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Esther Neumann


Free Mitglied, Berlin

Konsummüde

Konsummüdigkeit

Ein Artikel - http://kenrockwell.com/tech/everything-sucks.htm - von Ken Rockwell erinnerte mich an eine Entwicklung, die die letzten Jahre sich in ähnlicher anderer Form bei mir einschlich: Konsummüdigkeit nenne ich sie.

Angefangen hat es mit dem Kauf einer analogen Kamera, da ich begann darüber nachzudenken was geschieht, wenn ich mir zukünftig ggf. keinen digitalen Ersatz leisten kann. Man weiß ja nie. Ebenso wie die Frage: Wie lange hält so eine Kamera? Was kostet eine Reparatur, wenn der Verschluss den Geist aufgibt? Alles das war mir aber noch nicht so klar im Bewusstsein.

Ich entdecke, dass immer mehr Freunde und Bekannte nicht verstehen, dass ich mein Mobiltelefon nicht „bewache“. Also es nicht ständig dabei habe. Ich schreibe immer weniger Mails trotzdem ich schneller auf der Tastatur schreiben kann als mit der Hand. Telefoniere lieber als SMS zu schreiben. Das ist relativ neu. Eine längere Zeit schrieb ich lieber SMS oder Mails, weil ich oft das Gefühl hatte den Angerufenen zu stören. Viele hörten sich so gehetzt an.

Ist jemanden schon mal die Unruhe in Elektronikläden aufgefallen? Gerade die im „Unterhaltungselektronik-Bereich“?

Hinzu kamen „Kleinigkeiten“ wie ein wunderschöner Holzlocher vom Kunstmarkt in Berlin. So etwas wird bei uns häufig nur noch in Behindertenwerkstätten hergestellt. Ein Brotschneidebrett mit Krümelfänger von den Praunheimer Werkstätten. Ein Keramikfilter für „altmodisches“ Kaffeekochen. Wunderschöner, selbstgemachter Schmuck über Tauschticket. Neue Vinylplatten für unsere alte (aber richtig toll klingende) Anlage. Fleisch- und Wurstwaren direkt vom Hersteller auf einem Wochenmarkt. (Schmeckt viel, viel besser. Ich kaufe Brotbeläge fast gar nicht mehr im Supermarkt.) Den vorläufigen Abschluss bildet der Kauf von fairer Milch von einheimischen Bauern – vor den Presseberichten darüber.

Warum das alles? Bin ich ein „Gutmensch“? Nein, ich denke nicht. Ich bin nur müde immer mal das Gefühl zu haben über den Tisch gezogen zu werden. (Es gibt zum Beispiel schon lange Beamer, die ein glasklares Bild auf jede gewünschte Oberfläche projizieren können. Warum also dann Flachbildfernseher? Warum ging diese Technik nicht in Serie?) Müde irgendwelche „Stuss-Werbung“ (z.B. 0mm-Makro einer Digicam? Toll diese Kamera kann scannen.) zu lesen, hören und zu sehen. Müde zu lange Zeit am Rechner zu verbringen. Müde, dass viele Dinge die "Zeit sparen" oft eine paradoxe Reaktion auslösen. Habe Lust auf hochwertige Lebensmittel.

Eine Überraschung für eine Freundin häkeln, eigenes Entwickeln von Filmen, Briefeschreiben mit der Hand, Kleinigkeiten basteln, etc. pp. Kostet oft mehr Zeit - macht mich aber viel zufriedener und glücklicher.

Vielleicht haben die Amish-People dies schon viel früher erkannt als die Meisten von uns? Dennoch diese Lebensweise ist nichts für mich. Ich mag Technik - aber eben nicht um jeden Preis.

Kommentare 17

  • Walter Zeis 21. Januar 2010, 17:05

    kleiner beitrag zum thema sinnvolle konsummüdigkeit:
    bis vor etwa 1 1/2 jahren hing mir das fernsehprogramm zum halse raus. zur sog. primetime gab es aus meiner sicht nur noch schrott. dann aber passierte etwas: ich kaufte mir ganz unmüde einen festplattenrecorder.
    und siehe da, jetzt macht mir das programm spaß, denn ich zeichne mir sachen, die zur nachteulenzeit ausgestrahlt werden, auf und trickse den primetime-schrott aus, indem ich mir aufzeichnungen, die mir wirklich wichtig sind (künstlerporträts aus musik, literatur und bildender kunst, musikalische werke u.ä.) zu eben dieser zeit anschaue.
    die liste meiner aufzeichnungen (auf dvd gebrannt) wandert im freundeskreis und ich brenne kopien bzw. leihe aus, je nach wunsch.
    zur nachahmung empfohlen!!
    lg walter
  • Esther Neumann 21. Januar 2010, 10:50

    @Andrea: Auf Bücher würde ich wohl auch kaum verzichten. *lach* So lange es geht erhalte ich mir auch die Möglichkeit DVDs zu schauen. Allerdings lese und schaue ich nicht mehr alles. Geschmack und Bedürfnisse verändern sich immer mal wieder.

    Und ja Kontakte und Freunde sind wichtig und ich weigere mich diese Menschen als mein "Netzwerk" zu bezeichnen ;)))
    Lg, Esther
  • Esther Neumann 21. Januar 2010, 10:44

    Danke Euch :o)) *freu*
    @Wolfgang: Du sprichst da etwas Wichtiges aus meiner Sicht an: durch die schnelllebige und weit vernetzte Zeit wird man einer Vielzahl von Werten, Ansichten, Lebensweisen, etc. ausgesetzt. Die Auswahl ist riesig und gleichzeitig sehr eingeschränkt. Schätze das trägt dazu bei, dass die Suche nach Werten etwas länger dauert unter Umständen.

    @Joscha: Yep ... Zwang ist hier wohl das richtige Wort. Aber wer übt ihn aus? Schätze u.a. das eigene Umfeld, oder? Versuche mir gerade einen Smartphone vorzustellen, dass den potenziellen Käufer "zwingt" es zu erwerben. *lach* ;) Aus diesem Grund - den Du ansprichst ... also die Lebens-Zeit - gehen einige Menschen in Teilzeit. Trotz oder gerade wegen dem Druck in der Arbeitswelt. Aber diesen "Luxus" kann man sich nur leisten, wenn mehr als die Grundbedürfnisse mit dem Einkommen gedeckt werden können.
    @Bernadette: Einen Geschirrspüler haben wir auch nicht. Den Tummler schon - dafür bügeln wir sehr wenig bis gar nicht. *gg* Sollten wir uns entschließen wieder in einer Großstadt zu leben - wo werden wir sicher das Auto spätestens wenn es Schrott ist - nicht mehr ersetzen.

    Du sprichst es an ... ein (eigenes) Bewußtsein entwickeln für die Dinge, die für einen selbst wichtig, weniger wichtig und eher nicht wichtig sind. Schätze darum geht es letztendlich. Dafür ist Erfahrung nötig ...

    Lg, Esther
  • Bernadette O. 21. Januar 2010, 9:11

    Danke für deine Gedanken und das schöne Bild. Deine Themen beschäftigen mich auch seit langem. So haben wir keinen Geschirrspüler, keinen Tumbler, das Handy brauchen wir vielleicht einmal im Monat ... Hingegen der PC mit dem Internet, das Auto ... - wahrscheinlich können nur wenige auf alles verzichten. Wichtig ist wohl, ein Bewusstsein zu entwickeln und verlangsamende Elemente in den hektischen Alltag einzubauen wo es möglich ist.
    LG Bernadette
  • Wolfgang Kolling 20. Januar 2010, 20:56

    Du sprichts mir aus der Seele...könnten meine Gedanken sein. Warum sich heute mit etwas beschäftigen, was morgen schon nicht mehr existent ist. Die Zeit ist viel zu schnellebig geworden. Die guten alten Werte existieren nicht mehr...oder kaum noch...jeder für sich muß sie wieder selbst beleben...Besinnung auf das wirklich Wichtige...

    lg Wolfgang
  • Adrena Lin 20. Januar 2010, 20:07

    Eine sehr interessante spannende Diskussion....
    Erst einmal zum Handy und Telefon....Ich mag Beides nicht...:-)))
    Es gibt Dinge, da denke ich nicht nach....da gebe ich auch Geld aus....das sind Bücher !
    Die Fotografie....Ich habe meine Grundausstattung....Kamera, Objektive, PC, Scanner....Das Neuste interessiert mich nicht, muss ich nicht haben
    Ich habe meine alte Analoge wieder entdeckt, mit der ich schpn vor 20 Jahren fotografiert habe....ich weiß sie wieder sehr zu schätzen ( Dank dir) und möchte auch keine Andere mehr....
    Dank meiner Arbeit spielt zwischenmenschliches, sinnliches, Erforschen und Ausprobieren mit allen vier Elementen eine große Rolle....Kreativität....Soziale Kompetenz....Das gibt es auch nicht käuflich zu erwerben....:-))))
    Schön, mal wieder darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist.......:-)))
    Lieben Gruß
    Andrea
  • Esther Neumann 20. Januar 2010, 19:47

    Jetzt könnten wir auch darüber diskutieren, was Fortschritt eigentlich genau ist bzw. sein soll? ;)) Meine Überlegungen richten sich nicht gegen Fortschritt und Ähnliches. Sondern nur darum wie ich zukünftig gern damit umgehen möchte.

    Was verstehst Du persönlich unter Fortschritt Mario?

    Lg, Esther
  • F A R N S W O R T H 20. Januar 2010, 19:29

    ich fürchte und hoffe das den fortschritt niemand aufhalten kann und soll. ist allerdings weniger auf konsum gerichtet.
  • Esther Neumann 20. Januar 2010, 19:10

    Frau Bau: Ja - so ähnlich ist das bei mir auch. Ich habe mein Handy zwar fast immer dabei - aber eben nicht unbedingt in Hörweite. Mein Festnetzanschluss hat keinen Anrufbeantworter mehr ... vllt sollte ich mir wieder einen auf dem Flohmarkt besorgen? *lach*

    Habe mich auch schon gefragt, ob das was mit dem Alter zu tun hat. Andererseits: ich liebe neue technische Spielereien nach wie vor. Bin daran sehr interessiert. Auch wenn ich mir viel davon nicht kaufe. Die Möglichkeiten eines Smartphones finde ich toll - brauche ich aber nicht.

    Am Sonntag abend im Zug habe ich mal geschaut - was wer mit mit seinem Laptop macht. Erschreckend: über die Hälfte hat tatsächlich gearbeitet ... und nicht wie die anderen gespielt oder einen Film geschaut - mit Kopfhörern. Und ich glaube nicht, dass dies alles Selbstständige waren.

    Aber vielleicht bringt das Alter einfach mehr Reflektion mit sich - nach dem Motto: Brauche ich das denn wirklich?

    Lg, Esther

  • Frau Bau 20. Januar 2010, 18:30

    Wow, da regt sich ja richtig was hier ! super !

    Also ich kenns auch... habs schon ewigkeiten mit dem Handy. Warum die Leute staendig und ueberall erreichbar sein muessen ist mir ein raetsel. Mir gehn die dinger mittlerweile furchtbar auf den Keks und ich nehm meins schon gar nicht mehr mit ! Wenn mich jemand erreichen will dann soll er gefaelligst zu haus anrufen und wenn ich nicht da bin.. naja, pech !

    Manchmal frag ich mich, obs dann doch was mit dem Alter zu tun hat, denn vor 10 Jahren fand ich alle neue Technologie super und musste alles haben. Heute nicht mehr.. vielleicht werden wir doch weiser ? Oder verbloedet unser Verstand so sehr das wir einfach nicht mehr mitkommen?

    Ach was, ich will einfach meine Ruhe haben, nicht staendig andern beim telefonieren zuhoern, nicht staendig surrounded werden von Sound, Farben und vor allem... Klingeltoenen.

    super Thema, schoen umgesetzt :)

  • Esther Neumann 20. Januar 2010, 18:05

    Mario: Vielleicht geht mir der Wandel einfach etwas zu schnell? Beschleunigt u.a. durch "neue" Technik, den Wunsch vieler Firmen nach Wachstum durch neue Angebote, etc. pp.

    Ich denke immer an Pispers, der u.a. sagte: Wenn die Automobilindustrie so wachsen will wie bisher müssen unsere Enkel jeden 2. Monat ein neues Auto kaufen. *lach*

    Da fällt mir ein: Die letzten Jahre werde ich richtig sauer, wenn ich alltägliche Dinge dauernd die Verpackung und die ggf. auch die Zusammensetzung ändern. *bähh* ;o))) Oder die Supermärkte dauernd umräumen. Etc. pp. :o))

    Lg, Esther
  • Esther Neumann 20. Januar 2010, 17:58

    Danke Rainer für Deine lieben Worte. Wo meine Reise hingehen könnte ... steht noch nicht fest. Vielleicht suche ich auch den "schwersten" Weg: eine Synthese zwischen beiden Positionen.

    Auf den Rechner und das Netz mag ich nicht ganz verzichten bei gleichzeitigem Wunsch nicht so viel Zeit davor zu verbringen.

    Bevor wir aufs Land zogen wurden wir schief angeschaut, wenn wir erzählten: Wir haben kein Auto und auch keinen Fernseher.

    Die Amish faszinieren mich auch. Ihre Angewohnheit bei den täglichen Pflichten miteinander zu singen, sich viel zu bewegen und vieles mehr. Also gerade der "andere" Umgang miteinander im Alltag.

    Lg, Esther
  • Mario C. 20. Januar 2010, 17:56

    Es ist alles im Wandel immer und ewig, nichts bleibt wie es ist.

    Erst im Wandel erkennt man wie die Vergangenheit war !



  • LIBOMEDIA 20. Januar 2010, 16:58

    Du bist mit deinen Vorstellungen nicht allein.
    Ich denke auch wieder darüber nach, die jetzt eingeschlagene Richtung zu wechseln. In den 70er und 80er Jahren war ich da schon mal. In unserer Land-WG haben wir alle diese Dinge gelebt, 15 Jahre keinen Computer genutzt. Dein Hinweis auf die Amish ist gut. Ich könnte auch nicht so leben, aber ihre Lebensweise (in dem Film "Der einzige Zeuge") hat mich fasziniert.
    Zunehmend mehr Menschen haben das Bedürfnis nach einer einfachen Lebensweise mit regionalem Bezug.
    Liebe Grüße
    *Rainer
  • Esther Neumann 20. Januar 2010, 16:27

    @Frederick: Nein - das hat schon weit vor der "Krise" und dem "Klimaschutz" angefangen .... ganz leise.
    Lg, Esther

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