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Kupierter Schnabel beim Eintagsküken

Kupierter Schnabel beim Eintagsküken

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Melani Marfeld


Free Mitglied, Herne

Kupierter Schnabel beim Eintagsküken

Heute melde ich mich nach längerer Zeit bei Euch mit etwas zum Nachdenken zurück, was mir selber sehr am Herzen liegt.

Schnabelkürzen (Touchieren, Kupieren, engl. debeaking)

Undenkbar für einen Rassegeflügelzüchter, an der Tagesordnung bei den Wirtschaftsgeflügelzüchtern.

Natürlich kürzen WIR keine Schnäbel bei unseren Küken!!!

Dennoch möchte ich das Schnabelkürzen hier einmal thematisieren, um die Menschen dafür zu sensibilisieren und aufzuklären.

Das Fotos zeigt ein Eintagsküken eines Wirtschaftsgeflügelzüchters, bei dem der Schnabel kupiert wurde. Diese Küken werden entweder schon als Küken verkauft oder später als "legereife" Hennen.

Ein trauriger Anblick - wie schön wären diese Küken mit Schnabelspitze! Aber es wird bei mir zusammen mit einem Geschwisterküken ein liebevolles Zuhause bekommen!

Auszug aus dem Tierschutzgesetz (TierSchG):

Erster Abschnitt

Grundsatz

§ 1

Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Zweiter Abschnitt

Tierhaltung

§ 2

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Vierter Abschnitt

Eingriffe an Tieren

§ 6

(1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn

1. der Eingriff im Einzelfall

a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist…

(3) Abweichend von Absatz 1 Satz 1 kann die zuständige Behörde

1. das Kürzen der Schnabelspitzen von Legehennen bei unter zehn Tage alten Küken,

2. das Kürzen der Schnabelspitzen bei Nutzgeflügel, das nicht unter Nummer 1 fällt,

erlauben.

Die Erlaubnis darf nur erteilt werden, wenn glaubhaft dargelegt wird, dass der Eingriff im Hinblick auf die vorgesehene Nutzung zum Schutz der Tiere unerlässlich ist. Die Erlaubnis ist zu befristen und hat im Falle der Nummer 1 Bestimmungen über Art, Umfang und Zeitpunkt des Eingriffs und die durchführende Person zu enthalten.

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Schmerzhaftes Schnabelkürzen ist in Deutschland und dem Rest Europas beim "Wirtschaftsgeflügel" an der Tagesordnung.

Um vermeintliche Schäden durch Federpicken oder Kannibalismus zu verhindern, wird den Küken als symptomatische Maßnahme routinemäßig zumeist schon am 1. Lebenstag prophylaktisch der Schnabel gekürzt.

Dies ist nach dem Tierschutzgesetz nach vorheriger Genehmigung bis zum 10. Lebenstag zulässig, wenn glaubhaft dargelegt werden kann, dass der Eingriff für die vorgesehene Nutzung unerlässlich ist.

Nur in Ausnahmenfällen und nach Feststellung durch den Veterinär kann diese Maßnahme bei akutem Kannibalismus auch später erlaubt werden.

Beim Schnabelkürzen wird ohne Betäubung entweder nur die Schnabelspitze entfernt (touchiert) oder ein grösserer Teil des Schnabels entfernt (kupiert). Dieses geschieht mit einem heißen Messer oder einer einem Infrarotbrenngerät. Da sich im Hühnerschnabel zahlreiche Nervenendigungen befinden, gilt das Kürzen des Schnabels als überaus schmerzhaft.

In allen Fällen werden innervierte Bereiche des Schnabels zerstört. In zahlreichen Untersuchungen wurden eine Verminderung der Pickaktivität sowie eine nachhaltig geringere Futteraufnahme nachgewiesen. Dies deutet sehr stark darauf hin, dass die Tiere Schmerzen empfinden, die möglicherweise auch länger anhalten oder chronisch werden. Außerdem ist der Schnabel ein sehr empfindliches Sinnes- und Tastorgan, das bis in die Spitze hinein mit sensorischen Rezeptoren ausgestattet ist (Bill Tipp Organ). Seine Ausstattung mit Tastkörperchen und seine Funktion macht ihn mit den menschlichen Fingerspitzen vergleichbar. Daher ist davon auszugehen, dass die Tiere auch in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt werden. Somit gehen durch den Eingriff auch wichtige Informationsquellen für das Tier über die Beschaffenheit des Futters verloren. Auch eine adäquate Gefiederpflege ist kaum mehr möglich. Weitere Probleme sind fehlender Schnabelschluß, das Austrocknen der Schleimhäute und der Zunge, Atemprobleme, sowie das evt. schiefe oder gekreuzte Nachwachsen des Schnabels und eine schlechte Futteraufnahme. Durch den Eingriff entsteht eine offene Wunde, die eine Eintrittspforte für Erreger darstellt. Etliche Küken überleben diesen Eingriff nicht.


Trotz des Kürzens des Schnabels treten Feder- und Kloakenpicken und Kannibalismus weiterhin auf. Jedoch können die Tiere mit ihrem gekürzten Schnabel kaum noch Federn herausziehen und auch nicht so leicht Wunden verursachen.

Sinnvoll wäre hier ein Umdenken bezüglich der Haltungsform und Besatzdichte, da man mit dem Schnabelkürzen lediglich das Symptom behandelt und nicht die Ursache, und das auch noch auf Kosten der Tiere.

Kommentare 6

  • Heiner Brandhoff 4. Juli 2011, 21:03

    Hallo Melani
    danke für dieses Foto und den Text
    war mir nicht bekannt das so etwas bei uns in
    Deutschland möglich ist
    ist wirklich schlimm wozu Menschen fähig sind :-(

    lg heiner
  • Joachim Hampel 30. Januar 2011, 17:38

    Ja, Papier ist geduldig liebe Melanie.

    LG
    Joachim
  • F R A N K 30. Januar 2011, 11:01

    Manch Menschen würde das auch nicht schaden....
  • Melani Marfeld 30. Januar 2011, 9:08

    Die Kunst in jedweder Form war von jeher ein Instrument, und der Mensch hat die Macht, damit Mißstände aufzudecken, aufzurütteln und Veränderungen auf den Weg zu bringen. Je mehr Menschen man dafür sensibilisieren kann, umso eher werden Veränderungen möglich sein. Viele Menschen kennen die Mißstände in unserem Land nicht, wiederum andere interessieren sie nicht. Die Billigpreistreiberei vor allem bei den Lebensmitteln und die "Geiz-ist-geil" Mentalität machen so etwas erst möglich: Massentierhaltung in qualvoller Enge unter nicht tiergerechten Haltungsbedingungen mit Dioxin im Futter. Wenn man bedenkt, daß ein Grillhähnchen gerade mal 4 Wochen leben darf... maximaler Profit und maximale Ausbeute(rei) bei minimaler Investition.
    Bei der Legehennenhaltung das gleiche: die Käfighaltung wurde abgeschafft, dafür wurden "Kleinvolieren" in Betrieb genommen. Auch Käfighaltung, nur etwas größere Käfige, dafür höhere Besatzdichte. Augenwischerei für Dummies, nur damit man sein Frühstücksei billig kaufen kann.
    Unerträgliche Zustände für alle Menschen die Tiere lieben.
    Ändern kann nur der Mensch durch sein Kauf- und Konsumverhalten: weniger Eier, weniger Fleisch, und wenn dann bitte BIO von freilaufenden, artgerecht gehaltenen Tieren!

    Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag.

    LG, Melani
  • limited edition 30. Januar 2011, 0:01


    Unglaublich, dass so etwas hierzulande geduldet wird.
    Mir gefällt, dass du dich immer wieder damit auseinandersetzt und auf solche Mißstände hinweist.
    LG Netti
  • Biggi Evi Seidel 29. Januar 2011, 21:06

    vielen dank für dieses foto
    und vor allem deinen text!!
    dem gibt es nichts hinzuzufügen.

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Kamera Canon EOS 40D
Objektiv Tamron 90mm f/2.8
Blende 4
Belichtungszeit 1/60
Brennweite 90.0 mm
ISO 400

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