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Ulrich Kirschbaum


Basic Mitglied, Mittelhessen

Flechten-Geflecht

An diesem Bild kann man wieder einmal sehen, dass Flechten (hier Physcia tenella - Zarte Schwielenflechte) mit der Unterlage, auf der sie wachsen, nichts am Hut haben: Selbst das plastikummantelte Gartentor - auf dem es wahrlich nichts zu beißen gibt - wird von ihnen besiedelt, sobald die Oberfläche rau genug ist, um sich daran mit den Haftfasern (Rhizinen) festzuhalten. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man, dass zunächst die Kreuzungspunkte besiedelt werden - vermutlich deshalb, weil sich dort Staub und Feuchtigkeit am längsten halten und damit der Korrosion der Oberfläche Vorschub leisten.
Die nächste Besiedlungsphase erfasst dann die etwas nach hinten eingebogenen Teile des Drahtes. Vielleicht ist auch dort mehr Staub, vielleicht sind es aber auch winzige mikroklimatische Vorzüge, die diese Stellen für das Wachstum eines neuen Flechtenlagers prädestinieren. (Man kann sehen, dass sich dort bevorzugt frei lebenden Grünalgen angesiedelt haben, die das Substrat "vorbereitet" haben).
Wenn die Flechten so genau "messen", wo für sie die Bedingungen am günstigsten sind (und das tun sie ganz gewiss, wie man aus - meist misslingenden - Kultivierungsversuchen weiß), so muss man es beinahe als ein Wunder ansehen, wenn solch niedere Organismen zu derart großartigen sensorischen Leistungen fähig sind (völlig unerforscht).
Das Bild zeigt noch etwas anderes: Es muss ungeheure Mengen von Sporen/Soredien/Isidien (das sind mikroskopisch kleine Fortpflanzungseinheiten der Flechten) geben: Ich möchte nicht wissen, wie viele davon durch das Gitter hindurch geflogen und auf einem für sie ungeeigneten Substrat gelandet sind (z.B. im Rasen meines Gartens). Auch die vielen, die zwar gegen den Draht geflogen sind, aber sich nicht festhalten konnten, sieht man nicht, weil sie sich nicht zu neuen Flechtenlagern ausbilden konnten.
Mit anderen Worten: Wir sind umzingelt von Milliarden Flechten-Diasporen (Fortpflanzungseinheiten). Rechnet man nun noch die Diasporen anderer Organismen hinzu (z.B. Pilze, höhere Pflanzen), so muss man sagen, dass wir in wahrlich dicker Luft leben.

Kommentare 11

  • Christine Dorka 27. Oktober 2013, 14:52

    Ein schönes Bild!! Das kann nur ein geschultes Auge entdecken! :-)
    Es ist immer wieder spannend, an welchen Orten und Positionen Flechten zu entdecken sind :-)
    Danke für die Abhandlung und Beschreibung!
    LG Christine
  • Clara Hase 25. Oktober 2013, 11:58

    dein Textbeitrag hab auch ich mit Spannung gelesen
    ich räuchere mal gegen die dicke Luft gegenan...:-)

    und - passe jetzt besser auf, wie ich fotografiere - bei den flechten -
    die namen werde ich wohl nie behalten
    zu mikrokosmisch
  • Joachim Kretschmer 7. Oktober 2013, 21:25

    . . interessant und erstaunlich, wo sich die Flechten überall ansiedeln können, wenn die Bedingungen günstig sind . . . Viele Grüße, Joachim.
  • Werner Bartsch 7. Oktober 2013, 18:32

    alles passt :
    flechte, geflecht und deine excellenten ausführungen dazu.
    lg .werner
  • Jürgen Gräfe 7. Oktober 2013, 0:22

    Das ist was für Kenner und Liebhaber.
    Danke für die Erläuterungen!
    fG
    Jürgen
  • Ulrich Kirschbaum 6. Oktober 2013, 23:37

    @Maria, ich hoffe, dass das Tor nie ganz zuwachsen wird, weil ich mit meinen Gartennachbarn sehr gut auskomme ... insbesondere mit der hier in Frage stehenden Nachbarin -:))
    mfg Ulrich
  • Maria J. 6. Oktober 2013, 19:33

    Wie lange wird es wohl brauchen,
    bis das Tor zugewachsen ist?
    Ein interessantes Beispiel zeigst du hier mit einer Info, die sogar ich verstehe ... ,-)
    Sie sind klüger als man denkt ... und suchen nach besten Bedingungen für ihren Wohnort!
    Ich hoffe sehr, dass das niemals die Nase von Ulrich Schlaugk sein wird ... ,-)
    LG Maria
  • kgb51 6. Oktober 2013, 19:27

    Du zeigst sehr gut was wir alles übersehen und klärst uns über die unbekannte Flechtensensorik und dicke Luft auf. Respekt.
    LG Karl
  • Piroska Baetz 6. Oktober 2013, 19:02

    ein schöne fotomotiv
    l.g piri
  • Conny Wermke 6. Oktober 2013, 18:54

    Über so etwas habe ich mir noch nie Gedanken gemacht..ein spannender Beitrag wieder von Dir.

    LG Conny
  • Ulrich Schlaugk 6. Oktober 2013, 18:32

    Wieder eine spannende Abhandlung über das geheimnisvolle Leben der Flechten.
    Wegen der *dicken Luft* müssen wir wohl auch häufig die Nase putzen uns uns räuspern, um die Sporen loszuwerden ;-)
    MfG Ulrich
    Bindfaden-Flechte
    Bindfaden-Flechte
    Ulrich Schlaugk

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