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Was ist neu?

Sebastian Unterreitmeier


Basic Mitglied, München

"Lasst den Krüppel doch auf der Straße pennen!"

Blogger gesucht! Bitte schreibt über den Gnadenacker! Mehr Infos und Bilder lass ich euch gern zukommen!

Vorstellung der Bewohner des Gnadenackers, den die Stadt München räumen lassen will, weil er die schöne Bundesgartenschau stört. Die Obdachlosen dürfen sich dann ihre Bauwagen für 500E/Stück aus der KFZ-Verwahrstelle abholen.
Dabei ist der Acker Privatgelände und ordnungsgemäß gepachtet! Aber die Nutzung widerspricht dem Baurecht, also sollen die Leute (die hier seit 1996 sehr gut organisiert unter einem gemeinnützigen Verein in Selbstverwaltung leben) weg.
Mehr Infos unter diesem Bild:



Bitte tragt euch auf http://www.dieameise-ev.de ins Gästebuch ein und unterstützt uns!


Als ich mit Blacky, der Rottweiler der den Bewohnern des Ackers bei der Brandstiftung im Januar das Leben rettete, spielte (oder besser er mit mir) traf ich auf Rudi. Ich stellte mich vor und wir sprachen ein bisschen über dies und das und was ich hier mache und so. Als ich ihn auf den mir vertrauten Dialekt in seiner Stimme ansprach und es sich herausstellte, dass wir beide ursprünglich aus Thüringen stammen, war das Eis schnell gebrochen. Trotz seines eher rauen Äußeren erkenne ich den verschmitzten Kern und das schelmische Lächeln – auch wenn hier grad niemandem zum Lächeln zumute ist.
Ich bat ihn, mir ein paar Fragen zu beantworten und wir setzten uns in die kleine Grillhütte zwischen den Wagen.

S: Rudi, erzähl doch mal ein bisschen über Dich.
Naja, ich bin 60 Jahre und der Älteste hier. Ich bin nach München gekommen um hier zu arbeiten, aber hab dann meine Arbeit verloren. Später hatte ich einen Unfall und mein Knie ist hin. Seitdem bin ich schwerbehindert. Als mein Mietvertrag ausgelaufen ist und nicht verlängert wurde, lebte ich auf der Straße und kam später über den zweiten Vorstand vom Verein auf den Acker.
Im Mai 2004 war das. Arbeit krieg ich keine mehr, jetzt muss ich halt von Hartz4 leben.

S: Wie kommst Du denn mit Deiner Behinderung hier zurecht?
Naja, ich sag mal, ich bin halt hier behindertengerecht untergebracht. Also klingt vielleicht blöd, aber im Wohnheim, da sollte ich in den zweiten Stock und dann die Toilette im Erdgeschoss. Das macht mein Knie nicht mehr mit. Hier die 3 Stufen in den Wohnwagen gehen, das ist kein Problem.

S: Fühlst Du Dich wohl hier?
Ja klar! Ich hab damals dringende Hilfe durch die Leute vom Acker bekommen. Und hier hab ich was zu tun und eine Aufgabe. Da gibt’s immer was.
Und ich kann mich hier einrichten wie ich will, da schreibt mir keiner was vor. Da kann ich in ruhe Musik hören oder was lesen oder fernschauen. Was halt jeder normale Mensch zuhause auch so macht.
Aber aufräumen muss ich natürlich auch – da guckt der Peter immer ganz genau, dass da jeder Ordnung hält. Ohne geht’s nicht.

S: Wie soll es denn weitergehen bei Dir?
Hm, ich bin zufrieden so wie es jetzt ist. Also wir wollen halt alle hierbleiben, bis sich vielleicht was besseres findet! Jetzt wieder zurück ins Wohnheim – das ist doch wie in der Kaserne. Da hat man doch gar keine Freiheiten und um 10 geht das Licht aus und jeder hängt an der Pulle....

Weiteres Portrait aus der Serie:



Kommentare 114

  • cdcbekjqvbekvb 1. April 2005, 21:25

    oh mann, ich bin entsetzt! das es solche "menschen" gibt, die so eine wunderbare alternative zum sinnlosen, gefählichen und perspektivlosem leben auf der straße verhindern wollen!!
  • M A R C K 30. März 2005, 3:53

    flowers count more than humans
    *FREE STATE of BAVARIA*
    what a shame...!
  • Anja Reichelt 24. März 2005, 0:04

    gratulation der serie,
    kompliment dem engagement!
  • Michael Gillich 23. März 2005, 22:27

    Gratulation!
    lg MIKE
  • Mask Girl 23. März 2005, 19:23

    Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Jaja unser "sauberer" Staat. Nach aussen soll ja alles sauber und rein sein, doch die Wirklichkeit ist leider anders. Sollten sie lieber das Geld für die Bundesgartenschau den Obdachlosen widmen und ihnen eine vernünftige Untekunft gewähren, damit sie nicht mehr im Bauwagen schlafen müssen, doch noch 500 € zahlen um sich ihr Eigentum wieder abzuholen, welches ja auf diesem Privatgrundstück gepachtet wurde. *kopfschüttel*
    Mein Motto ist leben und leben lassen, doch so nimmt man ihnen den letzten Rest den sie ihr Eigen nennen dürfen. Ich kanns nicht verstehen.

    UNTERKUNFT DEN OBDACHLOSEN!!!!! *schildhochhalt*

    LG MaskGirl

    PRO für das Bild und Dein Engagement
    Contra unserer Regierung
  • Carolin Unterreitmeier 23. März 2005, 19:06

    Hallo Andreas,
    also als zugezogene Nichtmünchnerin wollte ich mir selbst ein Bild von der Situation machen und bin mit Sebastian dort hinausgefahren.
    Der Gnadenacker liegt am Rande eines riesigen Geländes, eben des Bundesgartenschau-Geländes an einem Seiteneingang. Der Gnadenacker behindert weder den Zugang, noch stört er in irgendeiner anderen Weise - außer scheinbar durch seine pure Existenz.
    Es handelt sich um einige wenige Bauwagen - alle bunt gestrichen, die ordentlich nebeneinander stehen. Das Gelände ist frei von Müll, riecht in keiner Art und Weise und weist auch ansonsten nichts auf, was Besucher abstoßen könnte.
    Auch bei dem Versuch, ganz objektiv zu sein, erkenne ich kein Störpotential. Zumal dieser weit entfernte Seiteneingang der Bundesgartenschau vermutlich kaum benutzt werden wird. Es ist, wie gesagt, sehr weitläufig.
    Ich finde Deinen Einwand trotzdem gut und wichtig.
    Der Fall ist sicherlich grenzwertig und es gibt verschiedene Sichtweisen.
    Aber ich bin beeindruckt von der Wirkung dieses Projekts auf seine Bewohner. Und ich würde mir einfach wünschen, daß es nicht durch die strikte Einhaltung der Bauordnung zerbricht.
    Sicherlich haben sich die Bewohner an die Örtlichkeit gewöhnt, aber so weit ich es mitbekommen habe, sind sie alle bereit, auch umzuziehen. Sie wollen nur einfach diesen Familienzusammenhalt, der sich gebildet hat, nicht verlieren.
    In Sozialwohnungen gesteckt verlören viele Bewohner den Halt, den sie so lange vermißt und hier gefunden haben.
    Es mag nicht genau der Bauordnung entsprechen, aber es ist ein Stück Hoffnung für eine kleine Gruppe Menschen, denen Sebastian nun ein Gesicht verliehen hat.
    Ich hatte ihm zunächst von dem Projekt abgeraten, empfand es als hoffnungslos. Aber ich bin unglaublich stolz auf ihn, daß er sich nicht beirren läßt und alles versucht, was möglich ist, um den Menschen zu helfen.
    Inwieweit dieser immense Einsatz (und ich seh ihn grad keinen Abend vor 22.00 Uhr :-) geschweige denn am Wochenende..) von Erfolg gekrönt ist, weiß ich nicht, aber ich hoffe sehr, daß das Projekt und vor allem der Gedanke hinter dem Projekt 'Lebenshilfe" irgendwo in München überleben darf.
    Viele Grüße,
    Carolin
  • Dagmar Kesting 23. März 2005, 18:44

    gute reportage.
  • Andreas Berdan 23. März 2005, 18:42

    @Christoph: "Aber die Nutzung widerspricht dem Baurecht", das steht im Bildtext. Das hab ich gelesen.
    Ich kenne den Gnadenacker nicht. Was ich vorsichtig versucht habe ist, Ursache, Wirkung, und Lösungsansatz im Zusammenhang mit den allgemeinen (Lebens)bedingungen in Stadt und Gesellschaft herauszuarbeiten. Ich erhebe nicht Anspruch auf Richtigkeit, sondern liefere hiermit einen Diskussionsbeitrag zum Doku-Bild.
    Übrigens sprach ich nicht vom "Obdachlosenheim" sondern von zugewiesenen kleinen Sozialwohnungen, das möchte ich betonen.
    Aber vielleicht findet sich ein anderes Grundstück, wo das Auge der Besucher der Gartenschau (was ist das eigentlich für eine erlauchte Zielgruppe?) nicht "beleidigt" wird....
    Wünsche noch viel Erfolg bei dieser Aktion!

    LG, Andreas
  • Patrick Kaut 23. März 2005, 14:52

    Fin ick sehr jut von Dir!
    Verdiente Emphatie!

    AA
  • Sebastian Unterreitmeier 23. März 2005, 14:17

    andreas, ich kann nur kurz drauf eingehen:

    was das voting angeht bin ich froh, dass es inzwischen über 1500 clicks auf dem bild sind und viele erst über das voting auf die geschichte aufmerksam wurden. das zählt.

    zur wohnungssache: die stadt münchen würde den bewohnern sozialwohnungen geben. dann wäre der acker weg, alle wären glücklich, manuela* würde sich wieder die arme aufschneiden und leute wie georg* u.a. würden jeden abend ne pulle schnaps weghauen und sich ins koma saufen (auf dem acker ist gemäß alkoholverordnung schnaps verboten, betreten des ackers im schnapsrausch auch verboten).
    die menschen dort unterstützen sich in der gemeinschaft und helfen sich. das ist das erfolgsrezept des ackers. siehe auch die projekte:
    http://www.dieameise-ev.de/index.php?id=5

    achja, die ameisen würde vom acker wegziehen - kein problem! es muss nur ein geeignetes ausweichgrundstück her und daran hängt es.

    *portraits folgen, muss noch prints machen, vielleicht morgen.
  • Christoph Lauber 23. März 2005, 14:17

    andreas:
    eine der vielen wurzeln allen übels in der fc ist, daß leute schreiben ohne vorher gelesen zu haben.
    das gelände ist nicht illegal besetzt. es gibt auch diese kleinen wohneinheiten, aber diese menschen hier haben sich entschieden, ihr schicksal selbst zu gestalten. wozu sollte da also eingegriffen werden?
    denke global, handle lokal. es ist klar, daß viel zu tun ist. aber nur weil viel zu tun ist gar nicht erst anfangen...? nö.

    Nachtrag: soll kein angriff sein, ich lege nur meine gedanken dar :)
  • Carolin Unterreitmeier 23. März 2005, 14:15

    Gesetze kennen nur Schwarz oder Weiß.

    Für das Grau, die feinen Zwischentöne, ist der Mensch selbst verantwortlich. Man nennt dies Ermessen.

    Daß die "Ameise" entgegen dem geltenden Baurecht handelt, ist von allen Parteien unbestritten. Daß das Projekt über viele Jahre geduldet wurde, auch.

    Jetzt geht es darum, eine menschliche Lösung zu finden.
    Wer jemals in einem Obdachlosenheim war (und ich war schon in Notunterkünften), der weiß, wie furchtbar ein derartiger sozialer "Abstieg" für die Bewohner des Gnadenackers wäre.

    Der Gnadenacker stellt eine Zwischenstation dar. Zwischen der Straße und dem normalen Leben. Er ist ein Ort des Verweilens, des Kraftschöpfens und des Mutfassens für das Leben da draußen.
    Und ich wünschte mir, daß dieser Ort der Hoffnung irgendwo in München seinen Platz fände.

    Carolin
  • Andreas Berdan 23. März 2005, 14:04

    Natürlich haben hier alle mit pro gevotet. Das ist ja auch politisch korrekt.
    Ich vote hier überhaupt nicht, möchte aber auch meinen Senf dazu geben. Ich bin schon der Ansicht, dass nicht überall (wenn dieses Beispiel schule macht, na danke) einige Leute einen Acker zu Wohnzwecken illegal umwidmen können. Das hat gar nichts mit Härte etc. zu tun, sondern das Zusammenleben - vor allem in großen Ballungsräumen - funktioniert nur, wenn gewisse Spielregeln und Verordnungen von allen eingehalten werden. Dafür hat die Stadtverwaltung zu sorgen. Sonst versinkt alles in Anarchie.

    Aber eine andere Frage: Wieso gibt es in der Weltstadt mit Herz keine kleine Wohneinheiten für Obdachlose so wie hier bei uns in Wien? Hier versucht man den alten Menschen von der Straße nach und nach eine kleine Sozialwohnung zuzuweisen. (Trotzdem gibt es natürlich auch bei uns - speziell durch die starke Zuwanderung aus dem Osten - ein Obdachlosenproblem)
    Ja ja, wir kennen das eh` schon!
    KEIN GELD!
    Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Die Kommunen haben alle kein Geld, weil sich die großen ortsansässigen Unternehmen (EU-weit) aus ihrer sozialen Verantwortung verabschiedet haben. Nicht nur, dass sie die Leute zu Tausenden rausschmeissen, sie zahlen auch ihre Abgaben im steuerschonenden Ausland. Das Ergebnis wird hier dokumentiert. Dafür aber werden Millionen versklavter Arbeiter in Fernost zu menschenunwürdigen Bedingungen beschäftigt. Produktionsverlagerung, nennt man das so schön! Diese produzieren dann Produkte, die hier zu europäischen Marktpreisen unter die Leute gebracht werden. Hier verdienen die Konzerne das unverschämte 3. Mal. Mal sehen wie lange das Spiel zu gunsten der Reichen und Superreichen noch so weitergeht

    Hier sehe ich die Wurzel allen Übels!

    LG, Andreas
  • Sebastian Unterreitmeier 23. März 2005, 13:55

    danke euch. auch an die offenen contras. und danke an jörn fürs vorschlagen und für die tipps zum printen. beim nächsten bild wird alles besser, hoffentlich ;)

    @i.meier: lass sie, muss nicht jedem gefallen. :)

    der abzug/scan hätte auch besser sein können, aber ich hab einfach null zeit im moment und wollte die bilder schnell rausbringen - die webseite des vereins und presse/öffentlichkeitsarbeit sind grad wichtiger. neue bilder vielleicht morgen, bzw. eins hab ich grad noch:
  • Daniel W 23. März 2005, 13:52

    wahnsinns potrait
    die geschichte bewegt spiegelt aber die sozialfreundliche politik des freistaates und der einwohner wieder...

    schockierend

    gruesse
  • Ines Meier 23. März 2005, 13:52

    wunderbar - herzlichen glückwunsch... ich frag mich was die 141 contravoter für contra halten?! ach so war kein vögelchen auf dem bild....


    ich hoffe die können ihren acker behalten...
  • Der Manuel 23. März 2005, 13:34

    Respekt vor diesem (unerwarteten) Ergebnis.
  • ANTJE KROEGER PHOTOGRAPHIE 23. März 2005, 13:28

    ich bin froh,
    ob des bildes vor allem, aber auch ob der (ungeneeteten) realitaet dahinter.
    eine direkte, eindringliche serie.



  • Arno M 23. März 2005, 13:25

    starkes portrait - glückwunsch zum verdienten *chen...
    gruß,
    Arno
  • Matthias Endriß 23. März 2005, 13:24

    Ein ganz starkes Porträt. PRO
  • Cornelia Krulis 23. März 2005, 13:24

    Pro
  • Ines Meier 23. März 2005, 13:24

    pro!
  • Rainer Switala 23. März 2005, 13:24

    prooooooooooooooooo
  • Thomas Li. 23. März 2005, 13:24

    weder Vogi, noch Blümchen, noch Kind noch Sonnenuntergang, sondern ein nicht-glattes Bild, ganz klar pro
  • Barbara Mayer 23. März 2005, 13:24

    pro

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