Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Werbefreiheit? Jetzt Premium werden!
Was ist neu?

K. Nafets


Free Mitglied

Freilandgrenzmuseum Sorge

Im Oberharz gibt es einen ganz kleinen Ort, der heisst Sorge.
In Sorge wurde mein Vater geboren und verbrachte dort wie ich glaube, eine wirklich sorgenfreie Kindheit.
Doch diese Kindheit war schnell zu Ende, denn mein Vater zog früh in die Welt um einen Beruf zu erlernen. Tatsächlich verbrachte er dann den grössten Teil seiner Jugend in den Weiten Russlands und als der Krieg vorbei war, lag Sorge im östlichem Teil des Harzes, mein Vater blieb aber im westlichen.

Je älter mein Vater wurde, desto häufiger erzählte er von seiner Kindheit in Sorge. Er fuhr mit uns zur Wurmbergschanze in Braunlage und zeigte von oben in die Richtung, wo er sein Sorge sah, wir Kinder aber sahen nichts und wussten nur, dass dort unten die Zonengrenze lief und hinter der Grenze ein unbekanntes Land anfing, das wir nicht kennenlernen wollten.

Mein Vater hat Sorge nie wieder gesehen.

Vor kurzem war ich mit meinen Kindern in Sorge gewesen. Ich habe ihnen das Geburtshaus ihres Grossvaters gezeigt und versucht, die Gesichten zu erzählen, die uns mein Vater über seine Kindheit erzählt hatte.

Von Sorge führt ein Weg direkt zur ehemaligen Grenze. Man passiert ein Tor mit Hundelaufanlage und kommt zu einer Stelle, an der Wachturm, Minenstreifen und Grenzzaun noch gut erhalten sind. Ein wenig entfernt hat die Gemeinde einen Ring der Erinnerung errichtet. Das sind Bäume, kreisförmig aufgeschichtet, die im Laufe der Jahre vermodern und deren Reste eines Tages nicht mehr erkennbar sein werden.

Für meine Kinder war das nichts besonderes, dort lang zu laufen. Es war ein schöner Spätsommertag und den Geschichten von ihrem Grossvater, der Zonengrenze und dem Ort Sorge hörten sie unaufgeregt zu.

Kommentare 4

  • Michael Jo. 1. November 2007, 12:52

    bis zur "Wende" hörten wir im Westharz
    bei Ostwind das Pfeiffen und Zuckeln der Schmalspur-
    Bahn, auf der Karte dem Bahnverlauf folgend u.a. an
    den Orten Sorge u. Elend hängengeblieben; dann die
    Geschichten einiger Einheimischer über diese Orte..,
    die Geschichte (Mythos) der liebeskranken Besucher aus dem nahen Nachbarort durch alte Bergwerkstollen unter d. Grenze nach Westen, all die Sagen rund um dieses Mittelgebirge, nach der Wende dann die Geschichte eines zu DDR-Zeiten Bewohners Sorges, der den Ort nur über Kontrollpunkte u. Ausweiskontrolle
    verlassen / erreichen konnte .....
    dazu dieses Foto hier: erklärt alles in diesem harten
    Kontrast ("der geteilte Himmel", ein Titel v. Chr. Wolf...)
    Lb. Gruß, Michael
  • steffen s... 30. September 2007, 11:16

    solch ein turm stand bei uns auch:
    nordbayern-grenze nach thüringen/Hellingen..
    bin in bayern an der grenze aufgewachsen - da war halt die welt immer irgendwie zu ende..

    durch den hohen kontrast kommt das gut rüber..
    gefällt mir
  • Magnomsire 26. September 2007, 21:07

    Den "Gruselkram" Grenze hast Du aber mit diesem Pic top getroffen, ciao mfo-photo
  • Bunkerworld 19. September 2007, 13:30

    Mit dem Foto hat die Geschichte was - das regt einem wirklich zu mNachdenken, aber Deine Kinder werden es mal verstehen sofern sie sich für geschichte interessieren.
    Aber was Du mit Deinem Vater erlebt hast das können und werden sie eh nicht genau Nachvollziehen werden.

    esweiteren ein Interessantes Foro, man kann hoffen das solche Bauwewerke oder ähnliches nie entfernt werden, denn sowas muss immer aufrecht erhalten bleiben, denn schließlich schmeist ja auch keiner geschichtsbücher weg.

    :-))

    Gruß Björn