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Was ist neu?

Horst-W.


World Mitglied, Franken

Kein feste Burg...

Der Baumeister stößt einen deftigen Fluch aus und schluckt dessen Rest schnell hinunter als er der Pfarrer kommen hört. Der murmelt etwas ähnlich Deftiges, aber auf Latein klingt es besser. Gemeinsam begutachten sie die neuen Schäden an dem weichen Tuffsteinmauerwerk, erst im Jahr zuvor war es ausgebessert worden, klopfen gegen lose Teile, prüfen wo es mürbe ist, wo es noch hält...

Hoch oben auf ihrer über 8 m hohen Warf die Bonifatiuskirche von Arle (Warf = zum Schutz vor Sturmfluten künstlich aufgeworfener Hügel). Sie wurde etwa 1200 als Nachfolgerin einer noch älteren Holzkirche aus Tuffsteinmauerwerk erbaut. Der weiche vulkanische Tuffstein wurde auf Kähnen z. B. aus dem Rheinland herangeschafft, die spätere für Ostfriesland so typische Bauweise aus gebrannten Backsteinen war noch unbekannt. Doch der weiche Tuffstein hielt nicht lange, es musste immer wieder ausgebessert werden, manches wurde baufällig, und schließlich wurde immer mehr Bausubstanz durch die inzwischen aufgekommene Klinkerbauweise ersetzt. An den Außenwänden sind noch viele Reste des alten hellen Tuffsteinmauerwerks zu erkennen.

Ursprünglich hatte die Kirche auch einen wie in Ostfriesland üblichen gedrungenen freistehenden Glockenturm, ebenfalls aus Tuffstein. Auch er war sehr bald baufällig geworden, so dass er abgerissen werden musste. In der Folgezeit erhielt die Kirche mehrmals neue Türme, die aber nie lange hielten. In den Fundamenten des zweiten Kirchturms hatte man ein 12-jähriges Kind begraben, man dachte, das würde den Turm unzerstörbar machen... doch schon bald wurde der Turm bei einer Auseinandersetzung zwischen Friesenhäuptlingen fast völlig zerstört. Der heutige Kirchturm wurde schließlich 1887 erbaut.

Kommentare 34

    Das Foto befindet sich nicht in der Diskussion. Deswegen kann es aktuell nicht kommentiert werden.

  • Karl-Ernst Wodzicki 19. Juli 2007, 20:42

    Die verzerrende Perspektive untermauert Deine immer wieder lesenswerten Infos.
    LG Karl-Ernst
  • Horst-W. 18. Juli 2007, 12:56

    @Trude: Da hast du recht, was den Standpunkt betrifft war das einer meiner kompliziertesten Fälle... ich sitze hier mit dem Rücken zur Wand im Dreck an der Rückseite einer Reihe kleiner Häuser ;-)
    Bei dem Tuffstein heißt es, er sei "aus der Eifel" gekommen und mit Lastkähnen auf Kanälen die damals bis in den Ort Arle hinein reichten angeliefert worden.
    LG Horst
  • Trude S. 18. Juli 2007, 10:51

    was soll ich nun noch dazu schreiben, ich bin mit allem einverstanden, weil es auch mir gefällt und speziell mit den Hintergrundinfos :-)
    Der Tuff kam dann sicher aus meiner jetzigen vulkanischen Heimat und die Probleme damit sind hier bekannt. Die Geschichte mit den Kinderopfern oder -bestattungen sind mir aus unserem Lebenskreis in Europa neu. Das Mittelalter war schon eine religiös dustere Zeit !
    Und Dein Foto ist sehr schön, auch mit dem einbezogenen alten Friedhof. Hast einen klasse Standpunkt gefunden, was nicht immer einfach ist und Zeit kostet :-)
    Lb. Gruß, Trude
  • Bergfee 15. Juli 2007, 18:22

    Sehr schönes Motiv, klasse festgehalten !
    LG Eva
  • Manfred Fiedler 14. Juli 2007, 12:23

    Wieder einmal fotografisch und textlich meisterlich in Szene gesetzt.
    Manni
  • Zdenek Baranek 13. Juli 2007, 21:37

    Klasse Bild mit tolle Textgeschichte.Gefällt mir.LG Zdenek
  • Monika A.E. (Klemmy) und Harald Klemmstein 13. Juli 2007, 8:32

    Foto und die Geschichte sind wieder eine Extraklasse. Es ist immer interessant, was du uns hier zeigst.

    lg klemmy
  • Andreas Pfeiffer 12. Juli 2007, 12:57

    Sehr schöne klare und scharfe Aufnahme. Die Hintergrundinformation zum Foto ist sher interessant.
    lg Andreas
  • Horst-W. 12. Juli 2007, 9:42

    @Detlef: Das ist eine alte Glocke, sie stammt aus dem Jahr 1356. Warum man sie außen am Turmdach aufgehängt hat weiß ich leider nicht... sieht aber interessant aus.
    LG Horst
  • Detlef Baer 12. Juli 2007, 9:02

    Gefällt mir gut, auch das du es vom Fuße der Warft aufgenommen hast und man noch etwas vom Friedhof sieht.
    Was ist denn das da oben am Turmdach?
    Gruß Detlef
  • Uwe Sievers 11. Juli 2007, 20:49

    Für mich eine sehr schöne Aufnahme und die dazu mitgelieferte Info rundet das Ganze ab.
    Gruß Uwe
  • Horst-W. 11. Juli 2007, 18:53

    @Marianne: Heute steht die Kirche ja auch wie 'ne Eins. Die Backsteinbauweise hat sich bewährt. Aber an den alten Seitenwänden aus Tuffstein sind die Spuren noch zu sehen...
  • Marianne Th 11. Juli 2007, 18:36

    Der imposante Backsteinbau ragt so trutzig in den blauen Himmel, daß ich keine Baufälligkeit erwartet hätte. Deine Geschichte dazu ist wie immer ein highlight.
    LG marianne th
  • G D 11. Juli 2007, 17:56

    ganz schön gruselige geschichten, kinder unterm turm begraben...oha...
    diese erneuerung des turmes war dann wohl eine notwendigkeit. hat ja auch gehalten bis heute.
    eine eindruckstarke aufnahme.
    gruß gd
  • Veronika Zanke 11. Juli 2007, 16:04

    Wieder ein schöner Kontrast der Wolken zum wunderbar blauen Himmel und dem roten Gemäuer!
    Außerdem wieder sehr informativ!
    Sehr schön!
    LG Veronika
  • Leander S. 11. Juli 2007, 14:25

    Vor dem Blauen Himmel, idealer Hintergrund für das rote Gemäuer. Sehr schön auch in dieser Perspektive.
    Die Erläuterung liest sich wie ein Roman :-) Gefällt mir nicht minder.
    LG Leander
  • Kees Koomans 11. Juli 2007, 14:03

    Ein ganz feines Bild - rundum gelungen !!!

    LG. Kees.
  • Hanne L. 11. Juli 2007, 14:00

    Für mich ist es schon erstaunlich, dass es noch heute 'Tuffreste' in dem Mauerwerk gibt. Deine Erklärung zu der kleinen Kirche ist wieder einmal äußerst informativ, Horst. Das Foto besticht durch schöne klare Farben und eine tolle Schärfe.
    Liebe Grüße, Hanne
  • Gisela W. 11. Juli 2007, 13:44

    eine gewohnt gute aufnahme und infos, wie man sie wohl kaum besser - und vor allem unterhaltsamer - haben kann.
    danke dafür...
    lg - gila
  • Renate Wagner 11. Juli 2007, 12:46

    macht inzwischen doch einen stabilen und sehr friedlichen eindruck ;-))
    toll immer deine informativ, aber höchst unterhaltsam gestalteten erklärungen!
    lg, renate
  • Horst-W. 11. Juli 2007, 12:15

    @Antje: Da wär ich schön blöd gewesen... ;-)
    Stürzende Linien sind ja nicht automatisch ein Fehler, sondern je nach Perspektive ganz normal, stützen und betonen die Perspektive sogar.
    Entzerren macht nur da Sinn wo es Sinn macht... ;-)))
    LG Horst
  • Antje-BS 11. Juli 2007, 12:06

    Eine spannende geschichte. Top Farben und richtig gut finde ich, das du nicht versucht hast hier etwas zu entzerren.
    LG Antje
  • Matthias Endriß 11. Juli 2007, 12:00

    Feine Aufnahme mit der Verzerrung. Und die Info dazu ist auch top. Macht Spaß, so etwas informatives zu lesen.
    LG Matthias
  • Horst-W. 11. Juli 2007, 10:55

    Waren grausame Zeiten damals... Kinder - vor allem Kleinkinder und Säuglinge - als Schutz für Bauwerke unter den Fundamenten zu begraben war häufig. Manchmal wurden sie nur da begraben, manchmal auch extra geopfert oder lebendig begraben...
  • Lilith Da Vinci 11. Juli 2007, 10:47

    interessant....
    also ich geh nich zu nem deichbau, soviel ist mal klar...

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