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Geheimschrift von Beatrice II

Geheimschrift von Beatrice II

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Ulrich Kirschbaum


Basic Mitglied, Mittelhessen

Geheimschrift von Beatrice II

Anbei die zweite Art der von Beatrice gesammelten Schriftflechten: Die Fruchtkörper (Apothecien) sind zwar - wei bei allen Schriftflechten - langgestreckt (lirellenförmig); dennoch sind die Scheiben, wenn auch nur als schmale Schlitze, zu erkennen. Das ist auch bei der zuerst gezeigten Graphis macrocarpa der Fall. Dennoch gibt es zu dieser makroskopisch erkennbare Unterschiede: Hier ist die Scheibe deutlich mit einem weißgrauen Reif bedeckt, teilweise auch der schwarze Rand. Des Weiteren sind hier die Enden der Apothecien +- zugespitzt, während sie bei G. macrocarpa rundlich waren. Solche feinen Unterschiede sieht man natürlich nicht, wenn man die Flechte mit bloßem Auge anschaut - es muss unbedingt eine gute (möglichst beleuchtbare) Lupe her. Im Gegensatz zu Beatrice, deren Auge bereits geschult ist, wären die meisten Menschen vermutlich am Baum vorbei gegangen, ohne auch nur die feinen Schriftzeichen zu entdecken und als Krustenflechte anzusprechen (Beatrice, mein Kompliment dafür)!
Wie schon bei der vorigen Species sind auch hier die schlitzförmigen Fruchtkörper weitgehend gerade und parallel zueinander angeordnet (dies zeigt, dass auch in diesem Fall ein Schönschreiber am Werk war).
Wenn ich die genannten Merkmale erkannt habe, ist die Bestimmung ein Kinderspiel: Es handelt sich dabei um die Pulverige Schriftflechte (Graphis pulverulenta); vermutlich heißt sie wegen des weißen, pulverigen Reifes so.



G. pulverulenta
G. pulverulenta
Ulrich Kirschbaum

Kommentare 8

  • Ulrich Kirschbaum 17. Februar 2013, 23:30

    @SeidrArt: Als ich mich vor 45 Jahren den Flechten zuzuwenden begann, sagte einer meiner amaligen Lehrmeister: Flechten kann man am besten bestimmen, wenn man sie kennt. Diesen Satz fand ich damals widersinnig - heute weiß ich, was er meinte und stimme ihm zu (und Du offenbar auch).
    @Ivonne: Es freut mich, wenn Du das so siehst.
    mfg Ulrich
  • Marianne Schön 16. Februar 2013, 23:17

    Das IST spannende und wunderschöne
    Flechtengeschichte... danke dafür.
    NG Marianne
  • Fotofurz 16. Februar 2013, 8:55

    Hallo Ulrich
    Du präsentierst die Flechten mit einer mitreißenden Leidenschaft, das es mir stets eine Freude ist.
    Deine Beiträge sind lehrreicher als die Literatur die mir zur Verfügung steht, zudem nicht so trocken.
    Bei Dir lernt man welche Flechten es gibt, wie man sie bestimmt und wie man sie gut fotografiert.
    Ich will doch mal Danke sagen.
    LG Ivonne
  • Bo Hemien 15. Februar 2013, 9:45

    Die Aufnahmequalität setzt bei mir Maßstäbe. Respekt. Schriftflechten habe ich schon oft gefunden, aber eine Determination scheint ohne weiteres doch nicht möglich zu sein. Es ist wohl auch wie in der Entomologie. Ein gewisses Maß an Felderfahrung gehört dazu.

    vG SeidArt
  • Ulrich Kirschbaum 15. Februar 2013, 9:13

    @Maria: Lichenologische Exkursionen sind dafür berüchtigt, dass sie sich nur im Schneckentempo vorwärts bewegen. Wenn dann noch jemand fotografiert, schafft man in der Regel nicht mehr als 300 m/Tag -:)
    mfg Ulrich
  • Maria J. 15. Februar 2013, 8:52

    Die Unterschiede sind deutlich erkennbar,
    aber die Botschaft scheint eine ähnliche zu sein .. ;-)
    Auch bei dieser Flechte frage ich mich, warum da plötzlich eine zum Bumerang wird ...
    und andere es nur zu kleinen Punkten gebracht haben.
    Aber wir wissen eben noch nicht alles über diesen Schönschreiber ... ,-)
    (Auf dem vorigen Bild gibt es sogar einen Fruchtkörper,
    der einen Zaun um sich herum aufgestellt hat ... ;-) )
    Du bist tief eingedrungen in das Wesen der Flechten!
    Wenn ich früher durch den Wald ging und keinen Fotoapparat dabei hatte, habe ich das oft bedauert.
    Wenn ich jetzt durch den Wald gehe,
    muss also auch die Lupe immer dabei sein ... ;-)
    Mein Leben wird immer aufwendiger ...;-)
    Wahrscheinlich werde ich nie wieder von A nach B kommen, weil es auf dem Weg dorthin viel zu viele Schriften zu entziffern gibt ... ;-)
    Da kann man ja von Glück sagen,
    dass sie nicht so häufig vorkommen ...
    und hier in Berlin schon gar nicht ... ,-))
    LG Maria
  • Ulrich Kirschbaum 14. Februar 2013, 22:57

    Werner, auch für mich waren diese insgesamt ca. 9 Stunden "Arbeit" an den kleinen Probestückchen von Beatrice ein Gewinn: Jetzt gehe ich nicht mehr achtlos an den Schriftflechten vorbei und murmele "Graphis" in mich hinein - jetzt weiß ich, dass man bei genauem Hinschauen vier Arten unterscheiden kann (möglicherweise waren auf zwei ca. 10 cm langen und 1 cm breiten Rindenstücken sogar drei Arten vertreten; bei der letzten stehen noch Fragezeichen hinter der Ansprache).
    mfg Ulrich
  • Werner Zidek 14. Februar 2013, 22:48

    Ich kann nur hoffen, daß es Dir Freude gemacht hat, die Bestimmung und Präsentation auf diese Art und Weise durchzuführen... Beatrice Erstbilder, Proben zuschicken, erstkassige Makros erstellen... Bestimmung der jeweiligen Art. Ich hatte und habe auf jeden Fall meine Freude daran, spannender, besser und lehrreicher als in einem Bestimmungsbuch. Habe dadurch viel über Schriftflechten, aber auch über die Vorgehensweise einer sehr genauen Bestimmung gelernt... danke dafür.
    Gruß Werner