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................Ich habe sie lange vor mir her geschoben, die Suche nach mir selbst.

................Ich habe sie lange vor mir her geschoben, die Suche nach mir selbst.

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Gery35


Free Mitglied, Kempten (Allgäu)

................Ich habe sie lange vor mir her geschoben, die Suche nach mir selbst.

............Ich habe sie lange vor mir her geschoben, die Suche nach mir selbst.
Jetzt wo ich mich auf sie begebe, merke ich, wie wichtig sie ist. Doch
wo kann ich sie finden? In mir selbst. Also gehe ich in mich selbst
hinein, in meine Seele und finde dort hinter Spinnweben eine Kiste mit
meinem Namen drauf. Ich hole sie hervor, wische den Staub der Jahre
weg und öffne zaghaft den Deckel. Er knirscht ein wenig. Ich werfe
einen Blick in die Kiste und sehe tausende von Puzzleteilen wild
durcheinandergeworfen.
Ich setze mich hin und kippe die Kiste aus. Da liegen sie nun, die
Teile aus denen ich bestehe. Ich habe schon lange nicht mehr
gepuzzelt. Als Kind habe ich fast immer zuerst den Rahmen zusammen
gesetzt, das war am einfachsten. Also suche ich die Teile mit einer
geraden Seite und stelle fest, daß es keine gibt. Klar, ein Rahmen
bedeutet Abschluß, eine Grenze, er läßt keine Erweiterungen zu. Ich
gebe meine Suche auf und versuche Teile nach Ähnlichkeit zu sortieren,
was auch nicht so recht gelingen will, denn keines ist dem anderen
gleich und zusammen fügen lassen sie sich auch nicht nach diesem
Schema. Das wird schwerer als ich dachte. Ich muß langsam vorgehen,
Stück für Stück probieren und begreifen.
Ich schließe meine Augen und greife nach einem Puzzleteil. Es war warm
und weich zwischen meinen Fingern, es fühlt sich gut an. Es ist meine
Fröhlichkeit, tausend ewig währende Augenblicke in einem winzigen
Teil. Ich lächle und lege es ab. Das nächste Teil ist kratzig und
hart, die Oberfläche gleicht einem rauhen Stein. Es ist ein Stück der
Mauer, die ich um mich herum aufgebaut habe. Schnell lege ich dieses
Teil aus der Hand und nehme mir vor, die Mauer mit der Zeit ganz
einzureißen. So greife ich Puzzleteil für Puzzleteil und wie von
selbst fügen sie sich zusammen.
Das Teilchen Mut ist stark und unzerbrechlich, das Teilchen Angst
besteht aus Zweifel, ist dunkel und mächtig. Gleich daneben paßt das
Teilchen Schmerz aus dem Salz der Tränen. Das Teil der Leidenschaft
glüht noch in meinen Händen und ruft ein kribbeln hervor. Am
vielfältigsten sind die Puzzleteile meiner Gedanken. Sie weisen vom
tiefsten Schwarz bis zum strahlenden Weiß alle Farbmöglichkeiten und
Variationen in der Beschaffenheit auf.
Ich begegne Teilen meine Fähigkeit und stelle fest, daß es nicht
wenige sind. Es gibt auch Teile aus Wunden, manche mit einer
Narbenschicht überzogen. Die Wunden schmerzen und die Narben sind
häßlich und hart und doch gehören sie genauso zu mir, wie das
klingende Teilchen meines Lachens. Das Teilchen Stolz ist hart und
glatt, alles prellt an ihm ab, es ist unbiegsam und läßt sich schwer
einfügen. Dann halte ich das Teilchen Liebe in meinen Händen. Es ist
von stetiger Veränderung und doch in sich gleichbleibend, es
beinhaltet unzählige Bilder und ... - es ist wunderschön. Danach
kommt, was kommen muß, der Hass. Gewaltig und laut nimmt er Besitz von
mir. Und auch wenn ich ihn nicht mag, so muß ich doch zugeben, daß er
mir Kraft verleiht.
Ich entdecke Puzzleteile mit Fingerabdrücken und sehe die Menschen vor
mir, die sich hinterlassen haben, Erziehung und Freundschaft haben
mich geprägt. Die Puzzleteile meiner Träume und Wünsche sind
durchzogen von Freunden und Ängsten, sie verlangen Mut und versprechen
gar nichts und doch alles. Ich halte sie lange in der Hand ehe ich sie
dem Puzzle zufüge.
Übrig bleiben jetzt noch ein paar dunkle Teilchen, von denen ich nicht
weiß, was sie bedeuten, wie sie entstanden. Ich nenne sie Verdrängung
und fülle mit ihnen die Lücken im Puzzle aus. Eines Tages werde ich
sie begreifen.
Da liegt es nun vor mir, dieses eigenartige Puzzle. Das also bin ich,
hier und jetzt. Ich habe etwas mehr begriffen, wer ich bin, sehe
Horizonte und keine Grenzen.

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