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Im Land der Katharer (Château de Peyrepertuse)

Im Land der Katharer (Château de Peyrepertuse)

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Rainer Gütgemann


World Mitglied, Wachtberg bei Bonn

Im Land der Katharer (Château de Peyrepertuse)

Die Katharerbewegung hat die Geschichte des Languedoc in Südfrankreich im 12. + 13. Jh. stark geprägt. Im Mittelalter hatte das Weltbild der Menschen eine feste Ordnung. Wenige waren oben und der große Rest stand unten. Eine Machtverteilung, die auch dem damaligen Dogma der Kirche entsprach. Der Himmel war für Gott und das Gute reserviert, während das Böse, der Teufel, in der Hölle angesiedelt war. Da die Menschen per se Sünder waren, gehörten eigentlich auch alle dorthin.

Die Katharer glaubten daran, dass eine derart missratene Welt ihrer Meinung nach unmöglich von Gott beabsichtigt, geschweige denn erschaffen worden sein könnte. Die Konsequenz daraus war die Ablehnung des Alten Testaments, strenge Askese und die Ablehnung alles Weltlichen und der Besitz von materiellen Gütern, um sich Gott und dem Guten spirituell zu nähern.

Dieses einfache Erklärungsmodell kam bei der armen Bevölkerung des Midi sehr gut an, da sich die katholische Kirche eher durch Prasserei, Ausbeutung und Arroganz als durch geistige Führerschaft auszeichnete.

1167 waren im Languedoc bereits 4 Bischofssitze mit Katharern besetzt, in Agen, Carcasonne, Toulouse und Albi, weshalb man die Katharer auch Albigenser nennt.

Die katholische Kirche in Rom fürchtete um ihren kirchlichen + weltlichen Einfluß. Im Jahre 1209 begann der Kreuzzug gegen die Katharer, veranlasst durch Papst Innozenz III. Dieser Krieg wurde mit einer unglaublichen Brutalität geführt, alleine in der Stadt Bézier wurden 15.000 Menschen massakriert. Der letzte Katharer, Guillaume Bélibaste, starb 1321 auf dem Scheiterhaufen.

Eine der Fluchtburgen der Katharer war das oben zu sehende Château de Peyrepertuse, das in dem unwegsamen Gelände des Corbières auf einem Bergrücken liegt. Die Corbières sind Ausläufer der Pyrenäen. Weit hinter den Bergen liegt das Mittelmeer.

Aufgenommen im Juni 2005 mit Canon EOS 20 D + Tokina 4/12-24 mm.


Château de Peyrepertuse # 2
Château de Peyrepertuse # 2
Rainer Gütgemann


Château de Quéribus # 2
Château de Quéribus # 2
Rainer Gütgemann

Kommentare 14

  • Rainer Gütgemann 15. Dezember 2005, 18:40

    Danke für eure Anmerkungen. Das ist ja eine Diskussion auf höchstem Niveau, die fc als Bildungsinstitution ! Find ich ausgesprochen gut !
    Gruß Rainer
  • ruepix 15. Dezember 2005, 18:04

    Eine in Bild und Wort gelungene und äußerst interessante Dokumentation. - Die Katharer sind, ähnlich wie die Templer, in den letzten beiden Jahrzehnten zum Thema romantischer Verklärung geworden, was weniger auf den Zugang zu neuen historischen Quellen zurückzuführen ist, als auf das Erscheinen einiger Romane.
    Über die Katharer sind kaum Primärquellen vorhanden. Die Inquisition hat über die Jahrhunderte ganze Arbeit geleistet und alles vernichtet oder einkassiert, was ihr unter die Finger kam. Kurioserweise müssen also heute die ärgsten Feinde der Katharer als Zeugen herhalten: Die Inquisitionsgerichte, die penibel Protokoll über die Verhöre führten, gewähren uns heute einen Einblick in den Alltag der Katharer.
    Das Wirken der parfaits, der katharischen Priester, die in der jeweiligen Landessprache predigten, sorgte für eine der ersten vor-reformatorischen Demokratisierungen des mittelalterlichen christlichen Glaubens. Ein bemerkenswerter Zug, gerade in heutigen Zeiten, ist die formale Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Stande der parfaits. Priesterliche Frauen waren natürlich der katholischen Kirche damals noch mehr ein Greuel als heute.
    Dieser Versuch endete mit der planmäßigen Ausrottung einer mittelalterlichen Hoch-Kultur, die in Europa einzigartig war. Der Kreuzzug gegen die Katharer war der wahrscheinlich erste Genozid auf europäischem Boden, der sich nicht gegen Juden richtete.
  • Nicole Zuber 15. Dezember 2005, 11:46

    Hochinteressante Erläuterung, meisterhaft illustriert!
    Eine Aufnahme mit Tiefe und Inhalt, in allen Sinnen...

    GLG - Nicole
  • Gerontolon Müllhaupt 15. Dezember 2005, 1:43

    Die Katharer waren strenge Dualisten und deshalb von den Katholiken nur in wenigen Details, wie zum Beispiel in der Ablehnung des alten Testaments, zu unterscheiden. Ihre vom Manichäismus geprägte Theologie bestand aus einer von Gott geschaffenen geistigen und einer vom Satan unterworfenen bösen Körperwelt. Kein Grund also, den einen Irrsinn gegen den anderen aufzurechnen. Und auch die fetten Mönche und rechtgläubigen Mystiker und Exegeten des AT im Mittelalter glaubten sich Gott und dem Guten spirituell zu nähern. So traurig das Abschlachten dieser Asketen im Rückblick erscheint, ein Leben unter diesen Verrückten wäre dem Menschen des Mittelalters nicht besser bekommen als unter der Knute der vatikanischen Inquisition.
  • Rainer Gütgemann 14. Dezember 2005, 23:10

    Danke für eure Anmerkungen !
    @P.P.Schmidt: Du mußt mich verwechseln, ich schnaufe nicht. Aber es gibt Katharer-Burgen da gerate selbst ich ins Schnaufen, z.B. Montsegur im Ariège.
    Gruß Rainer
  • P.P. Schmidt 14. Dezember 2005, 22:28

    Wir hätten uns eigentlich begegnen müssen,denn wir waren um die gleiche Zeit da. Jetzt könnte ich ja gehässigerweise schreiben: Ach Du warst das, der da oben so geschnauft hat. Nein, wir sind uns ja nicht begegnet. Aber ich sehe immer wieder: Wir haben die gleichen Vorlieben. Dein Foto ist natürlich wieder 10mal besser als meins. Aber wie heißt das in My Fair Lady: "Just you wait"
    Herzl. Grüße Peter

  • Wolfgang Sh. 14. Dezember 2005, 21:02

    Tolle Aufnahme. Ich interessiere mich sehr für die Geschichte der Katharer die auch eng mit der Geschichte des Tempelritterordens verknüpft ist.
    Gruß Wolfgang
  • Stefanie Jn 14. Dezember 2005, 20:42

    wunderbar diese ausführliche und gut illustrierte Exkursion. Gefällt mir.
    LG Steffi
  • fotografci 14. Dezember 2005, 20:17

    Tole Landschaft gekonnt fotografiert. Dazu fundierte Erklärung. Prima.
    Grüße Harald
  • Werner Büttner 14. Dezember 2005, 20:14

    Starkes Foto einer grandios einsamen Landschaft!!

    lg werner
  • Doc Martin 14. Dezember 2005, 17:28

    Da hast Du Dich aber in jeder Beziehung nochmal richtig in´s Zeug gelegt, Rainer, eine sehr überzeugende Perspektive und Aufnahme..
    LG Martin
  • Rainer Gütgemann 14. Dezember 2005, 17:03

    @Erich + Marguerite: Ich stehe auf einem hohen baufälligen Turm. Von da aus ist die Aufnahme aus einer Schießscharte gemacht worden. Es ist alles enorm steil. Wie so oft kommt diese Dimension auf Fotos nicht so richtig rüber.
    Gruß Rainer
  • Marguerite L. 14. Dezember 2005, 17:00

    Gibt es da einen Turm, worauf Du gestanden hast?
    Ein wunderschöner Rundblick und eine super Erklärung zu den Oberen und den Unteren!
    Grüessli Marguerite
  • Erich Teister 14. Dezember 2005, 16:56

    perfekte erklärung und erläuterung.
    dazu passend das bild
    frage mich nur, von wo du das aufgenommen hast. hast du einen rundflug gemacht?
    gruß
    et