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Was ist neu?

Frank Stefani


Free Mitglied, Farchant

Grenzen

http://frank-stefani.de

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Mit (fotografischen) Grenzen leben
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Uns sind Grenzen gesetzt, die wir nicht überschreiten können.
Wir können möglicherweise ein wenig kaschieren, aber nicht mehr.

Dieses Foto ist ein Beispiel für solche Grenzen und wie man sie
kaschieren kann. Unten links ist ein kleiner Originalausschnitt
des Mondes, der rechts im Bild - kaschiert und aufpoliert - zu
sehen ist. Der Ausschnitt gibt jemandem wie mir, der sich viel
mit der Mondfotografie beschäftigt, einige interessante Hinweise:

Die Phase des Mondes (weniger als Halbmond) ist zwar gut gewählt,
um Details entlang der Licht-Schatten-Grenze zu erkennen.

Der Zeitpunkt der Aufnahme ist aber aufgrund einer sehr unruhigen
Atmosphäre zum Aufnahmezeitpunkt eher schlecht geeignet, um ein
scharfes, detailreiches Mondbild zu erhalten: Trotz exakt scharf
gestellter Optik kommt das Bild nicht zur Ruhe und die Ränder
des Mondes wirken ausgefranst und verwaschen.

Wer sich die kleine Mühe macht mit aufgestütztem oder auf Stativ
montierten Fernglas vor einer Aufnahme die Mondränder anzusehen,
kann daran schon erkennen, wieviel er von seinen Bildern erwarten darf.
Bei den hier gezeigten Bedingungen kann man es eigentlich gleich bleiben lassen.

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Das Seeing
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Astronomen beurteilen neben der Dunkelheit des Himmels auch die
Luftruhe und nennen das "Seeing". Demnach ist das Mondoriginal bei
"schlechtem Seeing" aufgenommen. Das ist eine Gegebenheit, eine
Grenze, die man akzeptieren muss, die man nicht beeinflussen kann.
Die einzige Alternative wäre, einige Stunden oder Tage auf bessere
Verhältnisse zu warten. Das sollten Mondfoto-Willige bedenken ;-)

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Die Kür
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Hat es nun irgendwann "klick" gemacht, besteht die Kür darin, das
Bestmögliche aus dem unscharfen und verschwommenen Bild heraus zu
holen, ohne dass der Mond danach gemalt, überschärft oder verpixelt
ausschaut. Meine persönliche Auffassung ist, dass die uns zur
Verfügung stehenden Werkzeuge der EBV vor allem dann gut eingesetzt
sind, wenn ihre Verwendung im Ergebnis nicht sofort sichtbar wird.
Die EBV soll die Zielvorgabe, die durch die Qualität des Originals
vorgegeben (und begrenzt) ist, erreichen helfen. Weniger ist mehr.

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Konkrete Schritte
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Unscharfe Stellen sehen schärfer aus, wenn wir sie verkleinern!
Also habe ich den Originalmond zweimal verkleinert und dazu - vor
jedem Verkleinern - eine leichte (!) Schärfung mit Unschärfemaske
vorgenommen. Die angemessenen Parameter (Filterstärke, Radius usw.)
ermittele ich für jedes Bild individuell durch Versuche, habe aber
inzwischen schon recht gute Erfahrungswerte. Von Fall zu Fall
verwende ich zuletzt noch einen selektiven Gauss'schen Weichzeichner,
also einen Weichzeichner, der nicht das gesamte Bild bügelt, sondern
nur die Bereiche, die - abhängig von der Parameterwahl - ohnehin
schon fließende Übergänge haben. Damit wirke ich einem pixeligen
Aussehen der Flächen entgegen, ohne die gerade erzielten Kanten
wieder zu verunschärfen.

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Zum Foto
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Es war mir eigentlich zu unscharf (schlechtes Seeing!!), um es
hier auszustellen. Nun kam mir aber die Idee zu zeigen, was man
mit so einem Ausgangsmaterial noch anfangen kann. Ich hoffe, es
bringt dem ein oder anderen etwas - frohes Schaffen :-)

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Bilddaten
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Canon G2 :: Blende 2.0 :: Zeit 1/80 sek :: Brennweite 7.0 mm (Faktor 5)
Freihändig am Dobson Teleskop (ca. 30x Vergrößerung) fotografiert.

Kommentare 9

  • David Bu. 19. Mai 2005, 8:59

    Hallo Frank
    vielen Dank für die tollen Infos, die du hier geschrieben hast! Jetzt weiss ich auch, wieso mein Mondfoto nicht richtig scharf werden wollte. Dass die Atmosphäre in ständigem Wandel ist, habe ich selbst auch gemerkt. Die Detailtreue des Mondes veränderte sich stetig, ohne an der Kamera irgendwas verstellt zu haben.
    Na ja, jetzt muss ich mal auf die perfekte "Mondnacht" warten!

    LG David
  • Jürgen von den Berken 2. Oktober 2004, 19:31

    ... ebenso Danke für die Ausführungen. Sehr hilfreich !
    Weiterhin gutes Gelingen wünscht
    Jürgen

    PS: Die Astronomen kennen noch etwas gegen Luftunruhe, nämlich die Speckle-Interferometrie, aber die hat Belichtungszeiten von 0,01 - 0,05 s ;-(
  • JDR aus W. an der D. 6. Mai 2004, 9:40

    danke für die Weiterleitung dieser hochinteressanten Ausführung ;-)

    sag, willst diese Erklärungen nicht einmal zusammenfassen und als Buch rausbringen? - ist echt genial, Deine Arbeit!

    vor allem fasziniert mich die Einfachheit der Mittel, die Du einsetzt (G2 fokusiert aufs Okular!!!) ... wenn ich damit anfang, dann ist der Mond schon lange wieder weg, bevor ich die Cam eingestellt hab 8~(

    nochmals thx u. glg
    Jürgen
  • The Weather Man 14. April 2004, 16:48

    schoene darstellung!
    mike
  • Julian Stratenschulte 13. April 2004, 23:00

    immer wieder fazinierend

    Gruß Julian
  • Cornelia Schorr 13. April 2004, 22:35

    Danke für die Mühe, die du dir immer mit uns machst!!!!
    Lg conny
  • Hubert Becker 13. April 2004, 20:25

    Wie von dir gewohnt Kunst, Geschick und Vermittlung in Idealform vereint.

    Gruß
    Hubert
  • Hans-Joachim Stolzenberg 13. April 2004, 17:34

    Hallo Frank,
    viele deiner sehr guten Ausführungen sind mir bekannt, aber die Umsetzung war bisher ein Problem. Dank deiner Angaben werde ich jetzt doch noch mal mein Fotoarchiv durchkämmen und unter den oben genannten Aspekten die Bilder zur Bearbeitung auswählen.
    VG, Achim
  • Eve B. 13. April 2004, 13:49

    Hallo Frank
    so schlecht ist das foto nun auch nicht, hast du doch noch gut retten können :))
    die erklärung ist wieder klasse
    gerade das mag ich an deinen bilder
    lg aus dem harz
    eve

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