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Matthias Galinsky


Free Mitglied, Pfarrkirchen

In der Seilerei

Es gibt kurze Stricke und „ewig lange“ Seile. Heulseile hatten ein gutes Mittelmaß, Aufzugseile für Speicher und Baugerüste mussten einige zehn Meter messen. Für die Herstellung von Kälberstricken reichte die kleine beheizbare Werkstätte, die an einem Ende der Eder’schen Seilerhütte eingerichtet ist.

Handwerkliche Seilerei wurde zumeist im Freien betrieben. Auf Sandbänken an Flüssen und in unverbauten Stadtgräben wurden Seilerbahnen eingerichtet. Für besonders lange Taue wurde gelegentlich auch ein stadtnahes gerades Stück der Chaussee genutzt. Dem Landseiler genügte eine ebene Wiese oder ein Stück Straße vor dem Dorf.
Nur für das Brechen und Hecheln des Seilerhanfes zum Gewinnen der wertvollen Faser und für das Herstellen kurzer Stricke bei schlechtem Wetter waren Schupfen gebräuchlich: Der Landseiler richtete sich dazu auf der Tenne seines Stadels oder im Flur seines Wohnhauses ein. Etablierte Seilerbetriebe bauten sich jedoch überdachte Bahnen.
Die Seilerhütte von Pfarrkirchen ist an allen Seiten geschlossen, aber sie hat große, ursprünglich nicht verglaste Öffnungen, durch die reichlich Licht fällt. Damit auch lange Seile geschlagen werden können, ist eine Schmalseite des Bauwerks mit einem Tor ausgestattet. So kann in Verlängerung der Hütte auf die Straße und die Wiese hinaus geseilert werden.

Jahrzehnte stand die Hütte der Seilerei Eder in Pfarrkirchen ungenutzt am Seilerweg. Denn bereits im Oktober 1944 war der letzte Seilermeister gestorben. 2010 wurde die Seilerhütte ins Freilichtmuseum übertragen. Um 1924 war der 28 m lange und nur 3 m breite einfache Holzbau errichtet worden. Im Museum ist die Hütte dem Ensemble Marxensölde zugeordnet. So wird die lange Zeit gebräuchliche Kombination von Landhandwerk und bäuerlicher Selbstversorgung dokumentiert.
Vier Generationen haben die Seilerei Eder betrieben. Franz Eder, ein Zimmerer, hat den Betrieb 1838 gegründet, sein Sohn Lorenz – er war bereits gelernter Seiler – hat ihn fortgeführt. Ihm folgte ohne besonderen wirtschaftlichen Erfolg sein Sohn Josef. Dessen jüngster Sohn, der ebenfalls Josef hieß, betrieb Seilerei, Warenhandel und Geschäftsbetrieb mit großem Geschick.

Im Museum ist die Seilerei Eder voll funktionsfähig wieder hergestellt und mit allen Geräten ausgestattet. Vitrinen mit Sammlungsstücken, historische Lehrfilme, Texte und Bilder informieren über die Themen „Von der Faser zum Seil“, das „Seilerhandwerk“, die „Geschichte der Seilerei Eder in Pfarrkirchen“ und die „Geschichte der Seilerei Sachenbacher in Vilsbiburg“. Aus der Vilsbiburger Seilerei stammen einige wertvolle alte Maschinen, mit denen die Museumsseilerei nun eingerichtet ist.

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