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Was ist neu?

Eckhard Meineke


Pro Mitglied, Münster

Geboren

Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Ständehaus (K 21), 5. 8. 2011. Lucy Skaer: The Good Ship Blank and Ballast (after Brancusi) (Ausschnitt). Nikon Coolpix P 7000. JPEG (Fine). Brennweite 6 mm (entsprechend dem Bildwinkel der Kleinbild-Brennweite 27 mm). ISO 100. 1/41 sec f/2,8 bei Matrix-Messung mit Programmautomatik. Bearbeitung: Corel PhotoImpact X3. Bildschnitt rechts und unten. Filter Comic flach Detail 90. Gradationserhöhung mit S-Kurve Eingabe 175, Ausgabe 190. Nachschärfen des auflösungsreduzierten Bildes 20/100.

„Lucy Skaer arbeitet ortsbezogen. Mit der neuen Installation im K21 schafft sie eine Raumsituation, deren fragmentarische, offene Formsprache den Betrachter zu eigenen Assoziationen anregt. Kunsthistorische Einflüsse finden sich neben Vorbildern der Kulturgeschichte – wie etwa die Illustration aus Sebastian Brants Buch Das Narrenschiff (1492). Es spiegelt sich aber auch das Interesse der Künstlerin an ökonomischen Prozessen. Metall, Holz und Papier gehören zu ihren bevorzugten Materialien. Sie untersucht deren Eigenschaften und nutzt sie für Vervielfältigungstechniken. Die 100 Reproduktionen aus Aluminium von Constantin Brancusis Das Neugeborene (1920) werden nur für die Dauer der Ausstellung existieren und danach wieder in den industriellen Kreislauf einfließen, um zu neuen Produkten gegossen zu werden.“ (Erläuterung zur Ausstellung)












http://de.wikipedia.org/wiki/Constantin_Br%C3%A2ncu%C8%99i
http://www.kunstinfrankfurt.com/BrancusiBilderNeugeborenes.htm

"Im Jahr 1915 fertigte Brâncuși eines seiner bedeutendsten Werke, Le Nouveau-Né I (Der Neugeborene I). Die in Marmor gefertigte ovale Skulptur zeigt den Kopf eines Neugeborenen mit weit aufgerissenem Mund, das nach Luft schnappt. Der Bildhauer selbst drückte es folgendermaßen aus: „Die Lungen werden mit Luft angefüllt, das Dasein eines neuen Wesens auf dieser Erde wird erkennbar, mit all seiner Lebenskraft und seiner Angst vor den Mysterien.“ Und weiter: „Die Neugeborenen sind verärgert bei ihrer Geburt, da man sie gegen ihren Willen zur Welt bringt.“" (Wikipedia)

Kommentare 56

  • Eckhard Meineke 8. Dezember 2015, 11:13

    Durch den Comicfilter etwas abstrahiert ... vor allem der wenig fotogene Fußboden allerdings. HG, E.
  • Rob Nagelhout 8. Dezember 2015, 6:49

    Good impression of original art
    Gr. Rob
  • Eckhard Meineke 22. Mai 2015, 9:40

    Ja, der Comicfilter zeigt oft das Wesentliche. ;-) HG, E.
  • Rob Nagelhout 21. Mai 2015, 16:19

    Intriguing and very original abstract
    gr.Rob
  • Eckhard Meineke 21. Oktober 2011, 16:58

    Nun gut, liebe Seabine, wenn Du durchaus Verbesserungsvorschläge willst .... gern. Lernen: Man lernt nie aus, auch nicht nach 50 Jahren Fotografie. Eckhard
  • Sabine Hanse 21. Oktober 2011, 12:03

    Moin Eckhard. Mir wären technische / kreative Verbesserungsvorschläge/Anmerkungen auch lieber als "schönes Bild" Kommentare (wobei mich letztere natürlich auch sehr freuen, aber die kann ich mir bei Facebook abholen). Aber ich kann schlecht von anderen erwarten, was ich selbst (noch?) nicht leisten kann.
    lg Sabine
  • Eckhard Meineke 20. Oktober 2011, 19:21

    Liebe Seabine, leider läßt sich ja in der fc kaum jemand über die Technik aus. Das Original ist eher deprimierend. Eckhard
  • Sabine Hanse 19. Oktober 2011, 21:14

    Nach so ausführlichen Kommentaren trau ich mich (fast) nicht mehr, nur zu schreiben, dass mir das Foto sehr gut gefällt und dass ich mich bei Kerstin Stolzenburg für die Links bedanken möchte, da ich ansonsten sicher zu faul gewesen wäre, nach dem Kunstwerk z.B. zu "googeln". Egal, Augen auf und durch: ein schönes Foto, das mir besser gefällt als die originalgetreuen Ablichtung. Es war mir schon als Minibild ins Auge gefallen. Zu den Techniken kann ich als Laie mich nicht äußern. Aber das Ergebnis spricht mich an.
    lg
    Sabine
  • Eckhard Meineke 16. September 2011, 21:53

    @ Kerstin (Besprechung): Liebe Kerstin, die im Internet verfügbaren Bilder sind der Realität des Augeneindrucks viel näher als die hier gezeigte Bearbeitung, bei der ich besonders darum bemüht war, dem gezeigten Ausschnitt der Installation eine größere Leuchtkraft zu geben.

    Die Kopfplastik als solche ist dabei nichts grundsätzlich Neues, aber es gibt öfters die Rumpfplastik, bei der der gesamte Oberkörper dargestellt wird. Oder die Ganzkörperplastik. Daß dabei Rodin zum Impressionismus gerechnet wird, finde ich erstaunlich. Als Urform zur Darstellung des Menschen wie zur Symbolisierung der Auferstehung ist das organische Ei im Gegensatz zu geometrischen Formen wie der Kugel weitaus besser geeignet. Wenn Brancusi die Eiform auch im Universum sieht, ist das seine Interpretation, der nicht ohne weiteres gefolgt werden kann.

    Da der Babykopf Brancusis einen perfekten Archetyp darstellen soll, erscheint mir der Gedanke, daß es vielleicht besser wäre, wenn die hundert Plastiken jeweils individuelle Züge trügen, nicht zwingend. Als Archetyp abstrahiert die Darstellung ja von den jeweils individuellen Eigenschaften. Die individualisierten Köpfe hätten dann auch nichts mehr mit Brancusi zu tun. Hier steht die Gleichförmigkeit also für das prinzipiell Gleiche in jedem Menschen, glaube ich, nicht für die Manipulierbarkeit durch die Matrix.

    Wie Du bin ich nicht der Auffassung, daß sich aus der Darstellung einer Masse von Dingen bereits etwas Künstlerisches ergibt. Bei der Masse geht es eher um diesen merkwürdigen Rausch, der mit der Abgabe der individuellen Entscheidung einhergeht, und dem nicht selten ein böses Erwachen folgt.

    Leider ist der Titel der Skulptur ebenso „offen“ wie die mögliche Intention der Künstlerin, ein Kunstgriff, der eine eindeutige Festlegung auf ein Thema vermeidet und fast jedwede Interpretation ermöglicht. Im Netz steht dazu fast nichts; wir scheinen die einzigen Leute zu sein, die sich darum Gedanken machen ;-). Immerhin ist in der Installation ein Schiff zu sehen, und zwar in Gestalt einer Szene aus dem „Narrenschiff“ von Sebastian Brant, in dem bekanntlich der Menschheit der Spiegel ihrer Narretei vorgehalten wird. Was nun aber blank ‚Rohling’ und was Ballast sein soll, wird damit noch nicht deutlich. Eine der Fotografien der hundert Reproduktionen trägt ja den Titel „Ballast“, aber hat die Fotografin wirklich abschließend nachgedacht?

    Unzweifelhaft kann man Neugeborene als Rohlinge betrachten, indem der neugeborene Mensch zwar eine Menge Anlagen in sich trägt, aber erst zum Menschen geformt werden muß. Dabei muß gewiss auch viel Ballast abgeworfen werden ... damit der Mensch nicht selbst zum Ballast wird. Als Einzelner in seiner verbliebenen Rohheit für die anderen Menschen. Oder als die Menge Aller, der Ballast auf dem Good Ship, der Erde, die Narren, die die Welt zum Narrenschiff gemacht haben. Werden viele von uns vom Rohling zum Ballast? Oder wir alle?

    Denn der Mensch in der gegenwärtigen Phase der Überbevölkerung ist für das Ökosystem der Erde eine nicht gerade unproblematische Erscheinung. Endlos wird die Erde uns nicht ernähren können, auch wenn der Prozeß der Nahrungsgewinnung und -verarbeitung optimiert wird. Vor einigen Tagen ging die Meldung durch die Presse, daß bei der Nahrungserzeugung ein Drittel bis die Hälfte der erzeugten Lebensmittel auf dem Abfall landet.

    Die schöne Engführung auf die Gruppe 47 zeigt, wie das Kleine das Große oder Prinzipielle spiegelt. Auch in den Einzelakteuren, etwa Grass oder Ingeborg Bachmann.

    Nun, was den Zusammenhang zwischen den Werken der beiden Künstler Brancusi und Skaer betrifft, wird ihn Skaer am besten kennen. Meine eigene Meinung habe ich bereits angedeutet. Wichtig erscheint mir noch der Aspekt des Wiedereinschmelzens der hundert Plastiken nach dem Ende der Ausstellungszeit. Der amerikanische Autor Bill Bryson hat in seiner ebenso amüsanten wie lehrreichen „Kurzen Geschichte von fast allem“ sinngemäß geschrieben, es sei doch ein großes Wunder, daß sich einige Milliarden Zellen für eine gewisse Zeit zusammentäten, um ein noch größeres Wunder zu schaffen: den Menschen. Jeder weiß, daß diese Zeit bemessen ist, und daß die Schönheit der Geburt an dieser Tatsache nichts ändern kann. Die Begrenztheit des Lebens gibt ihm aber vielleicht erst diesen ungeheuren Wert, den es gewiß nicht hätte, wenn für alles unendliche Zeit bliebe.



    Ich schreibe diese Erwiderung doch schon jetzt. Man kann ja weiter über das Problem nachdenken. Es ist damit nichts Abschließendes gesagt. Eckhard
  • Eckhard Meineke 12. September 2011, 20:37

    Hier kannst Du nach Herzenslust schreiben ;-). Eckhard
  • Kerstin Stolzenburg 12. September 2011, 18:47

    Lieber Eckhard, von Schuld im Sinne von Schulden kann hier ja überhaupt keine Rede sein ;-)) ... höchstens von Schuld in Bezug auf Neugierigmachen auf manche, die in deinen Bildern zu entdecken sind und über die man manchmal einfach gern nachliest bzw. nachdenkt. Nur leider passen solche Überlegungen dann nicht immer in drei Zeilen ... ;-).

    Kerstin
  • Eckhard Meineke 11. September 2011, 20:00

    Liebe Kerstin, gut, daß man sich in der fc nicht jeden Tag über nicht satisfactionsfähige Leute ärgern muß, sondern immer wieder einmal wunderbare Besprechungen genießen darf, so wie diese. Leider türmt sich da eine Schuld auf, die ich gar nicht abzahlen kann, wenn Du nicht auch wieder einmal ein Bild einstellst. Die eigentliche Antwort kommt etwas später. Eckhard
  • Kerstin Stolzenburg 11. September 2011, 14:13

    Lieber Eckhard, zunächst einmal möchte ich sagen, dass die Bildbearbeitung hier, speziell der Einsatz des Comic-Filters, für die Aufnahme eine Bereicherung darstellt. Ich habe einmal im Internet nach dem Kunstwerk gegoogelt, da ich es im Original noch nicht sehen konnte, und auch einige Abbildungen gefunden, die eine Installation zeigen, die mich letztlich weitaus weniger berührt, als es dein Foto vermag. http://www.flickr.com/photos/m00k/5564855221/
    Durch die Bearbeitung des Fotos sind diese 47 Objekte Lucy Skaers dem Neugeborenen Brancusis wie aus dem Gesicht geschnitten, jedenfalls soweit ich das anhand der Bilder beurteilen kann, heben sich jedoch aufgrund des Bildschnittes, des Leuchtens, der Lichtpunkte und der goldfarbenen Anmutung aus der ursprünglich aluminiumgrauen Masse der hundert gleichen ‚Köpfe’ heraus. http://www.doggerfisher.com/uploads/pictures/1447_large.jpg http://www.kunstinfrankfurt.com/BrancusiBilderNeugeborenes.htm
    Lucy Skaer verfolgte mit ihrem Werk vermutlich einen völlig anderen gedanklichen Ansatz als Brancusi mit seinem Neugeborenen. Wie bei deinem Bild „Das Glashaus“ sieht man in „Geboren“ zwar sinnbildlich zunächst auch ein ‚Haus‘ bzw. eben eine zugrundeliegende Form, allerdings hat auch sie sozusagen zwei Gesichter. Das unter dem Bild verlinkte Wikipedia-Zitat des Künstlers „’Die Lungen werden mit Luft angefüllt, das Dasein eines neuen Wesens auf dieser Erde wird erkennbar, mit all seiner Lebenskraft und seiner Angst vor den Mysterien.’ ... ‚Die Neugeborenen sind verärgert bei ihrer Geburt, da man sie gegen ihren Willen zur Welt bringt.’“, drückt die Überlegungen, die Brancusi zu seiner Arbeit bewogen haben dürften, jedenfalls sehr gut aus.

    Zu sehen ist bei ihm eine auf das absolut Wesentliche konzentrierte und reduzierte Kopf-Figur, die in sich zugleich die Darstellung eines natürlichen biologischen Vorgangs sowie einer sich ständig wiederholenden Reproduktion vereint, die aber auch den Versuch unternimmt, die Vorstellung vom Werden, vom immer wieder Neuen und die damit verknüpfte Hoffnung ohne Schnörkel und überflüssigen Ballast in einer völlig abstrahierten Form zu erfassen und zu zeigen.

    Nachdem Brancusi den Naturalismus des 19. Jahrhunderts für seine eigene Entwicklung ebenso verworfen hatte wie beispielsweise auch Rodins Impressionismus, Maillols Sensualismus und den Intellektualismus der Kubisten (Quelle: Ecole de Paris. Gesammelte Aufsätze aus der Zeitschrift "die Kunst" 1983-1988 von Wolfgang Sauré), suchte er intensiv nach einer Möglichkeit der plastischen Gestaltung der Essenz des Seins, einer reinen Form bzw. einer nicht weiter reduzierbaren Urgestalt. Sein reflektierendes und intuitiv immer weiter vorgetriebenes Vereinfachen der bildnerischen Gestalt hatte zum Ziel, schöpferische Ursprünglichkeit sowie makellos geläuterte Form zu einer zeitlosen, in sich ruhenden Einheit zu bringen und damit die Skulptur zum dingfernen Symbol von Wesensdingen zu erheben, zur Trägerin zeitloser Seinswahrheiten. http://books.google.de/books?id=3aYaZ28v7RUC&pg=PA130&lpg=PA130&dq=brancusi+neugeborene&source=bl&ots=yl17uIicQt&sig=BZ82uge0jnaly2RkkP8u4VvK4IU&hl=de&ei=0-lXTvfzA43ZsgaMtYndCg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2&sqi=2&ved=0CDgQ6AEwAQ#v=onepage&q=brancusi%20neugeborene&f=false
    Brancusi arbeitete damit wohl unablässig an einer Stilisierung, „die in der Befreiung der Idee des Menschen vom Menschen selbst enden soll.“ Dieses Streben nach der vollkommenen Form des Menschen, der wie eine platonische Idee erscheint, findet im ständigen Abschleifen, Polieren und unermüdlichen Glätten seinen Niederschlag.“ http://www.ekd.de/vortraege/weitere/0511_bahr_henry_moore.html
    Der Bildhauer fand im Ei, in seiner Einfachheit, Natürlichkeit und Vollkommenheit, in der nicht mehr teilbaren Größe, mit seinen Deutungsmöglichkeiten im Hinblick auf Archetypen, auf Kometenbahnen usw. , die Form, nach der er suchte. „Im Ovoid, das Brancusi aus einer Kopfform entwickelt hat, indem er ihr allmählich die Gesichtszüge und damit jedes Moment der Individualität verschliff, meinte er die Urform des Lebens, ja des Universums in einem Gleichnis gefasst zu haben. Das verraten schon die Titel, die er seinen eierformigen Skulpturen gab: Das ‚Neugeborene’ und ‚Der Weltenanfang’.“

    Dass das Ei als weibliche Fortpflanzungszelle vielzelliger Lebewesen, das alle für die Entwicklung notwendigen Anlagen enthält, in den Mythen der Völker, in religiösen Vorstellungen und in der Geschichte der Kulturen zum Symbol der Fruchtbarkeit, des Lebens wurde ¬- allgemein gilt in der europäischen Kunstgeschichte das Ei, das äußerlich hart wie Stein erscheint, tot, leblos, kalt ... und doch das Leben beinhaltet, auch als Symbol für die Auferstehung -, scheint sich fast zwangsläufig aus dieser biologischen Funktion zu ergeben. Als Motiv und Symbol muss es deshalb auch für Künstler immer schon eine große Bedeutung gehabt haben.
    „Das Neugeborene“ in seiner Stilisierung des beginnenden Lebens macht Brancusi „zu einer Metapher für die Hoffnung“.

    Mit diesen Gedanken wechselt mein Blick wieder auf das Kunstwerk von Lucy Skaer. Hier sehen wir nicht nur diesen einen stilisierten Kopf, sondern einhundert von ihnen (im Gesamtkunstwerk) bzw. 47 (in deinem Bild). Wozu brauchen wir aber einhundert so wunderbar auf das Wesentliche reduzierte, stilisierte Köpfe, wenn sie sich doch in ihrer völlig abstrakten Form exakt gleichen (müssten)? Hundert verschiedene Köpfe wären einleuchtend, da sie verschiedene , Altersstufen, Zustände darstellen könnten … aber hundert gleiche Köpfe, die wie geklont erscheinen?
    Es gibt sie in der Form nicht in der Natur und es gibt sie so makellos geschliffen eigentlich auch nicht einmal symbolisch, selbst wenn man sie sich in eine gleichmachende Matrix eingebunden vorstellen könnte oder hier u.a. an Brechts Geschichte der denken wollte, über die ich gestern bei Deutschlandradio Kultur einen interessanten Beitrag („Der erfundene Muslim“) mit einer anderen, aber nicht neuen Sicht der Dinge hörte (Da das Manuskript urheberrechtlich geschützt ist und ohne Genehmigung nicht verwertet werden darf, verlinke ich es an dieser Stelle nicht; man kann es aber herunterladen.). Es gibt ihn nicht, DEN guten oder DEN bösen Menschen, DEN Deutschen oder DEN Angehörigen einer Religion, DIE Frau oder DEN Mann, DAS Kollektiv … Der Mensch war bislang glücklicherweise immer noch in der Lage, das Individuelle, Einzigartige in seinem Leben zu erkennen, um sich nicht völlig von vereinnahmen zu lassen. Was natürlich zu denken gibt, und da könnte man einen Ansatz sehen, ist der häufig unreflektierte Umgang mit den Bereichen Medien, Werbung, Konsumwirtschaft … beispielsweise …, in der Mensch durchaus gelenkt werden soll bzw. gelenkt wird, dies aber nicht selten wissentlich auch zulässt, solange es ihm nur wirtschaftlich gut geht.

    Da fallen mir an dieser Stelle auch die Paletten mit Ü-Eiern ein, die seit Jahren fester Bestandteil der Ausstattung des Zugangs vieler Kassen der Supermärkte sind. Auch da liegen gestapelt zu Hunderten gleiche Eier herum, von denen man aber weiß, dass im Inneren (serienmäßig) immer eine andere Überraschung lauert, die den (darauf noch) neugierigen Mitmenschen bzw. seine Eltern zum Kauf verleiten sollen. Vermutlich ruft die Idee aber inzwischen bei den meisten Leuten, die das Kindesalter zwischen drei und sechs Jahren überschritten haben bzw. die sich nicht zum festen Kern der Sammlergemeinde zählen, auch nur noch ein müdes Gähnen hervor. Die massenhafte Darstellung absolut gleicher Eierköpfe bei Lucy Skaer erscheint mir in ihrer Symbolik allerdings doch zunächst etwas überhöht. Und trägt die ovoide Form bei ihr einen Hoffnungsaspekt?

    Dass „massenhaft“ aber doch immer wieder ein gern genommenes Motto im künstlerischen Bereich ist, zeigte sich auch kürzlich im Forum der CHIP Fotowelt, die sogar einen Wettbewerb („Haufenweise“) zu dieser Thematik veranstaltete, bei dem man – äußerst kreativ! ;-) – massenhaft Glühbirnen, Kaffeebohnen, Reißzwecken, Sandkörner, Luftballons, Krabbeltiere … usw. zu sehen bekam. Auch hier erschloss sich mir der Sinn nicht ganz, aber vielleicht muss man die Dinge einfach mit einem nichtreflektierenden Blick der Ästhetik betrachten.

    Nun hat das Kunstwerk von Lucy Skaer aber zumindest einen Titel, der manchem der ästhetisch ansprechenden Kaffeebohnen-Luftballon-Fotos schlichtweg fehlt. „The Good Ship Blank and Ballast (after Brancusi)“ erscheint einem allerdings genauso geheimnisvoll wie das Kunstwerk selbst bzw. das Kunstwerk mit dem Titel noch ein wenig rätselhafter. Über die Gedanken der Künstlerin zu ihrer Installation kann man im Internet leider nichts erfahren, so dass man mit Titel und den vervielfältigten Brancusi-Neugeborenen erst einmal allein ist. Beim Googeln erfährt man nur so viel, dass Lucy Skaer gern bedeutungsoffen und mit Übertragungen arbeitet und ihre Arbeiten, die sich oft an bereits Dagewesenem orientieren, in einen neuen Kontext stellt. „Den Prozess der Übertragung spielt sie in verschiedenen Medien durch und untersucht dabei die Veränderung von kulturellen Bedeutungen und ökonomischen Werten.“ http://www.stylemag-online.net/2009/04/27/lucy-skaer-kunsthalle-basel/ „‘Die 1975 in Cambridge geborene Lucy Skaer arbeitet in diversen Medien wie Zeichnung, Skulptur, Video, Fotografie.‘ … Skaer [nützt] die Bedeutungsoffenheit ihrer Arbeit als Transportmittel für Verwandlungsprozesse. ‚In Lucy Skaers Arbeit findet eine Bewegung statt vom festen Zustand zum flüssigen und wieder zurück, eine orphische Transformation von einem unkultivierten, wilden Zustand der Dinge zu definierten Formen, die ihren Bestimmungsort gefunden zu haben scheinen, wenn auch nur für einen Moment‘ (Adam Szymczyk). … ‚ In Skaers Kunst ist ein Objekt oder Bild, unabhängig davon, wie sehr sein Ursprung in den Medien oder der Kunstgeschichte verwurzelt ist, der Zeit enthoben, weil die Geste von der Handlung losgelöst ist.‘“ http://www.artheon.de/artikel/items/lucy-skaer-a-boat-used-as-a-vessel.html
    Tja, auch wenn ich der Kunst im Allgemeinen sehr aufgeschlossen gegenüberstehe und gern Neues gelten lasse, stelle ich mir doch manchmal eine über Funktion und Art der … Hier muss ich vielleicht einmal einen schlauen Ausstellungskatalog lesen oder auf die Erklärung eines kompetenten Kunsthistorikers warten, der es versteht, neben vielen Worten auch eine verständliche Erklärung zum Werk abzugeben.

    Aber deine Aufnahme ist ja zum Glück keine reine Ablichtung der Installation, sondern eine ganz eigene Arbeit mit eigenen Aussagen. Interessanterweise nutzt Du dabei aber genau den Ansatz von Lucy Skaer (oder sie deinen, wenn auch unwissentlich ;-)), bereits vorhandene Kunstwerke in einen neuen bzw. anderen Kontext einzubetten. Die Sache mit dem Link http://fc-foto.de/10821337 als eine mögliche Betrachtungsebene ist natürlich sehr schön! ;-) (Danke!)

    Nun, einmal geboren und aus dem behütenden, aber auch umschließenden Glashaus herausgetreten, wird man seinen Weg hoffentlich immer mit dem Blick der Sehnsucht beginnen (können) oder weitergehen (können). Vermutlich würde das dann auch die Sichtweise erlauben, dass ein Individuum einzeln oder alle gemeinschaftlich an einen Strand gespült wurden. Glücklicher Zufall (? ... man möchte es bei dem goldenen Glanz der eiförmigen Gebilde gern glauben :-)) oder „Displaced“, wie es vielleicht für das Blatt auf dem eisernen Gullideckel zutrifft … es sind eben nur ein Gullideckel, von dem man nicht wissen kann, was sich etwas unter ihm verbirgt und ein einfaches Blatt … Aber auch Blätter bzw. ihre Untergründe reagieren nicht immer so, wie man es von ihnen erwartet, je nachdem, wie der Traum vom Leben oder vom Lebensabschnitt aussieht und welche Umsetzungsmöglichkeiten die Matrix bietet bzw. das Individuum in der Matrix es zulassen kann und/oder will. Und so wird eine Traumreise entweder nur ein geträumter, aber nicht realer Lebensweg sein, ein , in einem enden, oder aber in seiner anderen symbolischen Bedeutung tatsächlich zum Aufbau des wirklichen Lebens gehören. Wer kann das wissen?… Das könnte man romanhaft vertiefen! ;-))

    Was die Mitglieder der anderen Gruppe 47 betrifft, so war eine wohlwollene Aufnahme ihrer Texte in dieser Gemeinschaft bzw. gar eine Auszeichnung, also der „Preis der Gruppe 47“, jedenfalls durchaus wie ein goldenes Ei zu betrachten und die Geburtsstunde der einen oder anderen Schriftstellerkarriere. Ein wenig ging es, vor allem in der Anfangszeit, auch um eine Art Schöpfungsakt, um eine Erneuerung des deutschen geistigen Lebens. Auf die Nachkriegsliteratur bezogen, könnte man es als ‚neugeboren‘ bezeichnet: „ Die literarische Moderne, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt hatte, ehe sie während der Zeit des Nationalsozialismus verbannt und verbrannt worden war, lebte in der Gruppe 47 neu auf.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_47

    Soweit einmal ein paar fragmentarische Gedanken zu deinem Bild. Einen plausiblen Zusammenhang zwischen Brancusis und Skaers Werken habe ich für mich allerdings noch nicht finden können.

    Kerstin
  • Eckhard Meineke 3. September 2011, 22:47

    Lieber KD, die Kuh Yvonne war doch viel wichtiger. Und was aus Herrn Westerwelle



    wird. Und die Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Und das Spiel gegen Österreich. Eckhard
  • Karl-Dieter Frost 3. September 2011, 20:35

    ... der gute Herr Knöbel (ich habe gegoogelt, lieber Eckhard) - Minimal-Art eben! :-))
    Zum Schluss Deiner vorstehenden Erwiderung: Mich schockiert, wie schnell das Thema der Hungersnot in Ostafrika wieder aus dem Fokus der Medien verschwunden ist. Alle satt? Wohl nur die Nachrichtenempfänger! Aber so ist sie, unsere schnelle Welt!
    KD
  • Eckhard Meineke 2. September 2011, 10:55

    Moin, lieber KD! Habe gerade eine Seminararbeit über die Struktur des Neuniederdeutschen korrigiert; da paßt der Gruß sehr gut! - Zur Kunst gehört's ja, daß der Betrachter sich eigene Gedanken über das von der Künstlerin möglicherweise Intendierte oder auch nicht Intendierte hinaus machen kann und soll, auch ist sich ja der Künstler im Unterschied zum Kunstprofessor seines in ihm wirkenden dunklen Dranges nur teilweise oder gar nicht bewußt; eine gute Sache für die Kunstwissenschaft! Eigentlich ist insoweit der beste Künstler derjenige, der sich zu seinem Werke gar nicht äußert und den schnöden Pöfel über des Werkes Bedeutung räsonnieren läßt (weshalb ich auch kein Künstler bin ;-)))). Als IMI Knöbel einmal den Ehrendoktor der Friedrich-Schiller-Universität erhielt, betrat er zwecks Haltung einer Dankesrede die Bühne und sprach also: „Ich fühle mich geehrt!“ Sprach's und ging. Das ist wirkliches Künstlertum.

    Soweit zu unseren Luxussorgen. - Was das Kleinkind und sorglose Eltern betrifft, so las ich letztens, daß ein Kleinkind aus einem 70 Grad heißen Auto befreit wurde; die Mutter war einkaufen. Das dürften aber absolute Ausnahmen sein; hierzulande wird doch den Kindern überwiegend größte Liebe entgegengebracht. Schlimm ist es dort, wo zwar Liebe da ist, aber keine Nahrung und kein Wasser, wie jetzt in der vielbesprochenen Region Afrikas. Dort und anderswo werden ja auch die Probleme gemacht, die der Flutcharakter des Bildes andeutet. Wir sind jetzt bei sieben Milliarden Erdlingen. Eckhard
  • Karl-Dieter Frost 2. September 2011, 10:04

    Moin, lieber Eckhard! Ohne Deine Verlinkung und einen Überflug über die vorstehenden Anmerkungen wäre ich mit Bild und Titel auch etwas hilflos geblieben. Statt schreiender Babygesichter hätte ich eher aufgebrochene Eierschalen assoziiert - aber vielleicht ist ja auch das nicht ganz daneben, wenn in der Ausstellungserläuterung das Anregen eigener Deutungen durchaus erwünscht ist. Nun ist das Geborenwerden so oder so ein recht anstrengendes Erlebnis, das die meisten zum Glück nicht wirklich in Erinnerung behalten. Der ins Leben führende Schrei wird allerdings auch nicht der letzte sein. Und wenn es aus unserer doch recht „privilegierten“ Erfahrungswelt mit vielen Annehmlichkeiten verbunden ist, bleibt das, was kommt für viel zu viele ein Jammertal.
    Da ist die heutige Nachricht, dass ein junges Paar ihr Kleinkind für Stunden im Kofferraum eingeschlossen hat, nur um ein Konzert mitzuerleben, zwar eine grausame Nachricht, die aber von der Realität noch um vieles überboten wird.
    Dennoch hat uns die Natur die Kraft zum Kampf ums Überleben gegeben. Nutzen wir diese und machen wir das Beste aus dem Angebot!
    Gruß KD
  • Eckhard Meineke 28. August 2011, 12:43

    @ Michael: Lieber Michael, noch einmal zum Kunstmarketing … in einem Land, in dem jährlich viele Studenten an Kunstakademien ausgebildet werden, gibt es auch viel Kunst. Ich erfreue mich ja jedes Jahr an dem Rundgang der Münsteraner Kunstakademie, bei dem es die Werke der werdenden Künstler zu bestaunen gibt. Bei Gelegenheit einer Fotografie, die aufgrund der Intervention der unflätig keifenden „Künstlerin“ wieder aus der fc entfernt werden musste, hatte ich sogar „Gelegenheit zum persönlichen Kontakt“. Da sieht man neben zweifelloser Originalität gewiss auch viel Epigonentum und veritablen Murks. Da sich die Kunst einer völlig rationalen Beurteilung entzieht, ist natürlich logischerweise die Möglichkeit gegeben, irgendetwas, was letztlich vermarktet werden soll, durch entsprechende „Beschwätzung“ zu etwas zu machen, was es vielleicht gar nicht ist. Die Erläuterung zu dem hier fotografierten Teil einer Installation liegt leider auch auf dieser Ebene. Letztlich wird sich aber auf dem Markt das durchsetzen, was von den Interessierten für Kunst gehalten wird ;-). Und wenn ab und zu eine gefälschte „Sammlung Jägers“ auftritt, ist das wieder ganz heilsam. Eckhard
  • Eckhard Meineke 28. August 2011, 12:33

    Lieber Erhard, durch die starke Abstraktion der Babykopfplastik Brancusis kommt man erst nach etwas „Einsehen“ auf die darstellerische Absicht. Hier bei meinem Bild ist die Wirkung des aufgerissenen, schreienden Mundes durch die Bearbeitung verstärkt worden. Deine Interpretation, dass hier sowohl Bedrohliches als auch Schönes assoziiert werden kann, finde ich sehr ansprechend. Die Geburt eines Kindes ist zweifellos etwas sehr Schönes, auch wenn sie dem Kind selbst nicht unbedingt gefallen könnte. In der Masse ist sie aber auch eine Bedrohung; dass die Erde überbevölkert ist, dürfte keinem Zweifel unterliegen. Wir in Deutschland tragen zu diesem Problem allerdings nichts bei. Nicht zu diesem Problem. Eckhard
  • Erhard Nielk 27. August 2011, 11:29

    vom titel selbst konnte ich keine schluss-
    folgerungen für mich ableiten.
    ich habe mir den link angesehen und
    verstehe jetzt die absicht des künstlers.
    durch deine bildbearbeitung mag der
    gesamteindruck stimmen, die skulptur
    allerdings hat wenig ähnlichkeit mit dem
    original. bei mir entsteht der eindruck
    einer unendlich bedrohlichen invasion,
    der durch den bildschnitt noch verstärkt,
    durch das licht aber wieder weniger
    bedrohlicher wirkt.

    was für mich aber interessant ist, ist
    deine bildbearbeitung, die schaffung
    eines neuen wekes vom kunstwerk.
    und genau das gefällt mir ausgezeichnet.
    ........................................lg erhard
  • Eckhard Meineke 26. August 2011, 16:40

    Lieber Michael, ich bin ganz deiner Meinung (antworte noch ausführlicher), was das Kunstmarketing betrifft. Mittlerweile kann man sich vor "Kunst" an jeder Straßenecke kaum noch retten. Eckhard
  • Michael Jo. 26. August 2011, 12:18

    hätten diese ' Eier' noch einen Körperanhang
    mit Krabbelextremitäten,
    ich könnte hier frisch geschlüpfte Schildkröten
    (oder dgln.) sehen, die sich schleunigst - und
    angeborenem Instinkt folgend - Richtung Meer bewegen.
    Die Assoziation mit Lemmingen läge auch nicht
    so fern.
    Diese Künstlerin befasst sich also mit den Materialien
    und deren Struktur(en); das hebt sie zumindest vom Gros der ' Raumgestalter' ab !
    Zu den meisten Performances, Rauminstallationen ect.:
    bin da sehr gespalten, was deren ' Aussage' betreffen soll, geschweige denn die Schöpfer dieser temporären (?) Werke damit ' im Schilde führen' ...
    Denke ich z.B. an den knalligen Infantil-Pop
    eines Jeff Koons (selbsternannter ' Künstler' - okay:
    hier nicht vergleichbar !), so einiges Documenta-Gedöns (2x dort gewesen, bin nun gesättigt ..) ...,
    da frage ich mich schon des öfteren, ob diese Macher
    nicht hauptsächlich ihre (potentielle) Popularität im
    Hinterkopp haben und danach alles zurechtbiegen,
    zusammen mit einem geschäftigen Markt aus Galeristen, Kuratoren und Verlagen ...?!

  • Eckhard Meineke 22. August 2011, 21:12

    Lieber Uli, das Licht ist von mir. Im Original sah das ganze eher nach Kunstwollendendaseinsamateurtum aus. ;-) Eckhard
  • UK-Photo 22. August 2011, 20:12

    Das Licht macht die Sache erst richtig interessant, lieber Eckhard! HG Uli
  • Eckhard Meineke 20. August 2011, 18:39

    @ Stefan: Lieber Stefan, das Kunstwerk erschließt sich einem nicht auf den ersten Blick, vor allem nicht, wenn man erst später erfährt, dass das Vorbild für die „Eier“ die Kopfplastik eines quäkenden Babys von Constantin Brancusi ist. Da sich „Alien“ in unserer Generation in die Gehirne gebrannt hat, liegt die Assoziation durchaus nahe, hat allerdings – wie zu erwarten – mit der Bildintention nichts zu tun. Allerdings waren die Aliens ja auch nur Tiere, die wie alle anderen ihr Lebensrecht verteidigten … wir würden mit den Sauriern auch nicht auskommen, wenn es sie noch gäbe ;-). Eckhard

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