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Was ist neu?

Robert Bauer


World Mitglied, Bad Homburg (davor 45 Jahre Stuttgart)

Marc Chagall in Mainz St. Stephan (1)

Manchmal scheint wirklich die Zeit stehen zu bleiben. Vor genau 26 Jahren besuchte ich zum ersten und bis heute einzigen Mal St. Stephan in Mainz. Denn St. Stephan ist die einzige deutsche Kirche, für die der jüdische Künstler Marc Chagall (1887 - 1985) Fenster schuf.

Auch damals war es ein Samstag Nachmittag – ich habe ihn noch gut in Erinnerung, als ein im dunklen Anzug gekleideter Herr, der sich bald als der Gemeindepfarrer herausstellte, in der Kirche vor einer großen Schar von Besuchern eine 2-stündige Meditation über die berühmten Kunstwerke abhielt. Was mir von damals als ein sprachliches Feuerwerk voll Begeisterung und innere Identifikation mit der bildenden Kunst in Erinnerung geblieben ist, fand heute seine Bestätigung. Denn heute begegnete ich ihm wieder, dem Monsignore Klaus Mayer (geb. 1923), zwar 26 Jahre älter geworden, doch nach wie vor die personifizierte Stimme der in den Bildern Chagalls zum Ausdruck kommenden Botschaft über die gemeinsamen Wurzeln von Juden und Christen. „Die Farben sprechen unser Lebensgefühl unmittelbar an, denn sie erzählen von Optimismus, Hoffnung, Freude am Leben", sagt Mayer, der in Meditationen und Büchern das Werk Chagalls vermittelt. „Es galt, im Ostchor ein Zeichen zu setzen für jüdisch-christliche Verbundenheit und Völkerverständigung. Durch die Buntverglasung fällt blaues Licht in den Kirchenraum von St. Stephan, und in diesem Licht bewegen sich scheinbar schwerelos nicht nur Engel, sondern auch andere biblischen Gestalten“.

Mayer wurde 1965 Pfarrer in St. Stephan, die Spuren des Krieges waren noch deutlich sichtbar. Die gotische Hallenkirche, drei Mal bei Bombenangriffen getroffen, war nur von innen notdürftig wiederhergestellt. Als Anfang der 70er-Jahre die Außenrenovierung anstand, schrieb Mayer einen ersten Brief an Marc Chagall, ob er ein Fenster für die Kirche gestalten wolle. Fast vier Jahre musste Mayer warten, bis er die Zusage Chagalls erhielt. 1978 wurde das erste Chagall-Fenster im Chor von Sankt Stephan eingebaut. Weitere acht sollten noch folgen. Das letzte vollendete Marc Chagall, der zwar Ehrenbürger von Mainz wurde, aber nie die Stadt kennenlernte, kurz vor seinem Tod im 98. Lebensjahr.

Kommentare 1

  • Marion Marmarosi 6. November 2013, 16:51

    du zeigst eine herrliche serie dieser so ergreifend schönen fenster, auch ich durfte letzten samstag eine meditation von monsignore mayer miterleben, der inzwischen ja 90igjährige mann, der immer noch voll verve und elan über diese fenster sprach... und ich hatte leider meine camera nicht mit, denn es regnete.... um so mehr freuen mich jetzt deine fotos!!!! danke dir dafür!
    und ich verstehe nicht, dass du hier keine anmerkungen bekommen hast.... echt nicht!
    liebe grüße marion