der wichtigste Punkt!), diverse masked AWTNR (Rauschreduktion in dunklen Bildteilen), HDRMT Kontrastverstärkung mit Wavelets und Sternschutzmaske (auch neu, die Sterne leiden sonst ohne Maske danach an Sichelzellen Anämie). Rohdaten aus Karben bei Frankfurt/M., Ende November 2012 bei fast vollem Mond. Ein gutes Beispiel für Astrofotografie in stadtnahen Gebieten, die Filter reißen es heraus. Es ist wirklich unglaublich, welchen Kontrast diese 3nm Super-Schmalband-Filter vom Astro-Don (Don Parker) bringen. Die Amerikaner haben mit Edison die Lichtverschmutzung erfunden und mit Astrodon das passende Gegenmittel. So sieht's aus. Und mit der passenden Nachverarbeitung - so langsam steht der Prozess - kann man sich auch mit Falschfarben anfreunden. Diese Methode funktioniert prinzipiell gut mit jeglichen Gasnebeln, aber schlecht z.B. mit Galaxien oder Sternhaufen. Das Grünzeug muss jedenfalls weg, das ist genau wie in der Bekleidungsindustrie, man hat eine gute Palette, wenn eine Grundfarbe im Farbkreis weggelassen wird.

Ja, das sind tatsächlich alles Falschfarben, sortiert nach Ionisationsgrad, die klassische Hubble-Palette, SII=Rot, Ha=Grün, OIII=Blau, in der Verarbeitung wird Grün reduziert, weil Ha:OIII:SII im Original etwa 1:0.5:0.25 hell ist. Das Bild wäre ohne diese Maßnahme einfach nur supergrün. Werft einen kurzen Blick auf meinen Orionnebel, dann versteht ihr, wieso das Grün weichen muss.

Zur Verarbeitung (ich verwende jedoch besagtes SHO-Skript statt Pixelmath):
... in Pixinsight http://www.youtube.com/watch?v=FAZ6nC0pL-o ... in Photoshop http://bf-astro.com/hubblep.htm
Für die Freunde der hohen Auflösung:
http://astro.square7.ch/NGC281/
Und zu guter Letzt gibt es noch das hier:
http://astro.square7.ch/2013scifi/

Kommentare 9

  • Rudolf Dobesberger 8. Februar 2013, 17:53

    Hallo Sighard!
    Ja ja, der Zauber der Engbandfotografie
    ist hier in voller Pracht zu bestaunen.
    Da kann der Hobbyknipser zu Hause im
    Lichtverseuchten Garten auch noch tolle
    Bilder machen.

    Mit Sternfreundegruß Rudi
  • Sighard Schraebler 6. Februar 2013, 23:24

    Hallo Wolfgang,
    nimm Dir ein Teleobjektiv, schraube es an die Kamera und nimm die Gegend hinter dem Löwen ab 21:00 Uhr auf. Nachher bastelst Du alle Einzel-Aufnahmen mit *heller als* zusammen und hast so die Bahn des Asteroiden vor dem Hintergrund der Sterne. Sollte leicht sein, der hat 7.9 Magnituden Helligkeit, ein Objekt für's Fernglas.
    LG Sighard
  • Wolfgang WYY 6. Februar 2013, 23:17

    Hallo Sighard,
    danke für deine Einschätzung zu Asteroid 2012 DA 14.
    Ist ja ziemlich nah, ich weiß noch nicht was ich mache. Vielleicht macht das Wetter eh einen Strich durch die Rechnung!
    Gruß, Wolfgang
  • Sighard Schraebler 6. Februar 2013, 22:45

    Hallo Wolfgang, die Wettervorhersage für Freitag Abend kann man 48h vorher hier finden. Der Agrarwetterdienst leistet mit seiner Wolkenprognose meist einen guten Dienst für die Astronomie. http://mr.weather365.net/prognosen/wolken/48.html
    Ansonsten sind mir Asteroiden eher zu langweilig, die sehe ich in fast jedem Rohbild und meist sogar mehrere davon. Dann bildet man ein paar Mittelwerte mit sigma reject oder sd-mask und sie sind wieder weg. Ich weiß, das ist schnäubig, aber ich habe ein paar Sternfreunde im Verein, die jeden Monat ein paar von diesen Asteroiden finden. Bin gesättigt mit dem Thema, die Brocken sind zu klein um auch nur ansatzweise irgendwas zu erkennen, und das, was die Schönheit von Asteroiden-Beobachtungen ausmacht, sind ein paar Bahnelemente und die Kleinheit der residualen Fehler. Dann schreitet man schnell zur Tat und mailt alles ans MPC. Aber das ist Vergangenheit, heute gibt es PANSTARRS, das Projekt ist schwer zu toppen. Die Kleinplaneten-Suche hat auch nichts mehr mit Wissenschaft zu tun, denn wenn man viele hunderttausend Objekte dieser Gattung kennt und ein weiteres findet, dann schafft man kein grundlegend neues Wissen. In Ordnung, das NEO (Near Earth Object) kommt uns etwas näher, trotzdem nicht meine Welt, ich möchte so viele Details, wie ich auch nur im entferntesten auflösen kann und dann noch verstehen, was man da sieht.
    LG Sighard

    P.S.: Hier die Bahnelemente, Ephemeriden und Aufsuchkarten
    http://www.waa.at/hotspots/asteroiden/2012da14.html http://www.astrotreff.de/pop_printer_friendly.asp?TOPIC_ID=145054 2012 DA 14 Initial FK5/J2000.0 heliocentric ecliptic osculating elements (AU, DAYS, DEG): EPOCH= 2456009.5 ! 2012-Mar-23.00 (CT) Residual RMS= .28404 EC= .1082341885314896 QR= .8933039836218517 TP= 2455895.3550860086 OM= 147.2884622029555 W= 271.0819924443986 IN= 10.33967706634998

    Noch besser geht es mit den Ephemeriden direkt vom MPC, denn die Rechenfehler in den Bahndaten oben sind zu groß, um auf die korrekten Zeiten zu kommen.
  • Sighard Schraebler 6. Februar 2013, 22:37

    Hallo Norbert, Bernd & Rainer, danke für die netten Kommentare. Ich hoffe, ich habe es so beschrieben, dass Ihr mit der Technik was anfangen könnt.
    LG Sighard
  • Rainer Kuhl 6. Februar 2013, 21:39

    Hallo Sighard,
    wieder einmal fantastisch, auch die Beschreibung!
    Das ist wirklich sehr informativ und ein richtiger
    Augenschmaus!!
    Gruß
    Rainer
  • Wolfgang WYY 6. Februar 2013, 19:34

    Hallo Sighard,
    ich muss auch sagen, ganz fantastisch, deine Schmalbandaufnahme. Die vielen feinen Details im Vordergrund und die Tiefe, die dadurch entsteht, einfach super!
    Was machen wir , wenn Asteroid 2012 DA 14 daherzieht, ist ja ziemlich nah mit 34.000 km Distanz?!
    Gruß, Wolfgang
  • Mayr Bernd 6. Februar 2013, 10:53

    Hallo Sighard, fantastische Aufnahme des PacMan Nebels. du wirst immer besser bei deinen Aufnahmen und Ausarbeitung. Lg Bernhard
  • Norbert Span 6. Februar 2013, 9:32

    Gewaltig!

    lg
    Norbert