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First we take Manhattan, then we take Berlin

First we take Manhattan, then we take Berlin

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smokeonthewater


World Mitglied, Berlin

First we take Manhattan, then we take Berlin

[ Leonard Cohen zum Achtzigsten – geboren am 21. September 1934 in Montréal ]

Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie aus Russland, gesegnet mit der textlichen und musikalischen Poesie seiner Herkunft.
Erst Schriftsteller, dann Singer-Songwriter.
Auf seine Songtexte wird zuerst Bob Dylan (mit ukrainisch-jüdischen Wurzeln) aufmerksam, der mindestens ebenso kryptische Texte schreibt.

Die kryptische Liedzeile "First we take Manhattan, then we take Berlin" (1987) hat viele, oft abwegige Interpretationsversuche ausgelöst.
Sie reichen von Kriegsphantasien über Terrorismusbeschwörung bis hin zur Rache der vertriebenen Juden:
Viele jüdische Emigranten hatten in den USA Wirtschaft und Wissenschaft beflügelt und erobern nun mit neuer Stärke ihre Heimat zurück.

Deutscher TV-Auftritt mit vollem Liedtext: https://www.youtube.com/watch?v=Ld12ZCA5HGw
Die einzig logische Interpretation (wenn man den ganzen Liedtext liest) erschließt sich in den Parallelen zu Bob Dylans Karriere.
Denn wie bei Dylans begrenzter musikalischer Performance sind auch bei Cohen die Cover-Versionen anderer Künstler kommerziell erfolgreicher.

Das Lied beschreibt das Los des Künstlers, der jahrelang verkannt, ignoriert und mit Spottgeschenken (Affe, Sperrholzgeige) verhöhnt wird.
Auf der Spielzeuggeige übt er jede Nacht hart, bis er's endlich drauf hat.
Und tatsächlich erfolgt plötzlich doch der Durchbruch – der Songtext geht in eine sarkastische Danksagung über.
Erst erobert seine Musik den amerikanischen Markt (Manhattan), dann sucht er auch in Europa (Berlin) den Erfolg.
In der Musikszene gilt Deutschland als Europa-Schlüsselmarkt. John Lennon: "Ich bin in Liverpool geboren, aber in Hamburg aufgewachsen."

Der Song ist dennoch eine Rückschau, denn 1987 hatte Leonard Cohen längst die Herzen der europäischen Fans im wahrsten Sinne "erobert".
Melancholische Texte und Melodien, in denen immer wieder Klezmer-Elemente auftauchen, und seine Womanizer-Stimme sind sein Erfolgsrezept.

Leonard Cohen bei einem Konzert in Berlin am 9. April 1988:
"Ja, in Berlin finde ich letztendlich den Frieden in meinem riesengroßen geopolitischen Puzzle.
Berlin, die Anbeter des Bären – wie glücklich bin ich, endlich bei euch zu sein."

[Fotos: Chrysler Building in Manhattan, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Ku'damm in Berlin]
Pseudo-hebräische Schrift: Iconian Fonts "Jerusalem" http://www.dafont.com/de/jerusalem.font © Text zum Bild: smokekonthewater

Kommentare 6

  • gelbhaarduisburg 28. September 2014, 10:25

    Sehr schöne Würdigung! Cohens Musik diente mir immer sehr mit ihrem unpathetischen Trost, den sie mir von Zeit zu Zeit gab.Mein Lieblingslied von ihm ist dieses:
    https://www.youtube.com/watch?v=bntot9LAY08
  • Fotobock 24. September 2014, 14:06

    Gute Bildidee- mit Leonhard Cohen gut interpretiert. Lg Barbara
  • Makarena 21. September 2014, 23:13

    Ein schönes Foto!!!
    LG Margit
  • heide09 21. September 2014, 20:51

    Ich finde Deine Interpretation sehr stark
    in Bild und Wort.
    Mag beide besonders der Stimme wegen.
    Cat Stevens zählte auch mal dazu aber nur bis 1989.

    Viele Grüße
    Ania
  • smokeonthewater 21. September 2014, 20:05

    @Axel: Ich habe nach einem ähnlich aufragenden Berliner Gebäude in meinem Archiv gesucht. Die Siegessäule hätte auch gut gepasst. Aber der "hohle Zahn" ist ebenso ein Wahrzeichen und mit dem neuen Glockenturm ein Pendant zum Wolkenkratzer. Die Ruine verkörpert wie die Siegessäule das Erobern, nur mit unterschiedlichen Konsequenzen.
  • DDA 21. September 2014, 20:01

    ich mag die Interpretation von Leonhard Cohen außerordentlich.

    Nur - ganz tief in mir drin repräsentiert die Kaiser Wilhelm- Gedächtniskirche nicht wirklich "mein" Berlin.

    Die Bildidee ist jedoch ganz großartig!

    VG
    Axel